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Grünes Licht fürs Megaprojekt Nidfeld
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Matthias Senn, Gemeindeamman Kriens, zeigt das Nidfeldareal. (Bild: pze)

60-Meter-Hochhaus und Wellnessbad in Kriens Grünes Licht fürs Megaprojekt Nidfeld

6 min Lesezeit 19.12.2016, 05:10 Uhr

In Kriens entsteht Grosses: Die 300-Millionen-Überbauung auf dem Nidfeld nimmt erste Formen an: Geplant sind günstige Wohnungen, Raum fürs Gewerbe und ein 60-Meter-Hochhaus. Alles, was man zum Grossprojekt wissen muss.

Seit zehn Jahren liegt das Nidfeld-Areal brach, nun ist der Bebauungsplan der Firma vom Regierungsrat bewilligt worden. Die Überbauung wird ein 60-Meter-Hochhaus, ein Wellnessbad, ein Hotel, ein Restaurant, einen Prodega/Transgourmet-Abholmarkt und 500 Wohnungen beinhalten. Das Grundstück bietet auf 41’300 Quadratmetern Platz für rund 700 Bewohner und 500 Arbeitsplätze. Ein Megaprojekt – das Ziel ist die etappierte Fertigstellung bis 2020. Das Vorhaben wird zusammen mit der Grundstückseigentümerin Coop und anschliessend mit Investoren entwickelt und durchgeführt. Momentan läuft der Architekturwettbewerb, die Auswahl des Gewinnerprojekts wird im Sommer 2017 getroffen.

Wohnungen für breites Publikum

Peter Lötscher, Gesamtprojektleiter für das Nidfeld-Areal, spricht von einem «urbanen Publikum», welches sie mit ihren Wohnungen ansprechen wollen. Das heisst vor allem Einzel- und Doppelhaushalte, Kleinfamilien und Wohngemeinschaften. Das Mietersegment umfasse alle Alterskategorien, wie Lötscher ausführt. Man wolle einen breiten Bevölkerungskreis ansprechen, mit einem Mietzins im mittleren Preissegment. 

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«Der Standort ist auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv.»

Peter Lötscher, Projektleiter Nidfeld-Areal

Aber ist Wohnen direkt an der Autobahn A2, die nur wenige Meter neben dem Areal durchgeht, gefragt? «Der Standort ist auf den ersten Blick nicht besonders attraktiv», meint Lötscher. Aber man habe die Vor- und Nachteile des Areals analysiert und die Lage inmitten des Ballungsgebietes Kriens-Horw-Luzern sei ideal. Die Gegend sei gut erschlossen, einerseits durch den öV-Ausbau und andererseits durch den «Velo-Highway», der vor Kurzem eröffnet wurde (zentralplus berichtete).

Die Nähe zur A2 und die damit verbundenen Lärmemissionen seien natürlich eine Herausforderung, aber man wolle dieses Problem durch eine adäquate Architektur lösen. Es ist aber auch erkennbar, dass die Umgebung einen Grund für das reduzierte Preissegment der Wohnungen darstellt.

So könnten die Gebäude im Nidfeld platziert werden (Bild: pze).

So könnten die Gebäude im Nidfeld platziert werden (Bild: pze).

Höherer Lärmpegel, dafür gute Lage

Das Nidfel-Projekt soll so gebaut werden, dass durch die Gebäudeplatzierung eine Reduktion der Verkehrsgeräusche erreicht wird. Erste Platzierungsvorschläge zeigen die Häuserreihe entlang der Autobahn, sodass ein geschützter Innenhof entsteht. Aber die Mieter der neuen Wohnungen müssten trotzdem mit höherem Lärmpegel leben. Dies sei aber berücksichtigt, wie Lötscher sagt. Das gesuchte «urbane Publikum» seien gerade Menschen, die eine zentrale Lage und den schnellen Anschluss an das öV-Netz in Kauf nehmen würden. Die S-Bahn-Haltestelle Kriens Mattenhof ist je nach Gehtempo zwischen fünf und zehn Minuten vom Areal entfernt.

