Grafikhaus an der Rössligasse: Die Kultur muss warten
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Hier ist momentan noch die Fachklasse Grafik zu Hause: Eingang zur Rössligasse 12. (Bild: jwy) (Bild: jal)

Kanton Luzern braucht Platz selber Grafikhaus an der Rössligasse: Die Kultur muss warten

3 min Lesezeit 20.02.2021, 17:15 Uhr

Wie geht es mit dem Gebäude der Fachklasse Grafik nach dem Umzug in die Viscosistadt im Jahr 2022 weiter? Ein Verein möchte die Räume in der Luzerner Altstadt weiterhin für kreatives Schaffen nutzen – doch nun meldet der Kanton eigenen Bedarf an. Vom Tisch ist ein Verkauf aber nicht.

Seit über 140 Jahren werden an der Rössligasse in Luzern Grafiker ausgebildet. Im Sommer 2022 endet diese Ära: Der Kantonsrat hat im November dem Umzug der Grafikfachklasse in die Viscosistadt in Emmenbrücke zugestimmt. Wie geht es danach, also ab Sommer 2022, mit dem Haus in der Altstadt weiter? Eine Frage, die in der Stadt Luzern seit einiger Zeit interessiert.

Der Kanton Luzern hat im Rahmen seiner Immobilienstrategie vor zwei Jahren angekündigt, dass er das über 300-jährige Haus zu gegebener Zeit verkaufen will. An Nachfrage mangelt es nicht. So hat in der Vergangenheit etwa die Stadt Luzern bereits grundsätzliches Interesse angemeldet. Ebenso hat sich eigens ein Verein formiert, der die Rössligasse als kulturellen Treffpunkt und Arbeitsort erhalten will (zentralplus berichtete).

Kanton braucht den Raum für eigene Schule

Doch nun zeigt sich: Vorläufig werden weder Stadt noch Verein zum Zuge kommen. Der Kanton Luzern braucht das Gebäude nämlich weiterhin für seine eigenen Zwecke. Im Sinne einer Zwischennutzung wird das Brückenangebot, eine kantonale Schule, im Sommer 2022 an die Rössligasse ziehen. Heinz Bösch vom kantonalen Finanzdepartement bestätigt entsprechende Informationen von zentralplus.

«Wir haben gehofft, dass wir den Ort als kreative Stätte nahtlos weiter bespielen können.»

Erich Brechbühl, Verein Rössligasse 12

«Dies ist erforderlich, da ein bestehendes Mietverhältnis aufgelöst wird und darum ein Raumbedarf besteht», sagt der Departementssekretär. Wie lange das Zentrum für Brückenangebote an der Rössligasse bleiben soll, stehe noch nicht fest. Potenziellen Interessenten für eine baldige Übernahme erteilt er eine Absage: «Aufgrund der eigenen Bedürfnisse ist eine Nutzung durch Dritte keine Option.»

Der Kanton braucht in der Altstadt mehr Platz für das Zentrum für Brückenangebote.

Verein hätte gerne nahtlos übernommen

Sehr zum Bedauern des Vereins Rössligasse 12, der bereits intensiv Pläne schmiedet, um das Haus weiterhin für kulturelle Zwecke zu nutzen – und zwar möglichst gleich im Anschluss an den Umzug der Fachklasse Grafik.

«Es ist nach wie vor so, dass das Gebäude veräussert werden soll.»

Heinz Bösch, Kanton Luzern

«Wir haben gehofft, dass wir den Ort als kreative Stätte nahtlos weiter bespielen können», sagt Erich Brechbühl, Organisator des Graphic-Design-Festivals Weltformat. Er steht gemeinsam mit Christine Portmann vom Fumetto-Festival hinter dem Verein, dem mit Adrian Albisser von der SP auch ein Grossstadtrat und mit Alex Willener ein Spezialist für Zwischennutzungen und Stadtentwicklung angehören.

Verkauf ist nach wie vor Thema

Auch bei der Stadt Luzern ist man über das Interesse des Vereins informiert, wie Immobilienchef Marko Virant bestätigt. Mit der Ankündigung des Kantons erfahren diese Pläne jetzt allerdings einen Dämpfer. Doch im Hintergrund laufen die Arbeiten am Konzept. Wie das genau aussieht, wollen die Verantwortlichen in den nächsten Wochen preisgeben.

Denn vom Tisch ist der kulturelle Treffpunkt keineswegs. Wer mittelfristig in das Gebäude zieht, ist offen. Fest steht: Der Kanton will die Rössligasse 12 nicht für ewig behalten. «Es ist nach wie vor so, dass das Gebäude veräussert werden soll», sagt Heinz Bösch vom Finanzdepartement. «Aktuell laufen noch keine Gespräche mit Interessenten, da vorderhand noch ein Eigenbedarf besteht.» Einen Zeitplan gebe es deswegen noch nicht.

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