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Anders als die Männerregierung
Gratis-Tampons? Stadt Luzern sagt Ja

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 17
Anders als Viagra und Kaviar gehören Tampons und Binden laut Bund nicht zu den Produkten des alltäglichen Bedarfs.
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Anders als Viagra und Kaviar gehören Tampons und Binden laut Bund nicht zu den Produkten des alltäglichen Bedarfs. (Bild: Adobe Stock)

Der Luzerner Stadtrat ist offen für Gratis-Tampons und kostenlosen Binden an Schulen. Anders als die kantonale Männerregierung streicht er die Vorteile hervor – und dass Hygieneartikel zum Grundbedarf und zur Grundausstattung von Toiletten gehören.

Was hat Politik mit Menstruation und Tampons zu tun? Auf den ersten Blick vielleicht nicht viel. Doch da gibt es beispielsweise die Tamponsteuer. Tampons und Binden unterliegen in der Schweiz einer Mehrwertsteuer von 7,7 Prozent. Obwohl Frauen monatlich menstruieren, gehören Tampons nicht zu den Produkten des täglichen Bedarfs. Anders als beispielsweise Katzenstreu, Kaviar und Viagra.

Und es gibt Periodenarmut. Frauen, die sich keine Hygieneprodukte leisten können. Denn Menstruieren geht ins Geld. Laut der britischen «Huffpost» geben Frauen in ihrem Leben im Durchschnitt 20’500 Euro fürs Menstruieren aus. Neben Hygieneprodukten sind Schmerzmittel und allfällige Arztbesuche eingerechnet. Denn ja, die Regelblutung kann auch ordentlich schmerzen.

Die Periodenscham ist auch im 21. Jahrhundert noch gang und gäbe. Dem Chef sagen, dass man blutet und sich vor Schmerzen im Unterleib windet? Lieber nicht. Vielleicht war’s ja doch das Essen beim Asiaten gestern. Den blutigen Tampon in den Abfalleimer der WG werfen? Lieber nicht, ein Mitbewohner findet’s bestimmt eklig. Beim Essen mit Freunden am Tisch im Restaurant in die Runde fragen, wer einen Tampon hat? Semi-angenehm.

Luzern: Forderung nach Gratis-Tampons

Frauen können es sich nicht aussuchen, ob sie menstruieren wollen oder nicht. Sie tun das einfach Monat für Monat, 40 Jahre ihres Lebens. Das sind etwa 400 Regelblutungen.

Schweizweit und auch über die Landesgrenze wird die Forderung nach Gratis-Tampons und -Binden an Schulen laut. So auch in Luzern. Im letzten August haben SP-Grossstadträtin Regula Müller und SP-Grossstadtrat Benjamin Gross einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Kostenlos zugängliche Hygieneartikel seien eine Sensibilisierungsmassnahme, um eine Enttabuisierung voranzutreiben. Und: Kommt das Blut überraschend, müssen Menstruierende nicht mehr auf Notlösungen wie zusammengestopftes Toilettenpapier zurückgreifen. Die Postulanten versprechen sich dadurch weniger Stress.

Luzerner Stadtrat ist für Gratis-Tampons

Nun liegt die Antwort des Luzerner Stadtrates vor. Dieser nimmt das Postulat entgegen. Er will künftig auf 91 Damentoiletten an Stadtluzerner Schulen Gratis-Tampons und Gratis-Binden bereitstellen. Hygieneartikel für die Menstruation gehören wie Toilettenpapier «zum Grundbedarf und zur Ausstattung einer Toilettenanlage», findet die Stadtregierung.

Frauen würden sich wohler und entlastet fühlen, wenn Tampons und Binden stets bereitstehen. Vor allem, wenn die Menstruation mal früher oder später einsetzt. «Für uns ist die Teilhabe am sozialen Leben entscheidend. Wir wollen nicht, dass junge Frauen im Schulalltag Notlagen kommen, weil die Menstruation einsetzt und sie keine entsprechenden Hygieneartikel griffbereit haben», sagt Stadtpräsident Beat Züsli auf Anfrage.

