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Grünen-Präsidentin meint: «Die Juso ist zu provokativ»
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Judith Schmutz büffelt gerade für die Maturaprüfungen. (Bild: zvg)

Luzernerin präsidiert Junge Grüne Schweiz Grünen-Präsidentin meint: «Die Juso ist zu provokativ»

4 min Lesezeit 17.05.2016, 10:37 Uhr

Eine Luzernerin steht an der Spitze der Jungen Grünen Schweiz. Nicht gewusst? Das hat Gründe. Judith Schmutz will nicht provokativ auftreten und für grosse Schlagzeilen sorgen. Zudem fehlt ihr im Moment schlicht die Zeit – sie hat Wichtigeres zu tun.

Luzerner Jungpolitiker, die auf nationalem Parkett für Furore sorgen, haben beinahe Tradition. David Roth war von 2011 bis 2014 Präsident der Juso Schweiz. Und die bürgerlichen Jungparteien wurden letztes Jahr gleich in Globo von Luzernern präsidiert. Jean-Pascal Ammann führte die JCVP, Maurus Zeier die Jungfreisinnigen und Anian Liebrand die JSVP. Alle drei haben mittlerweile ihr Amt niedergelegt.

Vorbei also mit der Luzerner Dominanz? Mitnichten. Etwas im Schatten der medialen Aufmerksamkeit hat eine 19-jährige Maturandin das Ruder der Jungen Grünen Schweiz übernommen. Im Februar wurde Judith Schmutz aus Rain zur Co-Präsidentin gewählt. Gemeinsam mit dem Lausanner Ilias Planchard und dem Zuger Luzian Franzini (zentralplus stellte ihn bereits kurz nach der Wahl vor) will sie sich für die Anliegen der Jungen Grünen stark machen. Wir haben Schmutz um ein Zwischenfazit gebeten.

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zentralplus: Seit 100 Tagen sind Sie nun Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz. Wie läufts?

Judith Schmutz: Der Anfang verlief turbulent. Als Dreiergremium mussten wir uns erst finden. Bei den Jungen Grünen steht momentan das Sammeln von Unterschriften für die Zersiedlungsinitiative im Zentrum. An diesem klaren Auftrag haben wir uns zu orientieren. Zeit für eigene Ideen bleibt momentan kaum.

zentralplus: Wie kann man sich das Amt als Co-Präsidentin vorstellen?

Schmutz: Das ist reine Freiwilligenarbeit. Nur unsere Sekretärin ist in einem Pensum angestellt. Wie viele Stunden ich pro Woche aufwende, kann ich schwer sagen. Aber es kann schon mal sein, dass jeden Abend eine Sitzung stattfindet. Ich bin froh, haben wir das Präsidium auf drei Schultern verteilt.

zentralplus: Was machen Sie denn beruflich?

Schmutz: In zwei Wochen habe ich die Maturaprüfungen. Momentan ists etwas stressig, aber ich danke meinen Mit-Co-Präsidenten, dass sie verständnisvoll und tolerant mit der Situation umgehen.

Im Februar wählten die Jungen Grünen ein neues Präsidium. Von links: Luzian Franzini, Judith Schmutz und Ilias Panchard.

Im Februar wählten die Jungen Grünen ein neues Präsidium. Von links: Luzian Franzini, Judith Schmutz und Ilias Panchard.

zentralplus: Was können Sie in Ihrem Amt bewirken?

Schmutz: Man kann sicher viele wichtige Kontakte knüpfen, auch mit den «grossen Tieren» der Schweizer Politik. Als Einzelperson ist es schwierig. Ich sehe mich auch als Teil eines Teams, wir wollen gemeinsam die Anliegen der Jungen Grünen vertreten.

zentralplus: Sie nimmt man aber kaum wahr. Täuscht der Eindruck? Ein Anian Liebrand war Dauergast in den Medien.

Schmutz: Wir Jungen Grünen wollen nicht enorm provokativ auftreten. Ich bin gerne offen für Medienanfragen, will aber, dass es um unsere Politik und nicht um meine Person geht.

zentralplus: Kommen wir zu den politischen Inhalten. Sie haben die Zersiedlungsinitiative angesprochen. Was ist genau der Inhalt der Initiative und wie viele Unterschriften haben die Jungen Grünen schon gesammelt?

Schmutz: Die nationale Initiative fordert einen Stopp der Zersiedelung. Die Schweiz soll nicht weiter zubetoniert werden. Statt in die Fläche, müssen wir in die Höhe bauen. Wir wollen nachhaltige und lebendige Quartiere. Wir haben über 70’000 von 100’00 nötigen Unterschriften gesammelt. Bis im Herbst müssen wir aber noch Vollgas geben.

Judith Schmutz vor der Kantonsschule Beromünster.

Judith Schmutz vor der Kantonsschule Beromünster.

(Bild: zvg)

 

zentralplus: Das ist ein klassisch ökologisches Anliegen. In letzter Zeit haben die Jungen Grünen aber viele klassische linke und soziale Themen beackert. Wollt ihr euch von der Juso abgrenzen, «Back to the roots» quasi?

Schmutz: So absolut sehe das nicht. In unserer Partei gibt es zwei Strömungen: Die einen kümmern sich wirklich um klassische ökologische Themen wie Littering, Foodwaste und die Klimaerwärmung. Und die anderen positionieren sich bewusst links, etwa in der Flüchtlingspolitik. Aber wir bleiben ganz klar eine linke Partei.

«Ich bin eigentlich in einem bürgerlichen Umfeld aufgewachsen.»

zentralplus: Würdet ihr nicht besser eure Kräfte bündeln? Ihr könntet doch einfach einen grünen Juso-Flügel bilden und so auch vom grossen Know-how der Juso profitieren.

Schmutz: Diese Frage ist nicht neu. Aus meiner Sicht ist die Juso zu provokativ. Sie fordert zu radikale sozialpolitische Umwälzungen. Und die Jungsozialisten schenken den ökologischen Themen zu wenig Beachtung, da bleiben wir lieber selbstständig.

zentralplus: Grüne Frauen kämpfen meist stark für die Gleichstellung. Wie sieht Ihr Engagement in dieser Frage aus?

Schmutz: Ich bin nicht fanatisch. Wenn in einem Text etwa nur die männliche Form vorkommt, stört mich das nicht. Schlimm finde ich aber die weiterhin grassierende Lohnungleichheit und das Bild, das in gewissen Köpfen weiterhin existiert.

zentralplus: Hat sich eigentlich schon früh gezeigt, dass Sie mal zu den Grünen gehen?

Schmutz: Vor drei Jahren machte ich ein Austauschjahr in den USA. Was ich dort erlebt habe, hat mich grundlegend verändert. Ich war im Bundesstaat South Dakota. So etwas wie Recycling oder Mülltrennung kennen die nicht, das hat mich beschäftigt. Da habe ich mich entschieden, etwas gegen den Strom zu schwimmen und mich bei den Grünen zu engagieren. Ich bin eigentlich in einem bürgerlichen Umfeld aufgewachsen. Mein Vater hat allerdings sehr tolerant reagiert. Er findet es super, dass ich mich für Politik interessiere und für meine Überzeugungen kämpfe. Wir haben schon oft harte Diskussionen, besonders auch, da mein Bruder meine politischen Vorstellungen selten teilt.

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