Grüne schicken drei Standorte für ein neues Luzerner Theater ins Rennen
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Abreissen oder erhalten? Beim Theater soll's nicht nur um die Fassade gehen, sondern auch um Inhalte. (Bild: jwy)

Südpol, Buobenmatt und ein «Unort» Grüne schicken drei Standorte für ein neues Luzerner Theater ins Rennen

4 min Lesezeit 6 Kommentare 02.10.2020, 15:50 Uhr

Das Luzerner Theater braucht einen neuen Standort. Das finden die Luzerner Grünen. Deswegen schlagen sie der Stadt die Prüfung dreier Plätze vor. Wirklich ideal scheint aber nur einer zu sein.

Die Diskussionen um das Luzerner Stadttheater reissen nicht ab. Schon seit Jahren wird über einen neuen Standort oder eine Sanierung des bestehenden Gebäudes am Theaterplatz diskutiert. Während sich die Stadt Luzern und das Theater selbst für einen Neubau aussprechen, will der Denkmal- und Heimatschutz des Bundes das heutige Gebäude erhalten, sanieren und nur einen eingeschränkten Umbau zulassen (zentralplus berichtete).

Die Grünen und Jungen Grünen des Kanton Luzerns sprechen sich klar für einen neuen Standort aus – und fordern in einem Vorstoss die Evaluation neuer möglicher Plätze. Für sie ist das Neue Luzerner Theater nämlich eine «grosse Investition in die Zukunft» und ein «Jahrhundertprojekt», wie sie in einer Mitteilung schreiben. Hinter dem Vorstoss stehen Kantonsrat und kantonaler Parteivorstand Urban Frye, Grossstadtrat Jona Studhalter und Kantonsrat Jonas Heeb. Als Denkanstoss legen sie dem Stadtrat drei Standorte zur Prüfung vor:

1. Kasernenplatz

Ein Neubau am Kasernenplatz wäre laut Urban Frey absolut denkbar – wenn der Bypass umgesetzt wird. «Dann könnte die Autobahneinfahrt zurückgebaut werden und es gäbe viel neuen Platz», sagt Frye auf Anfrage. Dass frühere Projekte, wie etwa der Neubau für die Universität Luzern, abgeschmettert wurden, habe nichts mit dem Standort an sich zu tun. Und eine Aufwertung durch einen stadtverträglichen Theaterbau sei an sich wünschenswert. Den Kasernenplatz empfindet Frye nämlich als «Unort der Stadt».

Der Kasernenplatz mit dem Naturmuseum und der Autobahneinfahrt.

«Die Buobenmatt gewinnt auch keinen Schönheitspreis.»

Urban Frye, Kantonsrat

2. Buobenmatt

Unweit des aktuellen Standorts befindet sich die Überbauung Buobenmatt. «Die gewinnt auch keinen Schönheitspreis», so Frye. Wenn die Stadt nun also unbedingt in der Nähe des Theaterplatzes bleiben möchte, dann sei dies durch einen Teilabriss der Buobenmatt realisierbar «ohne das Gebäude des heutigen Theaters zu tangieren», wie es in einer Medienmitteilung der Partei heisst.

Der Standort am Theaterplatz mit dem alten Theater (links) und der Überbauung Buobenmatt (rot, hinten).

3. Südpol

Fryes favorisierter Standort ist aber klar das Südpol-Areal in Kriens «Da gibt es bereits heute schon viele Bühnen. Grosse Teile der benötigten Infrastruktur wie etwa Proberäume oder Gastronomie könnten gemeinsam genutzt werden. Ein Neubau am Südpol müsste vielleicht wegen diesen Synergien gar nicht mehr das gesamte Raumprogramm enthalten.

Und dass die Abteilung Musik der Hochschule Luzern neu im Südpol ihre Unterrichtsräume und Probebühnen habe, sei ein zusätzlicher Vorteil. «Die Musiker von morgen sind heute schon da. Synergien könnten perfekt genutzt werden.» Generell entstehe am Südpol «gerade ein neuer kultureller Hotspot, in den sich auch das Luzerner Theater nahtlos und schlüssig integrieren könnte», wie es in der Mitteilung weiter heisst.

Das Kulturhaus Südpol – auch das neue Zuhause der Musikabteilung der HSLU.

Kein Sprint, sondern ein Marathon

Generell findet Urban Frye, dass man nicht kurzfristig denken sollte. «Eine schnelle Lösung am alten Standort behebt das Problem nicht, sondern verzögert es nur.» Auch müsse man über die Stadtgrenzen hinaus denken. Besonders im Hinblick auf die Zukunft. «Wir bauen das Theater für die nächste Generation, für die nächsten 100 Jahre.» Bis dahin werden sich das Stadtbild und die Stadtgrenzen massgeblich verändert haben. Ein Theater in Bahnhofsnähe sei dann nicht mehr zwingend.

«Die Diskussion muss breit geführt werden. Man muss sich die Zeit dafür nehmen, neue Standorte zu prüfen», findet der Kantonsrat. Er versteht, dass die Gespräche um das Thema ermüdend sind und man es baldmöglichst vom Tisch haben will, aber jetzt zu hetzen sei falsch. «Manchmal braucht es einen Umweg für die richtige Lösung. Und der erfordert halt Ausdauer.»

Der Weg zum Neuen Luzerner Theater ist also ein Marathon, kein Sprint.

