Gut getarnt ist halb versteckt
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In der Luzerner Eisengasse ist keine Antenne zu sehen, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht da ist. (Bild: Kilian Bannwart)

Handy-Antennen Gut getarnt ist halb versteckt

3 min Lesezeit 3 Kommentare 09.01.2015, 18:00 Uhr

Kaum ist eine Mobilfunk-Antenne geplant, entsteht ein Aufstand bei den Anwohnern. Doch was, wenn sie es gar nicht mitbekommen – weil die Antenne aussieht wie ein Kamin, eine Fahnenstange, eine Tanne? Oder ganz klein in einer Leuchtreklame versteckt ist, wie in der Luzerner Eisengasse? Das sei nur wegen der Ästhetik, sagen die Mobilfunkanbieter.

Zahlreiche Pendler stehen auf dem Perron und warten auf den Zug – alle sind in ihr Smartphone vertieft – nur eine einzelne Frau schaut geradeaus. Die Bildunterschrift lautet: «Was schaut sie sich denn an? Die Welt etwa?» – ein Foto, welches immer wieder auf Facebook kursiert.

Es verdeutlicht, wie sehr sich die Nutzung von Smartphones im öffentlichen Raum in den letzten Jahren verstärkt hat. Das Bundesamt für Kommunikation teilte vor kurzem mit, dass sich die genutzte Datenmenge in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich noch verzehnfachen werde. Pro Tag würden deshalb bereits heute schweizweit zwei neue Antennen aufgestellt. Und auch in der Stadt Luzern steigt die Anforderung an ein ungestörtes Mobilnetz in jedem Winkel und jeder Gasse.

Weniger Leistung, aber kaum Auflagen

Volksinitiative zum Thema

Die Volksinitiative «Für Ordnung statt Wildwuchs beim Mobilfunk» wurde am 5. Januar 2015 bei der Luzerner Stadtkanzlei eingereicht. Ein parteiunabhängiges Komitee hat 1'280 gültige Unterschriften gesammelt. Die Initiative fordert, dass das Antennennetz in der Stadt Luzern nicht ungebremst ausgebaut werden kann, sondern klar reglementiert wird.

Und für die Netzabdeckung benötigen wir Mobilfunk-Antennen überall – um auch immer und überall erreichbar zu sein. Und bereits steht man vor dem Konflikt. Mobilfunkanbieter gegen Antennengegner, ein ewiger Kampf. Die eine Seite stellt Antennen auf, die andere klagt dagegen. Ein Problem der Gegner ist allerdings, dass viele Antennenstandorte erst einmal gefunden werden müssen.

Während bei grossen Antennen Baugesuche eingereicht werden müssen, können Mininatelantennen, die sogenannten Mikrozellen, ohne Gesuche jederzeit und überall auf privatem Grund angebracht werden. Dies, da ihre Sendeleistung kleiner ist. Sie sind nur ungefähr 20 Zentimeter gross, fallen daher kaum auf und lassen sich beispielsweise gut auch in Leuchtreklamen verstecken.

Ästhetische Frage oder geschickter Schachzug?

Aber auch grosse Antennen können vor suchenden Blicken kritischer Nachbarn geschützt werden.

Sogar von «Exzessen mit versteckten Antennen» spricht die Interessengemeinschaft Elektrosmog-Betroffener. Die IG wirft den Anbietern betrügerische Methoden vor: «Alle gegenwärtigen und vor allem künftigen Nachbarn werden arglistig getäuscht», kritisieren die Antennengegner die getarnten Antennen auf ihrer Website. Nur um Einsprachen zu umgehen, würden die Antennen versteckt. Die Anbieter jedoch sprechen von einem «ästhetischen Einpassen in die Umgebung». Das habe nichts mit Tarnung oder Täuschung zu tun.

Ein falsches Cheminée an der Maihofstrasse.

Ein falsches Cheminée an der Maihofstrasse.

