Gesellschaft
Verärgerte Wanderer auf dem Pilatus

Wer runter will, muss lange warten – oder laufen

Die letzte Reise der alten Pilatus Luftseilbahn. Im April gibt es eine neue, schnellere und aerodynamischere. (Bild: Urs Wyss)

Wanderer müssen an schönen Wochenenden derzeit bis zu vier Stunden warten, wenn sie vom Pilatus runterfahren wollen. Und mit ansehen, wie vorgebuchte Reisegruppen den bequemen Weg ins Tal nehmen. Während sich Wanderer benachteiligt und schlecht informiert fühlen, kämpfen die Pilatus-Bahnen mit Kapazitätsproblemen und der Prognose der Wartezeiten.

Am Gipfel angekommen, stehen sich viele Wanderer die Schuhe platt. Ihnen wird an der Bergstation mitgeteilt, dass sie für eine Fahrt ins Tal sehr lange anstehen müssen. An Spitzentagen wie am vergangenen Wochenende können das bis zu vier Stunden sein. 

Das Problem ist hausgemacht. Die Pilatus-Bahnen bauen einen neue Luftseilbahn (siehe Box). Darum ist die Gondel von der Fräkmüntegg auf den Pilatus nicht mehr in Betrieb. Das bedeutet für die Pilatus-Bahnen eine Kapazitätseinbusse von weit mehr als der Hälfte. Die Zahnradbahn, das einzige Transportmittel das im Moment auf den Pilatus fährt, kann pro Stunde maximal 340 Passagiere transportieren.

Die neue Luftseilbahn

Bei der neuen Luftseilbahn versprechen die Pilatusbahnen ein schnelleres und erlebnisreicheres Fahren. Ausserdem soll die neue Gondel durch ihre Aerodynamik windsicherer sein. Die neue Luftseilbahn wird am 1. April 2015 in Betrieb genommen.

Fassungsvermögen: 2 Kabinen à 55 + 1 Personen

Förderleistung pro Stunde: 589 Personen

Fahrzeit: 3 Minuten 39 Sekunden

Höhendifferenz: 646.6 Meter

Länge der Bahnstrecke: 1387.6 Meter

Kosten: 18 Millionen

Werden Reisegruppen bevorteilt?

Die vielen Touristen, die tagtäglich auf den Pilatus und wieder runter strömen, lasten die Zahnradbahn von Alpnachstad stark aus. So stark, dass in den Zügen für Wanderer kaum mehr Platz bleibt. Erst für Gruppen zu mindestens zehn Personen besteht die Möglichkeit, sich mit einer Voranmeldung einen der begehrten Plätze in der Bahn zu reservieren. Für unangemeldete Wandergrüppli gilt das «first come, first served-Prinzip».

An normalen Tagen ist dies alles kein Problem. Die Wartezeiten sind akzeptabel. An Spitzentagen hingegen haben die Pilatus-Bahnen Mühe mit der Planung. Sie versuchten zwar, so Godi Koch, CEO von den Pilatus-Bahnen, «immer auch Platz für Wanderer zu lassen». Das scheint aber nicht richtig zu funktionieren. Die Wartezeiten von bis vier Stunden sind für die verärgerten Wanderer nicht zu erklären.

Time-Ticket oder runter bis zur Fräki

Die Pilatus-Bahnen haben seit der Schliessung der Luftseilbahn sogenannte Time-Tickets eingeführt. Diese funktionieren ähnlich, wie die Nummern, die man beim Betreten der Post zieht. Man bekommt beim Kauf einer Talfahrt seine Abfahrtszeit zugewiesen. «So wissen die Wanderer wenigstens, wann sie auf die Zahnradbahn können» und müssen nicht stundenlang anstehen, «sondern können ins Restaurant oder auf die Terrasse», erklärt Godi Koch. 

Wer nicht warten oder sich verköstigen will, dem bleibt die Alternative bis zur Fräkmüntegg hinunter zu laufen. Diese Wanderung dauert rund 90 Minuten. Von der Fräki, wo man nicht anstehen muss, kann man mit der kleinen Luftseilbahn bis nach Kriens fahren, erklärt Godi Koch.

Wie geht es weiter?

Im Frühling 2015 wird sich die Lage am Pilatus beruhigen. Dann steht die neue Luftseilbahn, die pro Stunde 589 Personen transportieren kann. Die Kapazität verdreifacht sich also fast. Bis dahin sind die Pilatus-Bahnen aber auf die Geduld der Wanderer angewiesen.

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