Neunutzung des alten Standorts

Und das alte Theater? Das kann in Fryes Augen auch gut anderweitig genutzt werden. «Für Kammerspiele beispielsweise. Oder man könnte es anderen Kulturinstitutionen für Projekte zur Verfügung stellen.» Auch eine komplett andere Nutzung sei nicht auszuschliessen – für einen Restaurantbetrieb beispielsweise.

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6 Kommentare
  1. lfm, 03.10.2020, 08:58 Uhr

    Der Vorschlag der Grünen für alternative Neubauplätze kann nur unterstützt werden. Vor allem muss man von diesem kleinstädtisch-provinziellen Denken abkommen, wonach ein Theater nur in einem «Stadtzentrum» stehen kann. Ein Neubau ist zwingend. Gegen den aktuellen Standort sprechen keine ideologischen, sondern denkmalpflegerische Gründe (sumpfiger Baugrund, Statik und Lichteinfall Jesuitenkirche), vgl: http://www.zentralplus.ch/blog/architektur-blog/vom-kreuz-mit-dem-theater-oder-vom-theater-um-das-kreuz/

  2. Jes Suit, 02.10.2020, 21:49 Uhr

    Die Idee der Grünen, einen neuen Standort zu suchen, ist prinzipiell nicht schlecht. Am jetzigen Standort wird es einfach nichts gescheites! Doch ich finde es eine absolute Frechheit der Grünen, über die Optik der Buobenmatt zu urteilen und deren Teilabriss zu fordern. Mit dieser Forderung unterstreichen Sie einmal mehr ihr Vorurteil, nämlich immer nur zu fordern ohne selber etwas beizutragen, sei es notfalls mit Teilabriss oder Enteignung Anderer, wenn es ihrer Ideologie dient. Warum fordern sie nicht den Abriss der Jesuitenkirche? Kirchen gibt es genug in Luzern, zudem wenden sich sowieso je länger je mehr Leute vom katholische Glauben ab, da sie sich mit ihr nicht mehr identifizieren können und deren Schandtaten und Missbrauch nicht mehr dulden.

  3. Billie Holiday, 02.10.2020, 18:49 Uhr

    Kammerspiele und Projekte im alten Theaterbau. Kammerspiele, Kammerspiele…? Ist das nicht das kleinkarierte private Zeug, wenn etwa ein Ehepaar nicht mehr on terms of speaking ist, wenn Stieftöchter eigene Wege gehen, wenn Lebensentwürfe und Projekte scheitern? Wer bitte will so etwas sehen, abendfüllend, jeden Abend? Oder all die angeblichen Projekte von allerlei ephemeren Kulturinstitutionen, denen in den letzten Jahren Bühne um Bühne nachgeworfen wurde, auf denen dann meist sowieso bloss Popmusik dargeboten wird.

  4. Billie Holiday, 02.10.2020, 18:27 Uhr

    Da Eigentumsverhältnisse an den von Herrn Frey vorgeschlagenen Standorten offenbar gar keine Rolle spielen, und munter abgerissen werden darf, was im Weg steht, könnte man sich natürlich auch einen Theaterneubau mit Reusssicht anstelle des heutigen AirB&B-Gebäudes an der St.-Karli-Strasse 71b gut vorstellen, gerade jetzt, wo die Spange Nord vom Tisch ist. Oder warum nicht ein neues Theater an der Hirschmattstrasse vis-à-vis der Bibliothek?

  5. Marcel Sigrist, 02.10.2020, 16:54 Uhr

    Richtig, wenn Luzern ein neues Theater braucht, dann ein richtiges. Eines das den Anforderungen genügt. Aber muss das unbedingt da stehen wo das alte steht? Muss keiner sagen, dass das gut kommt. Eingezwängt zwischen Häuser (Buobenmatt), Jesuitenkirche, Wege und Reuss. ein Theater brauch auch Aussenfläche, Freiraum und Zufahrten, nicht nur für Velos. Und Geschosse im Untergrund. Da höre ich jetzt schon zu den Kosten: Bauen am Wasser ist halt teuer (siehe Velostation). Nein, bitte zurück auf Platz 1, bitte andernorts planen. Da kommen die Ideen der Grünen gerade recht. Und wenn dabei vielleicht der Schandfleck Buebenmatt entfällt; geschenkt. Ein weiterer Standort könnte mit der Neugestaltung Alpenquai in Frage kommen. Da gibt es hinter der Ufschötti ein par grässliche Wohnbauten, die gerne das Zeitliche segnen dürfen.

  6. Marcel Sigrist, 02.10.2020, 16:47 Uhr

    Richtig, wenn Luzern ein neues Theater braucht, dann ein richtiges. Eines das den Anforderungen genügt. Aber muss das unbedingt da stehen wo das alte steht? Muss keiner sagen, dass das gut kommt. Eingezwängt zwischen Häuser (Buobenmatt), Jesuitenkirche, Wege und Reuss. ein Theater brauch auch Aussenfläche, Freiraum und Zufahrten, nicht nur für Velos. Und Geschosse im Untergrund. Da höre ich jetzt schon zu den Kosten: Bauen am Wasser ist halt teuer (siehe Velostation). Nein, bitte zurück auf Platz 1, bitte andernorts planen. Da kommen die Ideen der Grünen gerade richtig. Bravo! Wenn dabei der Schandfleck Buobenmatt wegfällt; geschenkt. Darüber hinaus gäbe gäbe es noch die Neugestaltung Alpenquai als möglichen neuen Standort. Da gibt es einige hässliche Bauten hinter der Ufschötti, die da nicht stehen sollten und das Zeitliche segnen dürften.

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