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Good: «Friedel fragte mich: ‹Ist der bekloppt?›»
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Sechs Jahre nach ihrer erfolgreichen Zeit beim FCL betreuen Friedel Rausch (links) und sein Assistent Ignaz Good (Mitte) Borussia Mönchengladbach. (Bild: zvg)

FCL-Meistercoach hätte sich bewerben sollen Good: «Friedel fragte mich: ‹Ist der bekloppt?›»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 30.05.2019, 16:00 Uhr

Friedel wer? Mitte der 1980er Jahre war der Fussball noch nicht globalisiert. Da kannte in der Führungsetage der Luzerner keiner den Namen von Uefa-Cup-Sieger Friedel Rausch. Der damalige FCL-Assistent Ignaz Good erzählt von seiner Initiative, die entscheidend war, um den späteren Meistermacher nach Luzern zu lotsen.

Es lief nicht gut für den FCL im Frühjahr 1985, und deshalb schritt die Zeit von Bruno Rahmen als FCL-Trainer unweigerlich dem Ende entgegen. Präsident Romano Simioni habe seinem Vorgesetzten damals noch ein Spiel Galgenfrist gegeben, erzählt der damalige FCL-Assistent Ignaz Good. Das Spiel der letzten Chance ging am 22. März verloren – und der Klubchef handelte.

Wie es im Fussball-Business üblich ist, wurde klubintern schon vor Rahmens Absetzung über einen möglichen Nachfolger als FCL-Trainer diskutiert. «Mit dem Einverständnis von Rahmen brachte ich Friedel Rausch ins Spiel», erzählt Good und erläutert: «Einen Tag vor Rahmens letztem Arbeitstag beim FCL erhielt Simoni die Absage seines Wunschkandidaten Timo Konietzka.»

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Die Empfehlung kam von Goods Schwiegervater

Aber wie kam er überhaupt auf Rausch? Goods Frau ist die Schwester des 1975 verstorbenen Egon Milder, einst Spieler von Mönchengladbach und Ende der 1960er Jahre vom FC Luzern als Verstärkung geholt. «Papa Milder führte einen Grosshandel für Obst und Fisch in Gelsenkirchen», so Good, «und nicht weit von diesem Markt wohnte Friedel Rausch, seit sein Engagement als Trainer von Saloniki in Griechenland ein Ende gefunden hatte.»

«Simioni entgegnete auf meinen Vorschlag: ‹Wer ist das? Was hat der geleistet?›»

Ignaz Good, Trainer-Assistent der FCL-Meistermannschaft

Die Empfehlung, Rausch zu verpflichten, kam also von Goods Schwiegervater. Doch die Klubverantwortlichen in der Schweiz waren damals vorab national orientiert, schauten kaum je über die Landesgrenzen hinaus. Sonst hätte der damalige FCL-Präsident Romano Simioni zum Beispiel mitgekriegt, dass Friedel Rausch 1980 mit Eintracht Frankfurt und dem Gewinn des Uefa-Cups einen veritablen Coup als Cheftrainer landete. «Darum entgegnete Simioni auf meinen Vorschlag: ‹Wer ist das? Was hat der geleistet? Wenn Rausch will, kann er sich ja bewerben›», erinnert sich Good.

Den Lebenslauf Rauschs verfasst

Man braucht kein Prophet zu sein, um sich vorstellen zu können, wie das beim selbstbewussten Rausch angekommen ist. Ob der bekloppt sei, habe Rausch Good gefragt und ihm im nächsten Atemzug nahegelegt, dass sie sich beim FCL doch besser einen anderen Trainer holen sollten.

Doch der Ostschweizer gab sein Projekt so schnell nicht auf. «Von Kindesbeinen an verfolgte ich die Bundesliga. Ich wusste, welche Erfolge Rausch vorzuweisen hatte und schrieb ohne dessen Wissen einen Lebenslauf zu Handen von Simioni.»

«Rausch fragte: Um Gottes willen, was hast du mir angetan?»

Ignaz Good, Trainer-Assistent der FCL-Meistermannschaft

Sein Einsatz zahlte sich letztlich aus. Einen Tag nach Rahmens Entlassung habe Simioni Rauschs Nummer zum ersten Mal gewählt. «Schon am nächsten Tag erschien Friedel erstmals in Luzern», weiss der heute 66-Jährige, als ob die Geschichte erst gestern passiert wäre.

Er zog sie alle in seinen Bann

Von da an ging alles ruckzuck. «Mit seiner Schnute zog Friedel die FCL-Verantwortlichen augenblicklich in seinen Bann», erzählt Good. Der damals 45-Jährige hatte Charisma, er sprach druckreife Sätze und hatte einen feinen Sinn für Humor. Darüber hinaus wusste er, wie Fussballer funktionieren und was es braucht, um Erfolg haben zu können. Rausch spielte in den ersten acht Jahren nach Gründung der Bundesliga für Schalke 04.

