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Häberli beendet bei Trainer-Premiere gleich drei Negativserien
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FCL-Innenverteidiger Lucas Alves holte mit seinem Kopfballtreffer den ersten Punkt für sein Team in diesem Jahr. (Bild: Martin Meienberger)

Was der Neue im ersten FCL-Spiel anders machte Häberli beendet bei Trainer-Premiere gleich drei Negativserien

4 min Lesezeit 24.02.2019, 20:22 Uhr

Der FC Luzern holt im ersten Spiel nach der Entlassung von René Weiler den ersten Punkt im 2019. Beim 1:1 gegen den FC Zürich beendet er das vierte Spiel der Rückrunde erstmals in Vollbestand und punktet gegen diesen Gegner zum ersten Mal im dritten Duell. Also alles gut beim FCL unter Thomas Häberli?

Nach gut 70 Spielminuten schmückte er sein Haupt mit einer Kappe, und man braucht nicht mal ein Schelm zu sein, um zu behaupten, dass Thomas Häberli der Auftritt seiner Mannschaft nicht erwärmen konnte. 0:1 lagen die Luzerner zu diesem Zeitpunkt in einem Spiel hinten, das qualitativ fast schon erbärmlich war.

Doch als seine erste Vorstellung als Cheftrainer eines Profi-Teams vorüber war, sah Häberlis Welt schon erfreulicher aus. Er stand auf dem Platz und beglückwünschte jeden seiner Spieler mit einem Handschlag. In der 80. Minute glich der FCL mit dem sechsten Corner durch einen schönen Kopfballtreffer von Lucas Alves zum 1:1 aus. «Mental ist der Punktgewinn nach drei Niederlagen viel wert. Wir kämpften solidarisch und fanden nach dem frühen Verlusttreffer ins Spiel zurück», sagte der neue FCL-Trainer hinterher.

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Nur ein Wechsel von Häberli

Aber was war denn jetzt anders beim FCL als noch unter René Weiler? Häberli wechselte im Vergleich zum 0:3 gegen Lugano den Goalie, der drei haltbare Tore zugelassen hatte. Dave Zibung kehrte ins Tor zurück. Das war seine einzige freiwillige Personalmassnahme. Zur zweiten war er nämlich gezwungen. Weil mit Blessing Eleke zum dritten Mal im dritten Spiel dieses Jahres ein Luzerner mit der Ampelkarte des Feldes verwiesen und gesperrt wurde, brachte Häberli Vargas. Alle andern neun spielten auf ihren Positionen, die sie schon unter Weiler inne hatten.

Darum blieb folglich auch das System das alte. Häberli liess im oft auch von Weiler vorgegebenen 4-2-3-1 laufen, wenn auch in defensiverer Ausrichtung. FCL-Aussenverteidiger Christian Schwegler bestätigte: «Wir waren taktisch geordneter, klarer auch. René Weiler verlangte öfter, die Tiefe zu suchen. Nun spielten wir defensiver.» Bei einem Auswärtsspiel in Zürich und zwei fehlenden Stürmern (neben Eleke noch Tomi Juric) schien das angezeigt.

Und sonst kämpfte der FCL gegen die eigenen Unzulänglichkeiten, die ihn schon durch den bisherigen Saisonverlauf begleiteten. Zum vierten Mal im vierten Spiel geriet er heuer in Rückstand. Einen Freistoss aus halbrechter Position und 18 Metern verwertete Salim Khelifi über die Luzerner Mauer und die Lattenunterkante zum frühen 1:0 für die Zürcher (8.). «Wir haben zuviele stehende Bälle um den Sechzehner zugelassen», befand Häberli.

Trainer nervt sich wegen «fehlender Frische»

Vor allem war sein Team einmal mehr qualitativ nicht über alle Zweifel erhaben. Innenverteidiger Lazar Cirkovic war wegen seines Schneckentempos und seinem fehlerhaften Stellungsspiel ein steter Gefahrenherd fürs eigene Tor. Im Spiel nach vorne dominierte die Ungenauigkeit im Passspiel. Häberli verband dieses Defizit mit «fehlender Frische» und kritisierte: «Mich nervt es sehr, dass wir so stumpf waren.» Woran das lag, dafür hatte er keine Erklärung. Er sei ja erst seit Freitag dabei. «Darauf werden wir nächste Woche in unserer Vorbereitung aufs GC-Spiel sicher achten.»

Wahrscheinlich war es kein Zufall, dass auch die Luzerner auf einen Standard zu ihrem Ausgleich kamen. Weil sie zuwenige Spieler in ihren Reihen haben, die sich in einem Eins-gegen-Eins durchsetzen können. Kein Wunder, erkannte FCZ-Trainer Ludovic Magnin, dass «wir den FCL bis zum 1:1 gut im Griff hatten». Der einzige Luzerner, der sich dank seiner Schnelligkeit durchsetzen kann, ist Vargas. Dem Flügelflitzer wäre fünf Minuten nach dem Ausgleich beinahe noch das Siegtor geglückt, doch sein Ball strich am entfernteren Pfosten vorbei. Drei Punkte wären eine zu hohe Belohnung in einem Spiel gewesen, das keinen Sieger verdiente.

Häberli: «Lange Bälle waren nicht unser Plan»

Wie viel Häberli war denn nun schon drin in diesem FCL? Nach drei Tagen Arbeit mit der Mannschaft konnte selbstredend nicht viel vorhanden sein. Schwegler sagte dazu: «Er führte mehr Einzelgespräche mit den Spielern, gab uns mehr taktische Infos auf den Weg. Er geht es einfach anders an als René Weiler, und das muss nichts Schlechtes über seinen Vorgänger heissen.» Er kenne, ergänzte der 34-jährige Routinier, Häberli noch immer besser als Spieler denn als Trainer. Sie waren einst Teamkollegen bei YB.

Die gleiche Frage beantwortete Häberli so: «Es war nicht unser Plan, fast nur mit langen Bällen zu operieren. Aber das zu korrigieren, hatte für mich nicht oberste Priorität. Bis man meine Handschrift erkennen kann, braucht es noch Zeit.»

Vielleicht nicht mal einen Schritt vorwärts

Ansätze zu personellen Korrekturen hat der Match im Letzigrund aber geliefert. Häberli könnte am Samstag gegen GC (19 Uhr, Letzigrund) Marvin Schulz wieder in die Innenverteidigung ziehen. So, wie er es nach der Auswechslung Cirkovic’ (69.) gemacht hat. Zwar ginge mit dem Deutschen eine gewisse Schusskraft aus der zweiten FCL-Reihe verloren, aber Tsiy Ndenge hat nach seiner Einwechslung gezeigt, dass er ein gutes Auge und eine hohe Ballsicherheit im Mittelfeld hat. So könnte das Sinn machen.

Eine andere Möglichkeit wäre, Idriz Voca für Simon Grether zu bringen. Letzterer beging viele Fehler im Passspiel. Und der wieder spielberechtigte Blessing Eleke bringt mehr Wucht ins Sturmzentrum, obwohl Shkelqim Demhasaj angesichts der vielen Bälle, die der FCL schon vor dem Erreichen der letzten 20 Meter in der gegnerischen Zone verloren hat, so schlecht nicht war.

Das Fazit der Häberli-Premiere? Ein Befreiungsschlag war dieses 1:1, erst das zweite FCL-Remis in dieser Saison, gewiss nicht. Vielleicht nicht mal ein erster Schritt in die richtige Richtung, weil der Gegner der schlechteste von allen vieren im 2019 war. Aber der Punktgewinn tut dem FCL sicher gut.

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