Gesundheit & Fitness
Pandemie und Beruf belasten

Studie: Der Bevölkerung geht es immer schlechter

Brisante Studie: Ein Drittel der Schweizer Bevölkerung fühlt sich nicht vollständig gesund. Das sind knapp 15 Prozent mehr als vor der Covid-Pandemie. (Bild: Unsplash/Christian Erfurt)

Die Pandemie mag aus den Schlagzeilen verschwunden sein, sie belastet die Gesundheit der Bevölkerung aber stärker denn je. Die CSS Gesundheitsstudie zeigt eine anhaltende Verschlechterung des Gesundheitszustandes: Ein Drittel der Bevölkerung fühlt sich nicht vollständig gesund.

Die CSS Gesundheitsstudie wird seit 2020 jährlich vom Forschungsinstitut Sotomo durchgeführt (zentralplus berichtete). Der Fokus liegt auf der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Gesundheit und Krankheit. Die erste Datenerhebung fand zu Beginn der Pandemie statt. Nach der nun dritten Durchführung liegt ein Monitor der Pandemie vor, der den Einfluss auf die körperliche und psychische Gesundheit darlegt. Befragt wurden 2136 Personen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz.

Ein Drittel der Bevölkerung fühlt sich nicht vollständig gesund

Bei der ersten Erhebung zu Beginn der Corona-Pandemie (März 2020) gaben 22 Prozent der Befragten an, dass sie nicht vollständig gesund oder gar krank seien. Im Juni 2021 lag dieser Wert bei 27 Prozent. Im Juni dieses Jahres ist er gar auf 35 Prozent angestiegen. Über ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung der Schweiz fühlt sich somit nicht vollständig gesund.

Der Gesundheitszustand hat sich insbesondere zwischen Juni 2021 und Juni 2022 markant verschlechtert. Zwar gab es in dieser Zeit grosse Impffortschritte und es verbreiteten sich Virusvarianten mit weniger schweren Krankheitsverläufen. Deren leichtere Übertragbarkeit sowie das Wegfallen von Präventionsmassnahmen haben die Zirkulation des Virus jedoch beschleunigt.

All das hat offenbar Spuren hinterlassen: Die Pandemie habe sich zu einer schleichenden Belastung für die Volksgesundheit entwickelt, heisst es in der Gesundheitsstudie der CSS.

Mehr Krankheitstage

Die Verschlechterung des Gesundheitsempfindens betrifft jüngere und ältere Befragte. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gesundheit jedoch vor allem bei Personen zwischen 36 und 65 Jahren verschlechtert, die bis dahin noch kaum über negative Auswirkungen berichteten.

«Rund 60 Prozent der 18- bis 40-Jährigen nehmen ihren Beruf als ungesunden Stressfaktor wahr.»

CSS Gesundheitsstudie 2022

Im dritten Jahr der Pandemie hat die Anzahl der Krankheitstage von 2,5 auf 4,3 Tage zugenommen (2020: 3,3 Tage). Nur ein Viertel der Befragten war in den vergangenen 12 Monaten nie krank. Stark gestiegen ist 2022 im Vergleich zum Vorjahr der Anteil der Befragten, die mindestens zehn Tage krank gewesen sind (Zunahme von 18 auf 26 Prozent).

Nicht nur kam es damals zu einem Nachholeffekt bei klassischen viralen Infekten, sondern auch zu einer starken Zunahme von Covid-19-Erkrankungen – wenn auch mit milderem Verlauf.

Psychische Gesundheit leidet

Die Studienreihe zeigt eine Erosion des körperlichen Gesundheitsempfindens im Verlauf der Pandemie. Eine Verschlechterung lässt sich auch bei dem psychischen Wohlbefinden feststellen, wenn auch weniger ausgeprägt. Der Anteil der Personen mit einer guten psychischen Verfassung ist seit 2021 von 74 auf 71 Prozent gesunken.

Insbesondere bei jungen Frauen zwischen 18 und 30 Jahren ist die psychische Situation jedoch besorgniserregend: 55 Prozent beschreiben ihr psychisches Wohlbefinden in der jüngsten Befragung als durchzogen oder schlechter. Damit sei der sehr hohe Wert vom letzten Jahr von 49 Prozent nochmals angestiegen, so die Gesundheitsstudie.

