«Pro Spital Wolhusen»-Komitee reagiert enttäuscht

Das hat der Kanton Luzern mit dem Spital Wolhusen vor

Das Kantonsspital in Wolhusen wird neu gebaut. (Bild: zvg)

Für die Luzerner Regierung ist klar: Das medizinische Angebot im Kanton muss gebündelt werden. Das hat Folgen für das Spital Wolhusen. Das Komitee Pro Spital Wolhusen kritisiert: Die aktuellen Informationen seien zu vage und unverbindlich.

Werde ich noch in Wolhusen betreut, wenn ich einen Unfall habe? Muss ich mein Kind in Luzern gebären? Ist meine Gesundheitsversorgung noch sichergestellt, wenn ich in Marbach oder Luthern wohne? Diese Fragen stellen sich etliche Menschen im Entlebuch und im Luzerner Hinterland.

Welche Eingriffe können ambulant durchgeführt werden? Wie finden wir genügend Fachkräfte im Gesundheitswesen? Wie gehen die Spitäler mit dem Preis- und Kostendruck um? Das sind Fragen, die sich hingegen der Kanton und die Verantwortlichen des Luzerner Kantonsspitals stellen.

In diesem Spannungsfeld wird derzeit die Zukunft des Spitals Wolhusen ausgehandelt. Der Kanton baut für 110 Millionen Franken ein neues, dreistöckiges Spitalgebäude. Und stellt sich gleichzeitig die Frage, welche medizinischen Leistungen dort künftig angeboten werden.

Das sorgt für Gesprächsstoff. Wir erinnern uns: Als die Regierung ankündigt hatte, nur noch hebammengeleitete Geburten durchzuführen, hagelte es Protest aus der Region. Inzwischen ist der Kanton zurückgekrebst. Auch weil ein unabhängiges Gutachten den ursprünglichen Plänen ein schlechtes Zeugnis ausgestellt hat (zentralplus berichtete).

Andere Kantone schliessen ihre Landspitäler

Diesen Freitag hat Gesundheitsdirektor Guido Graf (Mitte) gemeinsam mit der Spitalleitung das zukünftige medizinische Leistungsangebot präsentiert. Er machte gleich zu Beginn klar: «Die Luzerner Regierung bekennt sich klar und deutlich zum Spital Wolhusen.» 

Damit distanzierte er sich von der Strategie anderer Kantone wie Zürich oder St. Gallen, die teilweise ihre Landspitäler schliessen. Doch der Entwicklung in der Spitallandschaft kann sich auch Luzern nicht entziehen. Denn das Gesundheitswesen ist einem grossen Kostendruck ausgesetzt. Dazu kommt der Fachkräftemangel, den Graf am Freitag besonders hervorstrich: «Wir haben wirklich einen Mangel an Pflegenden in Fachgebieten, aber auch an Fachärzten. Das ist nicht ein Luzerner Problem, aber wir merken es auch.»

Die Folge: Es kommt zu einem Umbau des Angebots. Gewisse medizinische Behandlungen werden zukünftig wohl in Sursee und Luzern konzentriert.

80 Betten, ausschliesslich Einzelzimmer

In Zahlen bedeutet das: In Wolhusen werden künftig 80 Betten betrieben. Davon je 20 für Behandlungen und Eingriffe im Bereich der Grundversorgung sowie für orthopädische Eingriffe. Weitere rund 40 Betten stehen für die Rehabilitation bereit. Eine Erweiterung um 20 Betten ist bei einem allfälligen späteren Bedarf möglich. Besonders sticht hervor, dass es im Spital Wolhusen zukünftig nur noch Einzelzimmer gibt.

«Es handelt sich nicht um einen Abbau von Leistungen.»

Guido Graf, Regierungsrat

Geplant sind weiter vier Operationssäle und der Ausbau der Rettungsdienste. Im Raum Entlebuch/Hinterland soll eine neue Rega-Basis entstehen (zentralplus berichtete). Neu ist zudem, dass am Spital Wolhusen ein Schwerpunkt in Orthopädie und Rehabilitation vorgesehen ist. Anstelle einer Intensivstation soll in Wolhusen zukünftig eine Überwachungsstation, eine sogenannte Intermediate Care-Station (IMC), betrieben werden.

«Es handelt sich nicht um einen Abbau von Leistungen», sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf am Freitag. Er betonte, dass die stationäre und die ambulante Grundversorgung für die Bevölkerung im Spital Wolhusen sichergestellt werde. Rund um die Uhr sei eine fachärztliche Leitung des Notfalldienstes gewährleistet. Auch werdende Mütter können beruhigt sein, das gynäkologische Angebot bleibt erhalten.

