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Gesine Fuchs: «Wir leben eine Schönwetter-Gleichstellung»
  • Gesellschaft
Überzeugte Feministin: Politikwissenschaftlerin, Gleichstellungsexpertin und deshalb «Spielverderberin vom Dienst»: Gesine Fuchs. (Bild: ida)

Luzerner Gleichstellungsexpertin zur Corona-Krise Gesine Fuchs: «Wir leben eine Schönwetter-Gleichstellung»

8 min Lesezeit 23 Kommentare 24.05.2020, 05:00 Uhr

Die Welt steht still. Es sind Frauen, die wieder am Kochherd stehen, mächtige Männer, die uns die Welt erklären – und Gleichstellungexpertinnen, die aufschreien. Die Luzerner Gleichstellungsexpertin Gesine Fuchs sieht die Krise zwar eher als Chance. Doch auch sie sagt: Wirkliche Gleichstellung sieht anders aus.

«Das Patriarchat lebt», titelte «Die Zeit». «The Coronavirus is a Disaster for Feminism», schrieb Helen Lewis im «Atlantic». Die Frauen, die stillen Opfer der Pandemie. Zurückkatapultiert in die 50er-Jahre, Rollenteilung wie es einst unsere Grossmütter und -väter pflegten. Mama: drosselt ihr Pensum, zurück bei den Kindern. Papa: arbeitet viel. Und das alles wegen Corona. Expertinnen und Experten jedenfalls schreien auf.

Wir haben Politologin und Gleichstellungsexpertin Gesine Fuchs gefragt, ob sie die Krise als Chance oder als Risiko für die Gleichstellung sieht.

zentralplus: Frau Fuchs, scheint es nur so, oder ist es mit der Emanzipation in Krisenzeiten schnell vorbei?

Gesine Fuchs: Ich denke, dass eher vielen klar geworden ist, wie wenig Gleichstellung wir eigentlich haben. Wir leben eine Schönwetter-Gleichstellung. Gut ausgebildete Mittelschichtsfrauen dürfen arbeiten und können dies häufig dank komplexer Arrangements, einer Kombination aus «neuen Vätern», eigener Teilzeit, unbezahlbaren Grosseltern und unterbezahlter prekärer Sorgearbeit vor allem von Migrantinnen. In der Krise, im Lockdown, zeigte sich, dass diese Gleichstellung fragil ist.

zentralplus: Weshalb ist die lang erkämpfte und noch nicht erreichte Gleichstellung in Krisensituationen so fragil?

Fuchs: Sagen wir es so: Die Gleichstellung, die wir haben, ist nicht besonders tief verankert. Gleichstellung ändert sich nur ganz langsam. In einer Krise akzentuieren sich Ungleichheiten, nicht nur zwischen den Geschlechtern. Häusliche Gewalt nimmt zu, die Arbeitsteilung verhärtet sich. In den 70er-Jahren war das Alleinernährermodell vorherrschend, dann verbreitete sich das Anderthalb-Verdiener-Modell. Also Papa arbeitet Vollzeit, Mama Teilzeit, was ja auch gar keiner wirklichen Gleichstellung entspricht. Zudem ist es von der gelebten Anderthalb-Praxis zurück zum Alleinernährermodell nur ein ganz kleiner Schritt. Beziehungsweise zurück zur Aussage, dass die Arbeit des Vaters wichtiger als die der Mutter ist.

Es ist nicht so, dass die junge Generation grundlegend alles anders machen will als ihre Grosseltern.

zentralplus: Weshalb sagen Sie das so?

Fuchs: Es gibt Studien, die besagen, dass gerade junge Leute noch der Meinung sind, dass Frauen ihre Teilzeiterwerbstätigkeit rund um die Kinderbetreuung organisieren sollten. Es ist also nicht so, dass die junge Generation grundlegend alles anders machen will als ihre Grosseltern. Auch heute ist die Aussage, weshalb eine Frau denn überhaupt Kinder möchte, wenn sie die dann in der Kita abgibt, nur um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, weit verbreitet.

Zur Person

Gesine Fuchs ist 53-jährig und lebt in Basel-Stadt. Sie ist Dozentin und Projektleiterin an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit. Sie lehrt und doziert am Institut für Sozialpolitik, Sozialmanagement und Prävention. Zu ihren Forschungsprojekten gehört unter anderem eine nationale Studie zur Lohngleichheit.

zentralplus: Viele Frauen krebsten während des Lockdowns im Job zurück und kümmerten sich stattdessen vermehrt um die Kinderbetreuung und den Haushalt. Auch eine deutsche Studie der Hans-Böckler-Stiftung sagt, dass Kinderbetreuung und Haushalt (noch) mehr als vor der Corona-Krise an den Frauen hängenbleibt. Also stimmt der Aufschrei von Experten, dass wir in alte Rollenbilder verfallen, in die 50er-Jahre zurückkatapultiert werden?

