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«Häsch mer en Stutz?» – Nein, Löwendenkmal bleibt gratis
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Das Löwendenkmal gehört mit der Kapellbrücke und dem Wasserturm zu den bekanntesten Touristenattraktionen der Stadt. (Bild: asc)

Luzern: Stadtparlament verzichtet auf Einnahmen «Häsch mer en Stutz?» – Nein, Löwendenkmal bleibt gratis

4 min Lesezeit 30.09.2016, 05:05 Uhr

Touristen können ihr Portemonnaie beim Löwendenkmal weiterhin stecken lassen. Das Stadtparlament will von einer Eintrittsgebühr nichts wissen und versenkte die Idee der CVP, ohne mit der Wimper zu zucken. Da half nicht einmal der Support des Stadtrates. Trotzdem soll die Situation rund um den Löwenplatz verbessert werden.

Sollen Touristen für das Löwendenkmal Eintritt bezahlen? Diese Idee brachte im Frühling Roger Sonderegger ins Spiel. Der CVP-Stadtparlamentarier verlangte in einem Postulat, dass eine Aufwertung des touristischen Hotspots geprüft wird und dass allenfalls eine Eintrittsgebühr ins Auge gefasst wird. Gegenüber zentralplus sprach Sonderegger damals von 1 Franken Eintritt. Ein Vorschlag, der einiges zu reden gab – auch am Donnerstag im Stadtparlament – und nun bereits wieder vom Tisch ist.

Doch von vorne: Das Löwendenkmal und mit ihm das ganze Quartier mit Gletschergarten, dem Bourbaki-Panorama und Alpineum gehört zu den wichtigsten Attraktionen der Stadt. Und mit dem 20-Millionen-Franken-Projekt Fels beim Gletschergarten werden vermutlich noch mehr Touristen ins Quartier pilgern. Doch die Infrastruktur beim Löwendenkmal genügt dem Grossaufmarsch kaum mehr.

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Roger Sonderegger wollte dem Abhilfe schaffen. Er regte in seinem Postulat an, ein neues Gebäude hinzustellen, das mehrere Funktionen erfüllen würde. Dort sollen Gäste einerseits Informationen erhalten und Tickets für die Museen rund um den Löwenplatz kaufen. Denn Sonderegger stellte fest, dass viele Touristen bei der Gletschergarten-Kasse nach Auskünften verlangten. Kurz: Die Signalisation sei unbefriedigend, das Löwendenkmal kaum inszeniert. Andererseits böte ein neues Gebäude die Möglichkeit, eine Toilette und allenfalls ein Bistro mit Souvenirshop unterzubringen.

Alles nur ein Missverständnis?

Doch von diesen Plänen war am Donnerstag im Stadtparlament kaum die Rede. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob Touristen beim Löwendenkmal ihr Portemonnaie zücken sollen. Bei jährlich über einer Million Besuchern flösse selbst bei einem tiefen Preis eine nette Summe in die Stadtkasse. Doch es zeichnete sich bereits im Vorfeld ab, dass die meisten Parteien dem wenig abgewinnen konnten.

«Es kann nicht sein, dass ein öffentlicher Park kostenpflichtig wird.»

Urs Zimmermann, SVP-Grossstadtrat

Die Voten im Stadtparlament fielen daher auch sehr einseitig aus: «Wir würden uns gegen eine Eintrittsgebühr wehren», sagte René Peter für die FDP-Fraktion. «Es kann nicht sein, dass ein öffentlicher Park kostenpflichtig wird», monierte Urs Zimmermann (SVP). Und auch Mario Stübi (SP) wehrte sich «gegen eine weitere Kommerzialisierung des öffentlichen Raumes».

Doch Roger Sonderegger fühlte sich missverstanden. «Das Hauptanliegen war nicht, Eintritt zu verlangen oder ein Häuschen zu bauen, sondern die Gesamtsituation beim Löwenplatz zu prüfen», hielt er fest. Er sei auch zufrieden, wenn man letztlich zum Schluss komme, dass das Löwendenkmal gratis bleiben soll.

Warten auf das Car-Konzept

Doch mit seiner Erklärung stiess er auf taube Ohren. Unterstützung erhielt er lediglich von Stefan Sägesser (GLP) und von Baudirektorin Manuela Jost (GLP). Der Stadtrat stellte sich nämlich hinter das Postulat und wollte das Anliegen von Sonderegger prüfen. Denn auch er ist der Meinung, dass die Infrastruktur beim Löwendenkmal ungenügend ist.

«Mein Hauptanliegen war nicht, Eintritt zu verlangen oder ein Häuschen zu bauen.»

Roger Sonderegger, CVP-Grossstadtrat

Die Baudirektion hat denn auch bereits einen externen Auftrag an ein Luzerner Architekturbüro erteilt. Die Resultate zeigen gemäss dem Stadtrat Möglichkeiten auf, wie das WC-Angebot verbessert werden könne. Gleichzeitig sei aus der Studie auch klar geworden, dass ein Schnellschuss nicht angebracht ist. Es braucht laut dem Stadtrat ein Gesamtkonzept, das unter anderem die Planung der Informationsstellen, der Signalisation und der Carparkplätze miteinbezieht.

Wo die Reisebusse in Luzern künftig halten und parkieren können, wird zurzeit neu aufgegleist. Auch, weil es aufgrund der Inseli-Initiative der Juso eine Alternative für die dortigen Parkplätze brauchen könnte. Erst wenn das Car-Konzept vorliegt – und damit wird spätestens nächsten Frühling gerechnet –, wird der Stadtrat das Löwendenkmal-Konzept in Angriff nehmen. Und dass es ein solches brauche, sagte Baudirektorin Jost, sei offensichtlich unbestritten.

Auf verlorenem Posten

Eine mögliche Eintrittsgebühr schloss der Stadtrat bislang nicht grundsätzlich aus. Er merkte einzig an, dass der Park rund um das Löwendenkmal öffentlicher Grund sei – und entsprechend die Frage zu prüfen sei, ob ein Ticket rechtlich machbar sei.

Trotz des Supports des Stadtrates trat ein, was sich bereits während der Diskussion abzeichnete. Sonderegger stand auf verlorenem Posten: Mit einer Ausnahme lehnten alle Stadtparlamentarier der anderen Fraktionen sein Postulat letztlich ab.

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