Gesellschaft
Gutachten bringt traurige Gewissheit

Wieder sind zwei Jugendliche aus Luzern am Drogenkonsum gestorben

Die beiden Jugendlichen sind gestorben, weil der Mischkonsum verschiedener Substanzen eine tödliche Wirkung hatte. (Bild: Symbolbild Adobe Stock)

Was vor ein paar Wochen ein schlimmer Verdacht war, hat sich nun bestätigt: In Luzern sind im Frühling zwei junge Menschen gestorben, weil sie Drogen und Medikamente genommen haben. Der gefährliche Mischkonsum hatte 2018 schon zwei anderen Jugendlichen das Leben gekostet.

Man kann sich kaum vorstellen, welches Leid diese Todesfälle über die Familien der Jugendlichen gebracht haben. An einem Frühlingsabend dieses Jahres legte sich ein 20-jähriger Luzerner zu Hause ins Bett – und stand nicht wieder auf.

Er starb, weil er unterschiedliche Substanzen eingenommen hatte, die in ihrer Kombination eine tödliche Wirkung entfalteten. Nur vier Tage später endete das Leben einer 18-jährigen Frau auf die gleiche Weise, wie toxikologische Gutachten jetzt zeigen.

Dies bestätigt die Staatsanwaltschaft Luzern auf Anfrage von zentralplus. Sie hat die Ermittlungen in den beiden Fällen deshalb eingestellt – eine Dritteinwirkung ist ausgeschlossen.

Die beiden Todesfälle reihen sich in eine Folge erschreckender Meldungen, die darauf hindeuten, dass sich in Luzern unter dem Radar der Behörden eine neue Drogenszene entwickelt.

Bereits vier Todesfälle

Im Juni machte die «NZZ» publik, dass bereits 2018 zwei Jugendliche an einem tödlichen Drogencocktail gestorben waren. Ein 18-Jähriger wurde von seiner Mutter tot aufgefunden, als sie ihn zum Abendessen holen wollte. Der zweite Luzerner starb im Dezember 2018 in Zürich am Mischkonsum, wie Recherchen von zentralplus ergaben.

«Wir haben in Luzern definitiv ein Problem.»

Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Damit sind in Luzern nun bereits vier Todesfälle im Zusammenhang mit Mischkonsum zu beklagen. Und es dürfte noch eine Vielzahl weiterer Jugendlicher geben, die mit Drogencocktails ihr Leben aufs Spiel setzen.

Im September 2019 hatte die Luzerner Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass man einen Drogenring entdeckt habe, dem rund 50 Personen angehörten.

Es handelte sich um Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren, Lehrlinge, Gymnasiasten, Hochschüler, die im Internet Drogen bestellt, sie im grösseren Stil konsumiert und weiterverkauft hatten (zentralplus berichtete).

Konsequenzen sind den Jugendlichen nicht bewusst

Die aktuellen Todesfälle haben mit diesem Drogenring nichts zu tun, wie Abklärungen der Staatsanwaltschaft ergaben. Das deutet darauf hin, dass Problem mit den Verhaftungen vom letzten September längst nicht gelöst ist. Vielmehr dürfte sich in Luzern eine entsprechende Szene entwickelt haben.

«Wir haben in Luzern definitiv ein Problem», sagt Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage. «Die Jugendlichen sind sich nicht bewusst, was sie ihrem Körper mit dem Drogenkonsum zumuten – und sie machen sich auch keine Vorstellung davon, was ein entsprechender Strafregister-Eintrag für ihre berufliche Zukunft bedeuten könnte», meint Kopp.

«Den Konsumenten merkt man kaum etwas an – deshalb bleiben sie unter dem Radar.»

Simon Kopp, Sprecher der Staatsanwaltschaft

Manche Jugendliche hätten im Laufe der letztjährigen Ermittlungen angegeben, sie hätten einen «Kick» gesucht. Wochenende um Wochenende schmiessen sich die Cliquen Drogen rein. Teilweise mieteten sie dafür eigens Hotelzimmer an (zentralplus berichtete).

Andere sagten gemäss Kopp aus, dass sie die Drogen gebraucht hätten, um wach zu bleiben und die Schule zu überstehen. Das Erschreckende: Weder die Eltern noch die Lehrer hatten vom Drogenmissbrauch etwas mitbekommen.

Politikerin ist alarmiert

«Es handelt sich um eine Szene, die nicht offen in Erscheinung tritt. Den Konsumenten merkt man kaum etwas an – deshalb bleiben sie unter dem Radar», meint Kopp. Er hofft, dass die Sensibilisierungskampagne der Luzerner Polizei an den Schulen bald Wirkung zeigen wird.

Seit der Drogenring entdeckt wurde, gehen Polizisten aktiv in die Klassenzimmer, um die Schülerinnen über Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch aufzuklären (zentralplus berichtete).

«Wir haben das Problem auf dem Radar, aber noch fehlen uns verlässliche Daten.»

Infodrog-Leiterin Franziska Eckmann

Die Meldung über die ersten Todesfälle hat zudem die Luzerner Politik auf den Plan gerufen. Die grüne Kantonsrätin Rahel Estermann hat dazu eine Anfrage an die Regierung eingereicht. Darin will sie wissen, ob in den letzten Monaten eine Zunahme des Drogenkonsums festgestellt wurde – und ob der Kanton eine breite Informationskampagne in Betracht zieht.

Nächsten Monat kommt das Drug-Checking

Die Entwicklungen in der Drogenszene beobachtet unter anderem die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog). Doch auch diese hat bislang keine Zahlen dazu, wie sich die Situation in Luzern in den letzten Monaten entwickelt hat.

«Diese Konsumenten sind noch in der Schule, sie fallen nicht auf in der Öffentlichkeit. Wir haben das Problem auf dem Radar, aber noch fehlen uns verlässliche Daten», so Infodrog-Leiterin Franziska Eckmann.

Liefern könnte diese dereinst unter anderem das Drug-Checking, das die Luzerner Gassenarbeit im September eröffnen möchte (zentralplus berichtete). Konsumenten sollen dort den Stoff testen lassen können – damit sie wenigstens wissen, was sie zu sich nehmen.

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