Grüner und städtischer: In Inwil sollen vier Hochhäuser entstehen
  • Gesellschaft
  • Bauen
Im Groben könnte das Inwiler Bauprojekt an der Rigistrasse künftig so aussehen. (Bild: wia)

Ersatz für die Scheibenhäuser Grüner und städtischer: In Inwil sollen vier Hochhäuser entstehen

4 min Lesezeit 1 Kommentar 02.06.2021, 05:00 Uhr

Die Inwiler Scheibenhäuser sind dem Untergang geweiht. Die Gebäude aus den 60ern, die ziemliche Baumängel aufweisen, sollen in den kommenden 10 bis 15 Jahren ersetzt werden. Nun liegen die Studienaufträge vor. Diese zeigen zwar noch keine konkrete architektonische Details, dennoch kann man sich gut vorstellen, wie der Weiler künftig aussehen dürfte.

Schon länger ist klar, dass die Inwiler Scheibenhäuser ersetzt werden sollen. Die Baustruktur ist mittlerweile arg sanierungsbedürftig, die 216 Wohnungen entsprechen zudem nicht den heutigen Standards, was beispielsweise die Barrierefreiheit anbelangt. Direkt betroffen vom geplanten Abriss der vier Häuser sind rund 600 Einwohner (zentralplus berichtete).

Viele von ihnen haben Bedenken, denn die Wohnungen sind für Zuger Verhältnisse günstig. Weiter gibt es Fachleute, die der Ansicht sind, dass man die bestehende Bausubstanz sehr wohl erhalten könne, wenn man die Gebäude nur geschickt sanieren würde (zentralplus berichtete).

Eines von sechs Projekten wird weiterverfolgt

Nun liegen die Ergebnisse eines Studienauftrags vor, welche die Bauherrschaft, also die Pensionskasse der V-Zug sowie die Zürcher Pensionskasse BVK, in Auftrag gegeben hat. Sechs Architektur-, respektive Landschaftsarchitektur-Teams haben dafür Projekte erarbeitet, die als Basis für den späteren Richtplan dienen sollen.

Sie dienen nicht dazu, zu zeigen, wie die spätere Architektur konkret aussehen soll, vielmehr geht es um den groben Rahmen. Wie viele Gebäude sollen entstehen und wie gliedern sie sich in die Siedlungstopologie ein? Wie soll der Freiraum gestaltet, respektive aufgewertet werden? Wie hoch werden die künftigen Häuser sein?

Eines der sechs Projekte wurde von einer 10-köpfigen Jury zur Weiterverfolgung empfohlen. Konkret handelt es sich um den Vorschlag des Studio Märkli und Christophe Girot Landschaftsarchitektur.

Eine «poetische Lösung» auf ein bauliches Problem

Meinrad Morger vom Beurteilungsgremium sagt am Informationsanlass am Dienstagabend dazu: «Das Siegerteam schuf eine sehr verwandte Disposition wie die bestehende. Dabei vollführte es einen zauberhaften Trick: Statt der bestehenden Längszeilen setzt das Team auf quadratische Baukörper. Drei davon stehen in geometrischem Bezug zueinander, der vierte ist leicht abgedreht. Dies ergibt eine poetische Lösung.»

Die vier Gebäude würden einen minimalen Grundriss benötigen, und dabei einen maximalen Freiraum ermöglichen. Zudem – und das sei ein wichtiger Punkt – würde das Projekt für Identifikation sorgen.

Zu den vier Häusern sei ein Pavillon am Siedlungsrand geplant, welcher mit einem Laden dem ganzen Weiler dienen solle «und sowohl zum Ort als auch zur Siedlung Bezug schaffen» solle. Dem Team sei eine gute Integration der Umgebung gelungen, findet Morger.

Die Bauten des Siegerteams fallen durch ihre Grösse auf.

