Gratis-Baden im Zugersee: Hünenberg verweigert sich dem Trend
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Am Feiertag war's gratis: Obwohl 1000 Badegäste in Hünenberg zugelassen sind, kamen an Auffahrt nur wenige zu Besuch. (Bild: Markus Mathis)

Zum Saisonstart gibt’s mehr Bürokratie Gratis-Baden im Zugersee: Hünenberg verweigert sich dem Trend

3 min Lesezeit 14.05.2021, 04:58 Uhr

In Zug und Cham ist der Zutritt zu den Zugerseebädern kostenlos. In Rotkreuz ebenso, ausserdem wird der Zutritt zur Badi im Dorf möglicherweise bald gratis. Hünenberg stemmt sich gegen den Trend. Aber gratis Schwimmen ist dennoch möglich.

Gratisbenützung der Seebäder und kostenlose Benützung der Bibliothek: Das ist einer jener Vorteile, welche Neuzuzüger in der Stadt Zug – abgesehen von allen Steuerdiskussionen – zu schätzen wissen. Und der Trend greift um sich: Cham hat 2020 entschieden, den Zutritt zu seinem grossen Strandbad östlich von St. Andreas in einem dreijährigen Pilotversuch kostenfrei zu gestalten.

Das weckte auch die Einwohner der Nachbargemeinde Hünenberg auf, die im Gebiet Dersbach und Chämleten einen ziemlich grossen Seeanstoss hat – und eine Badi, die bei Einheimischen und Familien mit kleinen Kindern beliebt ist. Die lokale SP forderte den Gratiseintritt auch in Hünenberg, die FDP wollte in einer Interpellation wissen, was die Gemeinderegierung zu einer Bevorzugung der Einheimischen meint.

Acht-Franken-Gutscheine für Kinder

Der fünfköpfige Gemeinderat, in dem zwei CVP-Vertreter, zwei FDPler und ein Sozialdemokrat sitzen, wollte zwar von einem Gratiseintritt in die Badi Hünenberg nichts wissen. Aber pünktlich zum Beginn der Freibadsaison haben sich die Magistraten dennoch einen klitzekleinen Ruck gegeben: Am Mittwoch gab der Gemeinderat bekannt, dass er die Gebühren für die Saisonkarten à 50 Franken für Einheimische um 20 Prozent reduziert – ausgenommen bleibt die Kästlimiete. Ausserdem erhalten «alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen vom Kindergarten bis zur 3. Oberstufe einen Gutschein von acht Franken».

Dieser könne entweder an der Badikasse für einen Billettkauf oder im Badirestaurant für eine Konsumation eingelöst werden. Die Verteilung der Gutscheine soll via Hünenberger Lehrpersonen oder postalischen Versand erfolgen.

Damit setzt Hünenberg auf eine bürokratische Lösung. Denn vielleicht ist die Gemeinde neben Walchwil bald der einzige Zuger Ort am See, wo der Eintritt in die Dorfbadi überhaupt noch mit Kosten verbunden ist.

Risch entscheidet im Juni

In der Nachbargemeinde Risch ist die kleine Seebadi Zweiern jetzt schon gratis und die Badi im Dorf Rotkreuz soll es bald werden, wenn es nach dem Willen der lokalen SP geht (zentralplus berichtete). Über eine entsprechende Motion wird im Juni an der Gemeindeabstimmung abgestimmt. Zwar ist diese Partei im Ennetsee nicht sonderlich einflussreich, aber sie hatte sich mit demselben Anliegen beim Volk schon in Cham durchgesetzt – gegen den Widerstand etwa der dortigen Freisinnigen.

Parallel zum Eingeborenenrabatt hat Hünenberg per sofort die Tarife für die Parkplatzbenützung bei der Badi erhöht: Denn Badegäste sollen ermuntert werden, mit dem öffentlichen Verkehr, dem Velo oder zu Fuss in die Badi zu kommen. Der Stundentarif steigt im 10-Rappen-Rhythmus bis zu sechs Franken täglich, die beiden ersten Gratisstunden auf dem geräumigen Parkplatz fallen weg.

Riesenparkplatz wird teurer

Dies ist durchaus naheliegend, denn die Badi Hünenberg ist via S-Bahn und Bus sehr viel besser erreichbar als die Badi in Cham, wo es weniger Parkplätze gibt oder die Badis in Zug, wo es kaum Abstellplätze gibt, die wohl – wie im Fall des Brüggli – dereinst auch aufgehoben werden.

Gratis Parken war gestern: Abstellplatz zwischen Badi Hünenberg und Tennisclub (Bil mam)

Die beschlossenen Tarifänderungen für die Badi Hünenberg gelten ab sofort – greifen aber nicht immer, wie ein Augenschein vor Ort am Auffahrtstag zeigt. Anders als das Strandbad Zug oder Cham, wo schlechtwetterbedingt alles geschlossen war, hatte nämlich die Badibeiz in Hünenberg offen. Sie ist mit einem respektablen Gastronomiengebot ein guter Kaffeehausersatz für Sonntagsspaziergänger und verfügt auch über eine windgeschützte Lounge mit Wintergarten.

Doch noch gratis in die Badi

«Für das Wetter kann ich nichts», sagt Pächterin Manuela Vogt, «aber wenn Sie schwimmen gehen wollen, können Sie dies gerne tun.» Angesichts der Wassertemperatur von 12,5 Grad verzichten wir für einmal darauf. Doch es wäre vollkommen gratis gewesen: Solange nämlich kein Bademeister in der Badi als Aufsicht tätig ist, ist der Zutritt auch zur Badi Hünenberg stets kostenfrei.

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