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Chamer liebäugeln mit einer U-Bahn
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Zentrum von Cham mit dem Kirchbühl-Hügel und dem Seeufer. (Bild: zvg)

Visionen aus Zuger Ennetsee-Gemeinde Chamer liebäugeln mit einer U-Bahn

5 min Lesezeit 16.09.2019, 11:38 Uhr

Am vergangenen Wochenende diskutierte die Chamer Bevölkerung im Rahmen der anstehenden Ortsplanungsrevision über die Zukunftswünsche, die sie für ihre Gemeinde hegen. So soll Cham grüner werden und der Verkehr im Dorf weniger. Ein Thema, das vielen Einwohnern Kummer bereitet: Die Papieri.

2040 wird Cham eine autofreie Flaniermeile haben, die vom Rabenkreisel bis zum Städtli reicht. Der Hirsgarten am See wird stark erweitert, gerne aufs Doppelte der heutigen Fläche. Und wer weiss – vielleicht gibt’s dann gar eine U-Bahn im Zuger Ennetsee, welche die Quartiere verbindet?

Dies zumindest sind einige Zukunftsvisionen von Chamerinnen und Chamern, die am vergangenen Freitag und Samstag an einem zweitägigen Workshop im Lorzensaal teilnahmen.

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Viele Junge reden mit

Er soll der Gemeinderegierung und ihren Planern helfen, ein Raumentwicklungskonzept für Cham zu erstellen. Er soll aber vor allem auch Orientierungshilfe für die Ortsplanungsrevision bieten – denn diese steht in naher Zukunft an.

Über 100 Leute hörten sich daher verschiedene Vorträge an und diskutierten in einem ausgeklügelten Modus in unterschiedlich zusammengesetzten Arbeitsgruppen. «Wir sind froh, dass sich letzten Endes auch viele Junge zu einer Teilnahme bereit gefunden haben», sagt Mirjam Landwehr, die Projektleiterin für Raumplanung in der Gemeinde Cham. «Und zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner, die man nicht unbedingt an jeder Gemeindeversammlung sieht.»

Verkehr, Treffpunkt, Grünflächen

Nach einer Standortbestimmung am Freitagabend war am Samstag klar, wo viele aus der Bevölkerung in den kommenden 20 Jahren Fortschritte wünschen: nach ihrem Willen soll es weniger Verkehr, sowohl auf der West-Ost-Achse wie in den Quartieren geben. Sehr wichtig für viele: Cham soll noch grüner werden, die bestehenden, heiss geliebten Parkanlagen besser mit den Siedlungsflächen verzahnt werden, in den Quartieren ausserdem grüne Inseln entstehen.

Ausserdem wünschen sich viele Chamer ein eigentliches Dorfzentrum, das als Treffpunkt funktioniert. Ein Dorfplatz mit Wochenmarkt wurde zwar schon neben dem Lorzensaal eingerichtet. Doch offenbar haben die ortsplanerischen Massnahmen nicht immer den erhofften Erfolg – selbst in Cham nicht, das auf Partizipation und Teilhabe der Bevölkerung einen so grossen Wert legt wie sonst kaum eine andere Zuger Gemeinde.

Dorfplatz beim Chamer Lorzensaal mit Wochenmarkt.

Papieri-Areal ins Dorf integrieren

Allerdings ist das Problem mit den verschiedenen Zentren seit alters her vorhanden, wie der Historiker Michael van Orsouw in einem Impulsreferat darlegte. Neben dem Dorfzentrum auf dem Kirchbühl bei der Pfarreikirche existierte schon im Mittelalter mit dem «Städtli» ein zweites beim Schloss St. Andreas. Mit der Industrialisierung kam ein drittes hinzu, als sich an der Lorze die Milchsüdi und andere Betriebe ansiedelten.

«Es wird keine neue Einzonungen geben.»

Rolf Ineichen, Bauchef (SVP), Cham

Mit dem Chamer Bahnhof ist ein viertes Zentrum im Dorf entstanden und mit dem Papieri-Areal könnte ein weiteres hinzukommen. Dies aber, so zeigte der Workshop auf, ist die Befürchtung vieler Chamer: Obwohl der Bebauungsplan fürs Areal bekannt und an der Urne angenommen wurde, haben sie Angst, dass das Gebiet der Papieri zu einem abgeschlossenen Satelliten innerhalb von Cham wird. Man möchte unbedingt, dass die Papieri gut mit dem benachbarten Neustadt-Areal und dem Zentrum am See vernetzt wird.

