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Grosser Knall bei der NLZ: Bornhauser tritt ab
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Übernimmt den Posten von Thomas Bornhauser (rechts): Pascal Hollenstein. (Bild: zvg / Montage zentral+)

NZZ spart bei «Neue Luzerner Zeitung» Grosser Knall bei der NLZ: Bornhauser tritt ab

5 min Lesezeit 17.02.2016, 10:03 Uhr

Die Tage von NLZ-Chefredaktor Thomas Bornhauser sind gezählt. Die NZZ als Besitzerin muss sparen und organisiert ihre Regionaltitel neu. Wer Bornhausers Nachfolge antritt, ist noch unklar. Klar ist aber: Es ändert sich auch sonst einiges, und das nicht nur in Luzern, sondern auch in Zug. Und zwar nicht im Sinne der Medienvielfalt.

Es rumpelt bei der «Neuen Luzerner Zeitung». Nach 20 Jahren an der Spitze muss Chefredaktor Thomas Bornhauser seinen Sessel räumen.

Pascal Hollenstein, derzeit stellvertretender Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», soll die neu geschaffene Position des Leiters Publizistik der Regionalmedien der NZZ-Mediengruppe übernehmen. In dieser Funktion soll er den Regionalzeitungsverbund als «anspruchsvolle publizistische Stimme in der Zentral- und Ostschweiz positionieren und weiterentwickeln», teilt die NZZ diesen Mittwochmorgen mit. Und dann folgt jener Satz, der in Luzern wohl für die meisten Emotionen sorgen dürfte: «Philipp Landmark und Thomas Bornhauser haben sich im Zuge der Neuorganisation entschieden, von ihren Aufgaben als Chefredaktoren des ‹St. Galler Tagblatts› beziehungsweise der ‹Neuen Luzerner Zeitung› zurückzutreten. Ihre Nachfolge ist noch zu bestimmen.»

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Aktuell amten in Luzern Dominik Buholzer und Jérôme Martinu als stellvertretende Chefredaktoren. Ob einer von ihnen zum Handkuss kommt?

Während der schon seit Jahren andauernde Sparkurs des NZZ-Mutterhauses auf der NLZ-Redaktion von Unmut und Ängsten begleitet ist, dürfte der Abgang von Bornhauser in der Tendenz eher für Erleichterung sorgen. Bekanntlich hat Bornhauser die Redaktion nach dem Prinzip Zuckerbrot und Peitsche geführt, wobei ihm die Peitsche deutlich lieber war.

Sparen, sparen, sparen

Hintergrund der ganzen Übung laut NZZ: «Ende 2014 hat die NZZ-Mediengruppe die Tagblatt Medien und die LZ Medien unter einheitlicher Leitung im Geschäftsbereich Regionalmedien zusammengeschlossen. Ziel der gemeinsamen Organisation ist es, im Überregionalen, bei der Lesermarktbearbeitung und in der Verwaltung vermehrt zusammenzuarbeiten und in der lokalen und regionalen Berichterstattung das Eigenständige zu stärken.» Also vor allem zu sparen. Vor diesem Hintergrund soll laut Mitteilung Pascal Hollenstein, bisheriger Inlandchef und stellvertretender Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», in diesem Frühling seine neue Funktion als Leiter Publizistik der NZZ-Regionalmedien antreten. Der definitive Entscheid erfolgt nach Anhörung der Redaktionen in St. Gallen und Luzern.

NZZ bestimmt für NLZ neu nationale Themen

Pascal Hollenstein soll in einer ersten Phase schwerpunktmässig die überregionalen Ressorts sowie die Zusammenarbeitsprojekte zwischen den Redaktionen in der Zentral- und Ostschweiz leiten. Dazu gehören laut NZZ die Einführung des einheitlichen Redaktionssystems Woodwing und des gemeinsamen Layouts mit jeweils unterschiedlichem Markenauftritt.

Was völlig neu ist: Die Chefredaktoren des «St. Galler Tagblatts» und der «Neuen Luzerner Zeitung» konzentrieren sich auf die Leitung der regionalen Ressorts und berichten an den Leiter Publizistik. Den «Chefredaktor» wie bis anhin wird es in Luzern und St. Gallen also nicht mehr geben. Bornhausers Nachfolger wird wohl nur noch für die Bereiche Regionales, Kultur, Wirtschaft und Sport zuständig sein. Nicht mehr aber für nationale Themen. Diese sollen neu via Hollenstein laufen.

