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Häberli: «Ich leiste lieber etwas, bevor ich einen längeren Vertrag unterschreibe»
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Thomas Haeberli: «Die Vertragsverhandlungen waren mühsam». (Bild: Martin Meienberger/ freshfocus)

Ist der neue FCL-Trainer bloss auf Probe? Häberli: «Ich leiste lieber etwas, bevor ich einen längeren Vertrag unterschreibe»

5 min Lesezeit 22.02.2019, 15:36 Uhr

Es ist sein erster Auftritt als Cheftrainer eines Profi-Klubs. Thomas Häberli (44), der Neue beim FCL, meistert ihn locker und unaufgeregt. Er benutzt oft den Begriff «Freude», wenn er von seiner neuen Aufgabe und der Zusammenarbeit mit den Luzerner Spielern redet.

«Hallo zäme», ruft Thomas Häberli mit einem breiten Grinsen in die Runde, als er die Rednerbühne im Medienraum der Swissporarena betritt. Es ist wieder mal grosser Bahnhof in Luzern. Der Ballwiler übernimmt den Trainer-Job von René Weiler. Drei Stunden zuvor hat er sein erstes Training mit den FCL-Spielern geleitet (zentralplus berichtete).

zentralplus: Thomas Häberli, haben Sie Anfang Jahr den Assistenten-Job beim FC Basel aufgegeben, weil Sie wussten, dass Sie bald ihre erste Chance als Cheftrainer des FC Luzern bekommen werden?

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Thomas Häberli: Nein, wirklich nicht. Ich hatte Ferien geplant, und weil das nun nicht klappen wird, kostet mich das auch noch etwas (schmunzelt). Ich sass am Dienstag im Flugzeug von Tallinn in die Schweiz, als ich von der Freistellung René Weilers beim FCL erfuhr. Beim FC Basel hörte ich auf, weil Marcel Koller sozusagen als Nachfolger von Raphael Wicky seine eigenen beiden Assistenten mitnahm. Und ich war nur noch die Nummer 3. Das machte für mich keinen Sinn mehr, weil ich keinen Aufgabenbereich hatte.

zentralplus: Ist FCL-Sportchef Remo Meyer eigentlich besser im Jassen oder im Verhandeln von Verträgen?

Häberli: Ich habe davon gehört, dass das mit dem Jassen in einem Medium stand. Wir waren zufällig am gleichen Anlass. Dort traf ich Remo. Aber über den FCL haben wir nicht geredet. Ich weiss nicht, was Remo besser kann. Aber die Vertragsverhandlungen mit ihm waren mühsam (schmunzelt).

zentralplus: Was ist das für ein Gefühl, nun Trainer des FCL zu sein?

Häberli: Ich habe lange auf den Moment gewartet, einen Klub als hauptverantwortlicher Trainer zu übernehmen. Ich freue mich unheimlich darüber, hier zu sitzen und von Remo die Möglichkeit dazu bekommen zu haben. Es ist eine schwierige Aufgabe mit dem FCL, und ich habe Respekt davor. Aber wir werden das meistern. Ich freue mich darauf, mich beweisen zu dürfen. Und vor allem auch auf das erste Spiel am Sonntag.

«Hätte ich aber Angst gehabt, hätte ich den Job ja nicht übernehmen müssen.»

zentralplus: Sie haben einen Vertrag beim FC Basel aufgegeben, um in Luzern auf dem schnell wackligen Trainerstuhl zu sitzen. Das ist ein grosses Risiko.

Häberli: Jeder, der auf einem Trainerstuhl sitzt, geht ein Risiko ein. Hätte ich aber Angst gehabt, hätte ich den Job ja nicht übernehmen müssen. Es muss für beide Parteien passen, und diese Überzeugung habe ich bei dieser Aufgabe beim FC Luzern.

zentralplus: Sie haben einen Vertrag für gut vier Monate beim FCL unterschrieben. Das tönt mehr nach Probezeit als nach Vertrauensbeweis.

Häberli: Die Vertragsdauer spielt für mich keine Rolle. Ich will zuerst lieber etwas leisten. Wenn es gut rauskommt, und davon bin ich überzeugt, können wir die Zusammenarbeit in den nächsten Monaten immer noch verlängern.

zentralplus: Ihr Vertrag beinhaltet also keine Option, dass er sich um eine bestimmte Zeit verlängert, wenn der FCL den Ligaerhalt schafft.