Fuchs: Bei vielen Meinungen handelt es sich um Katastrophenmeldungen. Der Lockdown ist vorbei, die Kitas wieder offen. Sind wir dann noch in den 50er-Jahren? Ich denke nicht, dass sich diese Rollenbilder verfestigen.

Auf alte weisse Männer, die autoritär auftreten und vorgeben, alles zu wissen und im Griff zu haben – wie Trump oder Bolsonaro – würde hier niemand hören.

zentralplus: Der «Tagesspiegel» titelte: «Die Krise ist die Bühne des Patriarchats». Flammt das Patriarchat in der Corona-Krise neu auf?

Fuchs: Viel mehr sehen wir, dass alte Männlichkeitsbilder ausgedient haben. In der Schweiz und auch in Deutschland hat sich in der Krisenkommunikation gezeigt, dass die Zeit von patriarchalen Politikerhelden vorbei ist, wie auch eine Sendung von «SRF» zeigte. Auf alte weisse Männer, die autoritär auftreten und vorgeben, alles zu wissen und im Griff zu haben – wie Trump oder Bolsonaro – würde hier niemand hören. Kriegsrhetorik, wie Macrons «Nous sommes en guerre», verfängt nicht. Hier sehen wir einen Wertewandel!

zentralplus: Wie kommunizieren denn Politikerinnen und Politiker in der Schweiz?

Fuchs: Unsere Politikerinnen und Politiker pflegen ein gutes Stück Wissenschaftskommunikation und gehen dabei eher «demokratisch» vor. Sie zeigen, dass sie auf Basis des bisher Bekannten handeln, aber vieles noch unbekannt ist. Sie beziehen Erkenntnisse der Wissenschaft in ihre Entscheidungen ein, weisen aber auch daraufhin, dass die Wissenschaft selbst ständig neue Erkenntnisse gewinnt. Krisenkommunikation in der Schweiz betont, dass wir nur gemeinsam Schritt für Schritt die Krise meistern können und müssen.

zentralplus: Dennoch stehen auch bei uns Männer im Fokus: Virologen, Experten, Chefärzte, «Mister Corona». Mit Ausnahme von einigen Politikerinnen scheint es, als ob auch bei uns Männer das Sagen haben und uns sagen, was wir zu tun und zu lassen haben.

Fuchs: Klar, wir hören auf Daniel Koch, weil er in einer bestimmten Position ist als Delegierter für Covid-19 des BAG. Hier spiegelt sich einmal mehr: Wir haben schlicht zu wenig Frauen in Führungspositionen, es gibt keine Daniela Koch. Man müsste aber jetzt klar darauf schauen, ob Expertinnen weniger zugehört und weniger vertraut wird und ob sie schärfer kritisiert werden als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie im Prinzip dasselbe sagen. Expertise wird immer noch häufig, auch unbewusst, mit Männern assoziiert.

zentralplus: Skeptiker fürchten den Untergang, Optimisten hoffen, dass die Krise zu einem Erwachen führt. Was denken Sie?

Fuchs: Ich sehe die Krise eher als Chance für die Gleichstellung. In dieser Extremsituation muss allen klar geworden sein: Care-Arbeit ist das Fundament unseres Wirtschaftens. Aber als Arbeit, die vor allem von Frauen ausgeführt wird, war sie uns weniger wert als die Arbeit von Männern. Care-Arbeit wird weiterhin als Privatsache bezeichnet. In der Krise zeigt sich, was unverzichtbar ist: Sorge, Betreuung und Pflege, medizinische Behandlung, Essen und Wohnen. Auf alles andere können wir kürzer oder länger verzichten.

Kinderbetreuung ist doch nicht nur eine Aushandlungssache von Paaren.

zentralplus: Viele Familien mussten sich während des Lockdowns neu organisieren. Homeoffice und die Kinderbetreuung selbst in die Hand zu nehmen, stellte viele Familien vor eine Herausforderung (zentralplus berichtete).

Fuchs: Am Beispiel Kinderbetreuung zeigt sich die «Schönwetter-Gleichstellung» ganz gut. Viele Paare mussten Betreuungslücken selber füllen, sich privat organisieren, unbezahlten Sonderurlaub eingeben. Bei politischen Massnahmen steht die Kinderbetreuung hinten. Dabei ist das doch nicht nur eine Aushandlungssache von Paaren. Es gab einige Kantone, die für Einnahmeausfälle geschlossener Kitas eingesprungen sind, weil sie als systemrelevant für die Zeit nach der Krise eingestuft wurden. Andere Kantone haben  die Wichtigkeit ignoriert und wurden jetzt vom Bund überholt, der sie dazu verpflichtet.

zentralplus: Sie selbst sind Mutter einer 15-jährigen Tochter. Wie haben Sie selbst Beruf und Familie unter einen Hut gebracht?

