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«Gopfertoori. Wirklich.»
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Irene Brügger als «Frölein Da Capo» in Szene gesetzt. (Bild: Elisa Brügger)

50 Fragen an Irene Brügger alias «Frölein Da Capo» «Gopfertoori. Wirklich.»

9 min Lesezeit 28.09.2014, 12:14 Uhr

Durch «Giacobbo/Müller» wurde «Frölein Da Capo» zur nationalen Berühmtheit. Ihr 50er Jahre-Stil, der Humor und die musikalische Vielfältigkeit haben dazu beigetragen. Aber wer steckt eigentlich hinter der Kunstfigur? Irene Brügger beantwortet 50 Fragen über ihren Vier-Generationen-Haushalt, ihren Bauern und was man mit Muscheln so machen kann.

Ungeschminkt, ganz natürlich in Jeans und Kapuzenjäckchen sitzt Irene Brügger im Maison Gout am Luzerner Vögeligärtli und trinkt einen Capuccino. Keine Spur vom aufgestylten «Fräulein Da Capo» mit dem knalligen roten Lippenstift und schicken Kleidern. Denn heute spricht einmal nicht die Kunstfigur, sondern die Künstlerin, Töffli-Liebhaberin und Mutter dahinter.

zentral+: 1. Du trägst Hosen. Tust du das öfters?
Irene Brügger: Sie lacht. Ja, definitiv. Im Alltag hab ich praktisch nie Röcke an.

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2. Was hast du gemacht, bevor du zu Frölein Da Capo wurdest?
Ich habe im Entlebuch in einem Film- und Musik-Versand gearbeitet. Da war ich sechs Jahre lang als Produktmanagerin.

3. Wie passt das zusammen? Das Mädchen von nebenan, das im Entlebuch arbeitet und in Willisau im Musikverein mitspielt und die aufgestylte Kunstfigur auf der Bühne?
Das passt sehr gut zusammen. Das Frölein ist ja auch von nebenan, es täuscht mit seiner Aufmachung nur über seine Herkunft hinweg.

4. Wie ähnlich bist du der Kunstfigur?
Wir sind uns schon sehr ähnlich, s Frölein und ich. In unserem Humor und unseren Leben.

5. Wirst du oft erkannt?
Gar nicht. Mein Vorteil ist, dass ich auf der Bühne derart aufgedonnert daherkomme und im Alltag überhaupt nicht. Deshalb werde ich praktisch nie erkannt.

6. Warum hast du dich für diese 50er Schiene entschieden?
Als ich mit dem Einfrauorchester startete, ging meine Musik vor allem in die 50er Stilrichtung, da sich diese sehr für die Arbeit mit dem Loop eignet. Die Wiederholungen von Melodien und die Beats, die sich durchziehen. Und ich wollte einfach anders auf der Bühne auftreten, als ich privat bin – also eine Art Kunstfigur damit schaffen.

7. Ist das Frölein trotz ihres Faibles für die 50er emanzipiert?
Also, sie ist schon ein emanzipiertes Frölein. Sie erzählt ja auch beispielsweise davon, wie ihr Mann zuhause am Bügeln ist.

8. Was kannst du kochen ohne nachzudenken?
Lasagne. Aber ich koche fast nie.

«Also, sie ist schon ein emanzipiertes Frölein.»

9. Kannst du denn gut Backen?
Nein, gar nicht. Darin bin ich absolut untalentiert. Wenn, dann backe ich höchstens mal einen Kuchen an den Geburtstagen der Kinder. Es muss dann aber jeweils ganz viel Zuckerguss darüber, damit man nicht sieht, wie eingefallen der Kuchen ist. Sie lacht herzlich.

10. Ist Frölein Da Capo eigentlich politisch?
Das Frölein nicht. Aber ich ja. Ich engagiere mich zwar in keiner Partei, aber ich bin eine sehr gewissenhafte Stimmbürgerin.

