Politik

Wieso die Luzerner Regierung abwinkt
Grüne sagen staatlicher Fleischwerbung den Kampf an

Grüne-Kantonsrätin Korintha Bärtsch will, dass das Geld für die Fleischwerbung stattdessen in nachhaltige Produkte investiert wird.
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Grüne-Kantonsrätin Korintha Bärtsch will, dass das Geld für die Fleischwerbung stattdessen in nachhaltige Produkte investiert wird. (Bild: Unsplash/@hanness/zvg)

Wie passen staatlich subventionierte Fleischwerbung und eine nachhaltige Klimapolitik zusammen? Gar nicht, finden die Grünen. Sie fordern daher, dass der Kanton Luzern auf nationaler Ebene aktiv wird, damit der Bund die Werbemillionen in klimaverträgliche Produkte investiert. Der Regierungsrat winkt jedoch ab.

Jeden Sommer zur Grillzeit flimmert Fleischwerbung über die Schweizer Bildschirme. Der Bund lässt hierfür über 5 Millionen Franken pro Jahr springen. Gemäss der Luzerner Kantonsrätin Korintha Bärtsch (Grüne) ist das nicht mit der Luzerner Klimapolitik vereinbar. Statt wie geplant über den Einfluss der Ernährung aufs Klima zu informieren, werde so der umweltschädliche Fleischkonsum zusätzlich angekurbelt (zentralplus berichtete).

Sie fordert deshalb von der Luzerner Regierung, dass sie in Bundesbern eine Standesinitiative einreicht. Der Bund soll dazu bewogen werden, statt den Absatz von Fleisch den Verkauf von klimaverträglichen Produkten zu fördern.

Luzerner Regierung will nicht aktiv werden

Die Luzerner Regierung erteilt dieser Idee jedoch eine Absage. Das Vorgehen sei nicht «angebracht», hält sie in seiner Stellungnahme auf Bärtschs Motion fest. Denn mit der umstrittenen Absatzförderung strebe der Bund nicht die Steigerung des Fleischkonsums an. Sondern eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit von Schweizer Landwirtinnen gegenüber den meist billigeren ausländischen Fleischproduzenten.

Sprich: Die Werbung soll nicht dafür sorgen, dass die Bevölkerung mehr Fleisch isst, aber einheimische Würste und Plätzli. Das wirkt offensichtlich: In den letzten zehn Jahren sei der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch in der Schweiz leicht gesunken, während die Präferenzen für Schweizer Fleisch stieg.

«Es braucht jemanden, der hinsteht und sich traut, auch in der Landwirtschaft Klimapolitik zu betreiben. Aber davor kuscht die Regierung.»

Korintha Bärtsch, Luzerner Grüne-Kantonsrätin

Zudem lege der Bund in den kommenden Jahren ohnehin vermehrt der Fokus auf die «Vermittlung von Informationen zu nachhaltigem Konsumverhalten», wie die Regierung zitiert. Sie geht deshalb davon aus, dass darin bereits die verstärkte Förderung nachhaltiger Produkte inkludiert ist.

Damit bläst der Kanton Luzern ins selbe Horn wie auch schon der Nationalrat. Erst kürzlich hat «Greenpeace» mit einer Petition ein ähnliches Anliegen aufs politische Tapet gebracht. Mit der gleichen Begründung hat der Nationalrat den Fleischwerbungs-Stop diesen Herbst mit 108 zu 83 Stimmen vom Tisch gewischt, wie die «Bauernzeitung» berichtet.

Politiker beissen sich an Fleischliebhabern die Zähne aus

Eine Initiative gegen Fleischwerbung aus dem Kanton Luzern wäre ein starkes Zeichen gewesen. Schliesslich ist Luzern ein bedeutender Agrarkanton, besonders in Sachen Schweinefleisch. Die Regierung betont denn auch, dass die Fleisch- und Milchproduktion aufgrund der geografischen Gegebenheiten des Kantons oft die einzig sinnvolle Produktionsform sei.

Gleichwohl oder gerade deshalb wird die Landwirtschaft in der anstehenden Klimadebatte im Kanton Luzern zu einem wichtigen Thema werden. Die Regierung will sowohl bei der Produktion als auch bei der Ernährung den Hebel ansetzen, also bei Bauern und Bevölkerung.

Die Veränderungen der Ernährung sei aber ein «sensibles Thema». Wie recht die Kantonsregierung damit hat, zeigt ein kürzliches Beispiel der Mensa der Uni Luzern. Als diese ihr Mensa-Angebot auf vegetarisch und vegan umstellen wollte, hat dies eine Welle der Empörung ausgelöst. Die neue kulinarische Ausrichtung hat sogar den Weg in die Politik gefunden – bis die Uni die Fleischesser dann doch wieder in die Kantine einquartiert hat (zentralplus berichtete).

Korintha Bärtsch vermisst mutigen Kanton Luzern

Korintha Bärtsch kann sich nicht so richtig mit der Haltung der Regierung anfreunden. «Ich bin enttäuscht von der Antwort», sagt die Co-Fraktionschefin der Grünen. «Ich verstehe nicht, wie die Regierung zu diesem Schluss kommt.» Die Luzerner Regierung gebe zu, dass sowohl die Tierhaltung reduziert als auch die Ernährung im Kanton Luzern verändert werden müsse – trotzdem lehne sie die Motion ab.

«Es ist falsch, mit staatlichen Mitteln ein Klimaproblem zu subventionieren.»

Korintha Bärtsch, Luzerner Grüne-Kantonsrätin

Für Bärtsch sendet der Kanton Luzern so ein gemischtes Signal: «Die Regierung ist mit der Richtung des Vorstosses zwar einverstanden, aber getraut sich nicht zuzustimmen.» Damit komme Luzern in der Klimapolitik jedoch nicht weiter: «Es braucht jemanden, der hinsteht und sich traut, auch in der Landwirtschaft Klimapolitik zu betreiben. Aber davor kuscht die Regierung.»

