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Gibt es in Zug wirklich zu wenig Ateliers?
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Sam Heller vor einem der Ausstellungsstücke. Alles, was gezeigt wird, hat sie selbst ausgesucht. (Bild: wom)

Keine Kulturnutzung im Theilerhaus Gibt es in Zug wirklich zu wenig Ateliers?

5 min Lesezeit 25.01.2018, 04:33 Uhr

Die angedachten Künstler-Ateliers im Dachstock des Theilerhaus kommen wohl nicht zustande, weil die Zuger Regierung das Haus dem Verwaltungsgericht zuschanzen will. Wir wollten deshalb wissen, ob es auch so genügend Räumlichkeiten für Ateliers im Kanton Zug gibt. Die Antwort überrascht.

«Man muss in dieser Frage unterscheiden», sagt Verena Voser, Malerin aus Zug. Voser hat ihr Atelier vor einiger Zeit nach Horw in den Kanton Luzern verlegt, «weil ich im Kanton Zug nichts Zahlbares gefunden habe», wie sie sagt. Zahlbar – das ist für Voser eine Jahresmiete von weniger als 120 Franken pro Quadratmeter. Atelierräume, die von Privaten vermietet werden, gäbe es keine in dieser Preisklasse, sagt sie. 

Verena Voser.

Verena Voser.

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(Bild: zvg)

Anders sehe es aus mit «öffentlichen und halböffentlichen Räumen» im Kanton Zug. «Von denen gibt es genug», findet Voser. Gemeint sind damit beispielsweise die Ateliers in der Gewürzmühle oder in der Shedhalle in Zug – in Räumlichkeiten, die der öffentlichen Hand gehören. Diese werden an Ateliergemeinschaften vermietet, welche als Genossenschaft oder als Verein organisiert sind, aber laut Voser «Verpflichtungen mit sich bringen».

Sitzungen und Putzämtli nerven

Putzämtli, gesellschaftliche Anlässe, lange Sitzungen, zwischenmenschliche Spannungen – darauf hat die Zuger Malerin keine Lust mehr. So hat sie es bei der Künstler-Genossenschaft im Atelier- und Kulturhaus Gewürzmühle in Zug erlebt, bei der sie früher eingemietet war. «Aber auch früher in der Roten Fabrik in Zürich, im Luzerner Atelierhaus Bildzwang oder auf dem Binz-Areal in Zürich funktionierte das alles ähnlich», so Voser.

«Ich bin der Meinung, dass es klar zu wenige Atelierräume im Kanton Zug gibt.»

Sam Heller, Künstlerin, Zug

Wobei gerade die Zuger Gewürzmühle Räumlichkeiten bietet, die nach Vosers Definition mehr als zahlbar sind. 80 Franken pro Quadratmeter und Jahr verrechnet die Genossenschaft den Mietern, von der Stadt bekommt sie das Areal noch günstiger. Dennoch sind immer wieder einzelne Ateliers zur Miete ausgeschrieben. Und auch nicht alle Mieter der Gewürzmühle sind bildende Künstler – es gibt dort auch einen Texter und Kunsthandwerker – Schneider, Designer und eine Goldschmiedin. 

Mehr Räume für Junge 

Für einige Kulturschaffende im Kanton ist aber auch die Gewürzmühle zu teuer  – zum Beispiel für jene Elf, die sich zur Ateliergemeinschaft 63 zusammengeschlossen und sich auf 200 Quadratmetern beim Kanton in der Shedhalle an der Hofstrasse in Zug eingemietet haben. «Mehrere von uns können sich die Miete in der Gewürzmühle nicht leisten», sagt Sam Heller vom Atelier 63. «Ich bin der Meinung, dass es klar zu wenige Atelierräume im Kanton Zug gibt», sagt sie. «Vor allem solche, die sich auch Junge und Leute in Ausbildung leisten können.»

«Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass wir fürs Atelier 63 eine Lösung finden.»

Aldo Caviezel, Amt für Kultur des Kantons Zug

Das Atelier 63 besteht seit sieben Jahren, war aber zuvor im Kunstambulatorium Baar untergebracht. Es unterhält eine Warteliste, auf der momentan fünf Mietwillige stehen. «Wir nehmen nicht jeden, haben relativ strenge Kriterien», sagt Heller, «auch weil wir in Räumlichkeiten sind, die vom Kanton günstig abgegeben werden.» Leute, die nicht anwesend seien, könne man nicht brauchen. 

