Neue Betreiber am Bahnhof Luzern

Wenn ein Handyladen ein Corona-Testcenter betreibt

Das Corona-Testcenter im Hotel Monopol wird neu von einem Handyladen betrieben. Der Kanton Luzern sieht kein Problem. (Bild: mik)

Beim Corona-Testcenter am Bahnhof Luzern ist es zu einer Umstrukturierung gekommen. Neu betreibt ein Telekommunikationsunternehmen das Testcenter. Die Recherche führt zentralplus in die kurios anmutende Welt der Richtlinien für Testbetriebe.

Die Recherche für diesen Artikel hat eigentlich ganz harmlos begonnen. Morgens ruft Elias Wetli in der Redaktion an. Er beschwert sich über einen kurzen Artikel, in dem steht, dass das Corona-Testcenter am Bahnhof Luzern geschlossen ist (zentralplus berichtete). Zwar sei es korrekt, dass die vorherige Betreiberin, die Safetest AG, den Bettel geworfen hat. Nun habe aber Wetlis Firma, die Mobileadvisor AG, die Räumlichkeiten übernommen. Seit Freitag, 4. März biete sie dort Antigenschnelltests an.

Verbindung zum Handyladen nicht ersichtlich

Die zentralplus-Autorin greift das Thema auf und stellt Elias Wetli auf seine Einladung hin ein paar Fragen. Sie will wissen, wieso und wann seine Firma das Center übernommen hat. Doch die Recherche entpuppt sich schnell als Labyrinth. Was stutzig macht: Die Mobileadvisor AG ist eigentlich eine Handyreparaturfirma.

Zwar handelt sie gemäss Angaben im Handelsregister auch noch mit Liegenschaften und Wertschriften. Der Hauptzweck jedoch ist der «Betrieb von Telekom- und Souvenirshops und Vermittlung von Provider- und anderen Telekommunikations- sowie IT-Dienstleistungen und Reparaturen an elektrischen Geräten», wie es dort heisst. Bis vor Corona tat die Firma das auch – in eben jenen Räumlichkeiten der Pilatusstrasse 1. Mit Corona-Tests hatte sie bisher nichts zu tun.

Gemäss Stephan Albisser, stellvertretender Sekretariatsleiter beim Handelsregister Luzern, muss eine Firma grundsätzlich alle Tätigkeitsfelder im «Zweck» aufführen. Für das Betreiben eines Testcenters bräuchte es einen Vermerk wie «Erbringung von medizinischen Dienstleistungen». Dieser fehlt bislang noch.

Der eigentliche Zweck der Firma – das alte Geschäft mit den Handys – ist im Netz verschwunden. Wer über die Website Mobileadvisor.ch nach ihr sucht, wird automatisch zum neuen Testcenter Testcenter-banhof-lu.ch weitergeleitet. Auf dieser findet sich jedoch kein einziges Wort zur Mobileadvisor AG. Das Impressum verweist einzig auf einen Dr. Jean-Michel Lindenmann, einen Chirurgen aus Zürich.

Bei der Luzerner Dienststelle Gesundheit und Sport (GSD) nachgefragt, erfährt die Autorin, dass der Betreiber des Testcenters – zusammen mit dem Arzt – die Mobileadvisor AG ist. Gemäss Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb müssten die beiden zumindest im Impressum aufgeführt sein.

Kein medizinisches Fachwissen? Kein Problem

Darf ein Handyladen ohne medizinischen Hintergrund ein Corona-Testcenter wie das am Bahnhof Luzern betreiben? Laut der Luzerner Dienststelle Gesundheit und Sport sei medizinische Fachkenntnis keine Notwendigkeit. «Wichtig ist, dass eine fachverantwortliche Person aufgeführt ist und die Verantwortung übernimmt.» Zudem müssen die Tests von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden.

«Es kann ein Arzt quasi zehn Testcenter betreiben und dafür jeweils die Zertifikate ausstellen.»

Dr. med. Jean-Michel Lindenmann, in Zürich tätiger Chirurg

Der fachverantwortliche Arzt muss nicht zwingend vor Ort sein. Der zuständige Arzt Jean-Michel Lindenmann bestätigt dies auf Anfrage von zentralplus. Er müsse nur die positiven Tests melden sowie ab und an vor Ort sein. «Es kann ein Arzt quasi zehn Testcenter betreiben und dafür jeweils die Zertifikate ausstellen», erklärt er am Telefon. Dies bestätigt David Dürr, Leiter der GSD.

«Home»-Testcenter theoretisch möglich

Salopp gesagt könnte die Autorin in ihrer Wohnung also ein Testcenter betreiben, so lange sie einen verantwortlichen Arzt auftreibt – der zum Beispiel in St. Gallen sein könnte – und eine Pflegefachperson die Tests machen lässt. Sofern der Arzt eine entsprechende Bewilligung im Kanton Luzern einholt. Auch dieses hypothetische Szenario beurteilt Dürr mit: «Grundsätzlich wäre dies möglich.» Sofern die hygienischen und qualitativen Bedingungen eingehalten werden. Diese kontrolliere das GSD regelmässig unangekündigt.

Es scheint, als gäbe es kaum was Einfacheres, als ein neues Testcenter aufzumachen. Doch war da nicht etwas? Im November, als Tests noch kostenpflichtig waren und die Zertifikatspflicht galt, verhängte der Kanton einen Bewilligungsstopp für neue Angebote (zentralplus berichtete). Damals lautete die Begründung, dass es keinen Bedarf nach neuen Testangeboten gibt. Zwar ist inzwischen die Nachfrage nach Tests massiv eingebrochen, wie das GSD selbst bestätigt. Trotzdem: Der Bewilligungsstopp gilt plötzlich nicht mehr.

Betreiber ziehen Aussagen zurück

zentralplus hatte Kontakt mit der Mobileadvisor AG. Per Telefon hat Wetli zunächst ausführlich Auskunft gegeben. Unter anderem hat die Autorin ihn mit dem fehlenden Verweis im Impressum konfrontiert. Und gefragt, wie die Zusammenarbeit mit Dr. Jean-Michel-Lindemann zustande kam. Auch über den Betrieb des Testcenters wurde gesprochen.

So waren zum Beispiel die Test-Nachfrage Thema und auch die Frage, woher die Mitarbeiter kommen – da die Gesundheitsbranche ja mit Fachkräftemangel zu kämpfen hat (zentralplus berichtete). Auch zu künftigen Plänen, sollte der Corona-Testmarkt einbrechen, gab Wetli Auskunft. Doch nachdem die Autorin die Zitate zum Gegenlesen geschickt hat, zog er alle Zitate zurück.

Verwendete Quellen
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