«Günstige Parkplätze für Pendler sind keine Aufgabe der Gemeinde»
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Soll nicht Bahnbenützern dienen: 140 Parkplätze auf der Bahnmatt an der Baarer Neugasse. (Bild: mam)

Gemeinde Baar will einheitliches Parkplatz-Regime «Günstige Parkplätze für Pendler sind keine Aufgabe der Gemeinde»

4 min Lesezeit 26.10.2020, 16:47 Uhr

Verkehrte Welt: SVP-Kantonsrat Michael Riboni kritisiert die Aufhebung von 140 Pendlerparkplätzen auf der Baarer Bahnmatt als ökologischen Unsinn. Die Massnahme ist zur Förderung des Gewerbes gedacht, kontert SP-Gemeinderat Dzaferi, der die 140 Parkplätze neu bewirtschaften will.

Der Baarer Gemeinderat packt an, was lange vernachlässigt wurde: Ein Konzept zu erarbeiten, wie die Parkplätze in der Gemeinde nach einheitlichen Kriterien bewirtschaftet werden können.

In der Vernehmlassung, die kürzlich zu Ende gegangen ist, leistete die SVP Fundamentalopposition gegen alles, was höhere oder mehr Parkgebühren bringt (zentralplus berichtete).

Aber nicht nur: Ihrem Kantonsrat Michael Riboni fiel auf, dass die gemeindeeigenen Park-&-Ride-Parkplätze aufgehoben werden sollen. Das sei «ein ökologischer Unsinn», tut er seither in den Medien kund (zentralplus berichtete).

Rumpfangebot bleibt

Nun sollen die 140 Parkplätze im Zentrum nicht etwa ersatzlos gestrichen werden, aber sie werden umgewandelt. Und taugen dann nur noch bedingt für Pendler, die mit dem Auto zum Bahnhof Baar fahren, um von dort mit dem öffentlichen Verkehr ihren Arbeitsplatz in einer Stadt zu erreichen. Zwar stellt auch die SBB noch einige Parkplätze zur Verfügung, doch das heute stattliche Angebot in Baar würde erheblich geschmälert.

Die Park-&-Ride-Parkplätze nördlich der Gleise in Baar sollen umgewandelt werden, jene auf der Südseite bleiben.

Das ökologische Argument wird dabei nicht nur von Riboni ins Feld geführt. Auch die Alternative – die Grünen Baar zeigte sich in der Vernehmlassung vom Konzept zur Parkplatzbewirtschaftung nur halbwegs begeistert. Eine einfache und verständliche Bewirtschaftung mit klaren Strukturen und einfacher Kontrolle sei zwar wünschenswert und zielführend. Viel wichtiger wäre jedoch, dass unter anderem die Benutzung des öffentlichen Verkehrs bevorteilt werde, heisst es im Papier.

Platz für mehr Autos

Warum also sollen die Park-&-Ride-Plätze zusammengestrichen werden? «Es ist schlicht nicht Aufgabe der Gemeinde Baar, im dicht besiedelten Zentrum günstige Parkplätze für Pendler aus peripheren Gemeinden zur Verfügung zu stellen», sagt der verantwortliche Gemeinderat Zari Dzaferi (SP). Zumal diese oft aus den benachbarten Dörfern des Kantons Zürich kämen und der Parkplatz immer voll sei.

Der Platz im Zentrum sei schlicht zu wertvoll, findet Zari Dzaferi. «Wir möchten in dieser Lage mehr Frequenz, mehr Wechsel auf den Parkplätzen», sagt Dzaferi. «Dies kommt  dem Gewerbe im Zentrum zugute» und sei damit eine wirtschaftsfördernde Massnahme.

Bahnmatt gilt weiter als peripher

Der Grundgedanke von Park & Ride sei gewesen, an entlegenen Bahnhöfen, wo viel Platz sei, die Leute zum Umsteigen auf den öffentlichen Verkehr zu bringen. «Aber man kommt auch andernorts davon ab, Park & Ride an Knotenpunkten ohne grosse Platzreserven anzubieten.»

Der Wechsel von Park & Ride zur neuen Bewirtschaftungsform bringt den Wegfall von Tageskarten. Die Gebühren würden ein wenig teurer. Weniger stark als südlich der Gleise in der Baarer Kernzone. Die Bahnmatt, obwohl nahe des Bahnhofs gelegen, soll immer noch als Aussenzone gelten, wo die Gebühr einen Franken pro Stunde beträgt.

Nehmt halt den Bus

Allerdings verunmöglicht die maximale Parkdauer, die umgenutzten Parkplätze künftig für den Arbeitsweg zum Beispiel nach Zürich zu benutzen. Höchstens sechs Stunden lang soll man künftig sein Vehikel stehen lassen dürfen – zu kurz, für einen ganzen Arbeitstag.

Wem das nicht reiche, der solle eben mit der Bahn und dem Bus die ganze Strecke zum Arbeitsplatz zurücklegen, sagt Dzaferi. Und weist darauf hin, dass das Busangebot in Baar laufend ausgebaut werde: So gibt’s nächstens direkte Verbindungen von Baar nach Menzingen, und eine bessere Erschliessung von Walterswil und Sihlbrugg.

Riboni kritisiert, auch in Allenwinden, einem Ortsteil der Gemeinde Baar, und in anderen Berggemeinden würden nicht alle Leute neben Bushaltestellen wohnen und seien auf Park & Ride Plätze angewiesen.

Noch ist nichts beschlossen

Dzaferi stellt dies nicht grundsätzlich in Abrede. Er gibt aber zu bedenken, dass man im Zentrum haushälterisch mit dem Boden umgehen und die vorhandenen Parkplätze möglichst vielen Baarerinnen und Baarern zur Verfügung stellen sollte. Zudem sei die Umwandlung noch nicht in Blei gegossen. «Wir wollten in der Vernehmlassung die Meinung verschiedener Anspruchsgruppen dazu erfahren», sagt er. «Manche waren dafür, andere dagegen.» Man werde nun die Antworten in der Tiefbau- und Verkehrskommission diskutieren, anschliessend das Parkplatzbewirtschaftungskonzept im Gemeinderat in zwei Lesungen beraten.

Auf eins aber legt Dzaferi Wert: «Beim Konzept geht es nicht um die Schaffung oder Streichung von Parkplätzen.» Sondern einzig um die Frage, wie man die bestehenden Parkplätze, für die in Baar derzeit über 20 verschiedene Tarifregime gelten, besser bewirtschaften könne.

Einfahrt zum Park & Ride Parkplatz auf der Baarer Bahnmatt.

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