Gesellschaft
Politikerinnen, Ärzte und Sektenkinder

Über diese Menschen hat Zug 2021 gesprochen

Sie alle haben das verrückte Jahr 2021 mitgeprägt. (Bild: Montage)

Die Corona-Pandemie und das Hochwasser haben in diesem Jahr für besonders viele zentralplus-Schlagzeilen gesorgt. Wir haben die acht Menschen herausgepickt, über die Zug 2021 gesprochen hat. Menschen, die das Leben wesentlich geprägt haben.

Das letzte Blatt des Kalenders 2021 ist zwar bereits abgerissen, dennoch lassen wir es uns nicht nehmen, nochmals zurückzublicken.

lm Rampenlicht standen im Jahr 2021 einige Menschen, die nicht nur Pandemie-bedingt viel zu tun hatten. Wir präsentieren die Köpfe, die in Zug das Leben wesentlich mitgeprägt haben.

Sektenkind Jonny: die andere Seite des Comedian

Jonny Fischer vom Kabarett-Duo Divertimento ist Meister darin, gute Stimmung zu machen. Der Zuger ist einer der grössten Schweizer Comedians. Mit seiner Biografie «Ich bin Jonathan», die im September 2021 erschienen ist, zeigt Fischer eine andere Seite von sich.

Sein Vater hat eine radikale Glaubensgemeinschaft gegründet. In seinem Buch gibt Fischer sein Persönlichstes preis. Wie es ihm als Kind ungeheuer Angst machte, wenn sein Vater davon predigte, dass das Ende nah sei. Wie er bei jedem heftigen Gewitter das Gefühl hatte, die Welt gehe unter. «Die ständige Angst, etwas Falsches zu tun, hat in mir bis heute tiefe Spuren hinterlassen», sagte Fischer gegenüber «CH Media». Als 15-Jähriger trat er aus der Sekte seines Vaters aus. «Ich habe damit mit einem Schlag alles verloren, meine Familie und meinen Glauben. Die Familie hat danach einfach weitergemacht – ohne mich, als gäbe es mich nicht, obwohl ich noch im Haus gewohnt habe.»

Mit dem Buch warf Fischer medial hohe Wellen. «Ich habe sehr lange versucht, so zu tun, als gebe es nur noch Jonny, den erfolgreichen Komiker, den immer gut gelaunten Freund, aber das hat nicht funktioniert, das war schlimm. Ich will zu Jonathan stehen», begründete Fischer sein Outing gegenüber dem Medienunternehmen.

Jonny Fischer im Jahr 2018. (Bild: wia)

Luzia Schmid: «Der Ast, auf dem ich sitze»

Zug ist das Steuerparadies. Und das Domizil zahlreicher Briefkastenfirmen. Die Zuger Regisseurin Luzia Schmid hat einen kritischen Blick auf die Zuger Steuerpolitik geworfen. «Mich interessiert: Wieso ist es den Zugern – meinen Leuten, von denen ich ja weiss, dass sie nicht schlechter sind als andere – wieso ist ihnen die berechtigte Kritik egal?», fragte Schmid gegenüber zentralplus.

Mit ihrem Dokumentarfilm «Der Ast, auf dem ich sitze» hat Schmid einen der renommiertesten Filmpreise 2021 abgeräumt. Nämlich den Grimme-Preis (zentralplus berichtete). Der Film sei eine radikal-subtile Reflexion über Doppelmoral und kollektive Verdrängung, wurde sie gelobt.

Der EVZ, der Schweizer Meister: Diese Köpfe haben dazu beigetragen

2021 ist das Jahr, in welchem der EV Zug zum zweiten Mal nach 1998 Schweizer Meister geworden ist (zentralplus berichtete). Der Titelgewinn am 7. Mai ist mit Mastermind und Sportchef Reto Kläy eng verknüpft. Er verantwortete die richtigen Personalentscheidungen, indem er im Sommer 2018 den damals in der Welt des Klubhockeys nahezu unbekannten Norweger Dan Tangnes als Cheftrainer engagierte (zentralplus berichtete).

Dem 42-Jährigen wurde zügiges Scheitern in seinem neuen Job prophezeit. Stattdessen wurde Dan Tangnes in seiner ersten Saison 2018/19 Cupsieger mit dem EVZ, den er später auch noch in den Playoff-Final gegen den SC Bern führte. 2020 wurden die Playoffs wegen der Corona-Krise abgesagt. Und 2021 folgte der Titelgewinn für den meistgenannten Favoriten.

Der dritte Kopf des Zuger Triumphs war Jan Kovar (zentralplus berichtete). Der Tscheche wurde zum besten Spieler der Qualifikation und Playoffs gewählt. Zudem war der 31-jährige Mittelstürmer über die gesamte Spielzeit 2020/21 der beste Punktesammler der Liga. Eine kaum zu übertreffende Leistung eines Einzelspielers. Damit reiht sich Jan Kovar ein in die besten Einzelspieler, die jemals vom EV Zug beschäftigt wurden. Dazu gehören Ausnahmekönner wie Ivan Hlinka, Tom Fergus und Wes Walz.