Tarnung im Kamin oder Kirchturm

Die bekannteste Tarnung von grossen Antennen sind Kirchtürme. Schon mehrmals fanden sich schweizweit Kirchgemeinden im Fokus der Presse und musste sich wegen versteckten Antennen im heiligen Haus rechtfertigen. Bei einem Fall im Kanton Bern sind sogar Kirchenmitglieder deswegen ausgetreten.

Gleich nach der Kirche kommen falsche Cheminées, Fahnenstangen und Bäume als «ästhetische Verstecke» in Frage. Auf dem Dach der Pilatusbahnen sind beispielsweise Antennen als Fahnenstangen getarnt. Auf dem Luzerner Hausberg selbst sind ganze vier grosse Antennen installiert. Auf dem Krienser Schappe-Center steht ein weisses, hohes, falsches Cheminée.

Das falsche Cheminée auf dem Schappe-Center in Kriens.

Das falsche Cheminée auf dem Schappe-Center in Kriens.

zentral+ erhielt auch die Information, dass im Dach – konkret in einer Kuppel – des Hotel Palace eine Antenne eingebaut worden sei, die Ziegel darüber seien durch Kunststoffziegel ersetzt worden. Das Palace bestätigte diese Information auf Anfrage.

Bekannt ist, dass ein Luzerner Hotel eine Antenne in die hauseigene Leuchtschrift einbauen lies. Welches Hotel es tatsächlich ist, wurde nie bekannt, doch auf der Karte mit den Antennenstandorten kann man das relativ schnell eingrenzen (siehe Slideshow). Ein Standort scheint sich auf dem Hotel Schweizerhof zu befinden. Auf Nachfrage heisst es jedoch, es gäbe keine Antenne auf dem Hotel Schweizerhof.

Spannend wird es, wenn, wie beim Beispiel des Baarer Rathauses, nicht einmal der Gemeindepräsident von der Antenne in der hauseigenen Leuchtsäule wusste. Bei grossen Antennen ist dies grundsätzlich nicht möglich, da die Gemeinde wegen der Baubewilligung Bescheid wissen sollte. Mikrozellen hingegen können praktsch überall versteckt sein. Vom Standort her werden jedoch oft Leuchtreklamen, wie die der Post, die über Telefonzellen oder von privaten Geschäften genutzt. Ein Beispiel ist die Leuchtreklame von JR Hairdressing in der Eisengasse.

Auch in ein Holzkreuz am Strassenrand bei Sihlbrugg war eine Antenne integriert, bis vor kurzem. Was Jesus wohl dazu gesagt hätte?

Dieses Holzkreuz bei Sihlbrugg soll eine Antenne beinhalten.

Dieses Holzkreuz bei Sihlbrugg soll eine Antenne beinhalten.

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3 Kommentare
  1. Christian Optimist, 16.01.2015, 18:39 Uhr

    Es scheint so, dass ein Nachrichtentechniker die allwissende Mobilfunkweisheit für sich gepachtet haben möchte, zugleich betreibt er Werbung für seine Internetplattform, welche allerdings in der Mobilfunkszene ausgesprochen verpönt ist.

    Zu den beiden Postings selbst ist anzumerken, dass Scheinexperten systematisch Desinformationen
    betreiben, wobei diese durchaus natürlich im Sinne der einschlägigen Industrie stattfinden.

    Solche Handlungen stehen jedoch konträr zu Aussagen seriöser Wissenschaftler, welche in vielen Studien negative biologische Effekte der Mikrowellenstrahlung im Zusammenhang mit der Mobilfunktechnologie nachgewiesen haben.

    An diesem Faktum ändert auch der Versuch nichts, andere Berufsgruppen zu diskreditieren.

    Weil Technokraten mit digitalem Tunnelblick Andersdenkende vehement diffamieren, finden sie auch bei seriösen Wissenschaftlern, Ärzten, Biologen und Bürgerinitiativen verständlicherweise keine Akzeptanz.