So soll der Neubau des Spitals Wolhusen aussehen. (Visualisierung: zvg) (Bild: Visualisierung: zvg)

Details werden bewusst noch offengelassen

Doch was bleibt denn nun effektiv in Wolhusen und was nicht? Das lassen die Verantwortlichen derzeit noch offen: «Zum jetzigen Zeitpunkt sollen nur jene Fragen geklärt und das Zielbild festgelegt werden, um das Spital rasch bauen zu können», sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf. «Das Gebäude muss spätere Veränderungen in der Nutzung möglichst zulassen. Das detaillierte Leistungsangebot soll immer wieder den aktuellen und zukünftigen Gegebenheiten angepasst werden können.»

Die Luzerner Regierung will dem Kantonsrat im jeweiligen Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung im Kanton ein separates Kapitel über das zukünftige Leistungsangebot an den verschiedenen Standorten des Luzerner Kantonsspitals unterbreiten. Der nächste Bericht liegt voraussichtlich bis Ende 2023/Anfang 2024 vor.

Klar ist, dass schwere Unfälle oder Erkrankungen künftig kaum mehr in Wolhusen behandelt werden. Denn eine Intensivstation ist im Neubau nicht mehr vorgesehen. Gemäss Benno Fuchs, CEO des LUKS, werden komplexe Fälle allerdings bereits heute vielfach nach Luzern überwiesen.

Im Unterschied zu Wolhusen will der Kanton das medizinische Angebot in Sursee tendenziell eher ausbauen. Denn die Region am Sempachersee boomt und die Bevölkerung wächst. Das hat auch Folgen für die betriebswirtschaftliche Situation des Spitalstandorts. Grössere Spitäler mit mehr Patienten laufen weniger Gefahr, defizitär zu werden.

Wolhusen verschlingt jährlich mehrere Millionen

Beim Spital Wolhusen rechnet der Kanton mit Kosten von voraussichtlich rund sechs bis acht Millionen Franken. Im Sinne des Service Public für die Landschaft sei der Regierungsrat bereit, diese nicht gedeckten Vorhalteleistungen zu übernehmen. Anders ausgedrückt: Es rentiert zwar nicht, aber der Kanton ist aus regionalpolitischen Gründen bereit, die Kosten zu tragen.

«Eine unverbindliche Skizze zum jetzigen Zeitpunkt ist aus unserer Sicht nicht zu verantworten.»

Verein Pro Spital Wolhusen

Eine Motion des SVP-Kantonsrates Bernhard Steiner lehnt die Regierung hingegen ab. Der Entlebucher hat verlangt, dass sowohl in Sursee als auch in Wolhusen weiterhin Medizin, Chirurgie, Geburtshilfe/Gynäkologie, Anästhesie, Intensivmedizin und interdisziplinärer Notfall mit 24-Stunden-Bereitschaft angeboten werden. Dies soll im Gesetz festgeschrieben werden.

Das ist der Regierung jedoch ein zu starres Korsett. Und ein zu teures. Denn Steiners Forderung hätte jährliche Kosten von rund zehn Millionen Franken zur Folge.

Dem Pro Spital Wolhusen ist das Konzept zu vage

Obwohl die Regierung mit dem Umbau des Angebots in Wolhusen weniger weit geht als im März 2021 angekündigt: Im Entlebuch und im Luzerner Hinterland ist man enttäuscht über die Pläne.

Der Verein Pro Spital Wolhusen bedauert, dass die Verantwortlichen lediglich ein «Zielbild skizzieren». «Eine unverbindliche Skizze zum jetzigen Zeitpunkt ist aus unserer Sicht von allen Beteiligten nicht zu verantworten», schreibt der Vorstand in einer Mitteilung. Besonders das Angebot der Intensivpflege sei nach wie vor unverbindlich formuliert.

Zwar zeigt der Verein, dem rund 7'000 Mitglieder angehören, Verständnis für die Notwendigkeit einer flexiblen Planung. «Dennoch sind für eine erfolgreiche Weiterführung des Spitals Wolhusen in der aktuellen Projektphase die Eckpfeiler zum Leistungsangebot klar zu benennen.» Ansonsten werde sich die Unsicherheit in der Region und im Spital vergrössern.

Dass das Thema Emotionen auslöst, sei ihm bewusst, sagte Gesundheitsdirektor Guido Graf am Freitag. Man nehme die Bedenken des Vereins Pro Spital Wolhusen ernst. Dennoch betonte er, dass der Kanton auch die Zeichen der Zeit erkennen müsse. Ob das auch die Politik so sieht, zeigt sich bereits in der Mai-Session des Kantonsrates. Dann wird der Rat die Bernhard Steiners Motion behandeln.

Verwendete Quellen
  • Mediengespräch des Gesundheits- und Sozialdepartements und des Luzerner Kantonsspitals
  • Medienmitteilung von Pro Spital Wolhusen
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