Ohne Umfahrung geht nichts

Überhaupt ist die Bevölkerung interessiert, wie sich die grossen Themen der Gegenwart, die Cham momentan umtreibt, in einer Vision für die Zukunft spiegeln. Deklinieren wir sie durch:

Umfahrung Cham-Hünenberg: Die Umgehungsstrasse entlang der Autobahnsteht vor der Ausführung. Das Zuger Verwaltungsgericht hat im Juli die letzten drei Beschwerden gegen das kantonale Grossprojekt abgelehnt.

Für all jene Chamer, die sich eine Flaniermeile oder mindestens ein verkehrsberuhigtes Zentrum wünschen, ist sie von überragender Bedeutung. Nur wenn der Verkehr ums Zentrum herumfliesst, sind solche gestalterischen Massnahmen denkbar.

Mehr Schulen

Ortsplanung: Viele Chamer wünschen sich kein schnelles, sondern ein massvolles Wachstum. Dies haben vergangene Volksbefragungen gezeigt, dies zeigte auch der Workshop. Der Gemeinderat will dem bei der Ortsplanungsrevision Rechnung tragen: «Es wird keine neue Einzonungen geben», versicherte Bauchef Rolf Ineichen (SVP) am Freitag. Stattdessen setze man auf Verdichtung.

Kanti Röhrliberg: Sie taucht in den Diskussionen immer wieder auf – wenn auch nur am Rand. Schulplanung ist zwar ein stetes Thema im Ennetsee, weil mit dem prognostizierten Wachstum der Gemeinde neue Infrastrukturen nötig sind. Diese belasten die Kasse der Gemeinde, die heuer schon zu den grössten Geldempfängerinnen innerhalb des Kantonalen Finanzausgleichs gehört.

Ein moderates Wachstum soll die Gemeindefinanzen in Zukunft stabil halten. Weil aber eine Kantonsschule vom Kanton erbaut und betrieben wird, interessiert sie im Zusammenhang mit den kommunalen Finanzen weniger.

«Cham soll zum Hotspot für Lebensqualität werden.»

Esther Haas, Kantonsrätin (ALG) und Workshop-Teilnehmende

Kiesgrube Hatwil: Kein Thema für die Zukunft. Die Chamer wollen sie nicht und Punkt. Grünfläche ausserhalb des Siedlungsgebietes interessiert vor allem hinsichtlich Naherholung und Biodiversität.

Solarenergie und Familie

Überhaupt hängt nicht alles, was die 80 Chamerinnen und Chamer am Wochenende besprachen, mit der räumlichen Entwicklung des Dorfes und der Gemeinde zusammen. Energieeffizienz und nachhaltige Erzeugungsformen beschäftigen sie ebenso wie das Angebot an erschwinglichem Wohnraum für Familien.

«Der Gemeinderat wird Themen, die nicht in das Raumentwicklungskonzept fliessen werden, aufnehmen und nach Möglichkeit weiter tragen», sagt Mirjam Landwehr. Die Resultate der beiden Tage werden zusammen mit verschiedenen Analyseergebnissen ausgewertet und fliessen in einen konkreten Entwurf für das Raumentwicklungskonzept ein.

Im Frühling 2020 wird’s konkret

Im März 2020 soll erneut ein zweitägiger Mitwirkungsanlass stattfinden. Darin wird dann ein Zielbild zur Diskussion gestellt, wie sich Cham räumlich bis 2040 konkret entwickeln soll.

Beim Workshop im Lorzensaal.

A propos konkret: Die Teilnehmer am Workshop – allesamt natürliche Personen – interessierten sich vorab für die Entwicklung ihrer Wohnungebung. «Cham soll zum Hotspot für Lebensqualität in der Schweiz werden», sagte etwa die anwesende alternative Kantonsrätin Esther Haas. Dem Wunschbild von Cham als «Parkstadt», bereits 2009 im Stadtentwicklungskonzept festgeschrieben, soll endlich Leben eingehaucht werden.

Eine andere Baustelle

Die Gemeinderegierung indes hat sich in den vergangenen Jahren auch immer ein zweites Ziel auf die Fahnen geschrieben: Die Wirtschaft zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen. Dies um die Steuerbasis zu erweitern, und so finanziell besser auf eigenen Füssen zu stehen.

Hier mag die Teilhabe durch die Bevölkerung via Raumentwicklungkonzept allenfalls einen indirekten Beitrag leisten: Indem es fürs Nebeneinander von stillem Gewerbe und Wohnen einen Beitrag leistet. Oder Cham in seiner Verkehrsproblematik weiterbringt – die ja durchaus für Unternehmen von Bedeutung ist.

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