Gesundheit & Fitness
Neujahrsvorsätze der Zentralschweizer

Weniger trinken, besserer Sex

Trocken bleiben – zumindest im Januar: Am Dry January beteiligen sich auch viele in der Zentralschweiz. (Bild: zvg Adobe Stock)

Nicht alle haben die Neujahrsvorsätze bereits wieder vergessen. Das merken Zentralschweizer Unternehmen schon vor Mitte Januar. Hoch im Kurs stehen Fitness, Abstinenz und psychologische Beratung.

So, jetzt reichts, dürfte sich der eine oder andere gedacht haben, als er am Neujahrsmorgen mit schmerzender Birne und flauem Magen aufgewacht ist. Ab jetzt gibts erst Mal keinen Alkohol mehr. Aus diesem nachvollziehbaren Bedürfnis ist mittlerweile eine ganze Bewegung geworden, die sich Dry January nennt.

Doch generell ist der Jahreswechsel für viele eine beliebte Gelegenheit, sich selber zu versprechen, im kommenden Jahr ein besserer Mensch zu werden. Für die einen heisst das, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten und sich nun endlich einmal einen Therapeuten zu suchen, für andere, sich die angesammelten Corona-Kilos vorzuknüpfen und häufiger Sport zu treiben. Wieder andere haben dermassen die Nase voll von Zimtsternen und Co., dass sie Süssem gleich ganz abschwören möchten.

Wir wollen wissen, inwiefern solche persönlichen Veränderungswünsche in den unterschiedlichen Branchen zu spüren sind, haben nachgefragt und teils Erstaunliches herausgefunden.

Ab jetzt geht ich drei Mal die Woche ins Gym, ich schwörs!

Wer fühlt sich nach gefühlt zehn feiertäglichen Grossgelagen mit Tiramisu, hausgemachter Knoblauchmayo und dem verblätterteigten Rindsfilet nicht zentnerschwer? Die Energie nach solchen Familienfeten reicht gerade noch bis zur flauschigen Couch und zum Sisi-Marathon, ans Fitnesscenter ist nicht zu denken. Kein Wunder also, dass einen zwischen den Schicksalsjahren einer Kaiserin und Aschenbrödel das schlechte Gewissen packt. Im Januar, so sagt man sich, im Januar, steh ich von dieser Couch auf und schwinge mich auf den Stepper.

Dass sich tatsächlich mehr Menschen nach der Jahreswende auf Stepper und Laufband schwingen, bestätigt Silvia Talabér, Presseverantwortliche der Movemi AG, zu der sowohl die Fitnessparks sowie Activ Fitness gehören. «Im Januar werden klassischerweise Neujahrsvorsätze gemacht, die zu Beginn des Jahres in die Tat umgesetzt werden. Im Durchschnitt liegen die Aboverkäufe deshalb in Januar leicht höher.»

Da das Jahr noch jung sei, liessen sich zwar noch keine repräsentativen Aussagen dazu machen, «die ersten Tage des Jahres 2023 verlaufen aber sehr erfreulich». Talabér weist zudem auf einen «Bedeutungswandel des Fitnesssektors» hin. So zeichne sich ein Trend in Richtung eines veränderten Gesundheitsbewusstseins ab.

«Nebst der Sensibilisierung durch Covid dürften insbesondere gesellschaftliche Megatrends wie die «Work-Life- Balance» oder «Health-Style» der letzten Jahre dazu führen, dass Fitness nicht vorwiegend als Freizeitbeschäftigung mit dem Ziel eines schöneren Erscheinungsbildes verstanden wird, sondern als relevanter Grundpfeiler zur Förderung der Gesundheit», heisst es in einer Medienmitteilung von Movemi. So rechne man in naher Zukunft generell mit einem höheren Zulauf an Neukunden.

«Wir verkaufen im Januar jeweils mehr Laufschuhe als in anderen Monaten.»

Rahel Kissel, Medienverantwortliche Genossenschaft Migros Luzern

Der Januar schlägt übrigens auch in den Sportgeschäften zu Buche. Rahel Kissel, Medienverantwortliche der Genossenschaft Migros Luzern, sagt: «Wir verkaufen im Januar jeweils mehr Laufschuhe als in anderen Monaten. Dieses Jahr ist der Absatz aufgrund der hohen Aussentemperaturen sogar noch ein wenig stärker.»

Bei den nächsten Aperos gibts nur Orangensaft!

Ein bereits erwähnter Evergreen der Neujahrsvorsätze ist der Verzicht auf Alkohol, oder zumindest der massvollere Konsum alkoholischer Getränke. Bei der Alkohol-Beratungsstelle Blaues Kreuz sei alles noch ruhig, erklärt Antje Mohn, Beraterin für Suchtfragen. «Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass sich die Menschen erst nach dem Januar melden, wenn sie merken, dass es bei ihnen mit dem Dry January nicht so gut geklappt hat.»

«Die Leute wollten möglichst noch bevor sie in die Weihnachtstage und -ferien gehen, eine Beratung erhalten.»

