Leiter Durchgangszentrum Steinhausen

Das sagt Pink Cross zum gefeuerten homophoben Zentrumsleiter

Roman Heggli von Pink Cross findet dass die Äusserungen des ehemaligen Leiters ein No-Go sind. Diese müssen auch Konsequenzen haben. (Bild: Kanton Zug/zvg)

Homophob, sexistisch und prorussisch. Der ehemalige Leiter des Durchgangszentrums Steinhausen hatte seine Meinungen auf Facebook breit verteilt. Er wurde per sofort gefeuert und muss mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Geschichte ist für die Vereinigung Pink Cross ein absolutes No-Go.

Über ein halbes Jahr hat der Leiter des Durchgangszentrums Steinhausen auf seinem öffentlichen Facebook-Profil gewütet. Er veröffentlicht diskriminierende Posts, denunziert die «LGBTQI+»-Gemeinschaft und äussert überdies auch noch seine klar prorussische Meinung.

Laut der «Luzerner Zeitung» unterstützt er die Haltungen des obersten russisch-orthodoxen Patriarchen und von Wladimir Putin. Der Patriarch verachtet die «Werte der westlichen Welt». Des Weiteren spiele für den Mann auch die «Jungfräulichkeit» eine grosse Rolle. Der Kanton Zug hat auf die Äusserungen reagiert. Aus diesem Grund wurde am Dienstagmorgen der Mann per sofort und bis auf Weiteres freigestellt (zentralplus berichtete).

Zug distanziert sich von dem ehemaligen Mitarbeiter

Gegenüber der Zeitung distanziert sich die Direktion des Innern «in jeder Form vollständig» von den Äusserungen. «Unsere Haltung ist ganz klar. Diese Äusserungen sind absolut inakzeptabel und nicht tolerierbar», sagt Regierungsrat Andreas Hostettler.

Innerhalb von Stunden sei am Ende der Entscheid zur Freistellung gefallen. «Es gilt die Unschuldsvermutung, aber wir prüfen diese Angelegenheit genau und werden, wo angezeigt, personalrechtliche und strafrechtliche Schritte einleiten.» Er musste auf der Stelle seinen Badge, Computer und Geschäftshandy abgeben.

Pink Cross «hässig» auf den freigestellte Mann

Die veröffentlichten Posts lösen auf breiter Front Unverständnis aus. Beispielsweise findet Roman Heggli gegenüber zentralplus klare Worte. Der Geschäftsleiter von Pink Cross, der Dachorganisation schwuler und bisexueller Männer, meint: «Für uns ist ganz klar, dass solche Äusserungen strafrechtlich verfolgt werden müssen und die Staatsanwaltschaft von sich aus Untersuchungen startet, ob eine Verletzung der Antidiskriminierungsstrafnorm vorliegt.»

Dass eine Person in einem öffentlichen Amt solche Aussagen auf den sozialen Medien streue, sei ein No-Go und müsse Konsequenzen haben. «Uns stellt sich auch die Frage, wie diese Person an ihr öffentliches Amt gekommen ist und ob vorgängig keine Abklärungen gemacht wurden, um die politische Haltung der betroffenen Person in Erfahrung zu bringen. Gerade, weil man in diesem Amt mit vulnerablen Personen zusammenarbeitet.»

Kopfschütteln bei Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Bei der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) ernten der ehemalige Leiter und seine Posts ebenso nur Kopfschütteln. Pascal Pernet, Präsident der GRA, sagt gegenüber zentralplus: «Wer so etwas postet, der wird das auch herumerzählen. Und wer eine staatliche Behörde repräsentiert, kann sich ja in keiner Weise diskriminierend äussern.»

Dass der Kanton Zug am Ende innerhalb von Stunden reagiert hat, begrüsst Pernet. «Der Fall ist ja inhaltlich unbestritten. Es gibt keine Grauzone und die Behörden haben sicher richtig reagiert.» Allerdings ist der Mann schon länger negativ aufgefallen. Auf Facebook hatte er schon rund sechs Monate lang seine Meinung verbreitet. «Die einzige Frage, die sich mir stellt, ist, wieso das schon so lange so läuft. Und wieso man da so lange zugewartet hat, bis man reagiert.»

