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Glencore geht – was kommt jetzt?
  • Wirtschaft
Ist schön, hat aber dummerweise Bodenschätze: Die Region Tampakan. Oder glücklicherweise, je nach Standpunkt. (Bild: zvg (Bobby Timonera/Fastenopfer) )

Glencore verkauft Tampakan-Anteile Glencore geht – was kommt jetzt?

3 min Lesezeit 14.08.2015, 14:45 Uhr

Der Baarer Rohstoff-Riese Glencore hat seine Anteile am Minenprojekt Tampakan in den Philippinen endgültig verkauft. Dazu könnte auch der öffentliche Druck beigetragen haben: Das Projekt steht wegen möglicher Menschenrechtsverletzungen in den Schlagzeilen. Allerdings ist mit dem Glencore-Rückzug für die indigene Bevölkerung noch nichts gewonnen.

Jetzt ist klar: Glencore hat ihre Anteile am Minenprojekt Tampakan vollends verkauft. Die Baarer Firma hat dies in einer Medienmitteilung am Freitagmorgen bestätigt.

Das Minenprojekt Tampakan hat immer wieder für Aufsehen gesorgt: NGOs wie «Fastenopfer» und «Brot für alle» haben wiederholt darauf hingewiesen, dass die Rechte der indigenen Bevölkerung nur mangelhaft geschützt seien: 5’000 indigene Menschen sollen bei der Projektumsetzung umgesiedelt werden, die Lebensgrundlage von 10’000 Menschen sei bedroht, so die Organisationen.

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Daniel Hostettler ist der Menschenrechtsexperte bei der Luzerner Niederlassung der Organisation Fastenopfer. Er sagt im Interview, was der Glencore-Rückzug für die Menschen vor Ort bedeutet.

zentral+: Herr Hostettler, ist der Rückzug von Glencore eine gute Nachricht für die Bewohner des Gebiets Tampakan, aus menschenrechtlicher Sicht?

Daniel Hostettler: Weder gut noch schlecht: Es ist jetzt einfach eine andere Firma, die das Projekt weiter vorantreibt. Die Glencore hat aber insofern noch eine Verantwortung für die Lage in Tampakan, als sie eine schlechte Grundlage geschaffen hat: Der Einbezug der lokalen Bevölkerung in das Projekt war bis jetzt mangelhaft. Das Projekt ist noch nicht umgesetzt, aber die Gefahr ist sehr gross, dass es zu Menschenrechtsverletzungen kommen wird, sobald mit den eigentlichen Minentätigkeiten begonnen wird.

«Die philippinische Zivilgesellschaft ist stark, und auch sie hat das Projekt in Tampakan aufmerksam verfolgt.»

Daniel Hostettler, Menschenrechtsverantwortlicher bei «Fastenopfer»

zentral+: Glauben Sie, dass der Entscheid von Glencore rein wirtschaftlich motiviert ist, oder hat der öffentliche Druck auch eine Rolle gespielt?

Hostettler: Es wäre schön, wenn unsere Arbeit solche Früchte tragen würde. Aber ich denke, das war ein rein wirtschaftlicher Entscheid. Die Glencore musste sich von zwei Minen trennen, das hat die chinesische Regierung so durchgesetzt, um ihr Monopol im Kupfer-Minengeschäft aufzulösen. Und Ivan Glasenberg, der Glencore-CEO, hat von Anfang an gesagt, dass die Projekte auf der grünen Wiese für die Firma weniger interessant sind als bereits ausgebaute Minenprojekte. Es hat in diesem Projekt tatsächlich grossen Druck gegeben, das hat vielleicht schon auch eine Rolle gespielt. Aber das ist schwierig abzuschätzen.

Weitere Minenprojekte verkauft

Der Baarer Rohstoff-Riese Glencore hat noch weitere Minenprojekte verkauft, die er aus der Fusion mit Xstrata im Mai 2013 übernommen hat. Verkauft hat die Firma ihre Anteile an der Falcondo Nickel Operation und am Sipilou Nickel Projekt. Der Verkaufswert liegt bei zirka 290 Millionen US-Dollar.

zentral+: Und dieser Druck, wird er jetzt verschwinden?

Hostettler: Wir werden auch in Zukunft in Tampakan vor Ort sein, wir sind da eine langfristige Partnerschaft mit einer Partnerorganisation eingegangen, um die lokale Bevölkerung darin zu unterstützen, ihre Rechte wahrzunehmen.

zentral+: Wird jetzt nicht alles eher schlimmer für die indigene Bevölkerung, wenn keine Schweizer Firma mehr verantwortlich ist? Immerhin ist Ihre Organisation Mitautorin der Konzernverantwortungsinitiative – sie verlangt, dass Schweizer Unternehmen für ihre Menschenrechtsverletzungen im Ausland geradestehen müssen.

Hostettler: Es ist tatsächlich so, dass wir nun etwas an Hebelwirkung verlieren. Aber die philippinische Zivilgesellschaft ist stark und auch sie hat das Projekt in Tampakan aufmerksam verfolgt. Der öffentliche Druck wird also nicht kleiner werden.

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