Gesundheit & Fitness

Historisches Versprechen in Luzern
Klinik in Luzern führt keine Abtreibung durch – das eckt an

  • Lesezeit: 6 min
  • Kommentare: 2
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Im Kanton Luzern wird mehr als ein Schwangerschaftsabbruch täglich vorgenommen.

Im Kanton Luzern wird mehr als ein pro Tag vollzogen. Was viele nicht wissen: Die Hirslanden Klinik St. Anna führt keine Abbrüche durch – ausser in Notfällen. Warum die Klinik am historischen Versprechen festhält.

Der Uterus, den Aktivistinnen der linken Gruppierung «Resolut» auf das Transparent gemalt haben, sieht hässig aus: Formt sich der eine Eileiter doch an seinem Ende zu einem Stinkefinger.

Mit sauberer Schrift steht in pink und violett darauf geschrieben: «Sichere Medizin statt christlichem Fundamentalismus: Das St. Anna muss sichere Abtreibungen ermöglichen.» Darunter der Hashtag #MyBodyMyChoice.

Das steht auf dem Transparent, das Aktivisten am vergangenen Samstag in der Nähe der in Luzern ausgerollt haben.

(Bild: zvg/Resolut)

Was viele vermutlich nicht (mehr) wissen: In der Hirslandenklinik St. Anna Luzern werden keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt – ausser in Notfällen. Fast 100 Jahre lang führten die katholischen St. Anna-Schwestern die Klinik. Als die Privatklinikgruppe Hirslanden die Klinik 2005 übernommen hat, musste sie ein Versprechen abgeben. Eines, das den Aktivistinnen graust: Die Klinik musste versprechen, keine Abtreibungen durchzuführen.

Keine Abtreibung: Diese Bedingung wurde vertraglich festgehalten

Diese Regel gilt auch heute noch. «Es ist nach wie vor korrekt, dass wir in der Hirslanden Klinik St. Anna grundsätzlich keine elektiven Schwangerschaftsabbrüche durchführen», sagt , stellvertretende Direktorin, auf Anfrage. Elektiv, das heisst: Eine Behandlung ist nicht akut, kann also auch verschoben werden. Die Bedingung wurde damals vertraglich festgehalten.

«Daraus zu schliessen, dass wir aufgrund dieser vertraglichen Bestimmung das Recht auf nicht respektieren, wäre falsch.»

Erika Rohrer, stellvertretende Direktorin Hirslandenklinik St. Anna

Gerät diese Regel im Zuge der Abtreibungsdebatte nicht zunehmend unter Druck – und sorgt die Bedingung auch intern unter den Gynäkologinnen für Diskussionen? Gemäss Rohrer nicht. Sowohl von der Klinikleitung als auch von den Fachärztinnen aus der Gynäkologie werde die Regelung «mitgetragen».

Schwangerschaftsabbrüche: Nur im Notfall

Die Kritik der Aktivisten weist sie entschieden von sich. «Daraus zu schliessen, dass wir aufgrund dieser vertraglichen Bestimmung das Recht auf Abtreibung nicht respektieren, wäre indes falsch», betont Rohrer.

Dies aus zwei Gründen: Die Fachärzte in der Klinik führen «sehr wohl» Schwangerschaftsabbrüche durch. Nämlich immer dann, wenn dies «medizinisch indiziert» sei. Wenn also beispielsweise für die Mutter ein lebensbedrohliches Risiko besteht, so kann sie die Abtreibung in der Hirslandenklinik St. Anna durchführen.

«Zweitens bedeute der Verzicht auf elektive Schwangerschaftsabbrüche in der Klinik nicht, dass unsere Gynäkologinnen und Gynäkologen keine solchen Behandlungen durchführen», sagt Rohrer. Sie führt aus, dass die Klinik St. Anna ein Belegarztspital ist. Das bedeutet, dass die Fachärzte in den meisten Fällen ausserhalb des Klinikgeländes eine eigene Praxis haben. «In Anbetracht der Tatsache, dass heutzutage Schwangerschaftsabbrüche bis zur 7. Schwangerschaftswoche fast immer ambulant durchgeführt werden, finden die allermeisten dieser Behandlungen ohnehin nicht in der Klinik statt», so Rohrer.

Die stellvertretende Direktorin der Hirslanden Klinik St. Anna, sagt: «Auch unsere Gynäkologinnen und Gynäkologen führen elektive Schwangerschaftsabbrüche in ihren Praxen durch, sofern sie über die dafür erforderliche Bewilligung verfügen.»

Hirslandenklinik St. Anna pflegt «enge Zusammenarbeit» mit Frauenklinik des Luks

Im Kanton Luzern wird mehr als eine Abtreibung täglich durchgeführt. 2020 waren es laut Angaben des Gesundheits- und Sozialdepartement (GSD) 440 straflose Schwangerschaftsabbrüche. Davon wurden 362 Abbrüche insgesamt an den drei Standorten des Luzerner Kantonsspitals (Luks) durchgeführt, die restlichen 78 in Arztpraxen. Wenn eine Gynäkologin in ihrer Praxis straflose Schwangerschaftsabbrüche durchführen will, so braucht sie dazu eine Bewilligung vom Kanton. Ausserhalb des Luks verfügen laut Angaben des GSD zwölf Gynäkologen eine solche Bewilligung.