Zwei Gebäude dieses Vorschlages sollen je 53 Meter hoch werden, zwei weitere 50 Meter. Dies entspricht 16 bis 17 Stockwerken. Damit fallen sie klar unter die Kategorie Hochhäuser. Zum Vergleich: Die bestehenden Bauten sind knapp unter 30 Meter hoch. Nur mit einer solchen Höhe könne sowohl der Freiraum rundherum vergrössert, als auch verdichteter gebaut werden, beteuert Morger. Mit dem Märkli-Girot-Vorschlag sollen 50 Prozent mehr Einwohner, also deren 900, möglich werden.

Bauten verschiedener Architektinnen

Wie die Gebäude letztlich aussehen sollen, steht noch in den Sternen. Dies wird erst zu einem späteren Punkt, nämlich nach der Erarbeitung des Bebauungsplans, definiert. Dafür soll ein weiterer Wettbewerb stattfinden. Morger sagt dazu: «Es ist nicht die Meinung, dass alle vier Gebäude gleich aussehen. Vielmehr ist heute angedacht, dass verschiedene Architekten die Bauten entwickeln.

Ein Projekt, das von der Jury zwar ebenfalls stark diskutiert wurde, jedoch letztlich abfiel, war jenes der Oxid Architektur GmbH, zusammen mit Schmid Landschaftsarchitekten. Diese haben in ihrem Projekt keck gewagt, die bestehende Bausubstanz teilweise stehenzulassen und baulich zu ergänzen.

«Damit hat das Team enorme Risiken genommen. Denn wir wissen nicht, ob die Ertüchtigung tatsächlich funktioniert. Ausserdem kann es sein, dass das Projekt statt ressourcenschonend ressourcenintensiv wird. Weiter bedeuten dickere Gebäudekörper gleichzeitig weniger Freiraum.» Aus diesem Grund hätten Oxid Architekten das Nachsehen gehabt gegenüber des Siegerteams.

«Ein Haus kann sehr wohl eine Symbiose bilden mit der Landschaft rundum.»

Meinrad Morger, Architekt und Professor

Die Veranstaltung zum Resultat des Studienauftrags wurde am Dienstagabend sowohl live durchgeführt als auch online übertragen. Sowohl live als auch übers Netz war es eine Frage, die den Interessenten auf der Seele brannte. 53 Meter… Ist das nicht etwas gar hoch? Gerade in Anbetracht dessen, dass es sich bei Inwil doch um einen Weiler handle.

Morger sagt dazu: «Ich bin der Meinung, dass man nicht mehr sagen kann, dass Hochhäuser nicht in einen Weiler passen. Verdichtet zu bauen ist ein Bundesauftrag. Ein Haus kann ausserdem sehr wohl eine Symbiose bilden mit der Landschaft rundum.»

Letzter Neubau erst in 15 Jahren

Wie geht’s von hier aus weiter? Als nächstes wird ein Richtprojekt erstellt, das als Grundlage für das Bebauungsplanverfahren dient. Dieser Bebauungsplan soll voraussichtlich 2023 der Gemeindeversammlung Baar zur Abstimmung vorgelegt werden. Erst danach, also frühstens 2024, wird ein Architekturwettbewerb durchgeführt, der konkrete Fragen zur architektonischen Gestaltung, der Wohnungstypologie sowie der Infrastruktur beantworten soll.

Der Abriss der vier Scheibenhäuser soll in Etappen erfolgen. Als Erstes soll das Haus der BVK abgerissen werden. Da es das älteste ist, weist es die grössten Baumängel auf. Die Entmietung soll frühstens in der zweiten Hälfte des Jahrs 2025 erfolgen. Das zweite Haus folgt 2028, ein weiteres 2030, last but not least folgt der Abriss des letzten Blocks 2033.

Eines der vier Inwiler Scheibenhäuser in der Abendsonne.

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

Dieser Artikel hat uns über 400 Franken gekostet. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

1 Kommentare
  1. K. Larheit, 02.06.2021, 18:35 Uhr

    Bitte jeweils «Inwil (Baar)» oder «Inwil ZG» schreiben, damit man es nicht mit «Inwil LU» verwechselt. Danke.

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.