«Analog zu den künftigen Bauten im Gebiet Kriens und Horw wird das öV-Netz sukzessive ausgebaut.»

Thomas Glatthard, Gebietsmanager Luzern Süd

Neben dem Verkehrslärm stellt sich aber auch die Platzfrage: Die Mietobjekte im Nidfeld sollen kompakter werden als gängige Luzerner Wohnungen. Anstatt 90 Quadratmeter für eine Dreieinhalbzimmerwohnung gäbe es rund 70 bis 78 Quadratmeter, meint Lötscher. Mache man die Rechnung, so sinke durch die kleinere Fläche automatisch der Mietpreis: Kostet der Quadratmeter 250 Franken Miete pro Jahr, zahlt man statt 22’500 Franken (90 Quadratmeter) nur 17’500 Franken (70 Quadratmeter) Miete. Da käme man auf einen Monatspreis von rund 1460 Franken – also erschwinglich. Konkrete Mietzinszahlen nennt Lötscher aber nicht, diese Informationen lägen zurzeit noch nicht vor.

Weg vom Autoverkehr

Der Bebauungsplan sieht nur 650 Parkplätze vor. Peter Lötscher, meint dazu: «Wir setzen auf Fussgänger, öV-Nutzer und Velofahrer.» Thomas Glatthard, Gebietsmanager Luzern Süd, bestätigt: «Analog zu den künftigen Bauten im Gebiet Kriens und Horw wird das öV-Netz sukzessive ausgebaut.» Dazu gehört die Steigerung der Kadenz der Zentralbahn auf einen Zug alle siebeneinhalb Minuten und sogenannte Bushubs bei der Haltestelle Kriens Mattenhof und in Horw. Definitiv sei aber noch nichts, so Matthias Senn, Bauvorsteher der Gemeinde Kriens: Konkrete Pläne sowohl bei S-Bahn wie bei Bus liegen noch nicht vor.

«Die Überbauung soll genügend Abstellplätze für Fahrräder bieten und diese sollen gut erreichbar sein.»

Peter Lötscher, Projektleiter Nidfeld-Areal

Neben dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs setzt die Verkehrspolitik bei den Autos auf Beschränkung: Nur 200 Autofahrten sollen während der Spitzenzeit zwischen 17 und 18 Uhr auf dem Areal erlaubt sein. Ein Grund zur Besorgnis? Matthias Senn beschwichtigt: «Mir machen die Dosierungen nicht so Bauchweh.» Zum Beispiel zeige der Pilatusmarkt, dass solche Fahrzahlbeschränkungen funktionieren können. Dort gäbe es zwar die Möglichkeit der Durchlasssperre per rote Ampel, seines Wissens musste man aber davon noch nie Gebrauch machen.  

Lötscher führt noch weitere Ideen ins Feld: Beispielsweise könnten Mobility-Parkplätze auf dem Areal entstehen und so verschwinde die Notwendigkeit für ein Auto für viele Anwohner. Auch soll ein hoher Komfort für Velofahrer geschaffen werden: «Die Überbauung soll genügend Abstellplätze für Fahrräder bieten und diese sollen gut erreichbar sein.»

Ziel der Zertifizierung als 2000-Watt-Areal

Losinger Marazzi hat bereits mehrere sogenannte 2000-Watt-Areale geplant und realisiert. Diese Areale sind die Greencity in Zürich, Im Lenz in Lenzburg und das Areal Erlenmat West in Basel. Nun kommt also das Nidfeld in Kriens dazu. Peter Lötscher erklärt: «Für die Zertifizierung als 2000-Watt-Areal muss man einen definierten Kriterienkatalog erfüllen.» Dieser sehe primär vor, dass die Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien stammt. Konkret würde das heissen, man möchte Strom aus Seewassernutzung, Grundwasser, Holzschnitzeln oder Photovoltaik gewinnen.

Noch ist das Nidfeld eingezäunt und unzugänglich.

