Grundeinkommen vom Staat: So viele Künstler aus Zug könnten profitieren
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Zum Beispiel Laura Livers: Der selbstständigen und freischaffenden Zuger Komponistin wäre mit einem vorübergehenden Grundeinkommen geholfen. (Bild: zvg)

Dringlicher Vorstoss zu Corona-Hilfen Grundeinkommen vom Staat: So viele Künstler aus Zug könnten profitieren

5 min Lesezeit 9 Kommentare 23.03.2021, 05:05 Uhr

Die Pandemie droht einen Teil des kulturellen Lebens zu ersticken – dem ist sich auch die Zuger Regierung bewusst. Ein bedingungsloses Grundeinkommen für Härtefälle unter den Kulturschaffenden könnte dagegen helfen. Ein solches fordert die SP. Ob ihr Vorstoss Chancen hat, bleibt fraglich. Das zeigt ein Blick über die Kantonsgrenze.

Das Publikumsverhalten nach Wiedereröffnung von Theater und Konzertsälen sei schwer absehbar, urteilte die Zuger Kantonsregierung. «Die mittel- und langfristigen Möglichkeiten, Kunst und Kultur aufzuführen oder an ein Publikum zu bringen, sind unklar.» Mittelfristig und langfristig bleibe die Finanzierung von Kulturprojekten und Produktionen «ein Problem».

Vier Stadtzuger Kantonsräte – Philip C. Brunner (SVP), Benny Elsener (CVP), Barbara Gysel (SP) und Karen Umbach (FDP) – hatten sich in einer Interpellation über die Möglichkeiten der Kulturförderung und die Folgen der Coronapandemie für die Zuger Kultur erkundigt – und vor einer Woche diese pessimistische Einschätzung erhalten.

Maximal 3’840 Franken brutto

Barbara Gysel ist gleichzeitig Präsidentin von IG Kultur Zug und will mit ihrer Fraktion im Kantonsparlament mindestens teilweise für Linderung sorgen. Eine dringliche Motion der SP ist für Donnerstag traktandiert. Sie fordert Härtefallmassnahmen für Zuger Kulturschaffende. Konkret sollen Selbständige und Freischaffende «etwa Schauspielerinnen, bildende Künstler oder Musikerinnen, für die Zeit beginnend mit dem November 2020 bis die anderen Härtefallprogramme des Kantons Zug ebenfalls auslaufen, maximal 3’840 Franken monatlich erhalten».

«Hoffen wir, dass es klappt.»

Maria Greco, Autorin, Schauspielerin und Veranstalterin

Die Massnahmen sollen sowohl für die Antragstellenden als auch für die Verwaltung weniger aufwendig sein als die gültigen Bundesregelungen und eine vorübergehende Existenzsicherung ermöglichen. Freischaffende Kulturschaffende, die bisher durch die Maschen der Hilfsprogramme gefallen sind, sollen so aufgefangen werden. Sowohl der Kanton Basel-Stadt wie auch der Kanton Zürich hätten entsprechende und wirkungsvolle Modelle entwickelt.

«Viele sind am Limit»

Bei Betroffenen löst der Vorstoss Hoffnung aus. «Hoffen wir, dass es klappt», sagt etwa Maria Greco, Autorin, Schauspielerin und Veranstalterin aus Baar. Viele Leute, die sich im Kulturbereich selbständig gemacht haben, seien am Limit, sagt sie. Die bisherigen Massnahmen zur Einkommenserstattung wiesen Lücken auf. Zum Beispiel könne man als selbstständig erwerbende Kulturschaffende bei der AHV ein Formular rückwirkend ausfüllen, auf dem man abgesagte oder verschobene Veranstaltungen angebe. Nur: «Was soll man angeben, wenn für diesen Zeitraum schon gar nichts mehr gebucht ist?»

«Die Überweisung der Motion ist nicht unrealistisch.»