Bald geht’s um die Wurst

Dass nun statt ausländischem Fleisch «nachhaltig produziertes» Schweizer Fleisch beworben werde, sei zwar ein guter Anfang. Aber: «Es ist falsch, mit staatlichen Mitteln ein Klimaproblem zu subventionieren.» Besser würde man zum Beispiel den Obst- und Gemüseanbau oder den Ackerbau fördern, so die Stadtluzerner Politikerin.

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Trotz ablehnender Haltung der Regierung versucht Bärtsch im Luzerner Kantonsrat nun eine Mehrheit zu gewinnen. «Ich habe schon von verschiedenen Ratskollegen gehört, dass die Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrer Nachfrage entscheiden, was die Landwirtschaft produziert.» Selbiges hat auch der Luzerner Bauernverband eingewendet, als es um Lösungen zum Klimaproblem in der Landwirtschaft ging (zentralplus berichtete).

«Sie will ich nun beim Wort nehmen», fügt Bärtsch an. Bis diese Motion im Kantonsrat diskutiert wird, ist die Sache also noch nicht gegessen.

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9 Kommentare
  1. Roland Grüter, 09.12.2021, 17:23 Uhr

    Die Grünen und Anhang leben immer noch «hinter dem Mond». Veganer und Veganerinnen produzieren durch Ihre Ernährungsweise ebenso Klimabelastende Produkte wie Fleischesser.
    Also was soll’s.

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  2. Sascha K., 09.12.2021, 10:02 Uhr

    Hier geht es wohl um Effekthascherei als um Inhalt. 5 Millionen von 8 Milliarden wären davon betroffen, also gerade mal ein halbes Promille. Das verändert… nichts. Ist dies das Ziel der Politik?

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  3. Oliver Brunner, 08.12.2021, 23:35 Uhr

    Genau deshalb wähle ich die Grünen nicht mehr. immer nur Verbote und gegen alles, statt endlich mal etwas voran zu bringen. Ich esse kein Fleisch, kann es aber nicht ausstehen, wenn mir jemand sagen will, was ich essen darf und was nicht.

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    1. Laura Spring, 09.12.2021, 06:51 Uhr

      In diesem Fall geht es nicht um Verbote sondern darum, dass keine staatliche (mit ihrem Steuergeld finanziert!) Werbung und Absatzwerbung für Fleisch mehr gemacht wird. Denn dies ist ein Fehlanreiz für zu viel Fleischproduktion. Der Fleischkosum kann dann immernoch von der Privatwirtschaft, Detailhandel etc beworben werden und der meisten werden gleich viel Fleisch essen auch ohne staatliche Werbung. Mit „Verbot“ hat das wirklich nichts zu tun.

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      1. Oliver Brunner, 09.12.2021, 08:17 Uhr

        Das mag schon sein. Unsere Landwirtschaft kostet jedes Jahr 20 Milliarden, davon sind 8,5 Milliarden Steuern. Ein Teil geht in Werbung. Finde ich zwar alles sehr fragwürdig, kann ich aber nicht ändern. Doch warum soll man die Fleischwerbung ausnehmen, wenn selbst Pestizide subventioniert weren?

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  4. Daniela Übersax, 08.12.2021, 22:31 Uhr

    «Ich habe schon () gehört, dass die Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrer Nachfrage entscheiden, was die Landwirtschaft produziert.». Wow, bemerkenswert.

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  5. Hegard, 08.12.2021, 19:45 Uhr

    Ich bin auch Naturliebhaber und schätze diese Windräder auch nicht in der schönsten Landschaften,aber zugleich blockieren die Grünen die Alternative Stromerzeuger,wonach sie Schreien,es gibt auch vertikale Windräder die in Industriezonen aufgebaut werden können,es gäbe auch Biogasanlagen die nicht nur den Bauern nützlich sind.Auch kleine Wasser
    Kraftwerke die man sanft in der Landschaft
    Integrieren kann.Die Grünen sollten mehr Kompromisse eingehen.
    Sie haben es ja selber in der letzten Abstimmung
    erfahren das ihre Anliegen das Volk überfordert.Auch mit kleinen Geschenken kann man Freude bereiten und zum Ziel führen.Alle Volksparteien sollten etwas bescheidener sein und das Volk nicht versuchen mit dem Hammer zu überzeugen.

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  6. Hegard, 08.12.2021, 19:21 Uhr

    5 mil.für Fleischwerbung Find ich als Fleischesser auch daneben.Man könnte dies Geld in Biogasanlagen Investieren,Was das Güllen Proplem löst(CO2),den Gestank neutralisiert, die Gewässer Verunreinigung mindert, der Humus und Dünger den Wachstum der Erde fördert,Strom erzeugt, mit Dampf Fernwärme betreibt und zum Schluss *Wasserstoff erzeugt.So wären Viele nachhaltige Umwelt propleme behoben. Somit auch dem Bauer geholfen und uns seine Kunden zur allgemeinen zufriedenheit gebracht.
    Jedenfalls bringt so eine abrufbare Biogasanlage mehr Vorteile als die Wetter abhängige Sonnenkollektoren.
    Auch Grasteeranlage Kartoffelwaschanlagen
    Oder Wintergärten könnten direkt damit betrieben werden. *Übrigens 3%wasserstoff wird auch als Desinfek tionsmittel und Putz
    Mittel gebraucht.

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  7. Hypokrisie, 08.12.2021, 18:48 Uhr

    Weniger Staat ist immer gut – wieso sind die SVP und FDP nicht dabei?

    3 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 1 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter

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