Fuchs: Nun, ich habe den richtigen Mann geheiratet. Sie lacht. Und ich lebe in einem Kanton – Basel-Stadt – der seit 15 Jahren einen Passus in der Kantonsverfassung hat: Der Kanton sorgt dafür, dass ein bedarfsgerechtes Kinderbetreuungsangebot zur Verfügung steht, unterstützt Familien bei der Vereinbarkeit.

zentralplus: Kann die Krise denn dazu führen, dass Care-Arbeit mehr wertgeschätzt wird?

Fuchs: Ich hoffe es. Dazu braucht es aber einiges. Nur applaudieren ist total verlogen. Bei der bezahlten Care-Arbeit gibt es die Einsicht, dass es neben mehr Lohn auch bessere Arbeitsbedingungen braucht – und zwar im Spital, im Altenheim, bei der Kinderbetreuung und in der häuslichen Pflege. Mit der Krisenerfahrung im Rücken könnte das Gesundheitspersonal dies jetzt lauter und selbstbewusster fordern. Wir alle müssen sie dabei aber solidarisch unterstützen und bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Allerdings ist es in frauendominierten Berufen schwieriger, solche gewerkschaftlichen Forderungen zu bündeln und nachdrücklich zu vertreten.

zentralplus: Weshalb denn?

Fuchs: Frauen werden dazu erzogen, nichts zu fordern, nicht laut zu sein. Sondern lieb, freundlich – und zufrieden zu sein mit dem, was sie haben. Viele berufliche Tätigkeiten, die heute frauendominiert sind, waren früher überwiegend privat im Haushalt von Frauen getragen. Das wirkt nach, auch bei der Kinderbetreuung: Ist das überhaupt ein Beruf, braucht das eine gute Qualifikation – und ist nicht das süsse Kinderlachen auch eine Belohnung? Da muss der Lohn nicht so hoch sein. Es ist eine Frage der Sozialisation.

zentralplus: Können Sie dazu noch ein anderes Beispiel nennen?

Fuchs: Nehmen wir an, ein Bergarbeiter erhält eine Erschwerniszulage, weil er schwierigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt ist, viel schwitzt. Durchaus berechtigt. Aber was ist mit einer Reinigungskraft auf einer Covid-Station? Wenn sie Schwierigkeiten hat, durch die Maske optimal zu atmen, braucht auch sie eine Erschwerniszulage – oder eine kürzere Schicht. Das könnten viele  als unverschämt empfinden.

Homeoffice als Statusfrage hat ausgedient.

zentralplus: Eine der Hoffnungen nach der Krise ist auch, dass Arbeitgeber offener für flexibles Arbeiten werden. Schliesslich haben viele von uns, die früher fünf Tage die Woche im Büro waren, jetzt wochenlang von zuhause aus gearbeitet. Könnte die Krise folglich zu einem Umdenken bezüglich flexibler Arbeit und Homeoffice führen?

Fuchs: Die Homeoffice-Frage kann sich durch die Krise demokratisieren: Alle, bei denen es möglich ist, können jetzt legitimerweise von ihrem Arbeitgeber fordern, im Homeoffice zu arbeiten. Eine deutsche Forscherin fand mit ihrer Studie 2015 heraus, dass rund 30 Prozent der Beschäftigten wenigstens hin und wieder zu Hause arbeiten. 12 Prozent tun dies häufig oder die ganze Zeit. Es waren bisher tendenziell höher Qualifizierte und Bezahlte, die im Homeoffice tätig waren. Der Lockdown hat gezeigt, dass es viel mehr sein können. Homeoffice als Statusfrage hat ausgedient.

zentralplus: Sie selbst sagen, dass die Gleichstellung seit 20 Jahren stagniert (zentralplus berichtete). Wann beziehungsweise was bräuchte es, damit wir nicht mehr in einer Schönwetter-Gleichstellung leben, wie Sie es nannten?

Fuchs:  Es braucht ein Bewusstsein, dass Gleichstellung für alle das Ziel ist, nicht nur für die Managerin. Wenn die Sorgearbeit so wichtig ist für unser Zusammenleben, dann soll sie gute Bedingungen vorfinden. Sie sollte für alle zugänglich sein – und alle, Frauen wie Männer, sollten sie leisten können. Dann hätten wir kein Anderthalb-Verdiener-Modell mehr, sondern ein Doppel-Verdiener-Doppel-Betreuungs-Modell, also das dual earner – dual carer model. Diese veränderte Arbeitsteilung würde sich positiv auf die Gleichstellung in anderen Bereichen auswirken. Es gibt eine Initiative, die die Bezahlung privater Sorgeleistung von Frauen fordert. Deswegen habe ich in diesem Bewusstsein auch das Equal Care Manifest unterzeichnet.

