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Good News: In Walchwil gibt es wieder eigene Marroni
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Sie wachsen tortz widrigen Umständen wieder vermehrt: Edelkastanien in Walchwil. (Bild: zvg)

Edelkastanien erholen sich dank Schädling Good News: In Walchwil gibt es wieder eigene Marroni

3 min Lesezeit 20.10.2017, 14:24 Uhr

Vereinzelt wachsen Edelkastanien auch hierzulande – wie zum Beispiel an der Zuger Riviera. In den letzten Jahren haben Krankheiten und Schädlinge die Ernte jedoch gründlich verdorben. Nun aber erholen sich die Walchwiler Kastanien zusehend. Zu verdanken ist dies ausgerechnet einem anderen Schädling.

Zu den Highlights im Herbst gehören für viele auch Kastanien. Während die meisten an den Ständen feilgebotenen heissen Marroni aus dem Ausland kommen, wachsen vereinzelt auch einheimische Delikatessen – wie die Edelkastanien an der «Walchwiler Riviera». Die lichtdurchfluteten Kastanienhaine würden nirgendwo anders im Zuger Wald vorkommen, liest man auf der Webseite des Kantons. 

Daran erfreuen konnten sich in den letzten Jahren aber nur wenige – vor allem ein Eindringling, namentlich die Chinesische Gallwespe, machte den Bäumen das Leben schwer. 2015 wurde ein weiterer Neuankömmling aus China im Ökosystem entdeckt, der – so wurde bekannt gegeben – als natürlicher Gegenspieler fungieren soll.

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Neuer Eindringling hilft Bäumen

Hat man damit nun Erfolge gefeiert? Offensichtlich, wie unsere Nachfrage beim Zuger Amt für Wald und Wild ergibt: «Die Ernte ist dieses Jahr gemäss Rückmeldung der Bewirtschaftenden sehr gut ausgefallen», meint Martin Ziegler, Leiter der Abteilung Schutzwald, Waldbiodiversität und Naturgefahren. Dies verdanke man nicht zuletzt der Chinesischen Schlupfwespe, die als natürlicher Gegenspieler der Edelkastanien-Gallwespe auftritt.

«Beide Arten wurden nacheinander aus China eingeschleppt», erklärt Ziegler weiter. Die Gallwespe befiel ab 2009 die sonst schon vom Kastanienrindenkrebs geplagten Bäume, welche abzusterben drohten – entsprechend schlecht fiel die Ernte in dieser Zeit aus.»

Die Schlupfwespe (rechts) rückt der Gallwespe seit zwei Jahren zu Leibe: Die Edelkastanienbäume freut es.

Die Schlupfwespe (rechts) rückt der Gallwespe seit zwei Jahren zu Leibe: Die Edelkastanienbäume freut es.

(Bild: zvg/wikipedia)

 

«Dem Eindringling folgte im Jahr 2015 ein zweiter, nämlich die Chinesische Schlupfwespe. Diese greift die Larven der Edelkastanien-Gallwespe an und dezimiert so deren Bestand», führt der Experte weiter aus. Zwar sei der Schädling noch nicht vollends ausgerottet und auch die Kastanienrindenkrebs-Erkrankung der Bäume trete noch auf. «Aber immerhin reguliert der natürliche Gegenspieler der Gallwespe den Befall. Dies hat zur Folge, dass sich die Lage stabilisiert hat. Deshalb gab es dieses Jahr auch wieder eine gute Ernte», schliesst Ziegler.

Förster Vitus Hürlimann bestätigt die gute Ernte.

Förster Vitus Hürlimann bestätigt die gute Ernte.

(Bild: Korporation Wachwil)

Pilzproblem bleibt noch bestehen

Ist die Ernte denn auch aus der Sicht der Bewirtschafter wirklich gelungen? Ja, meint Vitus Hürlimann, Förster der Korporation Walchwil, der die Kastanienanlage – im Fachjargon Kastanienselve – betreut. An die 100 Kastanienbäume bewirtschaftet die Korporation momentan. «Die Ernte im Allgemeinen würde ich als gut einschätzen.»

Auch er bestätigt, dass die verbesserte Ernte daher rührt, dass sich die Schlupfwespe etabliert habe. «Die eingeschleppte Gallwespe bringt den Baum nicht gänzlich zum Absterben, kann aber die Ernte stark dezimieren.» Da der Schädling durch die andere eingeschleppte Art befallen werde, sei man heuer wesentlich besser dran als in den letzten zwei Jahren.

Gänzlich aufatmen könne man aber deswegen noch nicht: «Seit Jahren bereitet uns der Kastanienrindenkrebs grosse Sorge. Dieser Pilz ist das grösste Problem der Kastanien in Walchwil», sagt Hürlimann. Mit der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf bekämpfe man diesen aktiv.

Kastanien können an der Chilbi erworben werden

Wo aber können die Edelkastanien aus Walchwil denn genossen oder erworben werden? «Diese Selve ist öffentlich und wird von der Korporation gepflegt und der Bevölkerung zur Verfügung gestellt.» Will heissen: Während der Erntezeit können die Nüsse im Gebiet Ausseregg, beim Spielplatz Forchwaldstrasse, gesammelt werden. Wie viel kommt da zusammen? «Wie gross die Ernte mengenmässig ist, kann ich nicht sagen, da sie privat gemacht wird», beteuert Hürlimann.

Ein Korb voll Kastanien aus der diesjährigen Ernte.

Ein Korb voll Kastanien aus der diesjährigen Ernte.

(Bild: zvg)

Trotzdem gelangt ein Teil in den Verkauf: «Ein Teil der Ernte, die privat gemacht wird, kann an der Kastanienchilbi in Greppen gekauft werden.» Die angesprochene «Chestene-Chilbi» ist der grösste Deutschschweizer Kastanienmarkt – und findet dieses Wochenende, am 22. Oktober, statt.

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