    Die Autorin des Artikels, Frau Jana Avanzini hat sehr authentisch das Spannungsfeld
    der Antennen-Tarnung dargelegt. Das Versteckspiel der Mobilfunklobby ist ausgesprochen
    perfide, wird aber schon seit Jahr und Tag betrieben. Es ist ein Trauerspiel, auf welche
    hinterhältige Weise die BürgerInnen hinters Licht geführt werden.

    Dass Antennen auch in christlichen Kreuzen versteckt werden, ist ein Beweis dafür, wie
    defizitär Ethik und Moral bei den Verantwortlichen zu finden sind.

    Weil allerdings die Mobilfunkdebatte viel zu komplex ist, empfehle ich Interessierten und Betroffenen sich fundierter Quellen zu bedienen, so wie beispielsweise bei der „Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung“ diagnose-funk. org oder bei einer in der Nähe befindlichen Bürgerinitiative.

  2. Stephan Schall, 13.01.2015, 16:54 Uhr

    In meinem Kommentar vom 10. Januar heißt es: „Seither berichtete das IZgMF über zahllose Machenschaften, Tricks und Lügen von Mobilfunkgegnern – die uns deshalb am liebsten steinigen würden.“ Was damit gemeint ist, kann man sich an der typischen Reaktion eines anonymen Sendemastengegners hier ganz konkret ansehen: http://forum.gigaherz.ch/viewtopic.php?p=68096#p68096
    Wer sich mit organisierten Mobilfunkgegnern anlegt muss mit solchen feigen Anwürfen und Schlimmerem leider rechnen.

  3. Stephan Schall, 10.01.2015, 22:20 Uhr

    Ich lebe mit meiner Familie seit 2002 in 16 Meter Abstand zu einem Mobilfunk-Sendemast auf dem Nachbardach, ein weiterer steht in Augenhöhe 90 Meter weiter, nach 300 Metern kommt schon der nächste. Gesundheitliche Probleme haben wir keine. Anfangs hatten wir große Sorge wegen unserer drei Kinder, denn uns wurde weiss gemacht, wir würden alle krank, die Kinder dumm. Damit stand fest: Wir wurden Mobilfunkgegner und gründeten die Website IZgMF, um gegen die „Verstrahlung“ anzukämpfen. Ein paar Jahre ging dies so, Mobilfunkgegner schätzten unsere Arbeit damals sehr, auch in der Schweiz. Doch ich bin Nachrichtentechniker und die Zweifel wurden immer stärker: Warum hat fast jeder Sendemastengegner ein Handy? Warum gibt es unter Sendemastengegnern zahllose selbsternannte Experten, aber keine echten Fachleute? Wieso warnen Anti-Mobilfunk-Vereine immer vor Sendemasten, DECT und W-LAN, aber so gut wie nie vor Handys? Es dauerte Jahre, bis uns klar wurde: Sendemasten sind harmlos, auch die Weltgesundheitsorganisation und die große Mehrheit der seriösen Wissenschaftler sehen dies so. Und endlich kapierten wir: Mit der Angst vor Funkwellen machen viele einträgliche Geschäfte: Messtechniker, Vereine, Baubiologen, Esoterikanbieter, Alternativmediziner usw. Deshalb wird diese Angst so gerne und oft geschürt. Das Motiv aber ist materielles/immaterielles Profitstreben (z.B. gesellschaftliche Anerkennung), nicht etwa echte Sorge um die Menschheit. Wer kritisch hinsieht erkennt dies schnell. 2007 ging auch uns dieses Licht endlich auf. Seither berichtete das IZgMF über zahllose Machenschaften, Tricks und Lügen von Mobilfunkgegnern – die uns deshalb am liebsten steinigen würden. Klingt unglaublich, ist aber nachprüfbare Wahrheit. Wer sich selbst ein Bild machen mag, bitte hier entlang: http://www.izgmf.de (der Koch empfiehlt besonders das Diskussionsforum).

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