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23 Kommentare
  1. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 28.05.2020, 13:23 Uhr

    Bei dieser Sternstunden*Diskussion geht es doch um nichts weiter als um Glaubenssätze. Meinetwegen eine Art Religionsersatz. Jedenfalls kennzeichnet sie sich im Absolutheitsanspruch und dem Anspruch um die letzte Wahrheit. Die moralische Komponente gut/böse darf natürlich auch nicht fehlen. Im letzten Schluss: Macht Arbeiten dürfen zu gehen, oder Arbeiten wollen, oder Arbeiten wollen sollen wirklich so frei? Hat dies tatsächlich emanzipatorische Vorteile? Lohnarbeit ist letztlich immer Unfreiheit und Abhängigkeit, das ist meiner Auffassung nach universell.

  2. Lea, 27.05.2020, 21:33 Uhr

    Wow, spannend wie diese Diskussion ausufert. Drum dacht ich, ich schreib jetzt mal noch was als arbeitstätige Soziokulturelle Animatorin, Mutter, angewiesen auf Kita, Grosseltern, Nachbar*innen (aiai der Stern!): ich erkenne meine Situation in den Ausführungen von Gesine Fuchs absolut wieder. Danke für den Bericht.
    Und an die Herren, die hier so laut schreien: essen Sie ein Erdbeertörtli und entspannen Sie sich. Beste Grüsse 🙂

    1. Dunning-Kruger, 28.05.2020, 12:52 Uhr

      Schön, wie die Saat der Ideologieproduzenten (Hochschule für Soziale Arbeit) bei den Ideologieempfängern (Absolventen) ohne den geringsten Widerspruch und unfähig zur Beobachtung vollumfänglich aufgeht. Es liegt übrigens in der Natur der Sache, dass sich Ideologieproduzenten nicht als solche zu erkennen geben. Die nichtsahnenden Opfer sind ein inhärentes, notwendiges Puzzlestück, dass die Saat gedeihen und und aufkeimen lässt. Im schlechtesten Fall, in Form von z.B. Quartierarbeit!, bei welcher unreflektierte, unschuldige Kinder damit angefixt werden, ohne dass diese eine Wahl hätten. Gender-Mainstreaming ist ein Extrakt von Social Engeneering. Früher war es die Religion, womit die Kinder instrumentalisiert und zu bedenkenlosen Befehlsempfängern herangezogen worden. Mündigkeit war dabei immer das Gegenteil der eigentlichen Absichten dieser Kreise. Was früher die Kirchen als Machtmittel einsetzten, um die Herrschaftsverhältnisse zu zementieren, sind heute die Ideologen von Techniken des Social Engeneering, Transhumanismus etc. Aber lassen wir Sie ruhig im Glauben darin, dass Sie somit die Gesellschaft freier, libertärer machen. In Tat und Wahrheit sind Sie damit bloss willfährige Unterstützer und Sympathisanten einer neuer Gesellschaftsordnung, welche nie zum Ziel hatte, die Menschen freier, gleichberechtiger werden zu lassen. Das Gegenteil ist der Fall – nur ist das leider den glühenden Anhängern dieser sektiererischen Richtung in keinster Weise zugänglich. Ich habe fertig!

  3. Samuel Wespi, 25.05.2020, 11:09 Uhr

    @Dunning-Kruger wie kommen Sie zu diesem Schluss?
    Gerade die Hochschule Luzern – Soziale Arbeit bildet mit Soziokulturellen Animator*innen Berufsleute aus, die u.a. die gesellschaftliche Kohäsion fördern, also ganz im Gegenteil zu ihrer Argumentation. Als kleine Kostprobe wie Studierende schon im Studium gesellschaftliche Kohäsion fördern, kann ich Ihnen https://benedu.ch/projektuebersicht/ empfehlen. Dort werden Projekte gezeigt, die zum 100 Jahr Jubiläum der Schule gemacht wurden und so sieht anschliessend u.a der Berufsalltag von Soziokulturellen Animator*innen aus.

