Gott Ganesha hilft der Stadträtin bei der Arbeit
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Manuela Jost will ihren Sitz im Stadtrat verteidigen. (Bild: wia)

Die Luzerner Baudirektorin Manuela Jost im Porträt Gott Ganesha hilft der Stadträtin bei der Arbeit

6 min Lesezeit 4 Kommentare 05.03.2020, 05:01 Uhr

Sie will es ein drittes Mal wissen: Baudirektorin Manuela Jost kandidiert erneut als Luzerner Stadträtin. Im Gespräch verrät die Grünliberale nicht nur ihre Lebenselixiere, sondern auch ihr Geheimrezept, um gelassener mit Hausbesetzungen und Listenpannen umzugehen.

Als wir die GLP-Stadträtin Manuela Jost fürs Porträt in ihrem Büro treffen, steht ein Elefant im Raum. Damit meinen wir nicht Ganesha, den Hindu-Gott mit Elefantenkopf, der als Bronzefigur auf ihrem Tisch steht. Wir sprechen von einem anderen Elefant. Der Listenpanne, welche der GLP vor der Fasnacht viel Kritik beschert hatte (zentralplus berichtete).

Wie geht es der Stadtratskandidatin nach dem unnötigen Malheur der Partei? «Jetzt wieder gut. Doch war die Sache sehr ärgerlich. Für mich war jedoch wichtig, wie die Partei mit dem Fehler umgeht, diesen klar erkennt und Massnahmen ergreift.» Den Entscheid der kantonalen Justizdirektion, dass die fehlerhafte Liste nachträglich nicht mehr angepasst werden dürfe, respektiere sie natürlich.

Angst davor, dass die Panne über Wahl oder Nichtwahl entscheiden könnte, hat sie nicht. «Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Ich gehe davon aus, dass die Wählerinnen und Wähler politische Inhalte höher gewichten als administrative Pannen.»

Diese Eisenbahn hat Manuela Jost zum Interview mitgebracht. Zum Grössenvergleich dient das «Füfi».

Ein «Zögli» als Symbol für einen guten öV

Wie geheissen hat Manuela Jost einen Gegenstand mitgebracht, der ihr persönlich etwas bedeutet. Einen winzigen, wie sich herausstellt. Winzig, doch symbolisch für ein Mammutprojekt. Die Politikerin stellt ein hölzernes Eisenbähnchen auf den Tisch und erklärt: «Zum Einen steht das ‹Zögli› für den Durchgangsbahnhof, für den ich mich stark einsetze. Mit einem solchen System könnte die Erreichbarkeit der Innenstadt langfristig gesichert werden. Zum Anderen steht dieser Gegenstand auch grundsätzlich für die Wichtigkeit eines gut funktionierenden ÖV-Systems.»

«Ich stehe für die Energiewende ein. Aber eine realistische.»

Manuela Jost, Luzerner Stadtratskandidatin

Die Grünliberale ist der Ansicht, dass ökologische Ziele ambitioniert sein sollen. «Ich stehe für die Energiewende ein», sagt sie. Und ergänzt: «Aber eine realistische.» So müssten die Massnahmen sozial abgefedert und gleichzeitig wirtschaftsverträglich sein. «Ich bin dafür, dass man Anreize schafft, um innovative Technologien zu fördern.»

Kants Leitspruch begleitet die Stadträtin

Bevor Manuela Jost 2012 Stadträtin wurde, war sie Dozentin an der Hochschule Luzern Wirtschaft. Doch verfügt die Stadträtin nicht nur über einen Master in Management, sondern auch in Philosophie.

Es sind denn auch die Werte verschiedener Philosophen, welche sie in ihrem politischen Tun leiten. «Ich bin fasziniert von Immanuel Kant. Was mich beeindruckt, ist seine Aussage zum kategorischen Imperativ als Handlungsgrundsatz.» Dieser lautet: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.» – «Es geht darum, reflektiert zu handeln. So, dass es nicht nur für einen selber, sondern auch für die Gesellschaft stimmt», sagt Jost.