Barbara Gysel, SP-Kantonsrätin und Präsidentin IG Kultur Zug

In Basel und Zürich, wo ein seuchenbedingtes Grundeinkommen an Kulturschaffende ausgerichtet wird, hat die Exekutive massgeblich dafür gesorgt, dass die Idee umgesetzt wird. Im Nachbarkanton Luzern indes, wo der grüne Kantonsrat Hans Stutz dasselbe mit einem dringlichen Postulat übers Parlament erreichen wollte, hatte das Grundeinkommen keine Chance und wurde abgeschmettert. Lediglich ein SVPler und ein Grünliberaler unterstützten den grünen Vorstoss, doch selbst die Luzerner SP schlug mit einer eigenen Alternatividee quer.

Gute Erfahrungen in Zürich

Für Zug ist Barbara Gysel indes optimistischer. «Die Überweisung der Motion ist nicht unrealistisch», findet sie. Die Alternative – die Grünen sind der Idee wohlgesonnen. «Wie der Kanton Zürich das Grundeinkommen umgesetzt hat, ist positiv und auch für den Kanton Zug in jedem Fall prüfenswert», sagt ALG-Fraktionschef Andreas Hürlimann.

Weil der Kanton Zürich mit dem temporären Grundeinkommen bereits gute Erfahrungen gemacht hat, hofft Gysel auf genügend Stimmen aus anderen Parteien, damit der Vorstoss nicht gleich versenkt wird. Ein Drittel der Kantonsräte müssen für eine Überweisung stimmen, dann wird über die Motion ernsthaft diskutiert.

Kantonsrat tagt erst im Mai wieder

Gemeistert ist dadurch allerdings nur die allererste Hürde. Weil ein Grundeinkommen nur Sinn macht, wenn es noch während der Pandemie ausgerichtet wird, müsste es in einem ausserordentlichen Schnelldurchlauf beraten werden.

Die April-Sitzung des Zuger Kantonsrats wurde abgesagt, das Parlament trifft sich danach erst im Mai wieder. Die Staatswirtschaftskommission müsste also in Zusammenarbeit mit der Regierung über der Idee brüten und einen Vorschlag dazu ausarbeiten.

Bedenken wegen Bevorzugung

Im Luzerner Kantonsrat lautete eines der gewichtigsten Argumente gegen ein temporäres Grundeinkommen für Kulturschaffende, dass dadurch einzelne Gruppen gegenüber andern bevorzugt behandelt würden.

Da auch bei Zuger Bürgerlichen Bedenken gegen ein Präjudiz bestehen, interessiert, wie viele Zuger Kulturschaffende überhaupt in den Genuss eines vorübergehenden Grundeinkommen kommen könnten. Ein Anhaltspunkt dazu liefert die oben erwähnte Interpellationsantwort der Zuger Regierung zur Kulturförderung in Zeiten von Corona.

Ausfallentschädigungen 2020

Darin listet die Regierung auf, wie viele Kultureinrichtungen und wie viele Künstlerinnen von Februar bis Oktober letzten Jahres nach bundesrätlichen Vorgaben durch den Kanton ausbezahlte Ausfallentschädigungen erhielten. Von Kulturunternehmen gingen 52 Entschädigungsanträge ein. 18 wurden abgelehnt, eines zurückgezogen. 32 Kulturunternehmen erhielten schliesslich gut 1,9 Millionen Franken.

Die Kulturschaffenden erhielten sehr viel weniger. 43 Anträge auf Ausfallentschädigung gingen ein. 15 Gesuche wurden abgelehnt, da die Gesuchstellenden gemäss den Richtlinien des Bundesrats nicht anspruchsberechtigt waren oder «weil sie nicht als selbständig erwerbend im Kulturbereich angemeldet» waren.

