Zwei Parteien unzufrieden

«Vision fehlt» – Scharfe Kritik an Luzerns Gesundheitsplänen

Es wird zunehmend schwieriger, die gewohnte Grundversorgung im Kanton Luzern aufrechtzuerhalten. (Bild: Symbolbild: Adobe Stock)

Der Kanton Luzern hat einen Plan vorgelegt, wie er dem Fachkräftemangel und den steigenden Kosten im Gesundheitswesen begegnen will. Die vorgesehenen Massnahmen kommen nicht bei allen gut an.

Die Gesellschaft altert, und der Fachkräftemangel verstärkt sich. Das stellt auch den Kanton Luzern vor einige Herausforderungen. Laut der Regierung wird es zunehmend schwieriger, die gewohnte Grundversorgung für die ganze Bevölkerung im Kanton aufrechtzuerhalten.

Im vergangenen März publizierte die Regierung ihren Planungsberichtsentwurf über die Gesundheitsversorgung (zentralplus berichtete). Ein solcher Plan muss der Kanton dem Parlament mindestens alle sechs Jahre vorlegen. Die Regierung schlägt darin acht Massnahmen vor, die sie zwischen 2025 und 2030 umsetzen will.

Parteien sowie Verbände und andere Interessierte hatten nun die Möglichkeit, Stellung zum Entwurf des Berichts zu nehmen. Vor allem zwei Parteien sind mit dem Plan des Kantons nicht einverstanden.

Laut der kantonalen SP zeigt der Bericht keine neuen Lösungen für die grossen Herausforderungen auf. «Vergebens sucht man nach Reformen und innovativen Ansätzen», schreibt die Partei in ihrer Stellungnahme. Es fehle eine Vision, wie eine Kehrwende in der Gesundheitsversorgung angepackt werden solle. Eine «grundlegende, inhaltliche Anpassung» fordert auch die GLP, wie sie in ihrer Stellungnahme schreibt.

«Public-Health-Brille»

Die GLP will, dass der Kanton eine «Public-Health-Brille» aufsetze. Er müsse das Gesundheitswesen umfassender betrachten. So solle sich die Regierung nicht nur auf die Versorgungspolitik konzentrieren, sondern auch Aspekte wie Prävention, Gesundheitsförderung und Umweltmassnahmen miteinbeziehen.

Diesen Punkt hebt auch die SP hervor. Sie verstehe nicht, weshalb nicht konsequenter auf Prävention gesetzt würde. Der Kanton müsse die Gesundheitsversorgung breiter denken. In Gesundheitsförderung und Prävention liege grosses Potenzial.

Patient soll stärker in den Fokus

Beiden Parteien äussern zudem Kritik an der Rolle des Patienten. Die GLP fordert, dass der Kanton das Gesundheitswesen aus Patientenoptik betrachte. Auch die SP schreibt, dass die Patienten mehr in den Mittelpunkt gerückt werden sollten. Die Leistungserbringung müsse sich am Bedarf der Patientinnen ausrichten.

Die GLP verlangt darüber hinaus eine stärkere Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen sowie Menschen mit einer Behinderung. Insbesondere die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen müsse stärker in den Fokus gerückt werden.

Laut der SP muss sichtbar gemacht werden, wie die Gesundheit eines Menschen mit seiner Lebenswelt verknüpft ist. Besonders die stark steigende Zahl von Menschen, die sich psychisch belastet fühlen, erfordert ein Überdenken der bestehenden Ansätze.

Kanton muss aktiver werden

Weiter stört sich die SP daran, wie der Kanton seine Funktion wahrnimmt. Er müsse «ein anderes Verständnis seiner Rolle entwickeln». Die Partei will, dass die Regierung eine aktivere Rolle einnehme. Es reiche nicht mehr, Pilotprojekte zu lancieren und Akteure zu vernetzen. Hingegen müsse der Kanton neue Modelle und Versorgungsstrukturen initiieren, planen und vorantreiben. So sieht die SP für den Kanton beispielsweise auch die Aufgabe vor, dass er finanzielle Mittel für den Aufbau von Hausarztpraxen bereitstellt.

«Hausarztpraxen leisten bis heute einen grossen Anteil an der Grundversorgung. Es folgen aber praktisch keine Neueröffnungen, weil schwindende Einnahmen Mehrkosten gegenüberstehen, die Einzelne nicht mehr stemmen können», schreibt die Partei in der Stellungnahme. Wenn der Kanton es nicht schaffe, diese drängenden Probleme zu lösen, drohe eine «gravierende Unterversorgung».

Spital Wolhusen zu präsent?

Dass dem Spital Wolhusen ein eigenständiges Kapitel gewidmet worden sei, findet die GLP unpassend. Der Exkurs für ein einzelnes Spital sei kontraproduktiv. Dies gehöre nicht in den Gesundheitsbericht.

Anders sieht das der Verein Pro Spital Wolhusen. Die Ausführungen im Bericht zum Leistungsangebot am Standort Wolhusen unterstütze er, schreibt der Verein in seiner Stellungnahme. «Der gemachten Feststellung, dass der Standort Wolhusen für die Gesundheitsversorgung für den ganzen Kanton Luzern versorgungsrelevant ist, muss entsprechend Rechnung getragen werden.»

Restliche Parteien sind mit dem Bericht einverstanden

Die anderen Parteien scheinen mit dem Bericht zufrieden zu sein. Die FDP und die Grünen antworten auf die Frage, ob sie dem Planungsbericht insgesamt zustimmen würden, mit «mehrheitlich ja». Die SVP und die Mitte geben gar ihre volle Zustimmung.

Die FDP merkt jedoch an, dass der Bericht sehr umfassend und ambitioniert sei. Eine Priorisierung einzelner Massnahmen sei unbedingt nötig. Das finden auch die anderen Parteien. Zur Frage, welche Massnahmen im Zentrum stehen sollten, nennen die Parteien drei am häufigsten. Die Bekämpfung des Fachkräftemangels, die Förderung von regionalen Gesundheitsnetzwerken und -zentren sowie die integrierte Gesundheitsversorgung sollten prioritär behandelt werden.

Zurzeit läuft nun die Auswertung der Stellungnahmen. Die Regierung werde den überarbeiteten Bericht voraussichtlich im dritten Quartal verabschieden und publizieren, schreibt das Gesundheits- und Sozialdepartement auf Anfrage. Der Kantonsrat wird sich voraussichtlich in der Dezember-Session dazu beraten.

Verwendete Quellen
  • Vernehmlassungsentwurf Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung
  • Mitteilung GLP
  • Mitteilung SP
  • Vernehmlassungsantworten Grüne, Mitte, FDP und SVP
  • Schriftlicher Austausch mit dem kantonalen Gesundheits- und Sozialdepartement
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