Friedel Rausch zog beim FCL mit seiner «Schnute» alle in seinen Bann: Klubführung, Spieler, Medien und die Fans.

Friedel Rausch zog beim FCL mit seiner «Schnute» alle in seinen Bann: Klubführung, Spieler, Medien und die Fans.

(Bild: ain)

Drei Tage danach wurde Rausch den Medien als neuer FCL-Trainer vorgestellt. «An diesem Donnerstagmorgen rief Simioni meinen Schwiegervater an und sagte: ‹Wenn das nicht klappt, kriegst du lebenslanges Stadionverbot›», erzählt Good schmunzelnd. Der FCL-Präsident kam nie in Versuchung, diese Drohung wahrzumachen. Ganz im Gegenteil: Diese Trainerwahl entpuppte sich als die beste seines Lebens.

Die FCL-Premiere erschütterte Rausch

Am darauffolgenden Wochenende gab Rausch seinen Einstand als FCL-Trainer. Es schaute ein 1:1 gegen Basel heraus, und die Qualität des Spiels musste den neuen Verantwortlichen in seinen Grundfesten erschüttert haben. «Friedel fragte mich: ‹Um Gottes willen, was hast du mir angetan›», erinnert sich sein damaliger Assistent schmunzelnd.

Es war nicht bloss der Beginn einer Männerfreundschaft, die zeitlich und beruflich weit über den späteren Titelgewinn mit dem FCL hinausreichte. Sondern auch ein Meilenstein in der Klubhistorie. Mit Rausch wurde schrittweise der Profibetrieb im FC Luzern eingeführt. Damit wurde die bis heute erfolgreichste Zeit mit dem Gewinn des Meistertitels 1989 und dem Cupsieg 1992 überhaupt erst möglich.

Supporter trugen grosse Spendierhosen

Selbstverständlich brauchte es auf dem Weg dahin auch das Gespür für die richtigen Personalentscheide. «Friedel und ich haben bei mir zu Hause die Videos über Spieler wie Jürgen Mohr oder Sigi Gretarsson angeschaut, bevor wir uns für ein Engagement entschieden», blickt Good zurück.

«Wenn ihr mit diesem Team nicht Meister werdet, verstehe ich die Welt nicht mehr.»

Good erinnert sich an einen Spruch von Präsident Simioni vor der Meistersaison

Vor Beginn der Meistersaison 1988/89 bestritten die Luzerner ihr Trainingslager in Beromünster. Sie galten als Transferverlierer und möglicher Abstiegskandidat. Good erinnert sich daran, wie Simioni damals aus Jux zu seinem Trainerteam sagte: «Wenn ihr mit diesem Team nicht Meister werdet, verstehe ich die Welt nicht mehr.» So weit liessen es Rausch und Good nicht kommen.

Die Euphorie, die auf dem Weg zum und erst recht nach dem Gewinn des Meistertitels in Luzern herrschte, war riesig. Mannschaft und Fans wuchsen zu einer Einheit zusammen. Und einige nahestehende Supporter trugen grosse Spendierhosen. Good: «Ein damaliger Unternehmer in der Computerbranche verteilte bei der Meisterfeier edle Cohiba-Zigarren unter den Spielern, ein anderer Supporter schenkte jedem Spieler und Teammitglied eine wertvolle Flasche Bordeaux-Wein. Und der Besitzer des Zoos in Rothenburg liess Friedels Frau und meiner ein Jahr lang an jedem Samstag einen grossen Blumenstrauss zukommen.»

FCL-Fans sangen: «Friedel, wir danken dir»

Als die Zeit von Rausch und Good beim FCL nach dem Cupsieg und dem Abstieg in die Nationalliga B 1992 sich zum Ende neigte, bedankten sich die Fans auf der Allmend bei ihrem Erfolgstrainer. Aus Tausenden von Kehlen ertönte ein «Friedel, wir danken dir». Es war Gänsehautstimmung pur.

Später arbeitete das FCL-Erfolgsduo noch mehrere Jahre gemeinsam in der Bundesliga bei Kaiserslautern, Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Nürnberg. Bei Kaiserslautern und Nürnberg wurde Rauschs Assistent später zum Manager berufen. Über die vielen Jahre hat er sich ein weit verzweigtes Kontaktnetz zu den Machern in den europäischen Fussballklubs und den Spielervermittlern aufgebaut, und bis heute ist der FCL für den in Weggis lebenden Good «eine Herzensangelegenheit». Rausch starb 2017 im Alter von 77 Jahren in seiner Wahlheimat Luzern. 

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1 Kommentare
  1. Marcel Zbinden, 31.05.2019, 11:13 Uhr

    Tolle Geschichte. Danke zentralplus!