Hässlicher Erbstreit um Luxus-Grundstücke tobt am Ägerisee
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(Bild: flickr / Philippe Nouhailler)

Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt – aber wie? Hässlicher Erbstreit um Luxus-Grundstücke tobt am Ägerisee

3 min Lesezeit 1 Kommentar 17.03.2019, 19:38 Uhr

Ein längerer Rechtsstreit um teure Villen und ihren Verkauf sorgt für Schlagzeilen aus Oberägeri. Ein Bruder verkauft das Erbe gegen den Willen der Schwester, obwohl diese die Mehrheit daran hält. Eine seltsame Geschichte, in der nun die Zuger Staatsanwaltschaft ermittelt.

4’800 Quadratmeter allerbestes Land im Kanton Zug, Seelage, drei Grundstücke, eines mit einem Elternhaus, zwei davon mit Villen bebaut. Mutmasslicher Wert: wohl um die 25 Millionen Franken. Darum zanken sich in Oberägeri ein Geschwisterpaar, plus Verwandte, plus Geschäftspartner, plus Anwälte.

Wie die «NZZ am Sonntag» in ihrer neusten Ausgabe berichtet, wollten die Eltern der beiden Geschwister die Villen im Familienbesitz behalten. Nach ihrem Ableben kommt alles anders. Der Besitz wird über eine Firmenkonstruktion verwaltet – eine Holding und zwei von ihr kontrollierte Aktiengesellschaften. Daran besitzen die Geschwister je 45 Prozent und die Enkelin der Eltern, die noch minderjährige Tochter der Tochter weitere 10 Prozent.

Niederlage vor Zuger Obergericht

Dennoch und gegen den Willen der Schwester schafft es der Bruder, die drei Grundstücke zu verkaufen – und zwar für 16 Millionen Franken. Viel zu günstig, wie die Schwester meint, welche nach Gutachten auf einen Wert der Liegenschaften von 24,5 bis 27 Millionen Franken kommt.

Den Grundbucheintrag versucht die Schwester zu verhindern, aber scheitert damit vor Kantonsgericht und Obergericht. Denn die Eltern hätten nicht die Grundstücke vererbt, sondern nur ein Aktienpaket an der Holding, argumentieren die Richter. Und der Willensvollstrecker, der die Aktien der 13-jährigen Tochter der Schwester verwaltet, schlägt sich auf die Seite des Bruders und ermöglicht so den Verkauf der Liegenschaften durch den Bruder.

«Missachtung in kaum zu überbietendem Masse»

Die Zuger Richter halten die Angelegenheit nicht für eine erbrechtliche Angelegenheit. Zu einem anderen Schluss kommt Hans Rainer Künzle, Professor an der Universität Zürich und eine Koryphäe auf dem Gebiet. In einem Gutachten schreibt er, der Wille der Erblasserin durch den Verkauf der beiden Villen-Liegenschaften sei «grob missachtet» worden. Dass sich der Willensvollstrecker mit den Aktienstimmen der Enkelin auf die Seite des Bruders geschlagen habe, stelle sogar «eine Missachtung in kaum zu überbietendem Masse» dar.

Wie auch immer: Gegen den Bruder und einen Geschäftspartner hat die Schwester gemäss «NZZ am Sonntag» Strafanzeige eingereicht und Verkaufsofferten aus den Jahren 2015 beigelegt, die von Kaufinteressenten zeugen, die 18 bis 20 Millionen Franken bezahlen wollten. Es geht also vorab um den finanziellen Schaden, der durch den angeblich viel zu billigen Verkauf entstanden ist.

Die Sache stinkt

Seltsam an der ganzen Geschichte ist, dass offenbar der Kaufvertrag auf einer Geheimhaltungsvereinbarung beruht. Dass ausserdem der Käufer Spross einer bekannten Zuger Unternehmerfamilie ist und die Staatsanwältin nach Darstellung der «NZZ am Sonntag» und der Schwester überaus schleppend ermittelt, auf Hausdurchsuchungen verzichtet oder Zeugen nicht befragt. Wie etwa einen örtlichen Architekten, der vom Bruder angefragt worden sei, die Grundstücke zu kaufen und später an ihn zurück zu verkaufen.

Folgende Fragen könnte man sich also stellen: Ob in Oberägeri irgendjemand auf obskure und unzulässige Weise Geld verdient. Ob die Staatsanwältin Angst vor der mächtigen Unternehmerfamilie hat. Und ob man bei der Zuger Staatsanwalt wirklich die nötigen Ermittlungen tätigt.

Ein Sprecher wird in der NZZaS wie folgt zitiert: «Die Strafuntersuchung wird seit dem Eingang der Strafanzeige beförderlich und nach den Regeln der Strafprozessordnung durchgeführt. Unter anderem wurden auch mehrere Einvernahmen durchgeführt.» Weil es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne man keine weiteren Informationen geben.

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1 Kommentare
  1. A. R., 18.03.2019, 16:58 Uhr

    Langsam wird offensichtlich was viele vermuten, die heile Welt verfilzt bis unter das Dach:)

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