25 Kulturschaffende berücksichtigt

Bei drei Anträgen lag nach Abzug der Erwerbsausfallentschädigung kein finanzieller Schaden mehr vor. Am Schluss wurden 25 Ausfallentschädigungen in der Höhe von insgesamt 116’816.90 Franken gewährt. Die tiefste Ausfallentschädigung betrug 829 Franken, die höchste 14’085 Franken.

Dies alles deutet darauf hin, dass wenig mehr als zwei Dutzend Zuger Kulturschaffende ein vorübergehendes Grundeinkommen erhalten würden.

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9 Kommentare
  1. HansZug, 23.03.2021, 18:05 Uhr

    Ich finde einfach, dass viele Kulturbetriebe in Zug zu verstaubt sind und mehr oder weniger bedingungslos Geld bekommen z. B. TAZ, Casino Zug, Gewürzmühle, leider auch etwas der Burgbachkeller. Ich fänds zwar besser solche Institutionen zu unterstützen, anstatt einzelnen Künstlern Almosen auszuzahlen. Leider verstecken sich aber seit Jahren ein paar privilegierte hinter diesen Betrieben, wie im übrigen auch beim Amt für Kultur. Leidtragende sind junge, frische Kräfte in der Kulturszene. Es bewegt sich alles weit ab der Öffentlichkeit. Ich bin schon etwas enttäuscht. Ich find dennoch es gibt und gab tolle Sachen in Zug. Im grossen und ganzen ist die Kultur aber immernoch sehr elitär. Je weniger Geld hinter einer Sache steht, desto wertvoller scheint sie mir, insbesondere in Zug. Ich bin der Meinung, dass sich die Kultur und Kunst von Subventionen für einzelen Künstler oder Kunsthäuser abwenden muss. Ich erachte es aber als sinnvoll, wenn mehr günstiger Kulturraum zur Verfügung steht, dies darf aber nicht zur Abschottung führen wie z.B in der Gewürmühle oder zu totaler Flaute die z.B gerade in der i45 zu beobachten ist. Die Galvanik hat sich z.B sehr gut gehalten mit ihren tollen Angeboten unter der Woche wie der Wahubar, der Sommerbar oder auch seit neuerem dem schrägen Mittwoch. Diese Formate müsste man aber in den Stadtkern bringen. Warum man den schrägen Mittwoch aus dem Burgbach verbannnt hat, bleibt mir ein Rätsel. Dass es die Stadt fertig gebracht hat das Postgebäude, das Kantonsspital oder auch das Theilerhaus nicht für die Kultur zu nutzen ist leider auch auf die Almosenmentalität der Kunstszene zurückzuführen. Wenn Betriebskonzepte wie im Freiraum für so etwas vorgelegen hätten, wäre das sicher anders gekommen. Ja ich weiss der Freiraum ist etwas neukapitalistisch. Trotzdem ist es eine gute Sache. Zug bietet doch einige Chancen, es braucht aber Kollaboration, auch mit der Wirtschaft. Der Biohof in Zug, die neue Landi in Baar, das V-Zug Areal, die Altstadt, die Seepromenade. Es gibt Möglichkeiten. Mehr Lärm und Bodenständigkeit für Zug und weniger politisch korrekte, elitäre, wir sind doch die Guten mimimi, kommt wir machen auf Misstände aufmerksam die eh schon offensichtlich sind bis zu verkorksten Sache ala schaut mal ein Einhorn in der Cola Blechdose symbolisiert die Gefangenschaft der LBQT im kapitalistischen Alumantel, wie innovativ Kunst um noch mehr Leute anzulocken die um 9 Uhr in der Altstadt ihre Ruhe haben wollen.

  2. Salisali, 23.03.2021, 14:49 Uhr

    Ein Künstler, der Krisen nicht übersteht ist kein Künstler. Künstler waren schon immer mausarm. Da trennt sich einfach die Spreu vom Weizen. Keinen Chef zu haben, und nur machen worauf man Lust hat, ist selbst gewählt. Sorry kein Mitleid. Die Kunstszene ist in Zug eh verfilzt wie jede andere Behörde, da tut mir leider gar nichts leid. Elitäres rumgeheule kann ich eh nicht vertragen. Geht doch was anderes arbeiten. Wer sonst nichts kann, kann auch keine Kunst.

