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«Gibt’s denn genug Punks in Zug?»
  • Kultur
Genug Sprayer gibt es offenbar: Dekoration in Vorbereitung. (Bild: dor )

«Rock the Docks» «Gibt’s denn genug Punks in Zug?»

3 min Lesezeit 29.08.2014, 05:55 Uhr

Zug hat seit sieben Jahren sein eigenes Rockfestival, und zwar eines mit Weltformat: Buzzcocks waren am «Rock the Docks», die Undertones, und die Zuger Jugend. Heute sind da: Tiger Bells und Ruskaja. Aber wie konnte das Festival mitten in der Stadt Zug überhaupt so lange überleben?

Noch brennt die Sonne übers Festivalgelände, ein Tag vor dem Start, und die verschwitzten Helfer hoffen wohl alle dasselbe: Dass es so schön bleibt. Denn am Freitagnachmittag geht’s zum siebten Mal los mit dem Rock the Docks, das gratis-Festival für die Zuger Jugend gehört damit zum robustesten, was der Kanton an Festivals zu bieten hat. Und dass das Team eingespielt ist, das merkt man schon beim Aufbau: Obwohl Gründerin und Galvanik-Chefin Eila Rotzler gerade Mutter wird und deshalb den Laden nicht schmeissen kann. Und obwohl die zweite Gründerin und Delilah-Sängerin Muriel Rhyner gerade geschafft von der Tour zurückkommt: Es steht alles, Bühnen, Zelte, Bars. «So viele Helfer wie dieses Jahr hatten wir noch nie», sagt Rhyner, «es hat sich einiges verändert, neue Leute sind dabei.»

«Was die Jungen eigentlich wollen ist Guetta. Gibt’s nicht»

Und trotzdem bleibt das Konzept gleich wie immer: Grosse Underground-Bands, die beim eingefleischten Publikum Stars sind, für gratis, mitten auf dem teuren Zuger Kulturparkett. «Wir konnten über die Jahre etwas aufbauen, hatten die Buzzcocks da, oder The Undertones». Und jetzt «The Sounds» aus Schweden und «Ruskaja» aus Österreich, die vor Jahren am Waldstock das ganze Festival zum Wirbelsturm gemacht hatten. «Das sind alles Bands, für die kommen Fans sogar aus Liechtenstein, um sie hier bei uns sehen zu können», sagt Rhyner. «Die Buzzcocks zum Beispiel haben uns gefragt: Ja gibt’s denn genug Punks in Zug, für so ein Konzert? Und wir haben gesagt: Ja klar.»

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Gibt’s nicht, aber macht gar nichts, am Schluss ist es immer voll vor der Bühne, und alle sind da. Ihr Booking betrachtet Rhyner als eigentliche musikalische Erziehung: «Klar, was die Jungen eigentlich haben wollen ist David Guetta. Aber gibt’s nicht. Nicht mal wenn wir die Million Gage dafür hätten.» Trotzdem ist das Rock the Docks ist nicht nur für Rock-Fans: «Die Zuger Jugend hat gemerkt: Am Rock the Docks passiert was. Und wie unzählig viele Paare sich am Rock the Docks schon gefunden oder getrennt haben», sagt Rhyner und lacht, «das merkt man in der Stadt: Das Festival ist wichtig.»

Band aus dem Grenzgebiet

Vor allem wichtig für junge Zuger Bands, denn hinter den grossen Headlinern von weit weg steckt eigentlich die Idee, den Kleinen eine Bühne zu geben. Den Festival-Auftakt macht die Band «The Real Maynuts», eine aus dem Zuger Grenzgebiet, wie Rhyner sagt: «Säuliamt, aber haben hier ihre Lehre gemacht. Zählt auch.» Und The Real Maynuts sind zwar eine junge Band, gehören aber irgendwie zum Urgestein des Festivals: «Die waren beim allerersten Rock the Docks bei uns im Band-Workshop, noch halbe Kinder, ohne Bart und so», sagt Rhyner, «und jetzt spielen sie bei uns auf der Bühne. Darum geht’s eigentlich, um die nachhaltige Entwicklung junger Bands.»

«Wir halten uns überstrikt daran»

Wie das geht, dass ein Jugendfestival, und dann noch Rock, sieben Jahre lang mitten in der Stadt Zug überlebt? Nie politischer Gegenwind aufgekommen? «Wir machen konsequent um halb zwölf Schluss. Und zwar auf die Minute genau. Das ist der Zeitrahmen, den wir bekommen haben. Er ist sehr knapp und es wäre natürlich wunderbar, wir könnten bis um eins offen haben. Aber so ist die Regel, und wir halten uns überstrikt daran.» Dummerweise hat das Publikm in den sieben Jahren noch nicht bemerkt, dass das Festival schon so früh beginnt: Um 18:15 am Freitagabend und Samstags schon um 16:45 Uhr. «Unser grosser Wunsch wäre, dass die Leute vielleicht schon um sieben, acht kommen, nicht erst um neun. Weil um neun sind schon 70 Prozent des Festivals vorbei. Und auch die kleineren Bands haben ein grossartiges Publikum verdient.»

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