«Unsere Gynäkologinnen und Gynäkologen beraten ihre Patientinnen in jedem Fall wertefrei.»

Erika Rohrer

Angenommen, eine Frau sucht die Hirslanden Klinik St. Anna auf, mit dem Wunsch, abzutreiben. Wird ihr davon abgeraten?

«Unsere Gynäkologinnen und Gynäkologen beraten ihre Patientinnen in jedem Fall wertefrei und suchen für jede individuelle Situation die bestmögliche Lösung», sagt Rohrer. «Jene Belegärztinnen und -ärzte, die nicht über die entsprechende Bewilligung verfügen, verweisen ihre Patientinnen an ihre Fachkolleginnen und -kollegen oder an die Frauenklinik des Luzerner Kantonsspitals, mit der wir eine enge und gute Zusammenarbeit pflegen.»

Auch bei den selteneren chirurgischen Eingriffen, die vorwiegend ab der 9. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, arbeite die Klinik mit der Frauenklinik des Luks zusammen.

Kommt es in Luzern zu Wartefristen?

Problematisch wäre die Bedingung der Hirslanden Klinik St. Anna insbesondere dann, wenn das bestehende Angebot in Luzern nicht reichen würde. Wenn also Frauen mit einem Abtreibungswunsch auf andere Kantone ausweichen müssten, weil es hier zu Wartefristen kommt.

Wie «Medinside», eine Online-Plattform für die Gesundheitsbranche, 2019 nämlich berichtete, hat die Anzahl der Frauenärztinnen, die in ihren Praxen Abtreibungen durchführen, über die Jahre abgenommen. Weil Schwangerschaftsabbrüche vor allem in den Spitälern durchgeführt werden, erhöhe das den Druck auf die Spitäler, was wiederum in den verschiedenen Regionen der Schweiz zu Wartefristen führe. 

9 von 10 Luzernerinnen führen den Abbruch in Luzern durch

Das Luks war innert Frist nicht für eine Stellungnahme erreichbar, ob es bei ihnen diesbezüglich zu Wartefristen kommt. Dem GSD liegen jedoch keine Angaben zu allfälligen Wartefristen vor. Und auch Erika Rohrer sagt: «Gemäss unserer Fachgruppe Gynäkologie gibt es im Raum Luzern keinen Mangel an medizinischen Angeboten, um einen elektiven vornehmen zu lassen.»

Darauf deuten auch die Zahlen des Bundesamts für Statistik hin. Im Jahr 2020 haben insgesamt 41 Luzernerinnen einen Schwangerschaftsabbruch in einem anderen Kanton durchgeführt. Also führten über 90 Prozent aller Frauen mit Wohnsitz in Luzern den Schwangerschaftsabbruch in Luzern durch.

Eine Bedingung bis in alle Ewigkeit?

Die Bedingung der Hirslanden Klinik St. Anna, keine Schwangerschaftsabbrüche – ausser in Notfällen – durchzuführen, ist historisch gewachsen. Ist es nicht an der Zeit, das historische Versprechen zu modernisieren? Mit den «überholten, fundamentalistischen Weltbilder», wie es die Aktivistinnen formulieren? Die stellvertretende Direktorin der Hirslanden Klinik St. Anna geht in ihrer Stellungnahme nicht auf die Frage ein, ob die Bedingung für immer in Stein gemeisselt ist.

In der Schweiz gibt es auch andere Kliniken, die keine Abtreibungen durchführen. Etwa das Basler Bethesda-Spital. In einer Stellungnahme auf der Website der Klinik hielt diese 2016 fest, dass das Diakonat Bethesda «nach intensiver und erneuter Diskussion klar entschieden» habe, seiner «alten und bewährten Haltung treu zu bleiben» und in der Bethesda Frauenklinik weder Abtreibungen durchzuführen noch Rezepte zu verschreiben, die einen Schwangerschaftsabbruch bewirken. Auch da wird also an der christlichen Geschichte des Hauses festgehalten. 

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung vom 5. März 2022
  • Schriftlicher Austausch mit der Hirslandenklinik St. Anna Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit dem Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern
  • Schriftlicher Austausch mit dem Luzerner Kantonsspital
  • Statistik zu Schwangerschaftsabbrüchen des Bundesamts für Statistik
  • Medienbericht von «Medinside», einer Online-Plattform für die Gesundheitsbranche
  • Stellungnahme auf der Website des Basler Bethesda-Spital
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2 Kommentare
  1. Mathias Rellstab, 15.03.2022, 22:38 Uhr

    Soso, die Klinik St. Anna «eckt an», weil sie sich an eine offenbar vertraglich festgelegte Bestimmung hält. Bei wem eckt sie an? Bei einer Gruppe von Linksextremistinnen, die nicht einmal den Mut haben, mit Namen hinzustehen.

    0 👍 Gefällt mir 0 👏 Applaus 0 🤔 Nachdenklich 0 👎 Daumen runter
  2. Esther Aebi, 13.03.2022, 23:08 Uhr

    Warum soll sich die Klinik plötzlich vom Vertrag abwenden? Sorry Ladys, aber wenn ihr nicht verhüten könnt oder wollt, muss kein Arzt der Welt eure Fehler «ausbauen». Übernehmt doch vorher Eigenverantwortung.

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