  3. Sandra, 23.03.2021, 12:56 Uhr

    Hallo Künstler*innen
    ich weis ich weiss – ich bin aus einer anderen Generation und habe deshalb andere Ansichten über das Leben, Arbeiten und Geldverdienen – und Kunst.
    Auch ich war mal eine Malerin, hatte ein paar Ausstellungen und ein bescheidenes Einkommen dadurch. Als ich sah, dass das zum leben nicht reichte, rannte ich weder zum Papi, noch zum Staat oder bettelte bei Kulturheinis.
    Ich ging arbeiten, malte in der Freizeit und das machte mir ebenso viel Freude.
    Später begann ich zu schreiben und das brachte mir genau so viel Freude und erst noch ein etwas besseres Einkommen. Aber immer arbeitete ich auch noch.
    Wieso ich das erzähle? Macht doch Sachen, die nicht nur euch, sondern auch anderen Menschen Freude machen und die dafür gerne etwas bezahlen.
    Wenn ich oft sehe, was ein paar von euch als Kunst anbieten oder ausstellen – da graut es mir.
    Ich bin kein Kunstbanause, und liebe verschiedene Stilrichtungen, aber bitte macht als Künstler Kunst!
    Bitte zerreisst mich nicht in der Luft – das ist einfach meine Meinung.

  4. Silvan Studer, 23.03.2021, 11:30 Uhr

    Typisch Links. Erst zerstören (Berset, SP) und dann Rettung anbieten (Gysel, SP) natürlich in Form von Umverteilung auf Kosten der Steuerzahler.

    1. Daniela Übersax, 23.03.2021, 11:40 Uhr

      Typisch rechts wäre demnach alles der Wirtschaft selbst überlassen, Risikogruppen vor die Hunde gehen lassen und dafür die Kosten dem Staat überborden, während Kulturschaffende ihren Berugf an den Nagel hängen oder bei Stiftungen betteln dürfen. Ich denke nicht, dass mir diese Variante unseres Staates sympathischer wäre.

    2. Adamsapfler, 23.03.2021, 13:01 Uhr

      Moment! Bei Stiftungen betteln die Künstler ja ohnehin – ist quasi ein integraler Bestandteil des Einkommens.

  5. Meret Baumeler, 23.03.2021, 09:56 Uhr

    Bildende Kunst wie Malen, Bildhauerei etc. kann weiterhin problemlos gemacht werden. Und natürlich auch Videokunst und Schreiben. Die Vermarktung findet sowieso im Internet statt. Somit gibts bei diesen Kategorien auch keine Verdienstausfälle. Künstler als Staatsangestellte – eine Horrorvorstellung.

    Es ist mal wieder typisch, dass sich vor allem Linke für die Kulturschaffenden einsetzen. Dabei gibts ungleich mehr andere Bereiche, die unter diesen unverhältnismässigen und unlogischen Massnahmen leiden. Massnahmen, die von den Linken am härtesten verteidigt werden.

    1. Roman Hartmann, 23.03.2021, 11:10 Uhr

      Frau Baumeler. Wie undifferenziert. Natürlich gibt es andere unterstützungwürdige Bereiche. Diese werden auch diskutiert, aber in diesem Artikel geht es um Kunst. Das wäre ein Kommentar zu diesem Thema interessanter. Ausserdem hat ein gemaltes Bild in digitaler Form nie die gleiche Wirkung wie in der Realität. Oder schauen Sie auch Rezepte an und haben dann gegessen?

    2. Kilian Troxler, 23.03.2021, 14:25 Uhr

      @Roman: Wäre mir neu, dass Ateliers geschlossen sein müssen. Auch Galerien und Museen sind offen.

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