Medizinische Grundversorgung in Zug

Ärzteschwemme ja – Auswirkungen auf die Prämien ungewiss

Zug hat eindeutig massiv mehr Ärztezulassungen. Die Gründe dafür sind wohl vielfältig - aber nicht unbedingt beruhigend für die Prämienzahler. (Bild: zvg)

Trotz sprunghaft angestiegener Zulassungen von Ärzten in Spitälern, Kliniken und Praxen sind die Zuger Krankenkassenprämien auf 2023 nicht angestiegen. Eine Spurensuche mit vielen Ungewissheiten.

Die Lektüre des Zuger Amtsblatt, welches seit Anfang dieses Jahres nur noch elektronisch erscheint (zentralplus berichtete), fördert immer wieder Sachverhalte zutage, die Fragen aufwerfen. So wurden in den letzten Wochen bei den «Betriebsbewilligungen» unter dem Punkt «Universitäre Medizinalpersonen» ausserordentlich viele neu zugelassene Frauen und Männer mit dem Titel «Dr. med.» aufgeführt.

Im Januar waren es elf Personen, davon sechs Männer und fünf Frauen, darunter ein Tierarzt und eine Zahnärztin. Im Februar dann waren im Amtsblatt 20 Personen mit neuer Zulassung als Dr. med. publiziert. Davon sechs Männer und 14 Frauen. Darunter sind ein Tierarzt und zwei Zahnärztinnen.

Dieser Anstieg ist schon seit Mitte 2022 zu beobachten. Erlebt der Kanton Zug mit insgesamt 129'737 Personen an ständiger Wohnbevölkerung per Ende 2021 also aktuell eine Ärzteschwemme? Wo werden alle diese Ärzte beschäftigt? Und wie viele Abgänge sind infolge Berufsaufgabe oder Wegzugs im Gegenzug zu verzeichnen?

Zunahme von Zulassungen bestätigt...

Die Sache ist etwas komplizierter. Und die Gesundheitsdirektion des Kantons Zug macht sie selber noch etwas komplizierter. Denn sie will offensichtlich keinesfalls etwas Falsches sagen will. Es dauert eine Woche bis der zwölf Punkte umfassende Fragekatalog beantwortet vorliegt.

Der Kanton Zug habe im schweizerischen Vergleich eine gute Ärztedichte heisst es da. Etwas anderes wäre auch überraschend, denn die Zahl der Neuzulassungen ist im Jahr 2022 stark angestiegen gegenüber 2021. So wurden 2022 neu 34 Ärzte in stationären Institutionen (Spitäler und Kliniken) zugelassen, was einem plus von neun Personen entspricht. 36 (+14) Ärztinnen erhielten gar eine Berufsausübungsbewilligung (BAB) in ambulanten Praxen. Zudem haben 39 (+12) Personen eine BAB erhalten, verfügen aber über keine eigenen Praxen im Kanton Zug.

Die Zuger Gesundheitsdirektion erwähnt explizit, dass nicht alle aufgeführten Ärzte Kranke zulasten der obligatorischen Krankenversicherung, zum Beispiel als ärztliche Gutachter, tätig sind.

... doch wo werden sie alle tätig?

Erklärungen scheint auch die derzeit für die Allgemeinheit zugängliche Anzahl der Praxen inklusive Gemeinschaftspraxen nicht zu bieten. Zumindest hat sich zwischen 2019 und 2021 die Zahl der Grundversorgungspraxen stabil bei kantonsweit bei plus minus 65 Einrichtungen gehalten. Wobei die Gesundheitsdirektion die Zahl der Praxen 2022 nicht mitteilt, also die Kennzahl, die in die Zulassungsschwemme hineinspielt.

Wie die Gesundheitsdirektion allerdings mitteilt, nehme der Trend zu, dass mehrere Ärzte pro Praxis tätig seien. Aktuell stehen gemäss Selbstdeklaration der Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin (Zugham) genügend Hausärztinnen mit freien Kapazitäten zur Verfügung. Auch solche im Bereich Kindermedizin. Auch zur Zahl der in den Spitälern tätigen Ärzte sind keine Angaben erhältlich - unter anderem auch, weil Assistenzärzte keine BAB benötigen.

«Es ist eine Herausforderung, unter den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eine qualitative hohe Grundversorgung aufrecht zu erhalten.»

Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt

Zur Frage, wie viele Ärzte im Gegenzug zu den vielen Neuzulassungen ihre Berufe aufgeben, kann die Gesundheitsdirektion nichts Gesichertes sagen. Denn nicht alle Ärzte würden ihre Berufsaufgabe unverzüglich melden. Zudem würden immer wieder Ärzte, die ihre Praxis aufgegeben haben, in Kleinpensen teils über Jahre weiterarbeiten. Zum Beispiel als Vertreter andere Ärzte oder für ausgewählte Patientinnen.

Veränderte Bewilligungspflichten: ein Teilansatz

Dann folgt doch eine Antwort, die etwas weiteren Aufschluss gibt: So könnte laut Gesundheitsdirektion die Zunahme der Bewilligungserteilungen auch mit den Anpassungen der bundesgesetzlichen Bestimmungen zu den Medizinalberufen etwas zu tun haben. Diese würden festlegen, dass jede fachlich eigenverantwortliche ärztliche Tätigkeit die Bewilligung zur Berufsausübung voraussetzt.

Zumindest scheinen sich die Krankenkassen-Prämienzahler im Kanton Zug aktuell keine Sorgen machen zu müssen. Die Prämien sind im interkantonalen Vergleich eher tief. Allerdings ist aus den Antworten herauszulesen, dass das nicht garantiert so bleibt. Immerhin lässt sich der in einer Frage explizit angesprochene Kantonsarzt Rudolf Hauri auf folgende Aussage hinaus.

«Es ist eine Herausforderung, unter den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen mit Trend zu Teilzeitarbeit, Work-Life-Balance, Bevölkerungswachstum und veränderten soziodemografische Strukturen eine qualitative hohe Grundversorgung aufrecht zu erhalten.» Der medizinische Fortschritt sei zudem mit hohen und wohl zunehmenden Ansprüchen verbunden.

Die Schlussfolgerungen auf die vorsichtigen Äusserungen

Damit lässt sich vorerst folgendes Fazit ziehen: Ja, es gibt eine Zulassungsschwemme von Ärzten im Kanton Zug. Das gibt auch die Zuger Gesundheitsdirektion zu. Sie überlässt die Ärztezulassungen allerdings zu einem gewissen Grad dem Markt. Und verfügt derzeit lediglich über Ansätze für Erklärungen. Für die Prämienzahler im Kanton Zug reicht das vorerst auch. Gesetzt der Fall, die Prämien steigen nicht auf einmal unverhältnismässig an.

Die hochpolitischen Antworten geben wenig Grund zur Entwarnung. Auch Zug ist keine Insel.

Verwendete Quellen
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