«Die Versicherung soll ihren Teil der Vereinbarung einhalten»
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Bruno Heini klagt gegen die Axa-Versicherung.

Luzerner Konditorei Heini reicht Klage ein «Die Versicherung soll ihren Teil der Vereinbarung einhalten»

2 min Lesezeit 3 Kommentare 26.08.2020, 10:44 Uhr

Versicherungen wollen Gastrobetrieben keine Corona-Entschädigungen zahlen. Zwar sind einige von ihnen gegen Epidemien versichert, da es sich aktuell aber um eine Pandemie handelt, hätten sie angeblich keinen Anspruch auf Zahlungen. Die Luzerner Konditorei Heini sieht das anders.

Die Situation vieler kleinerer Gastrobetriebe ist verzweifelt. Ihnen geht wegen des Lockdowns nicht nur das Geld aus, die Versicherungen weigern sich auch, ihnen Entschädigungen aus Epidemiepolicen auszuzahlen.

Manch eine Versicherung nutzt die schwierige Lage der Betriebe – und bietet den Wirtinnen schnelle und pragmatische Lösungen an. Diese bestehen aus «freiwilligen» Ausgleichsofferten.

Das heisst: Die Versicherung bietet den Wirten Geld an, aber nur, wenn diese im Gegenzug darauf verzichten, die Leistung in vollem Umfang auf gerichtlichem Weg zu erstreiten. Doch nicht alle Gastronomen lassen sich so leicht abspeisen.

Versicherung soll ihren Teil der Vereinbarung einhalten

Die Konditorei Heini aus Luzern hat kürzlich gegen die Axa-Versicherungen eine Klage eingereicht, um diese zur Zahlung der Ertragsausfälle in der Zeit des zweimonatigen Lockdowns zu zwingen.

«Wir sind ein Traditionsunternehmen, in dem ein Handschlag noch etwas gilt», sagt Geschäftsführer Bruno Heini dazu auf Anfrage von zentraplus. Die Konditorei habe vor Jahren schon eigens für solche Fälle eine separate Epidemieversicherung abgeschlossen. «Wir haben die Prämien immer bezahlt, jetzt bestehen wir darauf, dass die Versicherung ihren Teil der Vereinbarung ebenfalls einhält.»

«Wir sind ein Traditionsunternehmen, in dem ein Handschlag noch etwas gilt.»

Geschäftsführer Bruno Heini

Die Konditorei hatte vorgängig kein Angebot für eine pragmatische einmalige Geldzahlung bekommen, wie dies bei anderen Versicherungen der Fall ist. «Das hat uns noch darin bestärkt, rechtliche Schritte einzuleiten», meint Heini dazu.

Wie die «Luzerner Zeitung» berichtet, erwirtschaften die 180 Angestellten in den Cafés und Produktionsbetrieben der Firma einen zweistelligen Millionenumsatz pro Jahr. Entsprechend hoch seien die Ertragsausfälle in der Zeit des staatlich verordneten Stillstands gewesen.

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3 Kommentare
  1. pit.sommer, 26.08.2020, 18:46 Uhr

    @CScherrer die Angestellten von Herrn Heini haben während des Lockdowns ihren Lohn von der AHV / IV erhalten. Herr Heini setzt sich in diesem Fall nicht für seine Angestellten ein, sondern für sich. Er möchte den entgangenen Umsatz gerne von der Versicherung.

    1. CScherrer, 27.08.2020, 10:41 Uhr

      Wie kommen Sie darauf, dass die Angestellten den Lohn von AHV und IV erhalten haben? Habe ich da etwas verpasst? Vermutlich meinen Sie die ALV, was jedoch auch nur bedingt stimmt. Nämlich nur dann, wenn das Unternehmen seine Mitarbeitenden für Kurzarbeit angemeldet hat. Auch bei Kurzarbeit bezahlt das Unternehmen weiterhin einen Teil des Lohnes der Angestellten. Es ist völlig richtig, dass Herr Heini diesen Schritt unternimmt. Hier geht es darum einen Grundsatzentscheid zu provozieren. Versicherungen drücken sich nur allzu terne vor der Leistungspflicht. Herr Heini kämpft so auch um die Erhaltung seiner Arbeitsplätze und dies verdient Anerkennung.

  2. CScherrer, 26.08.2020, 12:25 Uhr

    Bemerkenswert, dass einmal mehr ein Luzerner Unternehmer, welcher einen Familienbetrieb führt, sich für seine Angestellten einsetzt. Eine solche Klage ist mit einem hohen finanziellen Aufwand verbunden. Versicherungen haben ihren eigenen Rechtsdienst und können das Spiel bis zum geht nicht mehr spielen.
    Hut ab vor Herr Heini, der sich für seine Angestellten einsetzt.

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