Gesellschaft

Diese Zahlen messen der Bevölkerung den Puls
Zehn Fakten zur Lebensqualität: So geht es Luzern

  • Lesezeit: 7 min
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Schmerzen tut’s vielen Luzernern im Portemonnaie. Denn die Krankenkassenprämien werden immer teurer. (Bild: Fotolia/Montage: zentralplus)

Die Luzerner Haushalte müssen immer mehr für Steuern und Krankenkassenprämien hinblättern. Das zeigen die neusten Zahlen zum Wohlbefinden der Luzerner Bevölkerung. Doch es gibt auch Positives: Kaum einer sorgt sich um seinen Job – und auch eine Woche mehr Leben könnte uns theoretisch beschert sein.

«Wie geht’s?» – «Gut, danke, und selber?» – «Auch gut, merci.» Dem Schwatz auf der Strasse oder dem Small-Talk unter Bekannten zufolge geht es den Luzernern sehr gut. Doch wie es um das Wohlbefinden tatsächlich steht, erfährt man beim Blick in die Statistik.

Und zwar konkret auf die sogenannten Sozialindikatoren, die Luzern Statistik (Lustat) diesen Dienstag auf den neusten Stand gebracht hat. Die über 60 Punkte messen die Lebensqualität anhand von subjektiven Einschätzungen und von harten Fakten.

Die Ergebnisse schlummern nicht einfach irgendwo in den Schubladen beziehungsweise auf den Servern von Lustat, sondern werden als eine der wenigen Statistiken vom Gesundheits- und Sozialdepartement des Kantons Luzern bewertet. Dabei zeigt sich, dass sich das Wohlergehen der Luzerner in 22 Punkten verbessert hat, während es in 14 Bereichen schlechter geworden ist. Besonders im finanziellen Bereich gibt es noch Luft nach oben, wie folgende Grafik zeigt:

 

Die grünen Punkte zeigen an, in welchen Bereichen sich der Kanton wunschgemäss entwickelt hat, die gelben signalisieren Stagnation, die roten Punkte einen Rückschritt. (Grafik: Lustat)

Die grünen Punkte zeigen an, in welchen Bereichen sich der Kanton wunschgemäss entwickelt hat, die gelben signalisieren Stagnation, die roten Punkte einen Rückschritt. (Grafik: Lustat)

zentralplus zeigt, bei welchen Punkten es den Luzernern besonders gut geht – und wo die Politiker und Psychoanalytiker genauer hinschauen sollten.

1. Weniger einsam als anderswo

Luzerner sind gesellig – und zwar nicht nur in der Beiz, an der Fasnacht oder im Theater. Denn im Vergleich zur gesamten Schweiz fühlen sich im Kanton Luzern weniger Menschen einsam. Der Anteil Personen, die manchmal bis sehr häufig Einsamkeitsgefühle verspüren, lag in Luzern zuletzt bei 29 Prozent – schweizweit waren es 36,1 Prozent.

Ob Lotto im Säli, Turnerabend oder Parteiversammlung: Die Luzerner sind offenbar ein Volk von Vereinsmenschen. 2012 nahmen 53 Prozent der Luzerner Bevölkerung mindestens einmal monatlich an einem Anlass eines Vereins, eines Klubs, einer Partei oder einer kulturellen Vereinigung teil. Schweizweit beträgt der entsprechende Wert 48 Prozent.

Dazu passt: Drei von vier Zentralschweizern sind mit ihrer Lebensqualität sehr zufrieden – das ist zwar etwas weniger als vor zehn Jahren, aber 5 Prozent mehr als in der restlichen Schweiz. Auch die Suizidrate – die Zahl der Selbstmorde auf 100’000 Einwohner – ist seit der Jahrtausendwende merklich gesunken.

2. Der Laden und die Beiz in der Nähe

Wer einen halben Tagesausflug machen muss, um ins Spital oder ins Theater gehen zu können, mag das Leben als Eremit oder Landei – oder ist wohl unzufrieden. Bei der Erreichbarkeit von Dienstleistungen wie Schulen, Läden, Poststellen, Beizen, Kinderkrippen oder Kinos schneidet der Kanton Luzern weniger gut ab als die Gesamtschweiz.

