Gesundheit & Fitness
Bluttransfusion bei Haustieren

Wenn das Büsi zum Blutspenden geht

Auch Katzen brauchen bei Blutarmut, Unfällen oder einer Vergiftung Blutspenden. (Bild: creative commons)

Während die Blutbanken für Menschen regelmässig wegen tiefer Reserven Alarm schlagen, gehen andere Betroffene oft vergessen. Denn auch Tiere brauchen Bluttransfusionen. zentralplus hat nachgefragt, wie eine Blutspende bei Haustieren funktioniert.

Die Blutreserven in der Zentralschweiz werden zunehmend knapp. Das gilt besonders für Baar, wo das Blutspendezentrum diese Woche Alarm geschlagen und einen Hilferuf abgesetzt hat (zentralplus berichtete). Die Reserven fast aller Blutgruppen sind auf einem bedrohlich tiefen Stand.

Doch neben den Menschen, die verunfallen oder mit Bluterkrankungen leben, gibt es auch Tiere, die regelmässig oder akut eine Blutspende benötigen. Doch wie funktionieren Bluttransfusionen bei Tieren? zentralplus hat sich bei der Ennetseeklinik für Kleintiere in Hünenberg erkundigt.

Es gibt nur wenige Blutbanken für Tiere

Die Blutspendezentren für Menschen in der Schweiz sorgen für die Grundversorgung von allen acht Blutgruppen. Bei den Tieren ist das allerdings nicht so einfach. Denn Tiere haben andere Blutgruppen als Menschen. Bei Hunden sind zwölf verschiedene Blutgruppen beschrieben, bei Katzen drei, bei Pferden acht und bei Rindern elf.

«Bei den exotischen Heimtieren gibt es keine Blutreserven. Da wird meistens privat gespendet.»

Isabelle Zulauf, Tierärztin, Exotenpraxis Cham

In der Deutschschweiz ist die Blutbank für Hunde am Tierspital Zürich die einzige. Und auch für Katzen gibt es in der Schweiz Reserven. Doch eine Blutbank zu unterhalten, ist aufwendig. Denn Blut kann nur eine begrenzte Zeit gelagert werden und auch nur, nachdem die roten Blutkörpern und das Plasma voneinander getrennt worden sind. Das macht den Prozess bei den vielen Blutgruppen und Spezies sehr aufwendig und teuer.

Meistens werden Blutspendetiere spontan aufgeboten

Das sagt auch Alexander Gerold von der Ennetseeklinik. «Das Blut für Hunde vom Tierspital Zürich. Für andere Tiere bieten wir unsere Blutspender spontan telefonisch auf», erklärt er auf Anfrage. Und das vereinfacht den Ablauf stark, denn bei spontanen Spenden kann das Blut als Vollblut direkt gespendet werden, ohne dass die Bestandteile voneinander getrennt werden müssen.

«Bezüglich Blutgruppen und möglicher spesziesübergreifender Transfusionen wird immer noch viel geforscht.»

Isabelle Zulauf, Tierärztin, Exotenpraxis Cham

Die Tierpraxen und -kliniken versuchen, ihren Bedarf so in den häufigsten Fällen selbst zu decken. Und das ist nicht nur bei den klassischen Haustieren der Fall, sondern auch bei exotischen Tieren. «Bei den exotischen Heimtieren gibt es keine Blutreserven. Da wird meistens privat gespendet», sagt die Tierärztin Isabelle Zulauf auf Anfrage.

Das Risiko einer Unverträglichkeit steigt schnell

Für jegliche Spezialfälle ist das Tierspital in Zürich die erste Anlaufstation. Es gibt nämlich auch bei Tieren chronische Erkrankungen, die regelmässige Blutspenden nötig machen. Zum Beispiel bei Blutarmut oder als Folge einer Vergiftung.

In Hünenberg gehört das nicht zum Praxisalltag. Denn regelmässige Bluttransfusionen bergen bei Tieren ein wesentlich höheres Risiko als bei Menschen. «In der Tiermedizin ist das nicht üblich, auch weil bei jeder Transfusion das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen steigt», erklärt Alexander Gerold.

Auch hier gibt es zwischen den Tierarten grosse Unterschiede. Katzen haben etwa, wie der Mensch, Antikörper gegen fremde Blutgruppen. Hunde allerdings nicht. So können Hunde bei der ersten Transfusion meist ohne Komplikationen Blut einer anderen Blutgruppe bekommen, da sie vor einem Kontakt noch keine Antikörper im Blut tragen. Bei Katzen muss vor einer Transfusion allerdings unbedingt die Blutgruppe bestimmt werden.

Vieles ist noch nicht erforscht

So ist schon die Blutspende innerhalb einer Spezies oft anspruchsvoll. Und auch die Kompatibilität von Spenden über Spezies hinweg ist noch nicht vollends erforscht. Das betont auch Isabelle Zulauf von der Exotenpraxis in Cham: «Bezüglich Blutgruppen und möglicher speziesübergreifender Transfusionen wird immer noch viel geforscht», sagt sie.

Tiere sind daher viel mehr noch als Menschen auf ein kompatibles Spendetier in ihrer Umgebung angewiesen. Natürlich entscheiden sie über ihre Blutspende nicht selbst. Doch eine solche Solidarität könnte dem Chamer Blutspendezentrun für Menschen derzeit sehr nützlich sein.

Verwendete Quellen
  • Schriftlicher Austausch mit Tierarzt Alexander Gerold, Ennetseeklinik für Kleintiere Hünenberg
  • Schriftlicher Austausch mit Tierärztin Isabelle Zulauf, Exotenpraxis Cham
  • Blutbank für Hunde am Tierspital der Universität Zürich
  • Blutspende beim Schweizerischen Roten Kreuz
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