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Häberli, Schürpf und der Luzerner Spassfussball
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Pascal «Schürpfinator» Schürpf hat den FCL auch gegen St. Gallen in Führung gebracht und erwartet Flankengeber Christian Schwegler zum gemeinsamen Jubel. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

Und noch eine Standing Ovation für den FC Luzern Häberli, Schürpf und der Luzerner Spassfussball

4 min Lesezeit 10.03.2019, 20:22 Uhr

Erst ein 4:0 im Cup-Viertelfinal über YB, vier Tage später ein 3:0 über den FC St. Gallen: Es wird langsam aber sicher unheimlich, mit welcher Leichtigkeit der FC Luzern unter Zauberlehrling Thomas Häberli seine Gegner in die Einzelteile zerlegt. Es ist Spassfussball pur.

Die Frage ist eine simple, aber für die sportliche Zukunft eine zentrale. Gut eine halbe Stunde nach seinem seinem zweiten erfolgreichen Auftritt in der Swissporarena in der zu Ende gehenden Woche wurde Thomas Häberli danach gefragt, wann er denn nun den Termin für eine Verlängerung der Zusammenarbeit im Büro des FCL-Sportchefs habe. Der Zauberlehrling mit Vertrag bis zum Saisonende fängt zu strahlen an und entgegnet: «Ach, gemütlich.»

Der 44-jährige Ballwiler hat Match für Match, Sieg für Sieg das Scheinwerferlicht des nationalen Fussball-Interesses auf sich gezogen. Mit drei Siegen, einem Unentschieden und 11:2-Toren ist er in seinen ersten Job als Cheftrainer überhaupt gestartet. Mit drei Tagen Vorbereitungszeit, wohlgemerkt. Remo Meyer, der FCL-Sportchef, ist durch Häberlis Traumstart all seine Sorgen los geworden. Davon, dass er mit der Entlassung von René Weiler vor 16 Tagen seine eigene berufliche Zukunft aufs Spiel gesetzt hat, redet keiner mehr.

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Meyers Chance auf ein unvergleichliches Spektakel

Stattdessen erhoben sich die begeisterten FCL-Anhänger unter den fast 9’000 Zuschauern von ihren Sitzen und würdigten Häberli und seine Mannen für eine abermals starke Vorstellung gegen den FC St. Gallen mit einer Standing Ovation. Jetzt liegen die Luzerner auf Platz 4, der zur Europa League-Qualifikation berechtigt.

Meyer bietet sich nun die einmalige Chance, für ein noch nie da gewesenes Spektakel zu sorgen. Er könnte einen neuen Vertrag für seinen Jasskumpel auf das nächste Heimspiel in knapp drei Wochen gegen den FC Basel vorbereiten, Tisch und Stuhl während der Pause in der Platzmitte aufstellen und Häberli die Verlängerung der Zusammenarbeit unterschreiben lassen.

Zur besseren Erkennung des Vertragsinhaltes könnte man das Ganze vergrössert über die Videoscreens laufen lassen. Das wäre eine Gaudi, die der FCL zur Steigerung der Zuschauerzahl im Vorfeld der Partie erst noch geschickt vermarkten könnte.

«Der Trainer hat die richtigen Worte gefunden,
gerade an die Adresse der jungen Spieler.»

Marvin Schulz, Mittelfeldspieler des FC Luzern

Sicher ist: Meyer wird es sich kaum leisten können, nach Gerardo Seoane den zweiten Zauberlehrling auf dem FCL-Trainerstuhl am Saisonende zu verlieren. Je grösser die Euphorie um Häberli wird, umso attraktiver wird der Trainer-Neuling für die Konkurrenz. Und sein künftiger Monatslohn wird auch mit jedem Erfolg ein paar Hunderternoten höher.

Schürpfs 1:0 verleiht dem FCL neue Energie

Selbst für Häberli ist das, was seit seinem Jobantritt gelaufen ist, nicht immer einfach zu begreifen. Es sei unglaublich, was passiert sei. «Jetzt wollen wir die Welle geniessen», sagt er. Ohne ausser Acht zu lassen, dass es so nicht immer weitergehen kann. «Es werden andere Zeiten kommen», weiss Häberli und ergänzt: «Aber daran möchte ich jetzt nicht denken.»

Mit Pascal Schürpf hat der Mastermind einen Offensivmann auf dem Platz, der seine Vorstellung vom Weg zum Sieg in die Tat umzusetzen weiss. Gegen YB markierte der «Schürpfinator» zwei Treffer und einen Assist, gegen St. Gallen machte er das 1:0 kurz vor der Pause und bereitete das vorentscheidende 2:0 mustergültig vor. «Das Tor vor der Halbzeit gab uns einen Energieschub, ich rechnete schon damit, es ginge torlos in die Pause», erzählt Häberli. Zum dritten Mal innerhalb von neun Tagen hat er sein Team im gleichen 4-2-3-1-System und in gleicher Aufstellung antreten lassen.

Erst zwei Tore auf Standards kassiert

Doch genauso beeindruckend wie die Torproduktion ist die defensive Sattelfestigkeit. Erst zwei Tore hat der FCL unter der Führung seines Zauberlehrlings zugelassen, beide auf Standards gegen die Zürcher Klubs FCZ und GC im Letzigrund. Aber noch keines aus dem Spiel heraus. Eine zentrale Figur dabei ist Marvin Schulz. Der 24-jährige Deutsche geht im Mittelfeld weite Wege, gewinnt mit seiner physischen Präsenz die meisten Zweikämpfe und hat einen gefährlichen Schuss aus der Distanz. Damit hat er zum Beispiel das 1:0 gegen GC gemacht.

Was ist anders, dass der FCL nach Weilers Zeit angefangen hat, Spassfussball zu spielen? Schulz sagt: «Der Trainer hat grossen Einfluss darauf. Er hat die richtigen Worte gefunden, gerade an die Adresse der jungen Spieler.»

Häberli gibt die Blumen weiter: «Unheimlich wichtig ist die Beziehung der Spieler auf und neben dem Platz.» Vielleicht kann man es so ausdrücken: Elf Freunde und ihr Zauberlehrling.

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