Zuger Versicherung erhöht Prämien unter dem Jahr

Nach Prämienschock: Das sagt die Krankenkassenchefin

Die Klug-Geschäftsführerin Yvonne Dempfle sagt, einen solchen Anstieg an Versicherten wie 2022/23 habe es in der 100-jährigen Geschichte der Krankenversicherung noch nie gegeben. (Bild: zvg)

Die Zuger Krankenversicherung Klug muss mitten im Jahr die Prämien für die Grundversicherten erhöhen – und das zum Teil drastisch. Geschäftsführerin Yvonne Dempfle erklärt im zentralplus-Interview, weshalb.

Per 1. September müssen Versicherte, die bei der Zuger Klug-Krankenkasse versichert sind, mit einer heftigen Prämienerhöhung rechnen. Betroffen sind Personen, die in den Kantonen Luzern, Nidwalden, Aargau und Zürich zu Hause sind (zentralplus berichtete). Dies wegen der finanziellen Schieflage der Versicherung. Geschäftsführerin Yvonne Dempfle erläutert die Hintergründe.

zentralplus: Yvonne Dempfle, die Klug-Krankenversicherung erhöht mitten im Jahr die Prämien für die Grundversicherung. Was sind die Gründe dafür?

Yvonne Dempfle: Das starke Wachstum des Versichertenbestands im Jahr 2023 von Klug hat zu einer erheblichen Veränderung beim Risikoausgleich geführt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erachtet deshalb die Reserven der Klug für die Grundversicherung als zu tief – dies auch angesichts dessen, dass mit steigenden Gesundheitskosten zu rechnen ist. Damit aus Sicht des BAG die gesetzlichen Vorgaben in den kommenden zwei Jahren erfüllt bleiben, hat das BAG die unterjährige Prämienerhöhung verfügt.

zentralplus: Weshalb haben Sie die Probleme nicht kommen sehen?

Dempfle: Von 2022 auf 2023 verzeichneten wir ein Mitgliederwachstum von 188,4 Prozent. Da der Risikoausgleichsbetrag rund ein Jahr im Voraus prognostiziert und rund ein Jahr im Nachhinein mit allen nationalen Daten ermittelt wird, lagen uns zum Zeitpunkt der Berechnung nur die Daten von rund einem Drittel der Versicherten vor. Dies erschwerte die Prognose.

«Das Unternehmen hat genügend Liquidität, um allen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.»

zentralplus: Prämienerhöhungen mitten im Jahr sind höchst selten. Haben Sie falsch kalkuliert?

Dempfle: Die Berechnung des Risikoausgleichs stellt insbesondere für Krankenversicherungen mit stark fluktuierendem Versichertenbestand eine grosse Herausforderung dar. Klug hat die Prämien für das Jahr 2024 prozessgemäss nach versicherungsmathematischen Berechnungen erstellt und beim BAG eingereicht. Das BAG hat dann die Prämien für das Jahr 2024 im September 2023 verfügt und die Berechnungen der Klug somit gutgeheissen. Das starke Wachstum des Versichertenbestands und der signifikante Wechsel in der Zusammensetzung der Versicherten hat jedoch zu einer erheblichen Veränderung des Risikoausgleichs geführt.

Zudem: Ein signifikanter Wechsel in der Zusammensetzung der Versicherten kann die vorangegangenen Krankheitskosten verzerren, denn die nationalen Daten als Berechnungsgrundlage stehen erst verzögert zur Verfügung. So erhielten wir im Mai 2024 die Zahlen für den Risikoausgleich 2023 von der gemeinsamen Einrichtung KVG. Diese zeigten, dass die Risikoausgleichszahlung höher ausfällt als erwartet, was sich im Ergebnis der Jahresrechnung niederschlägt.

zentralplus: Das Bundesamt für Gesundheit hält fest, dass die Klug für das laufende Jahr nicht mehr genug Reserven hat. Müssen sich die Versicherten Sorgen machen, dass ihre Arztrechnungen nicht mehr bezahlt werden?

Dempfle: Nein. Das Unternehmen hat genügend Liquidität, um allen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen.

zentralplus: Müssen Sie Sparmassnahmen einführen?

Dempfle: Mit einer neuen Software zur automatischen Verarbeitung der Leistungsabrechnungen, die im Frühjahr 2023 installiert wurde, konnte die Effizienz zusätzlich gesteigert werden. Wir sind zudem seit vielen Jahren eine der effizientesten Krankenversicherungen im Schweizer Vergleich. Neben einer effizienten Verwaltung sind die Möglichkeiten zum Sparen für eine Krankenkasse jedoch begrenzt, denn per Gesetz muss jeder, der das möchte, in die Grundversicherung aufgenommen werden.

zentralplus: Wie hoch werden die Prämienerhöhungen, die per Anfang September erfolgen, durchschnittlich ausfallen?

Dempfle: Die Prämienerhöhungen fallen in den vier betroffenen Kantonen Aargau, Zürich, Luzern und Nidwalden sehr unterschiedlich aus. Beim Standardmodell mit einer Franchise von 300 Franken liegt die aktuelle Erhöhung in den Zentralschweizer Kantonen per 1. September 2024 bei 18,3 Prozent im Kanton Luzern und 26,9 Prozent im Kanton Nidwalden. Bei einer Wahlfranchise differieren die Zahlen entsprechend. Neben den vier erwähnten Kantonen ist kein weiterer Kanton von einer Prämienerhöhung betroffen.

zentralplus: Was müssen Versicherte nun tun, wenn sie die Krankenkasse wechseln möchten?

Dempfle: Versicherte, die vom Kündigungsrecht Gebrauch machen möchten, finden auf unserer Website das entsprechende Kündigungsformular sowie eine Checkliste. Für Fragen stehen die Mitarbeitenden den Versicherten telefonisch oder vor Ort zu den Geschäftszeiten zur Verfügung. Aufgrund der aussergewöhnlichen Situation haben die Versicherten in den Kantonen Aargau, Luzern, Nidwalden und Zürich das Recht, die Krankenversicherung unterjährig zu wechseln. Konkret bedeutet das für die Versicherten, dass sie spätestens bis 31. Juli kündigen müssen, wenn sie mit der neuen Prämie ab 1. September 2024 nicht einverstanden sind. Der Kündigungsprozess ist dann abgeschlossen, wenn die neue Krankenversicherung die lückenlose Weiterführung der Grundversicherung bis 31. August bestätigt hat.

zentralplus: Wie stellen Sie in Zukunft sicher, dass es nicht wieder zu einer Prämienerhöhung während des Jahres kommt?

Dempfle: Dass sich der Versichertenbestand einer Krankenversicherung so stark verändert, wie es bei uns zwischen 2022 und 2023 der Fall war, ist sehr selten und kam in unserer über 100-jährigen Geschichte nie vor. Wir gehen davon aus, dass sich unser Versichertenbestand wieder stabilisieren wird.

zentralplus: Wird es per Ende Jahr zu einer erneuten Prämienerhöhung kommen?

Dempfle: Die Gesundheitskosten steigen seit Jahren. Zwar sind wir stets bemüht, die Prämien für unsere Versicherten mit einem gesunden Augenmass festzusetzen, aber auch Klug kann sich nicht gegen den Trend im Gesundheitsmarkt wehren und ausschliessen, dass im Herbst die Prämien angepasst werden müssen. Konkrete Aussagen zu den Prämien 2025 können aber erst nach Bekanntgabe durch das BAG im Herbst 2024 gemacht werden.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Yvonne Dempfle, Geschäftsführerin der Krankenversicherung Klug
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