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Häusliche Gewalt: Polizei rückte 400 Mal aus
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Als erstintervenierende Behörde rückte die Luzerner Polizei im Jahr 2019 rund 400mal wegen häuslicher Gewalt oder Familienstreitigkeiten aus. (Symbolbild: ida)

Geschäftsbericht 2019 der Luzerner Polizei Häusliche Gewalt: Polizei rückte 400 Mal aus

5 min Lesezeit 25.03.2020, 13:21 Uhr

Mehr Betrugsfälle – weniger Verkehrstote. So lautet die Bilanz des Geschäftsjahr 2019 der Luzerner Polizei. Im Kanton Luzern war die Anzahl der Straftaten im Jahr 2019 erneut rückläufig. Als erstintervenierende Behörde rückte die Luzerner Polizei letztes Jahr rund 400 Mal wegen häuslicher Gewalt oder Familienstreitigkeiten aus. 

Die Luzerner Polizei veröffentlicht ihren Geschäftsbericht zu ihren Tätigkeiten des Jahres 2019. die Luzerner Polizei ist mit einem Stellenetat von 783,6 Stellen für die Sicherheit und Ordnung im Kanton Luzern zuständig. Letztes Jahr hat die Luzerner Polizei 88‘637 Notrufe entgegengenommen und im Schnitt alle 20 Minuten einen Einsatz ausgelöst. Darüber hinaus seien im Bereich der Zusammenarbeit mit verschiedenen Korps «Meilensteine» gesetzt worden, schreibt die Luzerner Polizei in einer Mitteilung.

Ein wichtiges Projekt stellt dabei die geplante gemeinsame Einsatzleitzentrale für die Polizeikorps der Kantone Luzern, Obwalden und Nidwalden zusammen mit dem Rettungsdienst dar. Für Polizeikommandant Adi Achermann ist die kantonsübergreifende Zusammenarbeit ein wichtiger Faktor, um für die Zukunft gut gerüstet zu sein. «Im Bereich Technik geht es längt nicht mehr ohne eine Zusammenarbeit mit anderen Polizeikorps», wird er zitiert. So sei etwa auch gegen die Cyberkriminalität das kantonsübergreifende Netzwerk NEDIK aufgebaut worden.

Nicht nur grosse Firmen sind von Hackerangriffen betroffen

Die Cyberkriminalität war denn gerade auch für die Kriminalpolizei (Kripo) eine der grossen Herausforderungen des letzten Jahres. In einer internen Reorganisation hat die Kripo neue Strukturen geschaffen, um unter anderem auch der Cyberkriminalität effizienter zu begegnen. «Die Bereiche IT-Forensik, IT-Ermittlung und technische Ermittlungsunterstützung wurden zu einer Einheit zusammengeführt, um die Kräfte im Kampf gegen die Internetkriminalität konzentriert einsetzen zu können», wird Kripo-Chef Jürg Wobmann zitiert.

Die steigenden Fallzahlen bei den Betrügen seien zu einem grossen Teil auf das Phänomen Cybercrime zurückzuführen. Nicht nur grössere Unternehmen seien von Hackerangriffen betroffen, sondern auch viele Bürgerinnen und Bürger, die durch betrügerische Internetmaschen geprellt werden. Die Betrugsfälle stiegen 2019 gegenüber dem Vorjahr um 61 Prozent an, auf insgesamt 806 Fälle.

Erfreulich seien hingegen der Rückgang bei den Einbruchdiebstählen. Wurden im Vorjahr noch 1279 Einbrüche vermeldet, waren es im Jahr 2019 noch 1016. Das ist ein Rückgang von 21 Prozent. Auch bei den Fahrzeugdiebstählen war ein Rückgang von 12 Prozent zu verzeichnen.

Fachgruppe Sexualdelikte personell aufgestockt

Im Bereich des Menschenhandels wurden in den letzten Jahren jeweils keine Fallzahlen verzeichnet. Dies hatte unter anderem damit zu tun, dass gesetzliche Grundlagen für Kontrollen im Sexmilieu fehlten. Mit dem revidierten Gewerbepolizeigesetz, das auf den 1. Januar dieses Jahr in Kraft trat, hat die Kriminalpolizei «nun wieder den entsprechenden Handlungsspielraum, um den Themenbereich Menschenhandel zu bewirtschaften», heisst es in der Mitteilung weiter. Die Fachgruppe Sexualdelikte wurde auch personell aufgestockt.