Jill Nussbaumer: die Kämpferin für die LGBT-Community

Im Jahr 2021 ist eine wichtige Entscheidung gefallen: Die Schweiz hat nämlich Ja gesagt. Zur Ehe für alle. Im September stimmten 64,1 Prozent aller Stimmbürgerinnen der gleichgeschlechtlichen Ehe zu.

Eine, die sich im Kanton Zug für den Abstimmungskampf engagiert hat, ist Jill Nussbaumer. Die 28-Jährige ist Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz und ist zudem im Vorstand der freisinnigen LGBT-Fachgruppe Radigal.

Nussbaumer sprach nach dem Ja von einem «emotionalen Moment» und einer lang ersehnten Gleichberechtigung. Sie trifft es schliesslich auch persönlich: Die Zugerin träumt bereits von einer Hochzeit in Weiss mit ihrer Partnerin.

Politisch werden wir von der Jungfreisinnigen wohl auch 2022 einiges hören. Im Januar rückt sie nämlich in den Zuger Kantonsrat nach (zentralplus berichtete).

Rudolf Hauri: der ruhende Pol

Die Corona-Pandemie hat ihn ins mediale Rampenlicht gerückt: Rudolf Hauri. Der Zuger Kantonsarzt war als Präsident der Schweizer Kantonsärztinnen und -ärzte häufig omnipräsent und dauergefragt. Exponiert zu sein gefällt ihm zwar nicht unbedingt. Aber es ist nun mal seine Aufgabe, wie er selbst sagte. In seiner Tätigkeit strahlt der 61-Jährige stets Ruhe aus – und das tut gut. Er ist der ruhende Pol in einem Ausnahmezustand, in welchem es derzeit drunter und drüber geht.

«Bestimmt ein paar hundert Stunden» Überstunden hat Hauri dieses Jahr geleistet – und obendrauf auf die Ferien verzichtet. «Es war gefühlsmässig ein buntes Jahr, eines, das von der Frage geprägt war, wann dieser Ausnahmezustand, in dem wir uns alle befinden, aufhören wird», sagte Hauri im Rückblick mit zentralplus.

Die Menschen, die im Hintergrund die Fäden ziehen

Doch zentralplus hat auch Menschen abseits von grossen Bühnen ins Scheinwerferlicht gerückt. Etwa Anna Maria Flori: Sie ist die Zugerin, die mit Desinfektionsmitteln und Putzlappen Rednerpulte und Mikrofone coronakonform reinigt. Die Politikerinnen an den Rednerpulten mögen vielleicht die wichtigen Entscheidungen für die Zuger treffen – die Reinigungsfachfrau dahinter sorgt aber dafür, dass die Menschen überhaupt erst Politik machen können.

Nalani Buob: leidenschaftliche Rollstuhl-Tennisspielerin

Nalani Buob zählt zu den grössten Schweizer Nachwuchstalenten im Rollstuhl-Tennis. Die Zugerin meistert seit ihrer Geburt ihr Leben im Rollstuhl. Zu akzeptieren, dass sie nicht gehen kann, war nicht immer einfach für sie.

Doch sie hat und macht auch heute noch das Beste aus allem. Und so hindert sie auch der Rollstuhl nicht daran, ihre Leidenschaft auszuüben: das Tennisspielen.

Die 20-Jährige wurde als 16-jährige Junioren-Weltmeisterin. Zwei Jahre später verteidigte sie diesen Titel im Einzel und im Doppel. 2021 ging für Buob mit ihrer Teilnahme an den Paralympics in Tokio ein Traum in Erfüllung. Die Premiere verlief vielleicht nicht nach Wunsch, denn Buob schied im Achtelfinale bereits aus. Doch wir sind sicher, dass Buob in den kommenden Jahren noch den einen oder anderen Titel abräumen wird.

Niklaus Weiss: der unbekannte Zuger Stadtbekannte

Niklaus Weiss war ein Zuger Stadtoriginal. Seinen Namen kannten wohl die wenigsten. Wohl aber sind fast alle dem grossen, schlaksigen Mann mit seinem markanten Lockenkopf mal über den Weg gelaufen. Viele Jahre wohnte er in einem lottrigen Haus direkt am See. Und das ohne warmes Wasser, einen funktionierenden Herd oder eine Heizung. Weiss hatte ein umfangreiches Wissen über Computer und Elektronik. Sein Geld verdiente er damit, Flipperkästen, Musikboxen und Heim-Elektronik-Geräte zu reparieren. Anfang Mai 2021 ist Niklaus Weiss mit 70 Jahren verstorben (zentralplus berichtete).

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