11. Welche Auftritte magst du am liebsten?
Ich stehe am liebsten auf kleinen, mit viel Liebe unterhaltenen Kleinbühnen. Alte Mühlen, Dachstöcke oder Keller. So vor 100 bis 150 Leuten. Das ist perfekt.

Kreatives Kreuzworträtseln à la Da Capo.

Kreatives Kreuzworträtseln à la Da Capo.

12. Was hast du eigentlich immer mit den Kreuzworträtseln?
Sie lacht laut heraus. Das ist so ein Furz von mir, Kreuzworträtsel mit scheppsen Antworten oder Mundartwörtern auszufüllen. Es ergab sich irgendwie und hat sich zu einem Selbstläufer entwickelt. Es macht einfach Spass und ist definitiv eine Anregung fürs unkonventionelle Denken. Eine Art Übung dafür, eine Ecke weiter zu denken.

13. Wie sieht ein normaler Tag im Leben von Irene Brügger aus?
Vom kleineren Kind geweckt werden, dann das Grössere wecken. Dann gibt’s Kaffee und Zeitung. Wenn ich Zeit habe, verziehe ich mich anschliessend in den Musikraum, um neue Texte zu schreiben oder auch mal die Instrumente in die Hand zu nehmen. Zwischendurch mach ich ein Kreuzworträtsel. Sie lacht.

14. Das Mami bei uns in der Redaktion wollte wissen, wie du Job und Kinder unter einen Hut bringst.
Sie freut sich offensichtlich über diese Frage. Ich lebe in einem Vier-Generationen-Haushalt. Mein Mann, meine Kinder und ich, mein Grosi und meine Eltern wohnen alle mehr oder weniger unter dem selben Dach. So ist immer jemand da. Und auch die Schwiegermutter lebt nur drei Minuten von uns entfernt. Das sind regelrecht luxuriöse Zustände für eine Mutter.

15. Singst du deinen Kindern zum Einschlafen immer etwas vor?
Nein. Ganz ehrlich, ich bin da gar nicht gut drin. Es ist eher umgekehrt. Sie singen mir vor. Sie üben oft mit ihren beiden Grossmüttern und tragen mir die Lieder dann vor. Manchmal kann es auch passieren, dass sie eines meiner Lieder vorsingen – das ist dann sehr schräg.

16. Metal oder Punk?
Sie überlegt keine Sekunde. Punk. Das ist doch so eine Frage wie «Beatles oder Stones».

17. Und?
Stones. Ganz klar.

18. Was arbeitet eigentlich dein Mann?
Er wird grad zu dem Bauern, den ich nie wollte. Sie lacht. Ich hab immer gesagt, dass ich niemals einen Bauern heiraten werde. Hab ich auch nicht. Ich habe einen Sozialpädagogen geheiratet und bin mit ihm auf einen Bauernhof gezogen – nun wird er Landwirt. So kann es gehen. Sie lacht.

«Ich hab immer gesagt, dass ich niemals einen Bauern heiraten werde.»

19. Weshalb nennt man dich auch «Hödi»?
Das ist mein Übername aus der Schulzeit. Mein Mädchennahme ist Hodel. Und in der Schule haben sie mich dann Hödi genannt. Meine Freunde aus Jugendtagen nennen mich noch heute so. Ich finde es aber gar nicht schlimm, da ich herausgefunden habe, dass «Hödi» im Berndeutschen «Töffli» heisst. Und das passt wie die Faust aufs Auge, bei meiner Leidenschaft für Töffli.

20. Wer war dein Held in der Kindheit?
Pippi Langstrumpf und Ronja Räubertochter. Die fand ich toll.

21. Hund oder Katze?
Es kommt wie aus der Pistole geschossen. Hund.

22. Hast du einen?
Ja. Flynn.

23. Wie sehr bist du in Willisau verwurzelt?
Ich bin sehr verwurzelt in Willisau. Ich hänge sehr an diesem Ort und den Leuten hier.