Antje Mohn, Beraterin für Suchtfragen, Blaues Kreuz

Hingegen habe man im Dezember sehr viele Terminanfragen erhalten. «Die Leute wollten möglichst noch bevor sie in die Weihnachtstage und -ferien gehen, eine Beratung erhalten.» Es seien so viele Anfragen gewesen, dass einige von ihnen erst im Januar einen Termin bekommen haben.

Im Detailhandel lässt sich ein Trend, dass im Januar mehr alkoholfreie Getränke gekauft werden, nicht klar bestätigen. Rahel Kissel von der Genossenschaft Migros Luzern: «Die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier, aber auch generell nach alkoholfreien Apéro-Getränken, ist schon länger erhöht.» Der positive Trend zeige sich also unabhängig von den Neujahrsvorsätzen.

«Die Migros Luzern hat ihr Sortiment im letzten Jahr markant erweitert, und auch in den kommenden Monaten werden wir es weiter ausbauen», so Kissel. Derselbe Trend zeichne sich bei Coop ab, wie man dort auf Anfrage bestätigt.

Jetzt bringe ich meinen Seelenhaushalt in Ordnung!

Da gibts ein paar Abgründe deiner Seele, bei denen du bisher nicht so genau hinzuschauen getraut hast, die aber ab und zu aufmüpfig werden und sich dem Leben in die Quere stellen? Oder ein paar Muster in der Liebesbeziehung, die mit Vorliebe kurz vor Familienfeiern zu Streit führen? Das neue Jahr verleiht dir womöglich den Mut, endlich eine Einzel- oder Paartherapeutin zu kontaktieren, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Tatsächlich spürt die Zuger Psychologin und Sexologin Caroline Fux anfangs Jahr jeweils eine Veränderung. «Der Januar ist bei mir in der Beratung definitiv ein geschäftiger Monat. Die Leute kommen zurück aus den Ferien, schliessen die Festtagszeit ab und wollen dann ihre Projekte anpacken», sagt sie.

«Das Gefühl von ‹Jetzt packe ich das an!› ist einfach präsenter. Das zu spüren und auszunutzen finde ich eine Stärke.»

Caroline Fux, Psychologin

«Konkrete Neujahrsvorsätze können ein wichtiger Punkt sein. Für viele Menschen ist es aber auch einfach ein Gefühl, dass jetzt die Zeit für etwas Neues gekommen ist», sagt sie. «Das Gefühl von ‹Jetzt packe ich das an!› ist einfach präsenter. Das zu spüren und auszunutzen empfinde ich als eine Stärke und etwas Schönes.»

Wo denn der Schuh der Klientinnen drückt? «Thematisch wählen sich die Leute natürlich ihre Fachperson passend zu ihrem Anliegen aus. Das heisst: Bei mir gehts um alles im Bereich Psychologie und Sexologie. Beides breite Themengebiete.»

«Was meine Klienten möchten? Sich sexuell finden, als Paar oder auch einfach für sich. Lernen, wie man einen Orgasmus erleben kann. Und, und, und.»

Caroline Fux, Psychologin

Sie erklärt weiter: «Das können Paare sein, die an ihrer Kommunikation arbeiten oder wieder mehr Nähe erleben wollen. Oder eine handfeste Krise durchleben und erschöpft sind. Weiter kommen Menschen, die eine Standortbestimmung brauchen oder endlich Ballast von früher loswerden möchten.» 

Daneben gebe es den ganzen Bereich der Sexualität: «Sich sexuell finden, als Paar oder auch einfach für sich. Lernen, wie man einen Orgasmus erleben kann. Eine Einschätzung zu einem tabuisierten Thema bekommen. Endlich ohne Schmerzen Sex haben. Und, und, und.»

Ab jetzt besuche ich die Oma wöchentlich im Altersheim!

Nicht selten nehmen sich die Menschen auch vor, grundsätzlich bessere Menschen zu sein. Und etwa, die Mama oder Grossmama häufiger im Altersheim zu besuchen. Das spürt man dort, wie Peter Arnold, der Leiter der Zuger Alterszentren, erklärt. «Die Besucherzahlen sind jeweils anfangs Jahr höher als in anderen Zeiten, wenn auch nicht exorbitant höher. Deutlich höher sind die Zahlen jeweils an Feiertagen, insbesondere am Muttertag.»

Es bleibt zu hoffen, dass von den guten Vorsätzen auch im Februar noch etwas übrig bleibt, die Turnschuhe nicht gemeinsam mit dem alkoholfreien Bier im Keller verstauben und der Blick in die Seele nicht Furcht, sondern Abenteuerlust hervorruft.

Verwendete Quellen
  • Anfragen bei Detailhändlern
  • Schriftlicher Austausch mit der Psychologin Caroline Fux
  • Anfrage bei Movemi AG
  • Medienmitteilung von Movemi
  • Anfrage beim Blauen Kreuz
  • Schriftlicher Austausch mit den Zuger Alterszentren
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