    1. Dunning-Kruger, 25.05.2020, 12:05 Uhr

      Das Hauptaugenmerk liegt bei der SA auf der Bewirtschaftung von Problemen, dessen Lösung im Kern gar nie ernsthaft angestrebt wird. Der Kristallisationspunkt liegt meines Erachtens daher besonders in der Erschaffung und Pflege eines Heeres von Klienten und der Heranzüchtung immer neuer Klienten mit der Schaffung immer neuer pseudo Phantom-Problemlagen. Hilfe zur Selbsthilfe zum Beispiel wird zwar geflissentlich propagiert, kommt aber in der operativen Anwendung gar nie zur Anwendung. Es fehlen schlicht die Ressourcen und der politische Wille der Entscheidungsträger. Alles bloss medienwirksame und bildungspolitische Schwärmereien und Träumereien. Ausserdem: Wenn ein Bildungsinstitut behauptet, Gender-Mainstreaming, Sie verwenden die Sternchen natürlich auch mit einer Selbstverständlichkeit, als handele es sich hier um ein unerschütterliches Naturgesetz, sei von irgend einer wissenschaftlichen Aura beseelt, anstatt nüchtern festzustellen, dass es sich ganz offensichtlich um eine politisch-gesellschaftliche Ideologie handelt, diese Meinung auch gegen jede kritische Auseinandersetzung vertritt, ist für mich jegliche ernst zu nehmende Diskussion bereits im Keim erstickt und obsolet!

    2. Andreas Peter, 25.05.2020, 12:15 Uhr

      Wer die deutsche Schrift mit Sternchen („Animator*innen“) vergewaltigt, ist sowieso nicht mehr zu retten. Brainwash completed!
      Ich fürchte, eine Diskussion mit Ihnen würde nicht besonders fruchtbar sein.

    3. Samuel Wespi, 25.05.2020, 13:11 Uhr

      Uiuiui, wegen der Sternchen möchten sie nicht mehr diskutieren? 😀
      Also zuerst zu diesen Sternchen. Bin ehrlich gesagt auch nicht Fan davon, weil sie die Problematik die dahinter steckt, nicht gut löst. Ist aber besser als ohne. Die Sprache bildet meines Erachtens unsere Gesellschaft mit, oder sehen Sie das anders? Verwenden wir jeweils nur die männliche Form, denken wir dabei auch eher an Männer. Glaube ein Beispiel braucht es nicht. Und nur die weibliche Form zu nennen, fände ich deshalb ebenso blöd und die Sternchen, wie gesagt, naja. Da beginnt man sich wenigstens Gedanken dazu zu machen.. und deshalb ja, zumindest wenn ich sie verwende, steckt dahinter ein Gedanke der mit meinen Werthaltungen, die ich in vertreten möchte, zusammenhängt.
      Ihre Kritik an der SA ist meines Erachtens viel zu scharf. Sie zeigt jedoch gut ein Spannungsfeld der SA auf, welches kritisch beäugt werden muss. Wie kommen Sie selbst zu diesem Urteil, bzw. wieso kennen Sie die SA so gut? Was ich aus meinem Berufsalltag sagen kann ist, dass die sogenannte „Hilfe-zur-Selbsthilfe“ durchaus zur Anwendung kommt, aber, und deshalb frage ich Sie nach ihrem Hintergrund, meine bisherigen Erfahrungen in der Praxis zeigen, dass es Menschen gibt die schlicht den Anforderungen der heutigen Leistungsgesellschaft nicht nachkommen können und deshalb die Hilfe (und somit auch die SA) durchaus benötigen.

    4. Dunning-Kruger, 25.05.2020, 13:26 Uhr

      Ich empfehle hierzu gleich noch Literatur (Sachbuch, kein Märchenbuch) für die erweiterten Studien: „Von Natur aus anders“ von Dr. Doris Bischof-Koehler, Professorin für Entwicklungs – und Sozialpsychologie. Es dient der ganzen Diskussion als Standardwerk. Hier kann ich gerne in den Chor einstimmen und von wissenschaftlichen Erkenntnissen sprechen. Alles andere ist unreflektiertes Nachbeten eines Dogmas, dass wissenschaftlich längst und gründlich widerlegt ist und offensichtlich aus anderen Gründe etabliert werden muss. Es könnte allerdings durchaus passieren und als strategisches Stil- und Kampfmittel eingesetzt werden, dass Dr. Bischof-Koehler in gewissen, nicht näher bezeichneten, durchaus ideologieempfindsamen Kreisen, gar als „Verschwörungstheoretikerin diffamiert wird. Also aufgepasst falls Hexenjagd! Kennt man ja mittlerweile: Ist jemand nicht mit der evozierten Mainstream-Meinung einverstanden und vertritt eine auf Erkenntnis, Erfahrung und Forschung basierende andere Meinung, wird man schnell und leichten Herzens und unnachgiebig als Häretiker der Apostasie bezichtigt. Das ist dann Diskriminierung – aus niederen Beweggründen!

