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Gundula geht freiwillig – Polizei wurde nicht informiert
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Das Haus «Gundula» an der Obergrundstrasse 99. (Bild: lru )

Gundula geht freiwillig – Polizei wurde nicht informiert

3 min Lesezeit 27.04.2016, 16:54 Uhr

Die Besetzer des Hauses «Gundula» in der Stadt Luzern hatten von der Polizei ein Ultimatum erhalten: Sie müssen das Haus diesen Mittwoch um Mitternacht verlassen haben. Nun ist klar, sie wollen tatsächlich gehen – allerdings erst am Samstag. Jetzt muss die Polizei abwägen: Will sie räumen oder warten?

«Die Gruppe Gundula hat sich dazu entschieden, das belebte Haus an der Obergrundstrasse 99 am kommenden Samstag friedlich zu verlassen», schreibt der anonyme, als Simon Steiner bekannte Sprecher in einer Mitteilung. Aufgrund der bisherigen intransparenten Kommunikation, die grösstenteils nicht direkt, sondern über die Medien erfolgte, sei ein Verlassen des Hauses innerhalb der gesetzten Frist zu kurzfristig. «Der Auszug des Projekts Gundula am kommenden Samstag signalisiert, dass wir an einer friedlichen Beendigung des Projekts an der Obergrundstrasse ohne polizeiliche Repression interessiert sind.»

Simon Kopp, Sprecher der Luzerner Staatsanwaltschaft, weiss von diesem «Angebot» noch nichts. «Wir wurden von den Besetzern bisher nicht informiert. Daher gilt für uns grundsätzlich immer noch die Räumungsfrist bis Mitternacht. Falls wir noch informiert werden, so wird die Staatsanwaltschaft die neue Situation prüfen und zusammen mit der Polizei über das weitere Vorgehen entscheiden», so Kopp.

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«Ein radikales politisches Signal»

Simon Steiner rühmt das Projekt: «In zwei Wochen hat das Projekt Gundula mehr für die Gesellschaft geleistet als die Bodum Invest AG in zwei Jahren.» Dass das Vorgehen der Bodum Invest AG inakzeptabel sei, zeige auch die positive Resonanz seitens der Bevölkerung Luzerns. Die Gruppe Gundula fühlt sich dadurch bestätigt, mit der Belebung der Obergrundstrasse mehrere stossende Punkte in der Entwicklung der Stadt Luzern thematisiert zu haben, die für die Gruppe auch nach dem erfolgten Auszug aktuell bleiben würden.

«Ungenutzter Raum ist Diebstahl.»

Simon Steiner, Gundula-Sprecher

«Es war möglich, innerhalb kurzer Zeit, ohne Nutzungskonzept und Geldgeber einen Raum zu schaffen, der auf kollektiv gefällten Entscheidungen und Grundsätzen fusste, die durch die beteiligten Personen nicht nur besprochen, sondern auch gelebt wurden.» Die Obergrundstrasse 99 wird als ein Ort bezeichnet, den Menschen gemeinsam und solidarisch, unabhängig von Geschlecht, Herkunft und Einkommen genutzt und gestaltet hätten. «Das Projekt Gundula ist ein radikales politisches Signal», so Steiner. Hunderte Menschen hätten eindrucksvoll gezeigt, wie viel kreatives Potenzial in der Stadt Luzern momentan nicht umgesetzt werden könne und dass ein Raum wie Gundula funktioniere.

Zwischennutzungen sollen selbstverständlich werden

«Dass ein illegal belebter Leerraum bei grossen Teilen der Luzerner Bevölkerung auf grösseren Rückhalt stiess als die Eigentumsansprüche hinter einem legal besetzt gehaltenen Leerraum, macht ein weiteres Missverhältnis deutlich», so Steiner im Namen der Besetzer. Während sich Freiraum in der Stadt zusehends verknappe, könnten es sich einige wenige leisten, Raum ungenutzt zu halten. «Das Projekt Gundula hat die verkrusteten Eigentums- und Nutzungsverhältnisse bei gezielt leer gehaltenen Räumen infrage gestellt», erklärt er die Motivation hinter dem Projekt.

«Eigentum bringt auch Verantwortung gegenüber der Gesellschaft mit sich. Ungenutzter Raum ist Diebstahl», fasst Steiner zusammen. Diese Aussage sei weniger radikal, als es manche Personen interpretieren könnten. Unterstrichen werde dies dadurch, dass Hunderte Menschen sich trotz Androhung strafrechtlicher Konsequenzen beim Projekt Gundula eingebracht hätten. «Wenn Gesetze es verbieten, ungenutzten Raum zu nutzen, dann ist nicht das Verhalten der nutzenden Personen falsch, sondern die Gesetze selber», hält Steiner fest. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass leerstehende und dazu geeignete Gebäude der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden müssen. «Das Allgemeinwohl ist stärker zu gewichten als die Profitmöglichkeiten einzelner Personen oder Firmen», so die Grundaussage.

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