24. Wird es einmal heissen: Irene Brügger – geboren und gestorben in Willisau?
Sie lacht. Ja, vermutlich.

25. Was ist das Beste an Willisau?
Schwierig. Willisau hat viele Vorzüge. Das Städtli hat alles, was es braucht und bietet kulturell ein vielseitiges Angebot. Sogar ein Kino. Ihre Augen beginnen zu leuchten. So ein ganz kleines Landkino mit viel Charme. Wenn jemand einen richtig grossen Fernsehbildschirm zuhause hat – das wäre dann so ungefähr dieselbe Grösse wie die Leinwand.

26. Das Schlimmste?
Sie überlegt lange. Die Parkplatzsituation.

27. Mike oder Viktor?
Das ist gemein. Da kann ich mich auf keinen Fall festlegen. Sie sind zwar beide extrem unterschiedlich, aber auch beide genauso liebenswert.

28. Vermisst du deine Auftritte bei Giacobbo Müller?
Nein, gar nicht. Ich geniesse die freien Sonntage sehr. Vor allem jetzt, wo die Kinder in Schule und Spielgruppe sind, hat der Sonntag einen anderen Stellenwert. Und mehr als zwei Jahre in der Sendung waren sowieso länger, als ich vorgesehen hatte.

29. Aber es war eine gute Zeit?
Natürlich. Es war toll und hat mir extrem viel gebracht. Als Kleinkünstlerin ist es ansonsten kaum möglich, eine solche mediale Präsenz zu erreichen.

30. Siehst du dir deine Fernsehauftritte gerne an?
Überhaupt nicht. Es ist sehr befremdend mir selbst zuzuschauen. Ich sehe mir auch immer meine eigene Verkrampftheit an. Ausserdem bin ich überzeugt, dass das Fernsehen nicht mein Medium ist.

31. Was sind deine nächsten Ziele?
Also konkret arbeite ich gerade an neuen Liedern, da ich ab 2015 mit «Nöiem Zöigs» unterwegs sein werde. Das soll dann natürlich auch auf CD kommen. Und zu «Nöiem Zöigs» gehören natürlich auch viele neue Kleider.

32. Wie viele Bühnenoutfits besitzt du?
Sie überlegt eine Weile. Es sind ungefähr zwanzig. Aber es passen nicht mehr alle, da ich einige auch für die Zeit während der Schwangerschaft genäht habe.

33. Nähst du die also tatsächlich selbst?
Ja, jedes einzelne. Das wäre ein Rumgesuche, da ich immer spezielle Stoffe für die Kleider haben möchte. Ausserdem ist es viel günstiger. Aber die Kette, die ist seit Beginn weg dieselbe.

34. Hast du eigentlich gefärbte Haare?
Ja. Ich wär komplett grau. Und das schon lange.

35. Was ist eigentlich dein Beruf?
Musikerin, Schrägstrich Künstlerin oder auch Einfrauorchester – aber das geht schlecht bei offiziellen Dokumenten.

Irene Brügger

Im Mai 2007 begann Irene Brügger mit ihren Auftritten als «Frölein Da Capo». Inzwischen hat sie über zwei Jahre die Sendung Giacobbo/Müller begleitet und war 2009 im Schweizer Spielfilm «Der Sandmann» zu sehen. Für den grossen Prix Walo war sie nominiert, den kleinen hat sie bereits gewonnen. Brügger wohnt mit ihrem Mann und ihren Kindern etwas ausserhalb von Willisau im Kanton Luzern auf einem Bauernhof.

Am 11.11. (auch Brüggers Geburtstag) ist Frölein Da Capo mit «Liederlich» im Kleintheater Luzern. Sie wird diesen Abend zusammen mit Joachim Rittmeyer, Nagelritz und Reto Zeller bestreiten. Konzertdaten und Infos zum Frölein gibt es auf www.einfrauorchester.ch und noch mehr Aktivitäten finden sich auf Facebook.