Häberli: Nein, so eine Option macht für mich keinen Sinn. Es wird weitergehen mit dem FCL, davon bin ich überzeugt.

zentralplus: Wie gut kennen Sie ihre neue Mannschaft?

Häberli: Ich habe alle Spiele des FCL in diesem Jahr gesehen. Gegen Lugano war ich im Stadion. Ich kenne die Qualitäten der Spieler auf dem Fussballplatz, aber ich weiss noch nicht, wie sie ticken. Den Staff kenne ich noch gar nicht. Aber ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihnen. Mit der Zeit werde ich alle richtig gut kennen.

«Wir werden nach vorne spielen, weil es im Fussball darum geht, ein Spiel für sich zu entscheiden.»

zentralplus: Was für einen Fussball wollen Sie von ihren Spielern sehen?

Häberli: Dass sie das umsetzen, was ich vorgebe. Aber auf dem Platz die Flexibilität besitzen, je nach Spielsituation selbstständig richtig zu entscheiden. Ich will viel Laufarbeit und Kampf sehen. Wir werden nach vorne spielen, weil es im Fussball darum geht, ein Spiel für sich zu entscheiden. Und der FCL verfügt über gute Offensivkräfte. Aber mir ist auch bewusst, dass man nur gewinnt, wenn man gut verteidigt und gegen den Ball arbeitet. Darum wird für uns ein schnelles Umschaltspiel wichtig sein.

zentralplus: Sie waren schon als Spieler ein Spätzünder, und im Alter von 44 Jahren trifft das auch auf ihre Trainerkarriere zu. Beschreiben Sie doch bitte ihren Weg bis zu ihrem ersten Job als Cheftrainer beim FCL.

Häberli: Entscheidend war die Frage, wann ich mich für eine solche Verantwortung bereit fühle. Es ist ein Irrglaube zu denken, dass man das schon ein Jahr nach dem Ende der eigenen Fussballer-Karriere tun könnte. Dafür braucht es eine gewisse Reife. Meine Lernjahre empfand ich als wunderschön. Und irgendwann war es Zeit, selber einen Cheftrainer-Posten zu übernehmen. Als Amateurtrainer, Juniorentrainer und Assistent bei Profiklubs bekam ich verschiedene Perspektiven mit. Beim FC Basel war ich nahe dabei, als es darum ging, einen Plan zu entwerfen, wie wir gewinnen und welche Taktik wir anwenden wollen.

zentralplus: Und wie gehen Sie auf die FCL-Spieler zu?

Häberli: Ich probiere, die Menschen um mich herum besser zu machen, soweit mir das überhaupt möglich ist. Aber ich möchte ihnen helfen mit den entsprechenden Inputs. Jetzt kann ich zeigen, zu was ich fähig bin.

zentralplus: Sie müssen die FCL-Spieler dazu bringen, wieder am gleichen Strang und in die gleiche Richtung zu ziehen. Wie wollen Sie das hinkriegen?

Häberli: Zuerst gilt es den Grund herauszufinden, wo es klemmt. Aber dabei darf man sich nicht lange aufhalten. Es geht um Teamdynamik, darum, den Match richtig vorzubereiten. Dort, wo es fehlt, muss ich den Hebel ansetzen. Aber mir bleibt nicht viel Zeit bis Sonntag. An ein paar Stellen muss ich vielleicht etwas schrauben, aber es wäre sicher nicht richtig, zu viel verändern zu wollen.

«Gewisse Dinge und Abläufe werden wir fortsetzen, andere verändern.»

zentralplus: Was können Sie in den Tagen vom Freitag bis zum Spiel am Sonntag beeinflussen?

Häberli: Ich muss in Erfahrung bringen, was gut gemacht wurde und wo es eine Hilfestellung braucht. Viele wichtige Informationen wird mir der Staff geben können, aber ich ziehe sie auch aus Gesprächen mit Spielern.

zentralplus: Und was wissen Sie bereits?

Häberli: Das erzähle ich hier und heute nicht. Gewisse Dinge und Abläufe werden wir fortsetzen, andere verändern. Es ist ein Abwägen, ob man erst mal ein Auge zudrückt oder sofort Einfluss nimmt.

zentralplus: Eine grosse Baustelle haben Sie auf der Goalieposition. Stellen Sie David Zibung oder Mirko Salvi ins Tor?

Häberli: Lassen Sie mir doch die Stunden bis zum Spiel in Zürich Zeit, bis ich in dieser Frage eine Entscheidung fällen werde.

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