«Sehr geehrte Damen und Herren» geht nicht mehr

Stadt Luzern: Jetzt kommt der Genderstern

Die Stadtluzerner Verwaltung muss ab September geschlechtsneutral kommunizieren. (Bild: Adobe Stock)

Mitarbeitende der Stadt Luzern sind ab September angehalten, geschlechtsneutrale Formulierungen zu verwenden. Auch der Genderstern darf dabei zum Zug kommen.

Die Stadt Luzern hat einen Leitfaden für eine inklusive Sprache veröffentlicht, der ab dem 1. September gültig ist. Was dabei besonders auffällt: Wenn keine geschlechtsneutrale Formulierung vorhanden ist, sind städtische Mitarbeitende neu angehalten, den Genderstern zu verwenden.

Der Leitfaden gibt der städtischen Kommunikation sowohl Regeln als auch Tipps und zeigt mit Anwendungsbeispielen, wie «Frauen, Männer und nicht binäre Menschen sprachlich gleichberechtigt behandelt werden können», wie es im Dokument heisst.

Genderstern soll sparsam zum Einsatz kommen

Wie der Leitfaden ausführt, gebe es in der deutschen Sprache verschiedene Möglichkeiten, um Texte inklusiv zu gestalten. Eine dieser Möglichkeiten: der Genderstern. Dieser soll in der Kommunikation der Stadt Luzern nun bewusst, aber sparsam eingesetzt werden. Seine Anwendung mache die geschlechtliche Vielfalt sichtbar, heisst es vonseiten der Stadt.

In offiziellen Briefen und E-Mails der Stadt verlangt der Leitfaden deshalb neu, Personen mit «Sehr geehrte*r» anzusprechen – auch wenn der Vorname der Person einen vermeintlichen Rückschluss auf deren Geschlecht zulassen würde. Das «Herr» oder «Frau» wird also gestrichen. Auch «Sehr geehrte Damen und Herren» will die Stadt nicht mehr lesen, da diese Formulierung «nicht inklusiv» sei.

Die Paarform genügt der Stadt nicht

Weil Texte auch so einfach wie möglich gehalten werden sollen, verweist die Stadt aber darauf, dass der Genderstern diesbezüglich Verwirrung stiften könne. Mitarbeitern empfiehlt der Leitfaden deshalb, «verschiedene geschlechtergerechte Formulierungen» in einem Text zu kombinieren.

«Sehr geehrte*r Katarina Müller»

Beispiel für eine inklusive Anrede aus dem neuen Leitfaden für eine inklusive Sprache der Stadt Luzern

Erlaubt ist dabei, männliche und weibliche Formen abwechselnd zu verwenden und mit Formen inklusive Genderstern zu ergänzen. Die Paarform, wie beispielsweise «Luzernerinnen und Luzerner», erachtet der Leitfaden dabei nicht als vollständig geschlechterinklusiv.

Weiterhin möglich sind die – von einigen Sprachwissenschaftlern kritisierten – substantivierten Partizipien wie «Mitarbeitende» oder «Einwohnende». Das generische Maskulinum – also «Mitarbeiter» oder «Einwohner» für Männer wie Frauen – verwendet die Stadt Luzern schon seit geraumer Zeit nicht mehr.

Es gibt Ausnahmen

Im Übrigen sieht der Leitfaden Ausnahmen vor, bei denen der Gebrauch des Gendersterns nicht erlaubt ist. Dies gilt für Texte, die in der systematischen Rechtssammlung publiziert werden, wie etwa Reglemente oder Verordnungen. Dort ist das Sonderzeichen aus Gründen der Rechtssicherheit verboten.

Auch in Stadtratsbeschlüssen, Berichten und Anträgen sowie Abstimmungsbroschüren ist der Genderstern gemäss Leitfaden ebenfalls nicht zulässig. Bei allen anderen offiziellen Texten, wie etwa auch Stellenausschreibungen, muss die Sprache geschlechtsneutral sein. Ein Beispiel aus dem Leitfaden: «Wir suchen eine*n Kadermitarbeiter*in für die Sozial- und Sicherheitsdirektion.»

Letzter Leitfaden ist von 2008

Für die Erarbeitung des Leitfadens hat sich Luzern an den Städten Zürich und Bern orientiert. Dort ist eine inklusive Sprache in der städtischen Kommunikation gleichfalls vorgegeben. Auch der sprachliche Leitfaden der Universität St. Gallen wurde in Luzern zur Hilfe gezogen, und die Stadt habe Anregungen vom Transgender Netzwerk Schweiz integriert.

Mit dem neuen Leitfaden wolle Luzern der Gleichstellung aller Menschen Rechnung tragen und die Geschlechtervielfalt in ihrer Sprache abbilden, wie die Stadt begründend schreibt. Deshalb habe sie sich entschlossen, den Leitfaden aus dem Jahr 2008, welcher sich für die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau eingesetzt habe, zu überarbeiten.

Verwendete Quellen
  • Leitfaden für eine inklusive Sprache der Stadt Luzern
0 Kommentare
Apple Store IconGoogle Play Store Icon