Ganesha hilft bei der Arbeit

Manuela Josts Tag ist durchgetaktet, fremdbestimmt, wie sie sagt. Mit Ausnahme von ein paar Stunden. «Der frühe Morgen gehört mir. Jeden Tag praktiziere ich zwischen 5.45 Uhr und 6.45 Uhr Yoga.» Immer? «Ja.» Auch während der Fasnacht? «Ja. Das Yoga stimmt mich auf den Tag ein, gibt mir Boden. Ohne Yoga könnte ich nicht gleich funktionieren.»

Deshalb also wacht der indische Elefantengott auf ihrem Pult. «Ganesha steht sinnbildlich für die Überwindung von Hindernissen.»

«Zuerst ist es wichtig, herauszufinden, worum es den Hausbesetzern überhaupt geht.»

Mit Hindernissen kennt sich die Stadträtin tatsächlich aus. Etwa, wenn wieder irgendwo ein Haus besetzt wird und die Baudirektorin einen möglichst glimpflichen Weg finden muss, damit die illegale Aktion ein Ende nimmt. In ihrer Amtszeit hatte sie unter anderem bei den Bodumvillen, beim Eichwäldli oder auf Musegg mit Besetzungen und dem anschliessenden politischen Ping-Pong zu kämpfen. Von links forderte man mehr Freiraum und ein härteres Vorgehen gegen das Verlottern von Gebäuden – von rechts eine Nulltoleranz und ein härteres Vorgehen gegen illegale Besetzungen.

Aber gibt es das überhaupt, das ideale Rezept, wie man mit Hausbesetzungen umgeht? «Nein. Jeder Fall, den ich bis jetzt erlebt habe, war anders», sagt Jost. «Was ich jedoch sehr wichtig finde, ist, dass man deeskalative Massnahmen trifft und erst einmal den Dialog sucht, um herauszufinden, um was es den Besetzern überhaupt geht.»

Stolz auf gelungene Schulhaussanierungen

Acht Jahre schon sitzt die heute 56-Jährige im Luzerner Stadtrat. Was hat sie in dieser Zeit gut gemacht? «Ich bin stolz auf die Schulhaussanierungen, die wir gemacht haben und auf das neue Schulhaus Staffeln, das bald eröffnet wird und welches zu den grössten Primarschulhäusern der Schweiz gehört.» Der Bau habe in einem engen Zeitrahmen stattgefunden und könne nun termingerecht beendet werden. Auch die Kosten von 55 Millionen Franken habe man einhalten können.

Niederlagen, so bilanziert die Baudirektorin selber, habe es in dem Sinne nicht gegeben. «Wo wir jedoch Verbesserungspotenzial haben, ist beim Umgang mit Abbruchvorhaben in der Schutzzone B, wie etwa kürzlich an der Steinenstrasse.» Dort hat das Kantonsgericht die Stadt kürzlich zurückgepfiffen und eine Beschwerde gegen den geplanten Abriss der «Lion Lodge» gutgeheissen (zentralplus berichtete).

Trotz dieser Niederlage sieht Manuela Jost das Positive: «Durch den Entscheid des Kantonsgerichts haben wir wichtige Hinweise erhalten, in welche Richtung die Praxis künftig gehen soll.»

Klassische Musik ist eines ihrer Lebenselixiere

Die gebürtige Bernerin mag die Stadt Luzern sehr. Nicht umsonst werde Luzern immer wieder als eine der attraktivsten Städte überhaupt genannt. Dennoch hofft sie auf ein paar Veränderungen in den nächsten 15 Jahren. «Ich hoffe, dass sich der Durchgangsbahnhof dann im Bau befindet und bei der Eröffnung dann auch der Bahnhofsplatz ansprechender wird. Und dass wir ein neues Luzerner Theater haben, insbesondere da Luzern eine renommierte Musikstadt ist.» Klassische Musik sei eines ihrer Lebenselixiere. Der Konzertsaal des KKL, der Ort, den sie aufsucht, um innere Ruhe zu finden, erklärt Manuela Jost.