Bezüglich der beiden stellvertretenden NLZ-Chefredaktoren Buholzer und Martinu wäre damit wohl Martinu im Vorteil, da er für die regionalen Ressorts verantwortlich ist und Buholzer für die überregionalen.

Was weiter für Aufsehen sorgen dürfte: Die Regionalzeitungen «Thurgauer Zeitung» und «Neue Zuger Zeitung» erhalten laut NZZ-Mitteilung mehr Gewicht. «In der neuen publizistischen Führungsstruktur rapportieren deren Chefredaktoren David Angst und Harry Ziegler direkt an den Leiter Publizistik.» Dieser soll von Luzern und St. Gallen aus operieren und nicht von Zürich aus, wie die NZZ klarstellt.

Bornhauser wird NLZ-Autor

Ob die beiden abtretenden Chefredaktoren freiwillig zurückgetreten sind oder ihnen der Rücktritt nahegelegt wurde, ist noch unklar. Thomas Bornhauser war von 1993 bis 1995 Chefredaktor der «Luzerner Zeitung» und leitete seit deren Fusion mit den «Luzerner Neusten Nachrichten» 1996 die «Neue Luzerner Zeitung» und deren Regionalausgaben. Er wird, auch das dürfte in Luzern für Erstaunen sorgen, weiter als Autor für die «Neue Luzerner Zeitung» schreiben – bislang war er nicht als Vielschreiber bekannt.

Philipp Landmark kam 2006 als Chef der Stadtredaktion zum «St. Galler Tagblatt» und wurde 2009 Chefredaktor der Zeitung. Er wird dem «St. Galler Tagblatt» weiterhin für verschiedene publizistische Projekte zur Verfügung stehen.

«Ich danke Thomas Bornhauser und Philipp Landmark herzlich für ihr Engagement, ihr unternehmerisches Geschick und ihre publizistischen Leistungen, die unsere Zeitungstitel über viele Jahre stark geprägt haben», sagt Jürg Weber, Leiter Regionalmedien der NZZ-Mediengruppe. «Mit Pascal Hollenstein konnten wir einen renommierten Publizisten für die neue Position gewinnen. Ich bin überzeugt, dass es ihm gelingen wird, im mit 565’000 Leserinnen und Lesern grössten Regionalzeitungsverbund publizistisch die richtigen Akzente zu setzen und unsere Bezahlprodukte für die Kunden digital und in Print weiterzuentwickeln.»

Luzern wird noch abhängiger

Der neue starke Mann aus Luzerner und Zuger Sicht ist Pascal Hollenstein. Nach der vollständigen Übernahme der NLZ durch die NZZ 2014 steigert «Zürich» nun seinen Einfluss auf «Luzern» folglich deutlich. Hollenstein ist 1971 geboren und im Thurgau aufgewachsen. An der Universität Zürich studierte er Geschichte, Politikwissenschaft, Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Er begann seine journalistische Karriere als Redaktor bei «Radio Thurgau» und der «Thurgauer Zeitung», übernahm später verschiedene Engagements im Bereich Corporate Publishing und als Historiker bei einer Versicherungsgesellschaft, bevor er als Wirtschaftsredaktor zur «Sonntagszeitung» wechselte. 2002 gehörte er zum Gründungsteam der «NZZ am Sonntag», wo er 2011 zum Ressortleiter Schweiz und zum stellvertretenden Chefredaktor befördert wurde.

Chefredaktor seit Gründung

Der in der Stadt Luzern aufgewachsene Thomas Bornhauser gilt als dienstältester Chefredaktor der Schweiz. Er übernahm im Herbst 1993 das Amt des Chefredaktors der «Luzerner Zeitung» und stand der «Neuen Luzerner Zeitung» seit ihrer Gründung 1996 vor. Der 60-Jährige war davor Redaktor des «Luzerner Tagblatts», der LNN, der NZZ sowie Pressesprecher des Verbandes Schweizerischer Maschinen-Industrieller. Ausserdem leitete er die Info-Gruppe des Luzerner Zivilschutzes.

HINWEIS: Lesen Sie hier unser Update: «Nach Abgang von Chefredaktor – wie weiter mit der NLZ» sowie unseren Kommentar dazu: «Zeit für frischen Wind bei der NLZ»

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