Gemeinschaft will zusammenbleiben

Das Problem mit der Shedhalle ist, dass sie keine dauerhafte Lösung darstellt – das Atelier der jungen Künstler ist seit fünf Jahren in einer Zwischennutzung untergebracht. «Wir haben immer nur einen Planungshorizont von zwei Jahren», sagt Heller. Wird die Halle umbebaut und umgenutzt, läuft der Vertrag der Ateliergemeinschaft ersatzlos aus. Ihre Zukunft sei deshalb ungewiss, sagt Sam Heller, «doch am liebsten möchten wir auch an einem neuen Ort zusammenbleiben.»  

«Wenn man die Abwanderung von Kreativen in andere Kantone stoppen will, muss man auch geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen»

Jacqueline Falk, Kulturbeauftragte der Stadt Zug

Als neuer Ort hätte sich der Dachstock des Theilerhaus angeboten, zumal die vorgesehene Kulturnutzung jahrelang unbestritten und ihre Realisierung auch von der Zuger Regierung in den jüngsten Legislaturzielen aufgeführt war (zentralplus berichtete). «Das wäre natürlich ideal gewesen», sagt Sam Heller. 

Im Theilerhaus an der Hofstrasse 13 in Zug zieht ab 2024 das Verwaltungsgericht ein.

Statt auf drei Etagen Kultur gibt’s im Theilerhaus ab 2024 auf drei Etagen Verwaltungsgericht.

(Bild: zVg/ Wikipedia CC)

Abwanderung von Künstlern stoppen

Beim Kanton, wo man auf das Schaffen des jungen genreübergreifende Künstlerkollektiv «stolz» ist, wie Aldo Caviezel, der Leiter des Amts für Kultur sagt, ist man sich der Problematik bewusst. «Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass wir fürs Atelier 63 eine andere Lösung finden», sagt er, «vielleicht in einer anderen kantonalen Liegenschaft – wer weiss.» 

Aldo Caviezel, der neue Leiter des Amtes für Kultur des Kanton Zug.

Aldo Caviezel, der Leiter des Amtes für Kultur ist stolz aufs Atelier 63.

(Bild: mal)

«Es braucht in Zug mehr Räumlichkeiten für Künstlerateliers» sagt Jacqueline Falk, die städtische Kulturbeauftragte. Nicht nur die Wohnungen seien teuer, auch die Miete für Gewerbeflächen seien hoch. «Wenn man den Braindrain und die Abwanderung von Kreativen in andere Kantone stoppen will, dann muss man auch geeignete Räumlichkeiten zur Verfügung stellen», so Falk.

Von Provisorium zu Provisorium

Dass es ein Bedürfnis nach mehr Ateliers gäbe, habe die Evaluierunng einer kulturellen Nutzung des Theilerhaus klar gezeigt. Es sei unverständlich, dass die Kantonsregierung ihre Pläne so plötzlich umgestossen habe, sagt Jacqueline Falk. «Die geplanten Kulturräume im Theilerhaus werden uns schmerzlich fehlen».

Braucht es Kulturförderung? Kunst gibt es auch ohne sie, sagt Jacqueline Falk, die Kulturbeauftragte. Aber die Zuger wollen Kultur zu einem Teil ihres Lebens machen. Und können es sich leisten.

«Unverständlicher Entscheid der Kantonsregierung»: Jacqueline Falk, die Kulturbeauftragte der Stadt Zug.

(Bild: fam)

Die einzige Handhabe, die Falk und Caviezel in solchen Fällen haben, ist es, immer neue Zwischennutzungen von vorübergehend leerstehenden Räumlichkeiten für die Künstler zu organisieren. «Für junge Künstler ist das auch eine gute Lösung, meint Malerin Verena Voser, «denn die arbeiten ja oft auch projektbezogen.» Will heissen: Sie beenden eine Arbeit und machen dann häufig etwas anderes.

Goldener Boden

Sie hingegen möchte das häufige Umziehen nicht mehr auf sich nehmen, sagt die 66-jährige Malerin. «Ich käme ja kaum mehr zum Arbeiten, weil ich nach einem Jahr schon wieder ein neues Atelier suchen müsste.» 

«Ich würde sehr gern wieder zurückkommen.»

Verena Voser, Malerin

Aber zu marktüblichen Konditionen Gewerbeflächen zu mieten, ist nicht jedem möglich. Zwar findet man einzelne Künstler mit einem besseren Einkommen durchaus in Gewerbebauten der Zuger Agglo – oder in den alten Spinnereien von Baar und in Unterägeri. Doch Leute wie Verena Voser, die nur mehr mit der Pension auskommen, müssen kleinere Brötchen backen.

Grundsätzlich finde sie nicht, dass man als Künstler auch automatisch ein Anrecht auf ein eigenes Atelier habe. «Doch ich würde sehr gern wieder zurückkommen», sagt sie. «Nur wird im Kanton Zug halt jeder Quadratmeter vergoldet. Das bedaure ich sehr.»

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