Er spricht auch die Erfahrungen der Stadt Zürich an. Sie führt aktuell in zehn Schulen der Volksschule einen Pilotversuch mit Gratis-Tampons und Gratis-Binden durch. Die Resonanz sei sehr positiv. Auch seien keine Tampons und Binden auf Vorrat gehamstert worden.

Die Stadt Luzern will mit gutem Beispiel vorangehen, wie die städtische Regierung schreibt. Die WCs der Primar- und Sekundarschulen werden gemäss Stadtrat künftig mit Abgabeboxen ausgestattet, die mit Tampons und Binden gefüllt sind. Für diese Boxen müssten einmalig rund 27’000 Franken investiert werden. Fürs Nachfüllen rechnet der Stadtrat mit jährlichen Kosten von rund 22’000 Franken.

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Männerregierung war dagegen

Damit zeigt sich die städtische Regierung offener als die Luzerner Männerregierung. Letztes Jahr hat sich auch die kantonale Politik in Luzern mit Gratis-Tampons befasst. Das Kantonsparlament hat einen entsprechenden Vorstoss von SP-Kantonsrat Hasan Candan abgelehnt – nach einer angeregten Diskussion (zentralplus berichtete).

Die Luzerner Regierung lehnte die Forderung Candans ab, weil sie «neue Ungleichheiten» schaffen würde. Zum Beispiel weil Tampons in öffentlichen Einrichtungen wie dem Kantonsspital oder der Uni bereitliegen, in privaten oder kommunalen Institutionen hingegen nicht. Zudem seien kostenlose Hygieneartikel ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft, so der Tenor der kantonalen Regierung (zentralplus berichtete).

Der Luzerner Stadtrat hingegen will nun den Weg für Gratis-Tampons ebnen. Ob das Stadtparlament ebenfalls diesen Weg einschlägt, wird sich an der Sitzung vom 27. Januar zeigen.

Verwendete Quellen
  • Frühere Medienberichte von zentralplus zum Thema
  • Postulat 119 von Regula Müller und Benjamin Gross namens der SP-Fraktion
  • Stellungnahme des Luzerner Stadtrates zum Postulat 119
  • Medienbericht «Huffpost»
  • Persönliches Telefongespräch mit Beat Züsli
Weitere Quellen
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17 Kommentare
  1. Karl-Heinz Rubin, 14.01.2022, 03:19 Uhr

    Finde ich prinzipiell eine sehr gute Idee
    Aus Erfahrung wird sich aber zeigen, dass die Beschaffung des Materials, das Sortiment und der Missbrauch (Diebstahl) zu grossen Problemen führen wird.
    Aber dies wird dann zum Glück kein Männer Problem mehr sein.
    Die Zeit wird es zeigen…

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  2. Lehrperson, 13.01.2022, 18:03 Uhr

    Wenn bei jungen Frauen die Periode einsetzt, ist diese oft noch sehr unregelmässig. Für Schülerinnen kann es belastend sein, wenn die Periode überraschend eintritt. Dieses Problem haben Jungs nicht. Wenn Schulen gratis Tampons und Binden zur Verfügung stellen für ‹Notfälle›, finanzieren sie den Schülerinnen nicht ihren gesamten Bedarf an Hygieneprodukten, aber sie nehmen die Befürfnisse ihrer Schülerinnen ernst. Pflaster und Verbandszeug für Notfälle, stellt die Schule ja auch zur Verfügung.