    5. Samuel Wespi, 25.05.2020, 15:20 Uhr

      Zuerst Mal, Danke für diese kurze Diskussion. Sie hat mich zum Nachdenken über Begrifflichkeiten wie Ideologie, Verschwörungstheorie, Wissenschaft, Meinungsfreiheit und vielen mehr gebracht, welche mir in der Öffentlichkeit momentan täglich begegnen. Sie sind offensichtlich auch teil unserer Diskussion. Aus meiner Sicht liegen unserer Diskussion unterschiedliche „Fakten“ zu Grunde, von der wohl unterschiedlichen Sozialisation Mal abgesehen. Wer hat nun Recht? scheint mir die Frage der Diskussion zu sein.
      Ich ertappe mich selber mit der Aussage „Sie können mir aber glauben, dass dahinter Zahlen und Fakten stecken, die keinen Interpretationsspielraum offen lassen“ einen Wahrheitsanspruch aufgrund von wissenschaftlichen „Fakten“ geltend zu machen, genau so wie Sie mit ihrem „Standardwerk“. Ich bin mir eigentlich aber bewusst, dass auch Zahlen zuerst interpretiert werden müssen und Wissenschaft nicht komplett objektiv ist, sondern immer auch von den Wissenschaftler*innen abhängt, die dahinter stehen. Nichtsdestotrotz sehe ich die wissenschaftlichen Erkenntnisse weiterhin als für mich wichtige Bildungsquelle an, um mir die Welt zu erklären. Danke deshalb auch für ihr Werk, welches meinen Horizont eventuell erweitern wird. Ich werde es mit dem Verständnis lesen, dass es auch teils subjektive Hintergründe hat und es noch viele weitere Fakten gibt, die dagegen argumentieren und sich trotzdem als wissenschaftlich bezeichnen würden.
      Etwas ist mir aber doch noch wichtig: Ich stehe weiterhin entschieden gegen alle Arten von „Fakten“, die durch ihre „Wahrheiten“, egal ob wissenschaftlich oder nicht, einzelnen Menschen oder Gruppen schaden zufügen. Und ja, das hat offen mit meinen persönlichen Werthaltungen zu tun, nicht mit einer objektiven Wahrheit ;).

    6. Andreas Peter, 26.05.2020, 10:20 Uhr

      @Samuel Wespi: >“Ich stehe weiterhin entschieden gegen alle Arten von „Fakten“, die durch ihre „Wahrheiten“, egal ob wissenschaftlich oder nicht, einzelnen Menschen oder Gruppen schaden zufügen.“
      Puh, das stelle ich mir schwierig vor. Eigentlich heisst das ja auch nichts anderes, als dass Sie bestimmte Fakten ausblenden oder Überträger solcher Fakten diffamieren, wenn sie Ihnen ideologisch nicht in den Kram passen.
      Was tun Sie denn, wenn die von Ihnen protegierten „Gruppen“ der Mehrheitsgesellschaft „Schaden zufügen“? Dann bekommen Sie ein Problem mit ihrer Logik.
      Ich weiss schon, „Haltung“ nicht Logik zählt.
      Es ist genau wie ich befürchtet hatte. Sie sind durch und durch ideologisch.
      Es ist wie wenn ein geistlicher Würdenträger und ein gefestigter Atheist „das Gespräch miteinander“ suchen.

    7. Samuel Wespi, 26.05.2020, 18:25 Uhr

      Danke Herr Peter für diesen Kommentar auf meine letzte Aussage. Er hat mich nochmals über den Begriff Ideologie nachdenken lassen. Ich stimme Ihnen zu. Nach dieser Diskussion sehe ich mich als Ideologen an, auch wenn es ein negativ konntiertes Wort ist und ich davon ausgehe, dass Sie meine Aussagen (und auch die von Frau Fuchs) seit Beginn der Diskussion mit diesem Begriff entwerten wollten. Wenn ich mich als Ideologen bezeichne, meine ich (habe jetzt viele Definitionen gelesen und versuchs Mal mit einem für mich passenden Zusammenschluss) dass ich verschiedene Wervorstellungen verfolge, die im gesamten schliesslich meine Weltanschauung darstellen. Falls sie „Ideologie“ anders definieren, wäre ich gespannt um ihre Meinung. Meine Wertvorstellungen bezüglich dem Gender-Thema habe ich offen gelegt, indem ich z.B. auch erklärt habe, weshalb ich die * verwende. Wie sieht es mit Ihnen aus Herr Peter? Ich zumindest interpretiere aus Ihren Aussagen eine klare Werthaltung gegen alles (Personen und Themen), die irgendwie mit Gleichstellung der Geschlechter zu tun haben. Würden Sie sich nun nicht auch als Ideologen bezeichnen? Wenn Nein, weshalb nicht? Oder anders gefragt, was unterscheidet Sie von mir in dieser Diskussion bezüglich Ideologie?
      Danke auch für den Hinweis auf die Problematik meines letzten Statements. Da gebe ich Ihnen teilweise recht, das könnte schwierig werden. Einerseits wollte ich damit nicht sagen, dass ich nicht offen für Diskussionen bin und irgendwelche Menschen diffamieren möchte. Offen möchte ich stets sein, auch wenn es manchmal schwierig ist. Andererseits sehe ich ihren Punkt, dass es schwierig wird, wenn beide Seiten anderen Menschen schaden zufügen. Stehe ich dann für die Minderheit oder eben nicht? Welche anderen Faktoren sind mir noch wichtig? Da habe ich für mich noch nicht den goldigen Weg gefunden und werde es wohl auch so schnell nicht (wenn überhaupt). Denn nebst dieser Haltung spielen ja auch immer noch andere Grundwerte mit und Situationen sind unterschiedlich und von Abwägungen geprägt.

