Schädlichkeit der Substanz ist umstritten

Hochdorf: Im Trinkwasser hat es Chemikalien

Im Hochdorfer Trinkwasser wurden Chemikalien gefunden. Gemäss Kantonschemiker des Kantons Luzern, Dr. Silvio Arpagaus, wird die Chemikalie TFA künftig vom Kanton untersucht. (Bild: Unsplash)

Im Trinkwasser von Hochdorf haben Wissenschaftler Rückstände von Pflanzenschutzmittel gefunden. Das zuständige Versorgungsunternehmen WWZ geht den Ergebnissen jetzt nach.

Die Berichte über besorgniserregende Rückstände von Chemikalien im Trinkwasser haben sich in den letzten Jahren gehäuft (zentralplus berichtete). Die SRF-Sendung «Kassensturz» hat jetzt in verschiedenen Gemeinden das Trinkwasser auf die Chemikalie Trifluoracetat (TFA) untersucht. Auch in der Luzerner Gemeinde Hochdorf wurden Rückstände gefunden.

TFA ist eine enorm langlebige Chemikalie und wird deshalb auch als «Forever-Chemical» bezeichnet. Heisst: Sie baut sich in der Natur praktisch nicht ab. TFA im Schweizer Trinkwasser stammt zu einem grossen Teil aus Kühlmittel, das in Klimaanlagen verwendet wird. Sie entsteht, wenn das Kühlmittel in die Atmosphäre gelangt und sich in der Höhe abbaut. Mit dem Regen kommt die Chemikalie auf die Erdoberfläche zurück.

Auch in Hochdorf wurden Rückstände im Trinkwasser gefunden

Bisher galt die Chemikalie als unbedenklich und Rückstände wurden ohne Besorgnis toleriert. In der Schweiz gibt es keinen Grenzwert. Auch im Kanton Luzern ist TFA bisher nicht Teil der Liste der rund 100 Stoffe, die regelmässig kontrolliert werden. Der Kantonschemiker, Dr. Silvio Arpagaus, teilt nun aber mit, dass die Chemikalie zukünftig in die kantonalen Untersuchungen einbezogen wird.

Doch was heisst das nun für das Trinkwasser in Hochdorf? Können Einwohnerinnen noch sorglos am Dorfbrunnen ihre Trinkflasche auffüllen? In Hochdorf hat SRF eine Konzentration von einem Mikrogramm pro Liter gefunden. Das ist ein mittlerer Wert in der Untersuchung. Im Vergleich zum deutschen Grenzwert für TFA von 60 Mikrogramm pro Liter ist die gemessene Konzentration in Hochdorf zu vernachlässigen.

WWZ prüft Messungen in ihren Netzen

Die Gemeinden, die im «Kassensturz» erwähnt wurden, stufen die Messwerte in ihrem Trinkwasser als unbedenklich ein. So sieht das auch das Zuger Versorgungsunternehmen WWZ, welche die Gemeinde Hochdorf mit Trinkwasser versorgt. Auf Anfrage sagt WWZ-Sprecherin Mirjam Panzer, dass TFA derzeit nicht gemessen werde. Sie führt weiter aus: «Aufgrund der aktuellen Meldung werden wir prüfen, ob wir in unseren Netzen Messungen durchführen werden.»

Wo Landwirtschaft ist, ist auch TFA

TFA ist auch in Pflanzenschutzmitteln enthalten. Es versickert im Boden und gelangt so ins Trinkwasser. Daher sind in Gemeinden mit Landwirtschaft höhere Rückstände zu finden. Gewisse Firmen leiten TFA ins Abwasser ab. Bei der Aufbereitung gelangt es dann ins Trinkwasser.

Der Gemeindepräsident einer Zürcher Gemeinde weist die Verantwortung gegenüber SRF teilweise zurück. Die Rückstände von TFA im Trinkwasser seien das Resultat eines gesellschaftlichen Problems. Wenn die Produktion in der Landwirtschaft möglichst hoch ausfallen solle, gäbe es auch Rückstände von TFA. Der Wunsch nach sauberem Trinkwasser stehe dieser Vorstellung entgegen.

Umweltschutz fordert strengere Produktkontrollen

Die Toxikologie schätzt die Chemikalie TFA für Säugetiere bisher als umbedenklich ein. Somit hat auch der Konsum von Trinkwasser keine negativen Auswirkungen auf uns Menschen. Bei der Lebensmittelbehörde der EU ist TFA allerdings derzeit unter Beobachtung. Es wird vermutet, dass noch nicht alle Wirkungen auf Menschen und Tiere abschliessend untersucht sind.

Das ist auch die Einschätzung des Naturschutzes. Der Effekt von Stoffen werde sich erst auf lange Sicht zeigen. Auch die Auswirkungen auf die Umwelt seien nicht geklärt. Das sei besonders prekär bei Stoffen, die sich nicht abbauen. Verstärkt wird die Situation dadurch, dass auch in handelsüblichen Mineralwassern ein TFA-Wert von bis zu 0.8 Mikrogramm zu finden ist.

Experten fordern allerdings nicht primär eine Einführung von Grenzwerten für TFA, sondern eine strengere Produktkontrolle. Produkte, die TFA als Beiprodukt an die Umwelt abgeben, sollen nicht mehr so einfach zugelassen werden.

Verwendete Quellen
  • SRF-Sendung «Kassensturz» vom 26. April 2020
  • Mailaustausch mit dem Gesundheits- und Sozialdepartement, Kanton Luzern
  • Mailaustausch mit Mirjam Panzer, Leiterin Kommunikation WWZ
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