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    1. Dora Gruber, 14.01.2022, 16:31 Uhr

      Grundsätzlich mögen Sie recht haben. Doch denken Sie nicht auch, dass Kolleginnen in so einem Notfall aushelfen könnten? War zumindest in meiner Schulzeit so, und das ist noch nicht allzu lange her.
      Ich denke nicht, dass es Aufgabe der Schule ist, alle Bedürfnisse der Schüler abzudecken. Ohne Handy geht auch keine aus dem Haus. Sonst bräuchte es ja auch ein Notfall-Handy und verschiedenste Ladegeräte…

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  3. Maya Gander, 13.01.2022, 14:06 Uhr

    Manchmal frage ich mich schon in welchem Jahrhundert ich bin.
    Für alles andere haben die jungen Leute heute Geld.
    Ich ich da an all die Tätowierungen denke, was da Geld ausgegeben wird !
    Ich war auch mal jung, verdiente nicht so viel, jedoch meine Hygiene Artikel habe ich immer selber bezahlt.
    Was wollen die Jungen heute noch alles was der Staat bezahlen sollte.
    Steuern bezahlen, ja sogar 100% arbeiten wollen sie nicht mehr.
    Sehr fragwürdige Entwicklung!

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    1. Michel von der Schwand, 13.01.2022, 20:28 Uhr

      Sie leben definitiv nicht in diesem Jahrhundert.

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  4. Linkslast, 13.01.2022, 12:57 Uhr

    …und genau das passiert, wenn man Links wählt. Der Staat muss alle First-World Probleme lösen. Auf Kosten der Steuerzahler natürlich.

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    1. Isa, 14.01.2022, 07:32 Uhr

      Periode ist also ein First World Problem?

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      1. Martina, 14.01.2022, 07:55 Uhr

        Dass Staatsangetellte Tampons verteilen müssen, weil sich einige Frauen sich sonst unterdrückt fühlen, ist tatsächlich ein First World Problem.

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      2. Thomas Aeberhard, 14.01.2022, 08:52 Uhr

        Warum ist die Periode ein Problem? Keine Periode wäre für meine Freundin eines…

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      3. Michel von der Schwand, 14.01.2022, 15:39 Uhr

        Erschreckender frauenfeindlicher Kommentar von einer Frau. Unfassbar!

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    2. Isa, 14.01.2022, 16:52 Uhr

      @ Martina
      Ich, Staatsangestellte und Frau mit Periode, verteile sehr gerne den Mädels an unserer Schule Hygieneartikel.
      Sehe darin kein First World Problem.

      Aber dass man sich dermassen darüber aufregt – das ist ein Problem.

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  5. Wie-Bitte, 13.01.2022, 12:53 Uhr

    Gratis-Hörgeräte für alle, aber subito!

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    1. Cory Gunz, 13.01.2022, 13:05 Uhr

      Was soll ich mit einem Hörgerät? Brauche übrigens auch keinen Rollstuhl!

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  6. Lucommenter, 13.01.2022, 11:23 Uhr

    Gratis ist leider nicht kostenlos. Nun dürfen die Steuerzahlerinnen die Tampons bezahlen. Die Kosten sind aber etwa doppelt so hoch wie vorher, da die Tampons auch beschafft, gelagert und nachgefüllt werden müssen. Dafür braucht die Stadt wahrscheinlich wieder 2 zusätzliche Stellen.

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  7. Marc, 13.01.2022, 11:16 Uhr

    Jede Frau die ich kenne schleppt eine Handtasche mit sich rum. Ist es wirklich so schwierig ein paar Tampons mitzuführen? Ich habe auch immer ein Pack Nastücher im Sack.

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    1. Michel von der Schwand, 13.01.2022, 20:27 Uhr

      Du blutest auch nur aus der Nase.

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    2. Mia, 14.01.2022, 16:57 Uhr

      Ne. Schwierig ist das nicht.
      Man(n) könnte ja auch immer Toilettenpapier mitschleppen. Aber dieses ist ja auch «gratis» vorhanden als Hygieneartikel.

      Ich verstehe einfach nicht, warum man es der blutenden Hälfte der Gesellschaft nicht einfach «gönnt». Wir nehmen euch nichts weg – keine Angst.

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