      Ich hoffe dieser Kommentar regt auch Sie zum Denken an und ich wäre gespannt auf Ihre Antwort. Falls eine kommt, werde ich nicht nochmals antworten. Gerne können wir (das betrifft auch alle anderen, die sich bisher beteiligten) uns Treffen (z.B. auf ein Bier) und weiter zu diskutieren. Sie können dafür Zentralplus für meine Mailadresse fragen. In diesem Format weiter zu diskutieren raubt mir momentan zu viel Zeit, auch wenn ich es sehr interessant finde. Danke, und vielleicht bis bald!

    8. Dunning-Kruger, 27.05.2020, 10:32 Uhr

      Herr Wespi, bei der Gender-Mainstreaming-Ideologie geht es ja eben gerade nicht um die Gleichstellung der Geschlechter (es ist unmöglich gleich zu machen, was nicht gleich ist), sondern um die Auflösung jeglicher Geschlechterdifferenz im Sinne einer Nivellierung aller Unterscheidungen und Auflösung und Dekonstruktion sämtlicher identifikatorischer Merkmale. Diese Unterscheidungen sind nun mal in erster Linie biologisch und nicht kulturell bedingt. Deshalb kann man sie auch nicht einfach ohne weiteres „dekonstruieren“. Gemäss dieser Lesart müsste es ja dann auch möglich sein, Homosexualität zu dekonstruieren. Lesen Sie doch mal ein wenig bei den prägenden Köpfen John Money, Judith Butler und Dr. Kinsey. Die Experimente die dem Gender-Mainstreaming zu Grunde liegen sind menschenverachtend, die daraus abgeleiteten Erkenntnisse totalitär und vorallem kreuzfalsch und ausschliesslich minderheitenfixiert. 99% der mir bekannten Menschen wollen diese extremen gesellschaftlichen Lösung nicht, halten sie sogar für gefährlich. Es sind Extremisten wie J. Butler, die wollen, dass sich die Welt nach ihren Vorstellungen verändert. Frauen sollen so z.B. den traditionellen Frauenbild abschwören, keine Kinder mehr bekommen wollen sollen und dafür ihr Leben für Karriere und Macht aufopfern. Dass sie dabei Männer und heterosexuelle Beziehung ablehnen wolle sollen, versteht sich dabei ganz von selbst! Sie scheinen mir ein ebenso so glühender Verehrer dieser sektiererischen Praktiken zu sein, dass ich Ihnen gerne direkt empfehle, sich den VertreterInnen von „men are trash“ anzuschliessen. Aber damit haben sie vermutlich dann wieder keinerlei Probleme, weil Sie sich für ethisch-moralisch so integer und v.a. überlegen halten.

    9. Andreas Peter, 27.05.2020, 12:11 Uhr

      @Samuel Wespi: Danke für Ihre Einladung zum Bier.
      Aber wie weiter oben schon geschrieben, denke ich nicht, dass wir beide uns damit einen Gefallen tun würden.
      Es ist nicht so, dass ich Ihren Standpunkt nicht kennen würde, ich könnte ihn sogar singen oder jodeln! (Scherz, bin kein guter Sänger).
      Es ist ist nur so, dass ich Ihren Standpunkt bzw. ins Totalitäre weisende Ideologien allgemein komplett ablehne.
      Daran ändert weder Bier noch Schnaps etwas.