36. Was hat dir am meisten geholfen, dahin zu kommen, wo du jetzt bist?
Mein Mann. Ich verdanke ihm sehr viel. Er hat selbst zurückgesteckt, damit ich mein Ding machen kann. Ich wollte damals mein Pensum im Versand reduzieren, was aber nicht möglich war. Da habe ich gekündigt und zu dem Zeitpunkt gleich auch gemerkt, dass ich schwanger war. Die Jobsuche war deshalb für eine Weile aufs Eis gelegt. Und als ich mir überlegte, etwas Neues anzufangen, hat mein Mann mir gesagt, ich solle es doch jetzt mit der Musik versuchen. Ohne ihn hätte ich das wohl kaum getan. Da bin ich zu sehr Schweizerin und auf Sicherheit bedacht, als dass ich so etwas von mir aus gewagt hätte. Sie lächelt und scheint in Gedanken versunken. Und dann hat einfach alles irgendwie geklappt. Ich schiebe das immer darauf, dass ich ein Sonntagskind bin.

37. Was war dein schlimmster Auftritt bisher?
Das war an einem Firmenanlass. Die Angestellten waren hinter der Bar am Saufen und Rumpalavern und die Kunden waren genervt, weil sie nichts vom Konzert verstanden. Da zu spielen war sehr schwierig. Die Krönung war aber anschliessend, als mir gesagt wurde: «Das ist ja nicht schlimm. Du hast ja die Gage.» Das zeigte mir den Respekt, den sie mir und meiner Arbeit entgegenbrachten. Aber zum Glück war es das einzige Mal. Ich könnte keinen zweiten Aufrtitt dieser Art nennen.

38. Was war deine erste CD?
Das weiss ich noch ganz genau. Meine erste CD war «Bunte Republik Deutschland» von Udo Lindenberg, die habe ich mir damals von meinem Götti gewünscht.

39. Was war die erste Kassette?
Welche exakt die Erste war, weiss ich nicht mehr. Aber es waren Kasperlitheater von Jörg Schneider und eine Kassette von Kliby und Caroline. Danach habe ich angefangen selbst Kassetten mit Radiosongs aufzunehmen.

40. Dein Lieblingslied?
Das ist schwierig. Momentan ist es wohl «Grow old with me» von Tom Odell.

Ihr Handy klingelt, der Mann ist am Apparat. Ja zum Zmittag schaff ichs. Kurz werden noch ein paar Informationen und Koordinationen bezüglich der Kinder ausgetauscht, dann ist sie wieder bereit.

41. Dein Lieblingsfilm?
Das ist Lucky#Slevin oder auch Dogma.

42. Und dein Lieblingsfluchwort?
Gopfertoori. Wirklich.

43. Bier oder Wein?
Bier.

«Mit Muscheln kannst du mich jagen.»

44. Rösti oder Sushi?
Rösti. Ganz klar. Sushi hab ich glaub erst einmal probiert. Ich bin nicht besonders exotisch beim Essen. Mit Muscheln zum Beispiel kannst du mich jagen.

45. Kannst du gut von der Musik leben?
Ja.

46. Nachteule oder Frühaufsteher?
Sie seufzt. Ich bin definitiv eine Nachteule.

47. Was würdest du machen, wenn dein Loop verschwunden wäre oder ihn dir jemand vor einem Auftritt klauen würde?
Das ist ja fies. Ich würde wahrscheinlich erst einmal verzweifeln. Dann würde ich es wohl oder übel ohne Loop durchziehen. Es wäre extrem schade und der Auftritt würde viel verlieren, aber es ginge schon. Einige Lieder wären allerdings sehr schwierig umzusetzen. Spiel mal Euphonium und singe gleichzeitig dazu.

48. Puppe oder Baumhaus?
Geht auch mit der Puppe im Baumhaus?

49. Wofür sparst du?
Ich spiele mit dem Gedanken, nochmals ein Töffli zu kaufen. Ansonsten hab ich eigentlich alles, was ich brauche. Aber so ein Töffli, das wäre schon so ein bisschen Luxus.

50. Etwas, das die Leute nicht von dir denken würden?
Das ist eine spannende Frage. Dazu müsste ich ja erstmal wissen, was die Leute von mir überhaupt denken oder erwarten. Vielleicht, dass ich nicht backen kann?

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