«In den kommenden 15 Jahren rechnen wir mit zirka 15’000 Menschen zusätzlich. Für diese braucht es Wohnraum – vor allem auch gemeinnützigen.»

Auch in Sachen gemeinnütziger Wohnbau dürfte in den kommenden Jahren einiges passieren, wenn es nach der Baudirektorin geht. «In den kommenden 15 Jahren rechnen wir mit zirka 15’000 Menschen zusätzlich. Für diese braucht es Wohnraum. Vor allem auch gemeinnützigen.» So ist es auch ihre Pflicht, den Forderungen der Wohnraum-Initiative nachzukommen, welche 2012 angenommen wurde. Nach eher harzigem Start sieht Jost die Stadt diesbezüglich inzwischen auf Kurs.

Sorgte vor vier Jahren ihr «Geheimdeal» mit der SP für Schlagzeilen, wird Jost diesmal von der CVP, der FDP und dem Wirtschaftsverband unterstützt. Von den fünf bisherigen Stadträten muss sie am ehesten um ihre Wiederwahl zittern. Denn sie hat die kleinste Fraktion im Rücken und musste bislang immer über den zweiten Wahlgang gehen. Insbesondere Judith Dörflinger von der SP als stärkste Partei könnte Jost gefährlich werden.

So oder so wird der 29. März ist für Manuela Jost ein bedeutungsvoller Tag. An diesem Tag feiert sie ihren 57. Geburtstag. «Es wird also sowieso einen Grund geben, anzustossen.»

Manuela Jost im Video: «Die Stadt Luzern würde mir besser gefallen, wenn …»

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer zentralplus-Serie zu den Kandidatinnen und Kandidaten für den Luzerner Stadtrat. Mehr Infos zu den Wahlen vom 29. März gibt’s in unserem Dossier.

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4 Kommentare
  1. Rudolf, 05.03.2020, 15:18 Uhr

    „Gott Ganesha hilft der Stadträtin bei der Arbeit“

    Ob ihr das etwas nützt, jetzt, wo sie originalgrüne SP und die Grünen nicht mehr unterstützen? Wählen Sie anstelle von Frau Jost („G“LP) Frau Judith Dörflinger (SP) in den Stadtrat! Auf diese SP-Frau ist Verlass.

    1. faktencheck, 13.03.2020, 16:33 Uhr

      „originalgrüne SP“ – tönt noch originell und stimmt, wenn man die smartvote.ch Profile der StadtratskandidatInnen genauer anschaut. Da sind doch diverse SP-Kandidaten umweltschutztechnisch noch extremer als der ehrliche Umweltdogmatiker Adrian Borgula! Es bleibt die Frage, ob die SP grüner ist als die Grünen, oder die Antworten vielleicht wählerInnenfängerisch geschönt sind…

  2. Kasimir Pfyffer, 05.03.2020, 11:18 Uhr

    In diesem Büro steht nicht nur Ganesh, sondern eine Elefantenherde:
    – Bodumvillen
    – Steinenstrasse
    – Stadtzerstörung durch die „Reussportbrücke“
    – Gentrifizierung (z. B. Neubauten Bruchstrasse)
    – Gemeinnütziger Wohnbau in Superzeitlupe
    – Energiepolitik
    – Klimagerechte Stadt
    Das sind sehr unangenehme Themen. Wie gut, dass sie nach einer Stunde Yoga gleich wieder verschwinden! Einfach die Hände in den Schoss legen und entspannt lächeln. Ommmmm ….

  3. Hugo Ball, 05.03.2020, 09:33 Uhr

    Wenn sich PolitikerInnen bei der Arbeit (Betreiben von Realpolitik) von Gottheiten helfen lassen , löst das bei mir durchwegs ungute Gefühle aus. Fühlt sich Stadträtin Jost vielleicht eher zu einer Theokratie hingezogen?

Die zentralplus Redaktion wünscht Dir einen schönen Tag!

Wir möchten einfach kurz Danke sagen. Danke, dass du zentralplus liest.