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«Glamping»: Willisauer Landwirte versuchen es mit Camping für Faule
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Michael (links) und Gabriel Peter mit Hündin Cara im Baumgarten: 100 Meter vom Bauernhaus entfernt soll hier künftig das Glamping-Zelt stehen. (Bild: Kevin Gloeckner )

Ferien im Luxuszelt auf dem Bauernhof «Glamping»: Willisauer Landwirte versuchen es mit Camping für Faule

6 min Lesezeit 1 Kommentar 02.03.2019, 04:57 Uhr

Die Landwirte Michael und Gabriel Peter kommen mit einer innovativen Idee daher: Auf ihrem Hof in Willisau wollen die beiden Brüder «Glamping», also glamuröses Camping, anbieten. Mittels Crowdfunding war innert kurzer Zeit das nötige Geld gesammelt. Doch wie naturnah ist Campen im Luxuszelt?

Die Sonne wärmt an diesem Tag wie schon lange nicht mehr. Die Wege sind schlammig, im Schatten liegt noch Schnee. Wer die Gebrüder Peter auf dem Biohof Wellberg besuchen möchte, sollte mobil sein oder genügend Zeit haben. Fernab von Hektik und Verkehr zeigt sich hier, eingebettet zwischen Willisau, Grosswangen und Ettiswil, das Landleben von seiner idyllischsten Seite.

Gerade verabschieden die zwei Junglandwirte eine Familie, die ihre Sommerferien hier verbringen wird. «Wir hatten schon immer viel Besuch», sagt Gabriel Peter, und ein richtiges Angebot für Ferien auf dem Bauernhof schwebte ihnen schon länger vor. Sie wollten jedoch kein Schlafen im Stroh anbieten, wie das alle tun. Auch Jurte, Baumhaus oder Bauwagen haben sie nicht überzeugt, weil «dann ist man ja doch nicht richtig in der Natur». Dann haben sie von «glamourous camping», kurz «glamping», gehört: ein schickes Zelt kombiniert mit der Romantik von Outdoor-Ferien.

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Charme der Hündin

Da so ein Luxuszelt nicht gerade günstig ist, haben die beiden mittels Crowdfunding-Kampagne um Unterstützung gebeten. Dass das Video zur Kampagne so gut ankommt, schreiben sie dem Charme der Hündin Cara zu, die im Video eine wichtige Rolle spielt.

Hinzu kommt: «Viele aus unserem Umfeld wohnen in der Stadt und sehnen sich wohl manchmal nach dem Landleben. Mit unserem Angebot können wir eine Brücke schlagen zwischen Stadt und Land», sagen sie.

«Natur heisst ja nicht, dass man am Boden schlafen muss.»

Gabriel Peter, Biobauer

Über 240-mal wurde das Video in den sozialen Medien geteilt. Innert kurzer Zeit hatten sie so die gewünschten 11’000 Franken erreicht. «Ein Grossteil der Unterstützer kennt uns und war wahrscheinlich auch schon mal hier», sagen sie. So gab es schon zahlreiche kleine Events auf dem Hof.

Glamourös campen – ein Widerspruch?

Doch mal ehrlich: Wie naturnah ist ein Luxuszelt auf dem Bauernhof? «Sehr naturnah», finden die Brüder. Schliesslich sei man mit dem Zelt direkt in der Natur, mit Aussicht auf Hügel, Wiesen, das Panorama, und 100 Obstbäume inklusive.

Dass Glamping eigentlich nur Camping für Faule ist, streiten sie nicht ab. «Für viele ist campen zu aufwändig», sagt Michael Peter. Insbesondere Paare und Familien mit kleinen Kindern fühlen sich deshalb von dieser Form angesprochen, denken die Brüder. «Da sie nicht immer die ganze Camping-Ausrüstung mitnehmen, sondern einfach entspannen wollen.» Gabriel Peter ergänzt: «Natur heisst ja nicht, dass man am Boden schlafen muss.»

Mit diesem Video warben sie für ihr Projekt:

 

Selber würden die Brüder nicht «glampen» gehen. «Als Pfader bauen wir unser Zelt gerne selbst auf.» Sie wissen jedoch um die Hemmungen der Leute, wild zu campieren oder auf einen Campingplatz zu gehen. Für diese sei ein ausgebautes Safari-Zelt mit grossem Bett, gemütlicher Einrichtung und Holzveranda auf einem Bauernhof genau richtig.

Das Plus an Komfort ist jedoch nicht gerade günstig. 100 Franken soll eine Nacht im Glamping-Zelt pro Person ungefähr kosten. Allerdings ist noch offen, ob allenfalls noch Produkte vom Hof oder Frühstück im Preis inbegriffen sind. Trotzdem die Frage: Wieso soll man dann nicht gleich in ein richtiges Hotel gehen? «Bei uns können die Gäste Lämmli streicheln, Säuli füttern und den Sternenhimmel weitab von anderen Lichtquellen betrachten, man ist also mitten in der Natur», sagt Michael Peter.

