Gäste gesucht – per Inserat

Diese Luzernerin lädt Fremde zum Essen ein

Silvia Casanova lädt gerne Fremde zur gemeinsamen Tischrunde ein. Auch während der Corona-Zeit. (Bild: zvg)

Sie kocht regelmässig und mit grossem Aufwand ein Menü, ohne zu wissen für wen. Jedenfalls so lange, bis die Gäste an der Türe klingeln. Die Luzernerin Silvia Casanova hat mit ihrer «Tavolata» ein spannendes Projekt aus der Taufe gehoben. Eines, das ganz ohne Glamour auskommt.

Das Inserat, das diese Woche in der Zeitung zu sehen war, war klein und leicht zu übersehen. Wer es jedoch gelesen hat, dürfte sich gewundert haben. «Tavolata. Geniesse einen gemütlichen Abend in stilvoller und ungezwungener Atmosphäre, privat, bei mir zu Hause (Stadt Luzern).»

Darunter der Hinweis auf eine Website. Wer steckt hinter diesem ungewöhnlichen Projekt?

Das Impressum führt uns zu Silvia Casanova-Werlen, die uns freundlich Auskunft gibt. «Ich koche hobbymässig sehr gerne, es macht mir nichts aus, den ganzen Tag in der Küche zu stehen. Das ist für mich vielmehr entspannend.» Geboren wurde die Idee der Tavolata, was so viel wie Tischgemeinschaft bedeutet, noch in Graubünden, wo Casanova früher lebte.

«Das erste Mal führte ich eine solche Tavolata an Silvester durch. Das war genial. Überhaupt war jeder Anlass bis jetzt richtig toll, ich kann nichts annähernd Schlechtes berichten! Es sind Abende mit gutem Essen, feinem Wein und schönen Gesprächen über Gott und die Welt.» 

In der Regel «wildfremde Leute»

Besonders: Casanova lädt in der Regel «wildfremde Leute» zu sich nach Hause ein. Bis zum Öffnen der Türe weiss sie also nicht, mit wem sie den Abend verbringen wird. So viel ist jedoch klar: Pro Tavolata sind es maximal acht Menschen. Nicht nur aufgrund der Pandemie und der beschränkten Platzverhältnisse. «Ich finde, zu acht ist es noch genügend übersichtlich, dass alle mit allen reden können.»

«Willkomen sind alle, ob jung, alt, single oder zu zweit.»

Silvia Casanova-Werlen, Gründerin der Luzerner Tavolata

Meist seien es Menschen zwischen 40 und 80 Jahren, die sich auf das kulinarische Abenteuer einlassen. «Willkommen sind jedoch alle, ob jung, alt, single oder zu zweit», betont Casanova.

Macht sie sich auch mal Sorgen, ob eine Gruppe harmoniert? «Alle, die sich für einen solchen Anlass anmelden, sind grundsätzlich offen, um neue Leute kennenzulernen. Es kommt ja niemand an eine Tavolata, um Stunk zu machen. Vielmehr will man einen Abend mit gutem Essen und in guter Gesellschaft verbringen.»

Gemütlichkeit statt Glamour und Kaviar

Apropos gutes Essen: Was gibt’s denn zu schlemmen? «Ich koche jeweils ein Menü mit drei bis vier Gängen, einfach gerade das, wozu ich Lust habe. Das entscheide ich meist kurzfristig.» Sicher aber werde es ausgewogen, geschmackvoll, regional und saisonal werden, erklärt die 53-Jährige. «Ausserdem wird das ganze ungezwungen sein, ganz ohne Glamour und Glitzer, und demnach auch ohne Austern und Kaviar.»

«Ein fixer Preis würde Erwartungen wecken.»

Silvia Casanova-Werlen, Hobby-Köchin und Gründerin der Luzerner Tavolata

Und falls nun unverhofft eine Vegetarierin hereinschneit? «Das ist kein Problem. Es gibt ja nicht nur einen einzigen Gang. Da kann man das Fleisch gut auslassen», sagt Casanova. Was auf der Tavolata-Website auffällt: Nirgends ist ein Hinweis auf die Teilnahmekosten zu finden. «Ich verlange ganz bewusst keinen fixen Preis», erklärt die Luzernerin. «Das würde automatisch Erwartungen wecken. Stattdessen stelle ich ein Kässeli auf, und die Gäste dürfen so viel zahlen, wie ihnen der Abend wert war.»

Beruflich kommt Casanova-Werlen übrigens gar nicht aus der Gastro-Ecke. «Ich habe mich kurz vor der Pandemie selbständig gemacht und biete Bürodienstleistungen an. Fix, im Teilpensum oder auf Zeit. Gerade etwa Handwerker, die abends noch Bürokram erledigen müssten, sind froh um dieses Angebot, aber auch für Private, insbesondere auch ältere Leute, erledige ich Arbeiten.»

Nur im Winter gibt’s die Tavolata

Die Tavolata, die diesen Samstag erstmals im neuen Jahr über die Bühne geht, ist ausgebucht. «Für den Anlass gilt aktuell eine 2G-Regel, dies gemäss den Vorgaben aus Bern.»

Viermal findet Casanovas Tavolata bis im Mai noch statt. Dann gibt’s eine saisonale Pause. «Im Sommer zieht es mich nämlich raus, da mag ich nicht den ganzen Tag kochen», sagt sie. Statt in der Küche wird die Luzernerin in den warmen Monaten stattdessen beim Segeln, auf dem Töff oder in den Bergen anzutreffen sein.

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