Der Fall aus dem Kanton Zug decke allerdings nicht ein grundsätzliches Problem auf. Pascal Pernet geht von einem Einzelfall aus. «Ich glaube nicht, dass wir in der Schweiz ein strukturelles Problem im Rekrutierungsprozess oder in den Zentren mit Machtmissbrauch haben. Das ist ganz klar ein Einzelfall. Es ist aber wichtig, dass die Verantwortlichen erklären, weshalb die Vorgesetzten erst so spät und erst nachdem sie von aussen davon erfahren haben, reagiert haben.»

Podium vom Freitag erscheint nun in neuem Licht

Ausgerechnet am kommenden Freitag, 1. Juli, veranstaltet der Kanton Zug eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung. Dabei geht es um den Ersatzneubau der Durchgangsstation Steinhausen. Nach diesen Nachrichten wird die Bevölkerung infolgedessen wohl auch noch ganz andere Fragen stellen.

Öffentliche Informationsveranstaltung Ersatzneubau Durchgangsstation Steinhausen

Freitag, 1. Juli 2022, 17 Uhr bis 19 Uhr, Foyer Gemeindesaal Dreiklang
Am Podium nehmen teil:

  • Regierungsrat Andreas Hostettler, Vorsteher Direktion des Innern
  • Hans Staub, Gemeindepräsident Steinhausen
  • Urs Kamber, Leiter Hochbauamt, Baudirektion Kanton Zug

Für Auskünfte zur Verfügung stehen auch Corinne Matt (Projektleiterin Hochbauamt), Christian Murbach (Leiter Soziale Dienste) und Oberleutnant Adrian Palli (Zuger Polizei).

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7 Kommentare
  • Profilfoto von transit
    transit, 01.07.2022, 16:01 Uhr

    Bis auf weiteres freigestellt? Das muss, nebst allen rechtlichen Schritten gegen ihn, ein definitiver Rausschmiss sein. Und wenn er so prorussisch ist soll er doch auswandern, uns wird er kaum fehlen.

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  • Profilfoto von Roli Greter
    Roli Greter, 30.06.2022, 20:46 Uhr

    Na Los, Hans Muster bitte auch noch interviewen zu diesem Thema 8)
    Erwartet irgend jemand dass die Aussagen des ehemaligen Zentrumsleiters von irgendwem nicht missbilligt werden?

    Bitte täglich Interviews bis zum nächsten Einzelfall, danke…

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    • Profilfoto von Wir haben die Wahl!
      Wir haben die Wahl!, 01.07.2022, 07:53 Uhr

      @Roli Greter
      «Erwartet irgend jemand dass die Aussagen des ehemaligen Zentrumsleiters von irgendwem nicht missbilligt werden?»
      Wie ignorant und einfältig muss man sein, um eine solche Frage zu stellen?
      Solche «Einzelfälle» sind nur die sichtbare Spitze des unsichtbaren und schweigenden Eisberges……

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      • Profilfoto von Roli Greter
        Roli Greter, 01.07.2022, 08:11 Uhr

        Es gibt glücklicherweise keinen Eisberg. Am besten solche Einzelfälle melden und gut ist. Das sollte übrigens für jegliche Form von Ausgrenzung und Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung, politischer Gesinnung use. gelten.

        Machen wir kein Drama, okay.

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      • Profilfoto von Wir haben die Wahl!
        Wir haben die Wahl!, 01.07.2022, 08:50 Uhr

        @Roli Greter
        Und machen wir doch nicht auf Euphemismus, okay…..?

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      • Profilfoto von Roli Greter
        Roli Greter, 01.07.2022, 09:59 Uhr

        Wenn Sie das schreiben klingt das wie ein Kompliment 🙂 Danke

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  • Profilfoto von Mirjam Buille
    Mirjam Buille, 30.06.2022, 20:32 Uhr

    Und warum hat Regierungsrat Hostettler nicht vorher gehandelt? Kaum meldet sich eine Aussenstelle, geht die Post ab, gibt es jedoch intern Meldungen, wird alles unter den Teppich gekehrt. Unprofessionell und unglaubwürdig wie immer!

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