Trotzdem waren 2015 84 Prozent aller Luzerner mit der Erreichbarkeit von Schulen, Läden, Spitälern etc. zufrieden. Das sind 2 Prozent weniger als in den letzten zehn Jahren, aber dennoch ein relativ hoher Wert.

3. Sorge um Job

Die Angst, die Stelle zu verlieren und in die Arbeitslosigkeit oder gar Armut abzurutschen, kann wie ein Betonklotz am Wohlbefinden hängen. Doch dieses Gefühl ist bei den Luzernern sehr wenig verbreitet: Nur gerade 7 Prozent der Luzerner Bevölkerung fürchteten sich 2015 davor, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Damit ist der Anteil gleich gross wie im Jahr 2009, als die Finanz- und Wirtschaftskrise in der Schweiz ihren Höhepunkt erreichte.

4. Wo es im Portemonnaie wehtut

Das Leben wird teurer – es geht mehr Geld für fixe Ausgaben flöten. 8,8 Prozent des Einkommens müssen Luzerner durchschnittlich für die Krankenkassenprämien berappen. Zum Vergleich: 2009 waren es noch weniger als 7 Prozent.

Ähnlich ist die Entwicklung bei den Steuern: 2015 machten sie im Mittel 9 Prozent des Haushaltseinkommens aus. Drei Jahre zuvor waren es noch weniger als 8 Prozent. Dennoch darf man nicht vergessen: Der durchschnittliche Schweizer Haushalt liefert 12,1 Prozent des Einkommens an die Steuerbehörden ab.

Die Krankenkassenprämien schlagen immer stärker auf das Portemonnaie der Luzerner. (Grafik: Lustat)

Die Krankenkassenprämien schlagen immer stärker auf das Portemonnaie der Luzerner. (Grafik: Lustat)

Und: Während Steuern und Krankenkasse stärker zu Buche schlagen, sind die Wohnkosten tendenziell gesunken – machen mit durchschnittlich 15 Prozent des Einkommens, aber nach wie vor einen grossen Teil aus. Wer Versicherungen, Steuern, Krankenkasse und Wohnung bezahlt hat, dem blieb im Durchschnitt pro Tag 87 Franken fürs Leben.

Egal, wie viel Geld unter dem Strich im Portemonnaie steckt: Nicht nur die Reichen, sondern knapp drei von vier Luzernern bezeichnen ihre finanzielle Situation als gut. Das ist etwas weniger als bei der vorletzten Befragung im Jahr 2009.

5. Dick drin

Zweieinhalb Stunden Bewegung oder 75 Minuten schweisstreibender Sport pro Woche – das empfehlen die Behörden. Und die Luzerner befolgen die Empfehlung. 77,5 Prozent der Wohnbevölkerung ab 15 Jahren erfüllt diese Empfehlung – das ist mehr als in der restlichen Schweiz (72 Prozent) und vor allem mehr als noch 2002, als erst rund 63 Prozent sich genügend bewegten.

An den Hüften der Luzerner sieht man das aber nur bedingt: Die Zahl der Übergewichtigen ist in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern gar leicht angestiegen auf 41,7 Prozent. Was auffällt: Je älter, desto häufiger sind die Luzerner übergewichtig. Zudem bringt bei den Männern fast jeder zweite zu viel auf die Waage, während es bei den Frauen nur etwas mehr als ein Drittel ist.

6. Jeder könnte sieben Tage länger leben

Wie ausgefeilt die Statistik heutzutage ist, zeigt dieser Indikator namens «verlorene potenzielle Lebensjahre»: Er sagt aus, wie viel länger Luzerner im Durchschnitt leben könnten, wenn sie sich gesünder ernähren und verhalten würden und keine Unfälle oder chronische Erkrankungen hätten, die man teilweise vermeiden könnte.

Die Statistiker berechnen auch, wie viel länger Luzerner theoretisch leben könnten – über 2'000 Jahre auf 100'000 Einwohner gerechnet. (Grafik: Lustat)

Die Statistiker berechnen auch, wie viel länger Luzerner theoretisch leben könnten – über 2’000 Jahre auf 100’000 Einwohner gerechnet. (Grafik: Lustat)

2015 waren das insgesamt über 2’000 Jahre pro 100’000 Einwohner – oder einfacher gesagt: Jeder Luzerner könnte 7,5 Tage länger leben, wenn alles wie am Schnürchen laufen würde. Die Zahl ist im Vergleich zu 2010 deutlich gesunken, was bedeutet, dass die Medizin und die Gesundheitsprävention in den letzten Jahren Fortschritte gemacht haben. Die Zahl wird auf Basis der teilweise vermeidbaren Todesfälle vor dem 70. Lebensjahr berechnet.