Long Covid wird ernster genommen

Eine veränderte Sensibilisierung zeigt sich auch gegenüber Langzeitfolgen von Corona-Erkrankungen. Vor einem Jahr waren mehr Befragte der Ansicht, dass Long Covid eher aufgebauscht werde (34 Prozent) als der Ansicht waren, Long Covid werde eher verharmlost (30 Prozent).

Mittlerweile hat sich das Verhältnis gedreht. 44 Prozent der Befragten finden nun, dass Long Covid eher unterschätzt wird und nur 21 Prozent sind der Ansicht, es werde gesellschaftlich überschätzt. Long Covid wird von der Bevölkerung wesentlich ernster genommen als noch vor einem Jahr.

Beruf ist ein ungesunder Stressfaktor

Gefragt nach den Aspekten des eigenen Lebensstils, die langfristig als belastend für die eigene Gesundheit eingeschätzt werden, wird am häufigsten der berufliche Stress (35 Prozent) noch vor dem Bewegungsmangel (31 Prozent) und dem Essverhalten (23 Prozent) genannt. Besonders ausgeprägt ist die Betonung der beruflichen Belastung als Gesundheitsrisiko bei jungen Erwachsenen. Rund 60 Prozent der 18- bis 40-Jährigen nehmen ihren Beruf als ungesunden Stressfaktor wahr.

«Wer mit einer schweren Krankheit im eigenen nahen Umfeld konfrontiert ist, hat dadurch eher mehr als weniger Angst.»

CSS Gesundheitsstudie 2022

Ein Viertel aller Befragten gibt an, schon einmal aufgrund von psychischem Unwohlsein der Arbeit fern-geblieben zu sein. Hier zeigt sich ein massiver Generationengraben. Während dies bei den 65-Jährigen nur gerade bei 8 Prozent der Fall ist, ist es bei den 18- bis 35-Jährigen annähernd die Hälfte (44 Prozent).

Burnouts wegen fehlender Work-Life-Balance

Wird das Unwohlsein bei der Arbeit zu einer anhaltenden psychischen Belastung, kann es zu einem Burnout kommen. 10 Prozent der Befragten geben an, dass sie in ihrem Leben von ärztlichem Fachpersonal eine Burnout-Diagnose erhalten haben, 12 Prozent sprachen von einem Burnout ohne entsprechende Diagnose.

Besonders oft sind die 36- bis 65-Jährigen von Burnout-Erfahrungen betroffen. Mehr als ein Viertel von ihnen gibt an, ein Burnout erlebt zu haben, davon 13 Prozent diagnostiziert von einer Fachperson.

Mehr als 55 Prozent der bis 40-Jährigen fürchten, dass das Übergreifen der Arbeit auf die Freizeit längerfristig zu einem Burnout führen könnte. Die Generation der Digital Natives ist sich gewohnt, überall und immer online und erreichbar zu sein. Insbesondere im Kontext des digitalen Arbeitsplatzes kann dies zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden.

Verbreitete Angst vor Demenz im Alter

Gefragt nach typischen Einschränkungen und Erkrankungen des Alters, steht bei den meisten Demenz bzw. Alzheimer an erster Stelle. 75 Prozent der Befragten fürchten sich davor besonders. Wer mit einer schweren Krankheit im eigenen nahen Umfeld konfrontiert ist, hat dadurch eher mehr als weniger Angst: 41 Prozent der Befragten, die Demenz bei einem nahen Angehörigen erlebt haben, fürchten sich mehr. Nur bei 8 Prozent nimmt die Erfahrung eher etwas von der Angst.

Obwohl der schleichende Gedächtnisverlust in der öffentlichen Debatte oft als primäres Merkmal von Demenzkrankheiten gilt, steht die Furcht davor nur bei jüngeren Befragten im Zentrum. Je älter die Befragten sind, desto weniger bedrohlich wird der Verlust des Gedächtnisses und der Beziehungen wahrgenommen.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung der CSS zur Gesundheitsstudie 2022
  • CSS Gesundheitsstudie 2022

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