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Gesprächsabbruch: Nicht alle Schüler wollen mit Reto Wyss reden
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Bilanz über die Klimadiskussion: Die beiden Kanti-Schülerinnen Lena Merz (links) und Jorina Rast – neben ihnen Bildungsdirektor Reto Wyss (Mitte), Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung (ganz rechts), Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster (ganz links). (Bild: jwy)

Harte Klima-Diskussion mit Luzerner Regierungsrat Gesprächsabbruch: Nicht alle Schüler wollen mit Reto Wyss reden

3 min Lesezeit 18.02.2019, 21:19 Uhr

Diskutieren statt demonstrieren: Am Montagabend hat sich Bildungsdirektor Reto Wyss mit Vertreterinnen des Luzerner Klimastreiks getroffen. Man ist sich einig: Die Schule muss etwas gegen die drohende Klimakatastrophe unternehmen. Doch einige Schüler haben den Dialog abgebrochen.

Seit Wochen gehen Schülerinnen und Studenten auf die Strasse, schwänzen den Unterricht und fordern laut: Vorwärtsmachen in Sachen Klimaschutz! Auch in Luzern, wo im Januar Hunderte Schüler auf die Strasse gingen (zentralplus berichtete).

Die Parolen von der Strasse klingen bis in die obersten Etagen der Entscheidungsträger: Die Anführerin der weltweiten Proteste – Greta Thunberg – wurde ans WEF in Davos eingeladen, 15 Luzerner Kanti-Schülerinnen nun immerhin zum Treffen mit Bildungsdirektor Reto Wyss.

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Ziele nicht verhandelbar

Doch Wyss dürfte sich die Diskussion über die Klimakrise am Montagabend anders vorgestellt haben: Sechs Schüler haben das eineinhalbstündige Gespräch vorzeitig verlassen, weil sich der Luzerner Regierungsrat nicht hinter die Forderungen der Klimastreik-Bewegung stellen wolle. «Ohne das Anerkennen der Klimakrise als Krise seitens des Regierungsrates war das Weiterdiskutieren nicht mehr zielführend», teilten die Organisatoren des Luzerner Klimastreiks mit.

«Es macht für mich keinen Sinn, mit jemandem zusammenzuarbeiten, welcher die Klimakrise nicht erkennen will und sich damit gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft stellt», meint Mirjam Hostetmann, eine der eingeladenen Schülerinnen.

Die Ziele für die Bekämpfung der Klimakrise seien «nicht verhandelbar», so das Komitee kompromisslos. Die Schweiz müsse ihre Treibhausgasemissionen, ohne Einplanung von Kompensationstechnologien, bis 2030 im Inland auf Netto Null senken und den Klimanotstand ausrufen. «Wenn ein Bildungsdirektor den renommiertesten Klimawissenschaftlern der Welt und dem Bericht des Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen nicht glaubt, ist dies wirklich bedenklich», so Hostetmann enttäuscht.

Alle Regierungsräte gefragt

Andere Schülerinnen waren etwas geduldiger und warten ab, was aus dem Gespräch resultiert. «Wir wollen, dass unsere Forderungen umgesetzt werden», sagt aber auch die 17-jährige Jorina Rast unmissverständlich. Mit dem Gespräch sei das Thema noch nicht abgehakt.

Jorina Rast über das Gespräch mit Bildungsdirektor Reto Wyss:

 

Die Klimastreik-Bewegung fordert jetzt schnelle Massnahmen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. Die Schülerinnen fordern auch die weiteren vier Mitglieder des Regierungsrates auf, «eine eindeutige Stellungnahme noch vor den Wahlen im März abzugeben», schreiben sie. Für einen Diskurswechsel in der Klimapolitik seien alle Politiker gefragt.

Mögliche Massnahmen in den Bereichen Mobilität, Bildung und Ernährung wurden diskutiert und Lösungsansätze ins Auge gefasst. «Es ist ein Anfang», sagt Lena Merz, ebenfalls Kanti-Schülerin aus Beromünster. «Nun muss es weitergehen, nicht nur in der Bildung, überall muss etwas geändert werden.»

Fleischlose Tage in der Mensa?

Reto Wyss sieht das Gespräch dennoch als Erfolg: «Ich habe das sehr geschätzt und die Anliegen gespürt.» Er werde auch seine Regierungskollegen für die Themen sensibilisieren, versprach der Regierungsrat nach dem Gespräch. «Die Schülerinnen und Schüler wollen Verantwortung übernehmen.» Aber er könne nicht Forderungen erlassen, die nicht zu seiner Kompetenz als Bildungs- und Kulturvorsteher gehörten.

Trotzdem nannte Wyss mögliche Massnahmen, die schon im Verlauf des Jahres 2019 umgesetzt werden könnten: «Wir sind bereit für kleine Schritte und wollen bald erste Zeichen setzen.» In der Ernährung könnten das zum Beispiel ein oder zwei fleischlose Tage in der Mensa sein, so Wyss.

Auch in der Mobilität könne die Schule etwas beitragen, etwa in der Auswahl von Exkursionsorten oder Skitagen. «Eine andere Idee ist ein Klimatag über alle Schulstufen im Kanton hinweg», so Wyss. Wie schnell mögliche Massnahmen umgesetzt würden, hänge auch von Partnern ab, etwa der SV-Group als Betreiberin der Kantinen.

Gewohnheiten ändern

Das Treffen am Montag hat gezeigt: Die Schülerschaft hat ihre Parolen verinnerlicht, ihre Forderungen sind hart. Auf der anderen Seite ist ein erstes Bemühen von Regierung und Schule sichtbar, bei der Klimadiskussion nicht abseits zu stehen und die Energie von der Strasse in den Unterricht zu lenken.

«Selbstverständlich ist es nicht immer einfach, Gewohnheiten zu ändern», sagte Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster sowie Geograf und Meteorologe. «Aber auch die Schule muss das Thema berücksichtigen.»

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