Wer will, könne auch auf dem Hof mitanpacken oder seine Kartoffeln selbst aus dem Boden buddeln. Man sollte das Bauernleben jedoch nicht romantisieren, warnt er: «Wir heuen nicht mehr mit der Heugabel, sondern mit dem Traktor.»

Gelungener Generationenwechsel

Seit sie den Bio-Bauernhof vor drei Jahren übernommen haben, hat sich einiges getan: «Für uns war klar, dass wir nicht alles so machen wollen wie die Eltern», sagt Gabriel Peter. Ihr Beispiel habe sie etwas abgeschreckt: Viel Arbeit, keine Ferien, wenig Lohn. Die Brüder haben deshalb ursprünglich einen anderen Weg eingeschlagen: Michael hat erneuerbare Energie und Umwelttechnik studiert, Gabriel Geografie. Beide sind in die Stadt gezogen, haben dort gearbeitet und sich ein Umfeld aufgebaut.

«Wir wollen versuchen, die negativen Aspekte des Landwirten-Lebens zu minimieren.»

Michael Peter, Biobauer

Als schliesslich das Thema Hofübergabe auf den Tisch kam, haben sie es sich nochmals überlegt. Schliesslich geht mit dem Hof auch ein Stück Familiengeschichte einher – die erste Erwähnung der Familie Peter auf dem Wellberg reicht bis ins Jahr 1642 zurück. «Die Landwirtschaft und das Leben hier haben uns immer gefallen», sagen die beiden. Deshalb beschlossen sie, es gemeinsam anzupacken. So kommt’s, dass die Brüder hier aufgewachsen und trotzdem Quereinsteiger sind.

«Wir versuchen, die negativen Aspekte des Landwirten-Lebens zu minimieren», sagen die Peters. So können sie heute auch mal Ferien machen oder ausgehen. Gabriel Peter, der mit 34 Jahren der älteste von fünf Geschwistern ist, arbeitet heute 100 Prozent auf dem Hof. Der 28-jährige Michael ist der jüngste Peter und arbeitet rund 40 Prozent auswärts.

«Böhnli» ersetzt «Ärbsli»

Mit der Hofübernahme haben sie auf Mutterkuhhaltung umgestellt. Dass sie nicht wie ihr Vater damals um fünf Uhr morgens melken müssen, entlaste ungemein. Die Simmentaler Kühe bilden mit den Kälbern eine grosse Herde, das jüngste Kälbli ist gerade eine Woche alt geworden, die ältesten sind rund zehn Monate. Kürzlich kam ein neuer «Muni» hinzu. Name: «Böhnli». Sein Vorgänger «Ärbsli» wurde verkauft, da er einem jüngeren Stier Platz machen musste.

Auch knapp 20 Engadinerschafe, zwei Pferde, eine Hühnerschar und zwei Wollschweine gehören zum Hof. Letztere haben sie geschenkt bekommen. Seitdem halten Selma und Luise sie auf Trab. Etwa wenn sie wieder mal ausbüxen und die Brüder sie mit vereinten Kräften einfangen müssen. Als Zuschauer ein amüsantes Spektakel.

«Es geht darum, eine Nische zu finden»

Die Brüder sind im digitalen Zeitalter aufgewachsen und nutzen die sozialen Medien ganz selbstverständlich. Über Facebook rufen sie zur Kirschenernte auf, auf Instagram teilen sie Bilder der wühlenden Schweine und für ihr Glamping-Angebot werden sie auf Airbnb präsent sein.

Auf den sozialen Medien gibt der Biohof Wellberg Einblicke in den Bauernalltag, etwa hier:

 

Auf den richtigen Plattformen werben – ist es das, was moderne Landwirte tun müssen? «Jein», sagen die Brüder. Für das Fleisch, das sie verkaufen, seien Instagram und Facebook nicht die richtigen Kanäle. Mit ihrer Glamping-Idee haben sie jedoch den Nerv der Follower und Freunde getroffen. «Es geht darum, eine Nische zu finden», sagen sie.

Im Frühling müssen sie bereit sein

Ende Mai sollen die ersten Glamping-Gäste kommen. Bis dahin müssen sie das Zelt kaufen, stellen und eine Veranda bauen. Das Holz dafür nehmen sie aus ihrem eigenen Wald. Im Herbst bauen sie das Zelt dann wieder ab, denn «Glamping» wollen sie nur im Sommerhalbjahr anbieten.

Das Crowdfunding-Ziel wurde nach einer Woche bereits erreicht. Alles Geld, das noch gesammelt wird, wird vollumfänglich dem Projekt zugutekommen, so etwa für einen Grillplatz. Falls alles gut funktioniert, gibt es vielleicht auch ein zweites Zelt. Oder ein Kompost-WC. An Ideen fehlt es den beiden nicht.

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1 Kommentare
  1. Franz Peter Dinter, 02.03.2019, 13:30 Uhr

    Eine 5-köpfige Familie, die sich einen halben Tausender pro Nacht leisten kann, geht nicht nach Willisau im Schlamm “glampen”