  4. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 25.05.2020, 08:08 Uhr

    Ich empfehle dazu auch das lesenswerte und relativ unpolitische Buch „Der dressierte Mann“ von Esther Vilar. Wurde in einer Zeit geschrieben, wo das ganze Thema noch nicht so vermint und explosiv und mundtoterisch aufgeladen war. Allerdings muss vorgewarnt werden: Vilar bringt Fakten, keine Ideologie!! Genau dies birgt dann wieder viel Potenzial, um das Buch (völlig ungerechtfertigt) zu diskreditieren.

    1. Peter Bitterli, 25.05.2020, 21:46 Uhr

      Die Frau Vilar wurde seinerzeit kurz vor einer Lesung von vier Kampflesben aus der Schwarzer-Fraktion auf der Toilette zusammengeschlagen. Thema schon damals vermint. Mundtot machen schon damals mit militantem hautgout.

    2. Gruesse vom Einhorn Schlachthaus, 26.05.2020, 13:52 Uhr

      @Bitterli: Ich weiss! Die, welche sonst immer am Lautesten brüllen, werden gerne selber zu TäterInnen. Gibt es eigentlich auch Sonderrechte und Sonderbehandlungen, wenn Homosexuelle als TäterInnen, wie in diesem Fall, auftreten? Hat diese Gewalt wiederum eine andere Legitimation, als die, welche sagen wir mal konventionell ausgeübt wird? Wenn man kaputt macht, was einen kaputt macht – so der sinnvolle Leitspruch -, ist Gewalt dann Selbstverteidigung, Notwehr und somit gerechtfertigt und durch die Gesellschaft tolerierbar? Ich finde, man sieht sehr deutlich, in was für eine verheerende Richtung das dann gehen MUSS!

  5. Samuel Wespi, 24.05.2020, 23:55 Uhr

    Liebe Herren

    Um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe an der Hochschule Luzern Soziale Arbeit studiert und hatte dort unter anderem bei Gesine Fuchs unterricht. Scheint mir eine sehr gebildete und kompetente Frau, die nicht von ideologischem Wahnsinn getrieben ist, sondern mit wissenschaftlichen Erkenntnissen argumentiert.
    Ich verstehe, wenn dieser Beitrag auf Sie plakativ wirken könnte, da nur wenig faktische Hintergründe der Aussagen erkenntlich sind. Dies wäre in einem solchen Beitrag wohl auch fehl am Platz. Sie können mir aber glauben, dass dahinter Zahlen und Fakten stecken, die keinen Interpretationsspielraum offen lassen. Glauben Sie es mir nicht, schreiben sie doch Gesine Fuchs, die wird ihnen das sicher gerne zukommen lassen.
    Was ich aber nicht verstehe ist, wo Sie eine Spaltung der Gesellschaft oder eine Aufhetzung erkennen.

    1. Dunning-Kruger, 25.05.2020, 08:11 Uhr

      Die Hochschule für Soziale Arbeit ist in der Region DAS Epizentrum der Ideologieproduktion! Neutrale, sachliche, zweckdienliche, auf gesellschaftliche Kohäsion abzielende und unaufgeregte Aussagen können von dort nimmer erwartet werden!

  6. Hugo Ball, 24.05.2020, 19:31 Uhr

    Wer spaltet statt verbindet, aufhetzt statt befriedet, zündelt statt löscht, wird für die Menschen niemals gute Ergebnisse erzielen…

    1. Andreas Peter, 24.05.2020, 21:47 Uhr

      Danke Herr Ball.
      Ich hatte vorhin einen inhaltlich ähnlichen Beitrage verfasst, war dann aber in der Formulierung wohl etwas zu ungehalten um veröffentlicht zu werden.
      Aber Ihr Beitrag reicht ja.

  7. Peter Bitterli, 24.05.2020, 19:12 Uhr

    Was macht eigentlich eine „Gleichstellungsexpertin“ beruflich?

  8. Roli Greter, 24.05.2020, 18:16 Uhr

    Wir müssen uns alle vor allem bewusst werden dass Gleichstellung für den Automechaniker und die Managerin möglich ist. Der Schönwetter-Feminismus von Frau Fuchs hat wie der Schönwetter-Chauvinismus von Herrn Trump in einer aufgeklärten Gesellschaft nichts mehr verloren. Schaffen wir es diesen Menschen keine Plattform mehr zu geben werden wir auch zu echter Gleichstellung auf allen Ebenen kommen.

    1. Andreas Peter, 24.05.2020, 19:08 Uhr

      @Roli Greter: Ich verstehe nicht genau, auf was Sie hinaus wollen. Bin wohl zu doof.
      Ich weiss nur eines: Wir sollten uns von deutschen Sozi-Tanten unsere Gesellschaft nicht spalten lassen.
      Ich kann nur hoffen, dass frau diesem Quark ein müdes Lächeln entgegensetzt.

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