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Gitter und Amour statt Glitzer und Glamour
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Antonia Röllin bei ihrer Performance an der Kunstpause in der Shedhalle Zug (Bild: slam)

Zuger Kunstpause zeigt 30 Künstler zwischen Gitter Gitter und Amour statt Glitzer und Glamour

3 min Lesezeit 19.08.2016, 18:48 Uhr

Die Vernissage der Kunstpause läutete gestern für Kunstliebhaber den Höhepunkt des Zuger Sommers ein. Das Motto «Begegnung» versetzt Besucher noch bis am Sonntag in einen kreativen Erlebnisrausch der besonderen Art: mit mehr Gitter und weniger Glamour.

Fast 200 Besucher trafen am Donnerstag an der Kunstpause, der Ausstellung für junge Kunst, auf rund 30 Künstler. Es ist die zwölfte Ausgabe des Zuger Festivals für junge Kunst (zentralplus berichtete). Von einer Performance zur nächsten strudelten die Besucher mit verwunderten Blicken durch die Shedhalle.

«Ich hatte die Kunstpause seit Jahren nicht besucht, irgendwie wirkt hier in der Shedhalle alles offener und freier», sagt eine junge Besucherin. Ein älterer Gast bestaunt grinsend ein Absperrgitter, auf dem ein gehängtes Bild gerade ins Zittern kommt. «Ist wie auf einer Baustelle für junge Kunst. Gefällt mir», dreht er den Daumen hoch und sich um. Daneben windet sich gerade die Zugerin Antonia Röllin in einem selbstgebauten Aquarium, während Besucher wie gebannt auf den Knien herankriechen und ihre Ohren an das kalte Glas pressen, um den vom Band kommenden Worten zu lauschen, die über kleine Lautsprecher vom Glas leise widerhallen.

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Viel Temperament und scharfe Blicke

Kaum ist eine Performance vorbei, steht das Publikum plötzlich um eine Theateraufführung von Ronja Römmelt mitten im als Wohnzimmer möblierten und dekorierten Durchgang der Ausstellung. Gebannt – oder verbannt? – von ihrer eigenen Liebe zueinander, beginnen zwei Schauspieler, sich zornige Blicke zuzuwerfen. Eine praktisch hautnahe Begegnung mit Besuchern im Raum. Unter die Haut geht das Konzert von Laura Livers mit Visualisierungen von Martin Riesen kurz darauf, wo eine Projektion an der Wand den digital erfassten Akkorden des Flügels mit eigenen geometrischen Formen Flügel zu verleihen scheint. Die Diaperformance von Dominik Zietlow mit Gitarrenbegleitung und ein Unpluggedkonzert von Stubenrein runden den Abend in sanfter Manier ab.

Das weitere Programm

Freitag, 19. August (18.00 Uhr – 23.00 Uhr)

> 20.00 Uhr – Etienne Marula
> 22.00 Uhr – Ay Wing
> 22.30 Uhr – DJ Zam

Samstag, 20. August (14.00 Uhr – 02.00 Uhr)

> 20.00 Uhr – Eisentanz & Srigniia Bonfà (Performance) – Start der KUNSTsause

> 21.30 Uhr – Hans Muster (live)
> 23.00 Uhr – NLB-Electronics
> 0.30 Uhr – Jan Meier b2b Karim Mraz

Sonntag, 21. August (14.00 Uhr – 20.00 Uhr)

> 17.00 Uhr – Abundzufällig (Improtheater)

Rund die Hälfte der beteiligten Künstler ist aus dem Kanton Zug und jeder hat mit seiner Entourage zum Publikum beigesteuert. «Bereits drei Kunstwerke sind verkauft», freut sich OK-Mitglied Samantha Heller für die anwesenden Künstler. Denn an diese geht der Erlös, vollumfänglich. Das Konzept «Begegnung» ist gelungen, findet der Kurator, hinter dem gerade das Leben an der Bar um elf Uhr nachts erst richtig zu pulsieren beginnt: «Das Publikum ist bunt durchmischt, Leute sind aus den unterschiedlichsten Gründen und Orten gekommen.» Trotz unterschiedlicher Erwartungen, die Rückmeldungen seien durchs Band, oder eben durchs Gerüst, positiv.

Aus Liebe zur «Begegnung»

Die eklektischen, aufeinanderfolgenden Eindrücke überraschten das Publikum durch viel Bewegung: «Alles steht und fällt mit den Gerüsten, weil die Blickachsen im Raum wahnsinniges Potential bieten», so Kurator Denzler. Auf Glamouröses wird bewusst verzichtet. Tatsächlich lassen die halbtransparenten Baugitter die ausgestellten Gemälde, Grafiken, Fotografien, Skulpturen und Installationen, Performances und Konzerte, nicht zuletzt aber auch die Besucher interagieren. Die Blicke schweifen wie zufällig und immer wieder in verschiedene, auch unerwartete Richtungen durch die geschickte Orchestrierung aller Kunstgenres und Werke.

Alles sei nach Plan gelaufen, ist der neue Kurator, Julian Denzler, sichtlich erleichtert. Geschlafen habe er nicht viel, aber Stress sei erstaunlich wenig aufgekommen. 30 Künstler unter einem Dach zusammenzubringen und mit ihnen alles bis ins Detail zu organisieren, kostet Kraft. Doch die Liebe zum Detail schlägt sich auch aufs Publikumserlebnis nieder, weiss Vorstandspräsident Timon Sager: «Unsere Besucher lieben die Begegnung mit den Künstlern, und dass man viele ihrer Werke an einem Ort vereint sieht.» Statt Glitzer und Glamour gibt es an der Kunstpause für dieses Jahr eben Metallgitter und charismatische Begegnungen.

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