Trotz der insgesamt positiven Zahlen sagt Jürg Wobmann: «Die erfreuliche Feststellung, dass die Kriminalitätsquote im Berichtsjahr leicht rückläufig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Täterschaft zunehmend professioneller vorgeht und die Ermittlungsverfahren dadurch noch komplexer geworden sind.»

Dunkelziffer im Bereich häuslicher Gewalt dürfte noch höher sein

Die Uniformpolizei ist im Kanton Luzern rund um die Uhr im Einsatz und leistete über 83‘000 Stunden an so genannter «präventiver Präsenz». Die Sichtbarkeit der Polizistinnen und Polizisten führe auch dazu, dass weniger Straftaten oder Übertretungen begangen worden seien. Nach Eingang eines Notrufs waren die Patrouillen im Schnitt innert 10,5 Minuten am Einsatzort. Damit wurde der Wert vom Vorjahr unterboten.

Als erstintervenierende Behörde rückte die Luzerner Polizei im Jahr 2019 rund 400 Mal wegen häuslicher Gewalt oder Familienstreitigkeiten aus. Hinter dieser stattlichen Zahl von familiären und partnerschaftlichen Krisen stecken viele Einzelschicksale. «Ein Einsatz im Kontext mit häuslicher Gewalt erfordert viel Fingerspitzengefühl und stellt für die Polizei eine grosse Herausforderung dar – besonders dann, wenn zusätzlich Kinder involviert sind», wird Pius Ludin, Chef der Sicherheits- und Verkehrspolizei, zitiert. Die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Übergriffe im häuslichen Bereich dürfte allerdings noch höher sein.

Weniger Verkehrstote als 2018

Die Verkehrspolizei musste im Jahr 2019 zu 2138 Unfällen auf den Luzerner Strassen ausrücken. Das sind 11 mehr als im Vorjahr. Erfreulicherweise mussten weniger Verunfallte, vor allem weniger Schwerverletzte verzeichnet werden. Schwerverletzte gab es letztes Jahr 145, im Vorjahr waren es 173. Zehn Personen starben 2019 bei Verkehrsunfällen, im Vorjahr waren es 13. Die häufigste registrierte Hauptursache für Unfälle war 2019 auf das Fehlverhalten der Person beim Fahren (Vortritt, Unaufmerksamkeit, Ablenkung und Geschwindigkeit) zurückzuführen. An zweiter Stelle liegt der Zustand der Person (Alkohol, Betäubungsmittel, Übermüdung, Schwächezustand).

Mit verstärkter Prävention gegen Straftaten

Die Luzerner Polizei lege einen grossen Fokus auf die Prävention. Der Präventionsdienst hat im vergangenen Jahr über 27‘000 Schülerinnen und Schüler im Bereich Verkehr geschult und im Bereich der Kriminalprävention Beratungen durchgeführt. Polizeikommandant Adi Achermann ist überzeugt, dass mit verstärkter Prävention die Anzahl an Straftaten und Übertretungen weiter gesenkt werden könne. Das Beratungsangebot werde deshalb laufend angepasst und erweitert, gerade auch im Bereich der Sicherheit im Internet.

Regierungspräsident betont das subjektive Sicherheitsgefühl

Auch Regierungspräsident Paul Winiker, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements, betont die Wichtigkeit der Prävention. «In meinen einleitenden Worten zum Jahresbericht 2019 der Luzerner Polizei halte ich fest, dass Präventionsarbeit generell einer der wichtigsten Bausteine ist, wenn es um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bevölkerung geht», wird Winiker zitiert.

Unter dem Eindruck des Coronavirus’ sei diese Botschaft noch einmal wichtiger geworden: «Neben vielen tausend Helferinnen und Helfern braucht es auch die Präsenz der Uniformpolizei, die zur Einhaltung der Verhaltensregeln mahnt, aber auch eingreift, wo dies notwendig wird.»

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