7. Frauen: Weniger Lohn und weniger im Chefsessel

2016 arbeiteten nur 7,9 Prozent aller Väter mit einem Kind im Vorschulalter zwischen 50 und 89 Prozent – bei den Müttern ist es gut jede fünfte.

Weniger stark vertreten sind die Frauen auch auf den Chefsesseln: Nur gut 30 Prozent aller leitenden Posten im Kanton Luzern waren 2016 in Frauenhand – das hat sich seit 2010 nicht gross verändert und ist weniger als in der gesamten Schweiz. Diese Indikatoren für Chancengleichheit sagen allerdings nichts darüber aus, wie zufrieden die Männer und Frauen im Kanton Luzern damit sind. 

Klar unzufrieden sein dürften die Frauen hingegen mit dieser Zahl: 2014 verdienten sie im Kanton Luzern für die gleiche Arbeit und unter vergleichbaren Bedingungen 6,9 Prozent weniger als Männer – durchschnittlich 434 Franken pro Monat. Die Lohndiskriminierung ging seit 2012 zurück, damals betrug der unerklärte Unterschied 9,1 Prozent.

8. Wir Arbeitstiere

Apropos Arbeit: Ja, das können die Luzerner offensichtlich gut. Im Schnitt schuftet jeder zwischen 15 und 64 Jahren insgesamt 53,6 Stunden pro Woche – das sind über zweieinhalb Stunden mehr als der Durchschnittsschweizer. Darin eingerechnet sind nebst dem Brotjob auch das Staubsaugen, Waschen und Kinderhüten zu Hause. Die Arbeitsbelastung hat sich bei den Luzernern seit 2010 um zweieinhalb Stunden erhöht. Nicht, weil es zu Hause mehr zu tun gäbe, sondern weil viele länger im Büro oder an ihrem Arbeitsplatz bleiben.

9. Nachts unterwegs – kein Problem

Und der eine oder die andere, die den Feierabend nach hinten verschiebt, kehrt im Dunkeln nach Hause. Das ist aber für die meisten kein Problem: Knapp 80 Prozent der Bevölkerung fühlt sich nachts im eigenen Quartier sicher. Im Vergleich zu 2009 hat sich der Anteil nicht wesentlich verändert.

 

Kapellbrücke

Leuchtenstadt: Nachts sind viele Luzerner mit einem guten Gefühl unterwegs.

(Bild: flickr)

Zu Recht, ist man geneigt zu sagen: In den letzten Jahren wurden weniger Angriffe, Körperverletzungen und ähnliche Straftaten gezählt als noch vor rund acht bis zehn Jahren. Mit 255 Gewaltdelikten auf 100’000 Einwohner liegt die Zahl im Kanton Luzern deutlich unter dem nationalen Schnitt von 369.

Auch auf den Strassen ist es weniger gefährlich geworden: 213-mal kam es 2016 zu einem Unfall mit verletzten oder getöteten Personen. Das ist deutlich weniger als noch Anfang des Jahrtausends.

10. Richtig durchatmen wäre anders

Es wird zwar sicherer gefahren auf der Strasse, aber keineswegs weniger – besonders in Autos. 2015 war nur noch gut jeder fünfte Luzerner im Bus oder Zug unterwegs – fünf Jahre zuvor waren es noch 2 Prozent mehr. Dabei hofft der Kanton eigentlich, dass sich in Zukunft mehr Leute vom Auto verabschieden.

Nicht nur, weil es sonst auf der Strasse zu eng wird, sondern auch aus gesundheitlichen Gründen. Seit Jahren ist die Luftverschmutzung mit Ozon, Feinstaub und Stickstoffdioxid konstant bei der Stufe 3 auf einer Skala von 1 bis 6. Das entspricht laut dem Kanton einer «deutlichen Luftschadstoffbelastung, bei der gesundheitliche Beschwerden auftreten können». Konstant bleiben auch die 78 Prozent der Luzerner, die mit dem Zustand der Umwelt zufrieden sind – wobei es interessanterweise keine wesentlichen Unterschiede zwischen Stadt und Land gibt.

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