Gesellschaft
Hat Freiwilligenarbeit noch Zukunft?

Zentralschweiz wird zur Festhütte – doch Helfer fehlen

Wohl in so manchem Festzelt wird in den nächsten Tagen literweise Hopfentee getrunken. Doch ohne Freiwillige würde so manches Glas leer bleiben. (Bild: Instagram Lutz-Hütte)

Luzern und Zug stehen vor einem echten Fest-Wochenende. Vom Jubiläumsumzug über die Turnmeisterschaft, Pride bis ZugFäscht – es braucht Tausende freiwillige Helfer. Nicht alle Organisationskomitees haben genügend Freiwillige gefunden.

Wer am Wochenende etwas erleben will, der hat ein echtes Auswahlproblem. Die Zentralschweiz verwandelt sich zu einer echten Festmeile. Beispielsweise ist am Samstag in Luzern die Pride (zentralplus berichtete) und die Galli-Zunft feiert ihren 100. Geburtstag (zentralplus berichtete). Im Kanton Zug werden Tausende Sportlerinnen und Sportler zu der Schweizermeisterschaft im Turnen pilgern (zentralplus berichtete) oder auch das ZugFäscht geniessen (zentralplus berichtete).

Unzählige Veranstaltungen und alle brauchen Freiwillige

Jede grosse Veranstaltung ist auf viele freiwillige Helferinnen angewiesen. Diese gibt es nicht mehr «wie Sand am Meer». Das zeigt sich beispielsweise beim Blick auf das ZugFäscht. Die Veranstalter suchten noch am Mittwoch nach helfenden Händen.

(Screenshot Facebook: Zuger helfen Zugern) (Bild: )

Neben dem ZugFäscht finden am gleichen Wochenende die Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen (SMV) erstmals im Kanton Zug statt. Das Organisationskomitee erwartet rund 3’000 Turner und Tausende Zuschauerinnen in der Zuger Herti.

Patricia Imbach, Sprecherin der SMV sagt, dass diese Veranstaltung auf rund 500 Freiwillige angewiesen ist. «Letztendlich konnten wir genügend HelferInnen motivieren. Ehrlicherweise war es aber bis gestern ein ‹Chrampf›. Es blieb dem OK nichts anderes übrig als die Familie, Freunde, Vereine und sogar Nachbarn einzuspannen.»

Die Männer schwächeln bei der Freiwilligenarbeit in Zug

Am Ende konnte das OK also noch genügend freiwillige Helferinnen für die SMV finden. Ja, es seien wirklich hauptsächlich HelferINNEN, die die Veranstaltung ermöglichen. Denn: «Auffällig ist, dass sich mehrheitlich Frauen von verschiedenen Zuger Turnvereinen zur Verfügung gestellt haben. Für die Tätigkeiten, besonders für den Auf- und Abbau, wo Manpower gefragt ist, blieben die jungen, starken Männer aus», sagt Imbach. Und weiter: «Dank motivierten und fitten Senioren, aber auch einzelnen Oberstufenklassen konnten wir bis Mittwoch, die letzten Posten decken. Herzlichen Dank an alle Beteiligten!»

«Es ist allerdings schon immer mehr so, dass die Leute nur noch konsumieren wollen.»

Erwin Schwarz, OK-Präsident 100 Jahre Galli-Zunft

Neben Karma-Pluspunkten für ihren Einsatz gehen die Freiwilligen beim SMV mit acht Franken Lohn pro Stunde nach Hause.

Kein Problem dank «zünftiger» Unterstützung in Kriens

Wechseln wir den Kanton. In Kriens feiert die Galli-Zunft Kriens ihr 100-Jahre-Jubiläum. Ein grosses Fest und ein Umzug gehören zu dem Programm. Alleine am Sonntag seien rund 100 Zünftler neben dem Umzug im Einsatz, damit dieser Event zustande kommt.

OK-Präsident Erwin Schwarz sagt, dass er die Helfer schnell gefunden habe. «Weil wir auf Zünftler und Mitglieder zurückgreifen können, hatten wir kein Problem.» Die Leute werden als Abschnittsverantwortliche oder auch als Festrondellen-Verkäufer im Einsatz sein. Da die Galli-Zunft zudem viele Kollektivmitglieder hat, helfen am Wochenende beispielsweise auch Turner oder Musiker, also andere Krienser Vereine mit.

«Ich denke, man kann nie genug helfende Hände bekommen.»

Christian Sprenger, Initiant Pride Zentralschweiz

Auch wenn Erwin Schwarz und sein Team für das Wochenende schnell an Helfer gekommen sind – auch in der Zunft ist spürbar, dass Freiwilligenarbeit nicht mehr so selbstverständlich ist wie früher. «Es war früher sicherlich viel einfacher, beispielsweise jemanden für den Zunftrat zu finden. Früher war es Ehrensache, dieses Amt zu machen. Heute müssen die Kandidaten teilweise erst noch das Einverständnis von zu Hause einholen.»

Zentralschweizer Pride kratzt an der Grenze

Am Wochenende findet in Luzern auch die erste Pride seit 17 Jahren statt (zentralplus berichtete). Am Samstag gibt es eine grosse Demonstration. Aber auch davor und danach gibt es verschiedene Events. Initiant Christian Sprenger sagt, dass die Pride genügend Helfer habe. «Ich denke, man kann nie genug helfende Hände bekommen. Für unsere Pride ist die Suche wirklich sehr gut gelaufen.»

Auch wenn sich viele Leute gemeldet haben, bei der Demo am Samstag sei die Anzahl Freiwilliger kritisch. «Es ist zwar eng, aber es wird schon gehen.» Es gäbe laut Sprenger zwei Phasen bei der Suche. «Die ersten melden sich unmittelbar, nachdem der Event bekannt wird», sagt er. Die anderen melden sich dann erst, bevor es tatsächlich losgeht. «Es ist heute sicherlich nicht mehr so einfach wie früher. Die jüngere Generation möchte spontan bleiben und sich nicht schon lange im Voraus für einen Einsatz melden.»

Hat freiwillige Arbeit noch eine Zukunft?

Auf die Frage, wie die Veranstalter mit der schwindenden Anzahl an Helferinnen in die Zukunft schauen, bleibt Christian Sprenger optimistisch. «Ich denke, diejenigen, welche an der Pride am Wochenende geholfen haben, haben auch wieder Feuer für weitere Veranstaltungen.» Sein Bauchgefühl für künftige Veranstaltungen sei gut, «jedoch weisst du nie, wie sich die Gesellschaft entwickelt», sagt Sprenger.

Ähnlich klingt es auch in Kriens. «Wenn ein Verein ein gutes Produkt auf die Beine stellt, dann zieht dies auch Freiwillige an», sagt Erwin Schwarz von der Galli-Zunft. «Es ist allerdings schon immer mehr so, dass die Leute nur noch konsumieren wollen.»

Wenn sich die Leute nicht mehr mit «dem guten Gefühl» locken lassen, müssen sich die Vereine etwas anderes einfallen lassen. Eventuell kommen einige nicht mehr darum herum, in Zukunft die Arbeit auch zu entschädigen.

Verwendete Quellen

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