Noch ist das Nidfeld eingezäunt und unzugänglich.

(Bild: pze)

Eine Wellnessoase im Öko-Viertel

Man gibt sich also grün und fortschrittlich. Ist da ein Energiefresser wie ein Thermalbad nicht völlig fehl am Platz? Lötscher bestätigt, dass die Umsetzung des Wellnessbades energietechnisch eine Schwierigkeit darstellt. Man sei jedoch in Gesprächen mit der Zertifizierungsstelle und man sei optimistisch, das Bad innerhalb der Vorgaben eines 2000-Watt-Areals umzusetzen. Lötscher erklärt: «Es ist nicht primär wichtig, wie viel Energie verbraucht wird, sondern wie die verbrauchte Energie gewonnen wird.» Möglicherweise müsse man gewisse bauliche Massnahmen treffen, beispielsweise eine Abdeckung für das Aussenbad ausserhalb der Betriebszeiten, um den Energieverlust dort zu minimieren. Man sei aber auf gutem Wege und zuversichtlich, dass die Realisierung des Aquafits innerhalb der Vorgaben möglich sei.

«Es ist nicht primär wichtig, wie viel Energie verbraucht wird, sondern wie die verbrauchte Energie gewonnen wird.»

Peter Lötscher, Projektleiter Nidfeld-Areal

Kumar Kamlesh, Gründer und Leiter des Aquafit Sursee, ist der Investor des Wellnesstempels. Auch er meint, man möchte auf die Energiepolitik der Stadt Rücksicht nehmen. Sein Credo: «In Luzern sind die Leute anders als in Sursee, mehr Leute benützen den öV.» Man möchte auch dem energiepolitischen Druck der Gemeinde Kriens nachgeben. Beispielsweise könnten die Parkplätze für die Autos – anders als in Sursee – kostenpflichtig werden. Wie die Verkehrspolitik umgesetzt wird, kann Kamlesh noch nicht genau sagen: «Kommt Zeit, kommt Rat.»

Die Wahl zwischen international und lokal

Dieser Bau ist also anspruchsvoll in seiner Umsetzung: Das Projekt soll identitätsstiftend sein, kompakt, lärmreduziert, energiesparend und doch mit Wellnesstempel. Dieser Herausforderung stellen sich nun sechs Architekturbüros: zwei internationale, zwei nationale und zwei lokale Agenturen stellen je einen Entwurf vor. Die Auswahl des richtigen Projekts sei durchaus nicht einfach, aber Lötscher ist zuversichtlich: «Wir vertrauen auf die Architektenteams, dass sie ein Projekt gestalten, das den Vorstellungen aller Projektpartner entspricht.»

Die Autobahn verläuft direkt hinter dem Areal.

Die Autobahn verläuft direkt hinter dem Areal.

(Bild: pze)

Konfliktpotenzial Nachbarn

Bei den Anwohnern sieht Lötscher trotz 60-Meter-Hochhaus keine grösseren Schwierigkeiten: «Das verdichtete Bauen ist bei den Leuten mittlerweile anerkannt.» Ausserdem seien die Anwohner beim Bebauungsplan miteinbezogen worden. Erst bei der Konfrontierung mit der Bebauung rechne man wieder mit Herausforderungen. Doch um allfälligen Einsprachen oder Beschwerden zuvorzukommen, wolle man auch in Zukunft offen und aktiv kommunizieren. Bis jetzt seien von Nachbarn noch keine speziellen Reaktionen eingegangen.

Suche nach Investoren läuft

Momentan laufe die Suche nach den Investoren. Dies sollte aber kaum schwierig werden, ist Lötscher überzeugt. Bei ersten Anfragen hätten bereits mehrere Parteien Interesse an den Objekten gezeigt. Jetzt gelte es abzuwarten, bis das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs vorliege. Danach könne dies den potenziellen Investoren vorgelegt werden. Lötscher rechnet mit zwei bis drei verschiedenen Investoren für die Objekte, denn: «Immobilien sind momentan einfach das attraktivste Element für Investitionen.» 

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